Eklat um „One Love“-Binde: FIFA verbietet Symbol bei WM in Katar

Manuel Neuer mit der „One Love“-Kapitänsbinde. Diese wird er bei der WM in Katar wohl nicht tragen.

Der Fußballweltverband FIFA sorgte bei der WM 2022 in Katar für Furore, indem er das Tragen der sogenannten „One Love“-Kapitänsbinde untersagte. Diese Entscheidung löste eine Welle der Empörung bei den beteiligten europäischen Fußballverbänden aus und rückte die Debatte um Menschenrechte und Diversität im Sport in den Fokus. Die FIFA berief sich dabei auf Artikel 13.8.1 ihres Ausrüstungsreglements, der vorschreibt, dass Kapitäne bei Endrunden ausschließlich die vom Verband bereitgestellten Binden tragen dürfen.

Die „One Love“-Kampagne, initiiert vom niederländischen Verband KNVB und bereits im September angekündigt, sah vor, dass Kapitäne ein Herz in Regenbogenfarben mit dem Slogan „One Love“ tragen. Ziel war es, ein klares Zeichen für Vielfalt, Offenheit und Toleranz zu setzen, insbesondere gegen Homophobie, Antisemitismus und Rassismus. Ursprünglich planten sieben europäische Teams, darunter Deutschland, England und die Niederlande, diese Botschaft auf dem Spielfeld sichtbar zu machen. Die Auseinandersetzung um die One Love Binde zeigte einmal mehr die komplexen Schnittstellen zwischen Sport, Politik und gesellschaftlichen Werten.

Die Bedeutung hinter der „One Love“-Binde bei der WM 2022

Die „One Love“-Binde war weit mehr als nur ein modisches Accessoire. Sie symbolisierte einen Protest und ein klares Statement für Menschen- und Frauenrechte sowie gegen jegliche Diskriminierung. Gerade im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Katar entzündete sich eine heftige Debatte über die Menschenrechtslage im Gastgeberland. Berichte über die prekären Arbeitsbedingungen von Wanderarbeitern beim Bau der WM-Stadien erschütterten die Öffentlichkeit. Auch die Haltung Katars gegenüber der LGBTQ+-Gemeinschaft stieß auf massive Kritik von Fan- und Menschenrechtsorganisationen.

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Für besonderes Aufsehen sorgten die Äußerungen des offiziellen WM-Botschafters Khalid Salman, der in einem ZDF-Interview Homosexualität als „haram“ (verboten) und einen „geistigen Schaden“ bezeichnete. Vor diesem Hintergrund war die „One Love“-Botschaft in Katar alles andere als willkommen. Trotz der frühzeitigen Ankündigung der Kampagne durch die beteiligten Verbände, wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf mitteilte, hatte die FIFA bis kurz vor dem Turnier nicht darauf reagiert. Die Diskussionen um die Werte im Fußball begleiten auch andere Bereiche, wie etwa die Bedeutung von Tippspielen im deutschen Fußball.

FIFA reagiert mit eigenen Armbinden und Sanktionsdrohungen

Die Kehrtwende der FIFA erfolgte überraschend und kurzfristig: Zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel präsentierte der Weltverband eigene, neue Kapitänsbinden. Diese sollten, so die Mitteilung der FIFA, „Botschaften übermitteln“, die in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen entstanden seien und gesellschaftliche Kampagnen unterstützen. Dabei betonte die FIFA, eine „integrative Organisation“ zu sein und „alle legitimen Anliegen wie ‚One Love‘“ zu unterstützen, allerdings stets „im Rahmen der allen bekannten Wettbewerbsregeln“.

Manuel Neuer mit der „One Love“-Kapitänsbinde. Diese wird er bei der WM in Katar wohl nicht tragen.Manuel Neuer mit der „One Love“-Kapitänsbinde. Diese wird er bei der WM in Katar wohl nicht tragen.

Manuel Neuer, hier mit der „One Love“-Kapitänsbinde, durfte diese bei der WM in Katar nicht tragen.

Die Brisanz der Entscheidung unterstrich auch FIFA-Präsident Gianni Infantino, der in derselben Mitteilung seine Unterstützung für die LGBTQI+-Community während der WM bekräftigte. Er habe mit der höchsten Führung des Landes über dieses Thema gesprochen und versicherte, dass „jeder willkommen ist“. Er distanzierte sich von gegenteiligen Äußerungen, die nicht die Meinung des Landes oder der FIFA widerspiegelten. Diese Worte standen jedoch im krassen Widerspruch zu den gleichzeitig ausgesprochenen Sanktionsdrohungen.

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Sportliche Sanktionen: Die rote Linie der FIFA

Den beteiligten Verbänden war im Vorfeld bekannt, dass ein Verstoß gegen das FIFA-Ausrüstungsreglement in der Regel mit Geldstrafen geahndet wird. Diese hätten sie wohl in Kauf genommen. Neu war jedoch die explizite Androhung sportlicher Sanktionen. Die FIFA machte deutlich, dass das Tragen der „One Love“-Binde zu einer Gelben Karte für den Kapitän führen könnte, noch bevor das Spiel angepfiffen wird. Dies wäre ein „einmaliger“ Vorgang, der dem Geist des Sports widerspreche. Solche Regelungen betreffen nicht nur die Herrenligen, sondern finden auch im Frauenfußball, wie bei 1. FC Köln Frauen Beachtung.

Die Reaktionen der Verbände waren geprägt von Enttäuschung und Pragmatismus. Der niederländische Verband KNVB erklärte: „Wir stehen zur ‚One Love‘-Botschaft und werden diese weiter verbreiten, aber unsere oberste Priorität ist es, Spiele zu gewinnen. Da möchte man nicht, dass der Kapitän das Spiel mit einer Gelben Karte beginnt.“ Ähnlich äußerte sich die englische FA in einer gemeinsamen Stellungnahme: „Wir waren bereit gewesen, Strafen zu zahlen, […] Dennoch konnten wir unsere Spieler nicht in eine Situation bringen, in der sie eine Gelbe Karte bekommen könnten oder gar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen.“

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte bereits im Vorfeld auf Meinungsverschiedenheiten mit der FIFA hingewiesen und betont, dass der DFB trotz allem mit der Binde auflaufen wollte. Die FIFA sei im Vorfeld wiederholt über diese Absicht informiert worden, habe jedoch nicht reagiert. Nach Beratungen mit der Arbeitsgruppe der Europäischen Fußball-Union UEFA und dem Fußball-Weltverband entschieden die UEFA-Nationen am Ende, das Risiko sportlicher Sanktionen nicht einzugehen. Daher wurde die „One Love“-Binde bei der WM 2022 in Katar nicht getragen. Wer spannende Eintracht Frankfurt live verfolgen möchte, findet hingegen klare Regeln.

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Fazit: Eine verpasste Chance für den Fußball?

Der Eklat um die „One Love“-Binde bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar verdeutlichte die anhaltenden Spannungen zwischen den kommerziellen Interessen großer Sportveranstalter und den gesellschaftlichen Forderungen nach Werten und Haltung. Während die teilnehmenden Verbände bereit waren, finanzielle Strafen in Kauf zu nehmen, um eine Botschaft der Vielfalt und Toleranz zu senden, setzten die angedrohten sportlichen Sanktionen eine klare Grenze.

Die FIFA mag sich auf ihre Wettbewerbsregeln berufen haben, doch für viele Beobachter war dies eine ver verpasste Chance, ein starkes Zeichen für Menschenrechte und gegen Diskriminierung zu setzen. Die Debatte wird sicherlich weiterhin den Fußball und seine Rolle in der Weltgesellschaft begleiten, auch abseits von Dortmund gegen Bayern München auf dem Spielfeld. Die Geschehnisse in Katar zeigen, wie sensibel die Balance zwischen sportlichem Wettbewerb und moralischer Verantwortung ist.