Die Altersvorsorge ist ein zentrales Thema für viele Menschen in Deutschland. Finanzprodukte wie die Kapitallebensversicherung werden oft als sicherer Weg beworben, um für den Ruhestand vorzusorgen und gleichzeitig eine Absicherung für Hinterbliebene zu bieten. Doch der Schein trügt oft: Ein genauer Blick auf die Effektivkosten und die tatsächlichen Renditechancen zeigt, dass ein erheblicher Teil der erwirtschafteten Erträge nicht beim Sparer ankommt, sondern in den Taschen der Versicherer landet. Diese Analyse beleuchtet die komplexen Mechanismen hinter diesen Produkten und zeigt auf, warum es sich lohnt, genau hinzusehen und Alternativen in Betracht zu ziehen.
Wie Kosten die Kapitalerträge bei Versicherungen schmälern
Der Einfluss von Kosten auf die langfristigen Kapitalerträge wird oft unterschätzt, ist aber von entscheidender Bedeutung. Schon geringe jährliche Effektivkosten können über Jahrzehnte hinweg einen Großteil der potenziellen Gewinne auffressen. Eine monatliche Sparrate von 100 Euro über 40 Jahre bei einer angenommenen Rendite von 3 Prozent pro Jahr zeigt dramatische Effekte:
| Effektivkosten 1 % p.a. | Effektivkosten 2 % p.a. | Effektivkosten 3 % p.a. | |
|---|---|---|---|
| Rendite vor Kosten 1 % p.a. | 100 % | ||
| Rendite vor Kosten 2 % p.a. | 57 % | 100 % | |
| Rendite vor Kosten 3 % p.a. | 43 % | 75 % | 100 % |
| Rendite vor Kosten 4 % p.a. | 36 % | 63 % | 84 % |
| Rendite vor Kosten 5 % p.a. | 32 % | 56 % | 75 % |
Wie die Tabelle illustriert, reduzieren Effektivkosten von nur 1 Prozent pro Jahr bei einer Rendite von 3 Prozent die Kapitalerträge bereits um 43 Prozent – fast die Hälfte des ursprünglichen Gewinns geht verloren. Bei Fondspolicen, die mit höheren Renditechancen von beispielsweise 5 Prozent pro Jahr beworben werden, können Effektivkosten von 3 Prozent pro Jahr sogar drei Viertel aller Kapitalerträge vernichten. Es wird deutlich, dass ein Großteil der erwirtschafteten Erträge nicht beim Kunden landet, sondern an den Versicherer fließt.
Ein weiteres Problem stellen die hohen Abschlusskosten und Stornoabschläge dar, die bei einer vorzeitigen Kündigung einer Lebens- oder Rentenversicherung fast immer zu erheblichen Verlusten führen. Aktuell beendet die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) jährlich 3,14 Prozent der Verträge vorzeitig. Bei einer Ansparphase von 40 Jahren bedeutet dies, dass über 70 Prozent der Kunden ihre Verträge vorzeitig auflösen. Es ist daher unerlässlich, unnötig hohe Kosten bei Finanzprodukten zu vermeiden. Für weitere Informationen dazu, wie Sie bei Finanzprodukten unnötig hohe Kosten vermeiden können, können Sie sich auf spezialisierten Seiten informieren. vermeiden sie unnoetig hohe kosten bei finanzprodukten
Während die Kosten in Versicherungsverträgen fest verankert sind, sind die Renditen, insbesondere bei Fonds- und Indexpolicen, oft ungewiss.
Der sogenannte Garantiezins: Eine genaue Betrachtung
Bei Renten- und Lebensversicherungen mit garantierten Leistungen kalkulieren die Versicherer ein Minimum an festen Erträgen ein, umgangssprachlich als Garantiezins bekannt. Dies klingt auf den ersten Blick verlockend, doch es gibt wichtige Einschränkungen zu beachten:
- Der Garantiezins wird lediglich auf jene Beiträge gewährt, die nach Abzug sämtlicher Kosten und der Risikovorsorge übrigbleiben.
- Zudem ist der Garantiezinssatz nicht für jeden Versicherer gleich und kann selbst bei Verträgen, die im selben Jahr abgeschlossen wurden, unterschiedlich hoch ausfallen.
Die Höhe des Zinses, mit dem ein Versicherer die garantierten Leistungen berechnen darf, wird jährlich vom Bundesfinanzministerium festgelegt und als Höchstrechnungszins bezeichnet. Dieser soll verhindern, dass Versicherer höhere Zinsen versprechen, als sie am Markt sicher erzielen können.
Beispiel: Wenn ein Versicherer Ihnen eine garantierte Ablaufleistung von 33.267 Euro zugesichert hat, darf er die Zinserträge, die er mit Ihrem Geld erwirtschaftet, einkalkulieren. Ob er dabei den Höchstrechnungszins oder einen geringeren Zins ansetzt, muss er Ihnen nicht mitteilen. Sie erfahren lediglich die garantierte Ablaufleistung.
Die Entwicklung des zulässigen Höchstrechnungszinses im Laufe der Jahre verdeutlicht die sinkenden Garantien:
| Zeitraum | Höchstrechnungszins |
|---|---|
| 1942 bis 06/1986 | 3,00 Prozent |
| 07/1986 bis 06/1994 | 3,50 Prozent |
| 07/1994 bis 06/2000 | 4,00 Prozent |
| 07/2000 bis 12/2003 | 3,25 Prozent |
| 01/2004 bis 12/2006 | 2,75 Prozent |
| 01/2007 bis 12/2011 | 2,25 Prozent |
| 01/2012 bis 12/2014 | 1,75 Prozent |
| 01/2015 bis 12/2016 | 1,25 Prozent |
| 01/2017 bis 1/2021 | 0,90 Prozent |
| 01/2022 bis 12/2024 | 0,25 Prozent |
| Ab 01/2025 | 1,00 Prozent |
Die tatsächliche Rendite Ihrer Beiträge seit Vertragsbeginn bis zum Ablauf müssen die Versicherer nirgends ausweisen. Zudem sind selbst die Garantieleistungen im Falle einer Notlage des Versicherers nicht absolut sicher und können gekürzt werden.
Integrierter Risikoschutz: Flexibilität versus Kosten
Ein weiteres Merkmal vieler Versicherungsprodukte ist der inkludierte Risikoschutz. Je nach Produkt und Tarif können Verträge Leistungen bei Tod, Unfall oder Berufsunfähigkeit vorsehen. Diese Leistungen sind jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden. Der Nachteil dabei ist die mangelnde Flexibilität: Ändert sich Ihr Bedarf, etwa weil Sie den inkludierten Todesfallschutz nicht mehr in voller Höhe benötigen, können Sie diesen oft nicht flexibel anpassen. Das Gleiche gilt für andere Versicherungsleistungen.
Es ist in der Regel vorteilhafter und kostengünstiger, diese Versicherungsleistungen bedarfsgerecht separat einzukaufen. Für jeden Bedarf kann ein unabhängiger Preis- und Leistungsvergleich eingeholt werden, beispielsweise bei Verbraucherschutzorganisationen oder der Stiftung Warentest. Wenn Sie sich für die Leistungen verschiedener Lebensversicherungsanbieter interessieren, können Sie sich umfassend informieren. Ein Blick auf die verschiedenen lebensversicherung anbieter kann dabei helfen, die Angebote zu vergleichen. Ebenso lohnt es sich, die Unterschiede zwischen einer klassischen Lebensversicherung und einer Risikolebensversicherung zu verstehen, um den passenden Schutz zu wählen. Weitere Informationen finden Sie unter lebensversicherung risikolebensversicherung.
Die genannten Nachteile der Kapitallebensversicherung treffen im Grunde auch auf Versicherungen zu, die im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung, der Riester- sowie der Rürup- oder Basisrente angeboten werden. Hierbei spielen jedoch viele weitere Umstände und die Höhe der staatlichen Förderung eine Rolle. Für detailliertere Informationen zur Riester-Rente erfahren Sie hier riester-rente: für wen kann sie sich lohnen?.
Versicherungsvarianten im Überblick
Um die Vielfalt der Angebote besser zu verstehen, lohnt sich ein detaillierter Blick auf die gängigsten Versicherungsvarianten.
Was ist eine Kapital-Lebensversicherung?
Die Kapitallebensversicherung erfüllt zwei Hauptfunktionen: Sie bietet eine Leistung im Todesfall zur Absicherung der Angehörigen, die in der Regel die bis dahin gezahlten Beiträge übersteigt, und dient gleichzeitig dem Vermögensaufbau – entweder durch einen Einmalbeitrag oder durch laufende Zahlungen. Die Leistung wird nach Vertragsende in einer Summe fällig. Bei vielen Versicherungsgesellschaften bleibt jedoch intransparent, wie der gezahlte Beitrag auf diese beiden Vertragsbestandteile aufgeteilt wird.
Die im Vertrag und in den jährlichen Standmitteilungen prognostizierte Auszahlung setzt sich aus einer Garantiesumme und einer nicht garantierten Überschussbeteiligung zusammen. Für Neuverträge liegt der Höchstrechnungszins seit 2025 bei 1,0 Prozent, was bedeutet, dass die garantierte Verzinsung nicht höher ausfallen darf. Zieht man davon die Kosten ab, ist die garantierte Rendite oft kaum positiv oder sogar negativ, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt.
Ob der Versicherer über die Garantieleistungen hinaus weitere Erträge erwirtschaftet und diese auch gutschreiben kann, ist ungewiss. Dies hängt von vielen Faktoren ab, darunter das allgemeine Zinsniveau, die Anlagestrategie des Versicherers und seine Geschäftspolitik. In den vergangenen Jahren mit Zinsen nahe Null wurden meist keine Überschüsse gezahlt. Die jüngsten Zinsanstiege werden daran nur allmählich etwas ändern, da ein Zinsanstieg zunächst zu Kursverlusten bei bestehenden Anleihen führt und nur neu angelegte Gelder rentabler investiert werden können. Die BaFin bietet hier weitere Erläuterungen zur Kapitallebensversicherung. Für eine fundierte Entscheidung kann ein Vergleich der Testsieger bei Kapitallebensversicherungen hilfreich sein. Informationen hierzu finden Sie unter kapitallebensversicherung testsieger.
Was ist eine private Rentenversicherung?
Die private Rentenversicherung weist viele Gemeinsamkeiten mit der Kapitallebensversicherung auf. Ein wesentlicher Unterschied liegt meist in einer geringeren Leistung im Todesfall. Ihr primärer Zweck ist, wie der Name schon sagt, die Auszahlung einer lebenslangen Rente. Dennoch besteht oft die vertragliche Möglichkeit einer einmaligen Kapitalleistung.
Auch bei der klassischen privaten Rentenversicherung werden garantierte Leistungen ähnlich wie bei der Kapitallebensversicherung kalkuliert. Für Neuverträge bedeutet dies, dass die Rendite nach Abzug der Kosten oft negativ ist und Überschüsse ungewiss bleiben.
Die private Rentenversicherung wird typischerweise in zwei Varianten angeboten:
- Die aufgeschobene Rente: Die Rentenzahlung beginnt erst zu einem späteren Zeitpunkt, meist im Rentenalter.
- Die sofort beginnende Rente: Die Rentenzahlung beginnt unmittelbar nach Vertragsabschluss (oft bei Einmalbeitrag).
Die BaFin stellt auch hier weitere Erläuterungen zur Verfügung.
Fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen
Sowohl die Kapitallebens- als auch die private Rentenversicherung werden in einer Variante ohne Garantiezins angeboten. Bei diesen sogenannten fondsgebundenen Produkten investieren die Versicherer in Investmentfonds, beispielsweise in Aktien-, Renten- oder Immobilienfonds. Ausgezahlt wird, was der jeweilige Fonds erwirtschaftet hat, was initial ungewiss ist. Die Rendite, die Anleger mit diesen Produkten erzielen, hängt maßgeblich von der Entwicklung der Kapitalmärkte ab, primär also von den Zinsen und den Renditen der Aktienmärkte. Aufgrund der hohen Kostenstrukturen bei Versicherungen und Investmentfonds kommen die erzielten Kapitalmarkterträge bei Ihnen als Anleger jedoch in der Regel nur in Bruchteilen an. Die Kosten verschlingen oft den Großteil der Erträge. Ein besseres Verständnis von Investmentfonds ist hier entscheidend. Weitere Informationen dazu finden Sie unter investmentfonds – das wichtigste im ueberblick.
Was sind Indexpolicen?
Indexgebundene Rentenversicherungen, kurz Indexpolicen, sind eine vergleichsweise junge Entwicklung der Versicherungsbranche. Sie versprechen Anlegern die Partizipation an den Renditen des Aktienmarktes, ohne die damit verbundenen Verluste tragen zu müssen. Werbeslogans wie “Chancen nutzen, ohne Risiken einzugehen” oder “Die Altersvorsorge sicher gestalten und auch von den Renditechancen der Aktienmärkte partizipieren” sind weit verbreitet.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Diese Versprechen können nicht eingehalten werden, was jedem Kenner der Kapitalmärkte bewusst ist. Die Anbieter verstecken den komplizierten Mechanismus der Indexbeteiligung daher oft im Kleingedruckten. Praxistests bestätigen die erwarteten Schwächen dieser Produkte. Zahlreiche Standmitteilungen, die Verbraucher bei Verbraucherzentralen vorlegen, belegen eindrücklich, dass Indexpolicen aufgrund hoher Kosten und geringer Renditechancen für den Vermögensaufbau in der Praxis eher ungeeignet sind.
Bei Indexpolicen werden die Beiträge ähnlich wie bei der klassischen Rentenversicherung angelegt. Dem Kunden wird hierbei ein Wahlrecht eingeräumt: Er kann jährlich entscheiden, ob er im folgenden Jahr die Wertentwicklung eines bestimmten Index erhalten möchte oder eine festgesetzte Verzinsung, die von den Überschüssen des Versicherers abhängt. Hierbei lauern jedoch Fallstricke und komplexe Regelungen. Diese Wahl wird als lukratives Extra verkauft, das angeblich höhere Renditechancen ohne Sicherheitseinbußen ermöglicht. Doch auch Versicherer können die grundlegenden Spielregeln des Kapitalmarktes nicht ändern: Mehr Sicherheit bedeutet immer auch weniger Renditechancen.
Was tun, wenn Sie bereits eine Versicherung abgeschlossen haben?
Wenn Sie bereits vor Jahren eine Versicherung zur Altersvorsorge abgeschlossen haben, stellt sich die Frage, ob die Fortsetzung des Vertrags vorteilhaft ist. Oft wird pauschal von einer Kündigung abgeraten und stattdessen die Beitragsfreistellung empfohlen, da eine Kündigung mit hohen Verlusten verbunden sein kann. Solche pauschalen Ratschläge sind jedoch selten fundiert.
Es ist wichtig, sich hier nicht vorschnell zu entscheiden, sondern zunächst gründlich über alle Optionen zu informieren. Prüfen Sie Ihren Vertrag genau, holen Sie unabhängigen Rat ein und vergleichen Sie die möglichen Szenarien. Die beste private Altersvorsorge ist jene, die individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist und dabei Kosten und Renditechancen transparent darlegt. Wenn Sie überlegen, wie Sie Ihre Vorsorge optimieren können, finden Sie unter beste private altersvorsorge weitere hilfreiche Informationen.
Fazit: Transparenz und Eigenverantwortung sind der Schlüssel
Die Kapitallebensversicherung und ähnliche Vorsorgeprodukte können auf den ersten Blick attraktiv erscheinen, doch die oft versteckten Kosten und die Komplexität der Vertragswerke schmälern die tatsächlichen Erträge erheblich. Der scheinbar sichere Garantiezins erweist sich bei näherer Betrachtung als oft unzureichend, um nach Kosten und Inflation einen realen Vermögenszuwachs zu erzielen. Integrierte Risikoschutzleistungen bieten zudem selten die Flexibilität, die individuelle Lebensumstände erfordern.
Für eine effektive und renditestarke Altersvorsorge ist es entscheidend, sich umfassend zu informieren, Kostenstrukturen genau zu verstehen und alternative Anlagemöglichkeiten in Betracht zu ziehen. Trennen Sie Risikoschutz von Vermögensaufbau und wählen Sie für jeden Bereich die passendsten und kosteneffizientesten Produkte. Nur so können Sie sicherstellen, dass Ihre Ersparnisse tatsächlich für Ihre Zukunft arbeiten und nicht in den Kosten der Finanzprodukte versanden. Nehmen Sie Ihre Altersvorsorge selbst in die Hand und gestalten Sie sie bewusst und transparent.
