Proxalto: Zahlungsverzögerungen bei Lebensversicherungen – Was Betroffene tun können

Kalender symbolisiert verspätete Auszahlung

Seit einiger Zeit sehen sich zahlreiche ehemalige Generali-Kunden, deren Verträge von der Run-off-Firma Proxalto übernommen wurden, mit unerwarteten Zahlungsverzögerungen konfrontiert. Was als “einzelne Kundengruppen” begann, entwickelte sich laut Verbraucherzentrale Hamburg zur “Spitze des Eisbergs” und betrifft immer noch eine signifikante Anzahl von Versicherten. Wenn Sie von diesen Proxalto Auszahlungsproblemen betroffen sind, ist es entscheidend zu wissen, welche Schritte Sie unternehmen können, um Ihre Ansprüche geltend zu machen. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Schwierigkeiten, gibt konkrete Handlungsempfehlungen und zeigt auf, wie Behörden und Schlichtungsstellen Betroffenen helfen können.

Die Hintergründe: Proxalto als Run-off-Unternehmen

Proxalto Lebensversicherung ist Teil der Viridium-Gruppe, einem Unternehmen, das sich auf die Abwicklung bestehender Lebens- und Rentenversicherungsverträge spezialisiert hat – sogenannte Run-off-Unternehmen. Im Jahr 2019 übernahm Viridium rund 3,8 Millionen Verträge der Generali, um diese bis zum regulären Ablauf fortzuführen. Solche Firmen nehmen keine Neukunden auf; ihr Geschäftsmodell konzentriert sich auf die effiziente Verwaltung des Bestands. Doch genau diese Übertragung und die damit verbundenen Umstellungen können für die betroffenen Versicherten Fragen und Unsicherheiten aufwerfen, insbesondere wenn es um die pünktliche Auszahlung geht, wie es bei der guten Risikolebensversicherung der Fall sein sollte.

Fallbeispiele: Wie Kunden ihre Zahlungen durchsetzten

Viele Proxalto-Kunden wurden auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Ein prominentes Beispiel ist Constanze Weiß, deren private Rente im Oktober 2022 hätte beginnen sollen. Doch auch zwei Monate später war noch keine Zahlung eingegangen. Erst nachdem sie und ihr Ehemann Leo Gieding einen Anwalt einschalteten, begann der Rentenfluss.

Kalender symbolisiert verspätete AuszahlungKalender symbolisiert verspätete Auszahlung

Auch zahlreiche andere Leser berichteten von ähnlichen Problemen, darunter Doris von Borstel, Markus Schuhmann, Thomas Reintges, Dirk Jödemann und Birgit Starke. Ihre Beschwerden reichten von fehlenden Auszahlungen bis hin zu langen Wartezeiten auf ihre fälligen Leistungen. Friederike Buchholz, eine weitere betroffene Kundin, riet dazu, sich nicht zu lange vertrösten zu lassen. Ihre Erfahrung: “Telefonische Auskünfte bringen wohl nichts. Eher schneller und schriftlich auf Proxalto zugehen, Fristen setzen und den Versicherungsombudsmann schneller ins Spiel bringen.” In ihrem Fall zahlte sich dieser proaktive Ansatz aus: Nach dem Einschalten des Ombudsmannes reagierte Proxalto schnell, und die Summe wurde überwiesen. Bei einem Vergleich der Risikolebensversicherung kann man ähnliche Verzögerungen erfahren, wenn man nicht auf die Details achtet.

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Viele bestätigen diese Erfahrung. Nadine Leyendecker berichtete: “Wir haben den Ombudsmann eingeschaltet. Nur deshalb ist unserer Meinung nach etwas passiert.” Auch Thomas Hierschbiel konnte nach der Kontaktaufnahme mit dem Ombudsmann für Versicherungen und der Finanzaufsicht Bafin die Zahlung erwirken. Ähnlich erging es Patrick Lengler und Bernd Schackier. Walli Jonas brauchte sogar nur die Ankündigung einer Beschwerde: Als ihre Lebensversicherung am 1. Juni 2023 fällig wurde, erhielt sie zunächst nur einen Teilbetrag. Ihre E-Mail, in der sie Proxalto mit einer Beschwerde bei der Bafin und dem Versicherungsombudsmann drohte, führte umgehend zur Überweisung des ausstehenden Betrags.

Ursachen und wiederholte Erklärungen: Das IT-Modernisierungs-Dilemma

Proxalto erklärte die Zahlungsschwierigkeiten in der Vergangenheit wiederholt mit einer umfassenden “IT-Modernisierung”. Das Unternehmen beteuerte im Januar 2023, diese sei “praktisch abgeschlossen”. Dies steht jedoch im Widerspruch zu früheren Aussagen vom August 2022, als die Umstellung bereits als “erfolgreich abgeschlossen” deklariert wurde, und vom Februar 2022, als man von einem “vorübergehenden technischen Problem” sprach, das “schnellstmöglich behoben” worden sei.

Die wiederholten Erklärungen zeigen, dass die Umstellung komplexer war als angenommen. Dennoch gibt es Licht am Horizont: Nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale Hamburg sind die Kundenbeschwerden inzwischen weniger massiv als Anfang 2023. Sandra Klug von der Verbraucherzentrale Hamburg kommentierte: “Proxalto ruckelt sich zurecht.” Die Versicherungsaufsicht Bafin begleitet die Angelegenheit weiterhin eng. Eine Risikolebensversicherung im Vergleich zu sehen, würde auch Transparenz schaffen.

Die Rolle von Aufsichtsbehörden und Verbraucherschutz

Bafin verhindert Zurich-Viridium-Deal

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) spielt eine zentrale Rolle beim Schutz der Versicherten. Dies zeigte sich jüngst, als die Bafin den geplanten Verkauf von 724.000 Lebensversicherungsverträgen der Zurich an Viridium verhinderte. Der Deal, bereits 2022 vereinbart, scheiterte im Januar 2024 am Widerstand der Bafin. Die Behörde hatte Bedenken gegen Viridiums Mehrheitseigner, den Londoner Investor Cinven, der bereits bei seinem italienischen Lebensversicherungsunternehmen Eurovita eine Schieflage zugelassen hatte. Zudem spielten die zahlreichen Kundenbeschwerden über Proxalto bei der Bafin, dem Versicherungsombudsmann und den Verbraucherzentralen eine Rolle.

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Bafin zur pünktlichen Zahlungspflicht

Obwohl sich die Bafin aufgrund ihrer Verschwiegenheitspflicht nicht namentlich zu spezifischen Problemen bei Proxalto äußern darf, veröffentlichte sie im Januar 2023 auf ihrer Internetseite einen wegweisenden Text unter der Überschrift “Wenn Versicherer nicht rechtzeitig zahlen”. Darin stellt die Bafin klar: “Bei ablaufenden oder gekündigten Lebens- oder Rentenversicherungen ist grundsätzlich keine umfangreiche Leistungsprüfung erforderlich. Der Versicherer muss die Zahlung zu dem vereinbarten Termin vornehmen.”

Ehepaar Constanze Weiß und Leo GiedingEhepaar Constanze Weiß und Leo Gieding

Dieses Statement unterstreicht die Pflicht der Versicherer, fällige Leistungen pünktlich auszuzahlen und stärkt die Position der Versicherten. Gerade wenn es um wichtige Absicherungen wie eine Lebensversicherung bei Todesfall geht, ist Verlässlichkeit essenziell.

Unser Rat für Betroffene

Wenn Proxalto oder ein anderer Versicherer Ihre Leistungen verspätet auszahlt, sollten Sie schnell handeln:

  • Beschwerde einlegen: Zögern Sie nicht, sich direkt an den Versicherungsombudsmann und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) zu wenden. Diese Stellen sind dafür da, Ihre Interessen zu vertreten und Druck auf die Versicherer auszuüben.
  • Verzugszinsen fordern: Gerät ein Versicherer in Zahlungsverzug, haben Sie Anspruch auf Verzugszinsen. Diese liegen 5 Prozentpunkte über dem jeweiligen Basiszinssatz. Informieren Sie sich über den aktuellen Basiszinssatz und fordern Sie die Ihnen zustehenden Zinsen ein.

Proxaltos Versprechen: Kostengewinne und Kundenbeteiligung

Proxalto verspricht sich von der abgeschlossenen IT-Modernisierung nicht nur eine Stabilisierung der Abläufe, sondern auch Kostengewinne. Diese sollen nicht allein dem Unternehmen zugutekommen; ein Anteil davon soll auch den Kundinnen und Kunden durch eine steigende Überschussbeteiligung zugutekommen. Das Unternehmen betont, die Modernisierungskosten von rund 250 Millionen Euro alleine zu tragen, was für die Branche unüblich sei, da Kunden normalerweise zur Hälfte an solchen Kosten beteiligt werden.

Die Bafin bestätigte, dass IT-Modernisierungen zwar zunächst das Kostenergebnis mindern können, an dem Versicherungsnehmer zu 50 Prozent beteiligt werden müssen. Mittelfristig könnten sie jedoch zu Kostenvorteilen führen. Eine Alternative wäre die Auslagerung von IT-Leistungen an Dienstleister. Hier tragen Versicherungsnehmer keine direkten Modernisierungskosten, profitieren aber auch nicht vollständig von Effizienzsteigerungen, da der Dienstleister eine Gewinnmarge berechnet. Ob Proxalto-Kunden spürbar und nachhaltig von Kosten­vorteilen profitieren, wird die Zukunft zeigen, insbesondere im Kontext von Anbietern, die im Risikolebensversicherung Vergleich Stiftung Warentest positiv abschneiden.

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Kundenschutz bei Vertragsübertragung: Ein Blick nach Deutschland und die Niederlande

Die Generali-Kunden wurden vor dem Verkauf ihres Versichertenbestandes an Proxalto nicht gefragt, ob sie mit der Übertragung einverstanden sind. Der Gesetzgeber hält dies hierzulande nicht für notwendig. Allerdings muss die Bafin ihre Zustimmung erteilen und prüft dabei, ob die “Belange der Versicherten gewahrt” bleiben.

Das Beispiel der Niederlande zeigt jedoch, dass es auch anders geht. Als der Versicherer Monuta ankündigte, seinen Lebensversicherungsbestand in Deutschland an den Versicherer Dela zu verkaufen, hatten die Kunden die Möglichkeit, innerhalb von 30 Tagen Einspruch zu erheben. Monuta erklärte, dass die Übertragung nicht stattfindet, wenn mindestens ein Viertel der Versicherungsnehmer Einspruch erhebt. Dies unterstreicht einen höheren Grad an Mitbestimmung für die Versicherten. Das ist ein wichtiger Aspekt, der bei einem Hauskauf Risikolebensversicherung beachtet werden sollte.

Fazit und Handlungsempfehlungen

Die Erfahrungen vieler ehemaliger Generali-Kunden mit Proxalto zeigen, dass Zahlungsschwierigkeiten bei Lebensversicherungen frustrierend und belastend sein können. Auch wenn sich die Situation nach Angaben der Verbraucherzentralen verbessert, ist Wachsamkeit geboten. Es ist klar, dass eine proaktive Haltung und das Einschalten der richtigen Stellen oft der Schlüssel zum Erfolg sind.

Wenn Sie von Verzögerungen bei Ihren Auszahlungen betroffen sind, warten Sie nicht ab. Nutzen Sie die Ihnen zur Verfügung stehenden Instrumente:

  • Wenden Sie sich umgehend an den Versicherungsombudsmann und die Bafin. Diese Institutionen sind Ihre Verbündeten im Kampf um Ihre Ansprüche.
  • Fordern Sie Verzugszinsen. Lassen Sie sich nicht entgehen, was Ihnen rechtmäßig zusteht.

Ihre Rechte als Versicherungsnehmer sind stark, und die Aufsichtsbehörden sind verpflichtet, diese zu schützen. Informieren Sie sich und handeln Sie, um Ihre fälligen Leistungen zeitnah zu erhalten.