Gepflegte und gesunde Fingernägel sind nicht nur ein ästhetisches Merkmal, sondern oft auch ein Indikator für unser allgemeines Wohlbefinden. Doch immer wieder halten sich hartnäckige Mythen rund um Nagelerkrankungen und deren Ursachen. Von weißen Flecken bis zu brüchigen Nägeln – viele Menschen rätseln, was tatsächlich hinter den Veränderungen steckt und wie man seine Nägel optimal pflegt. Dieser Artikel beleuchtet die häufigsten Nagelprobleme, entlarvt verbreitete Irrtümer und gibt Ihnen wissenschaftlich fundierte Tipps für schöne und widerstandsfähige Fingernägel.
Weiße Flecken und Verfärbungen: Was bedeuten sie wirklich?
Farbveränderungen an den Fingernägeln können beunruhigend wirken, doch nicht jede Auffälligkeit ist sofort ein Grund zur Sorge. Es ist wichtig zu wissen, welche Veränderungen harmlos sind und wann ein Arztbesuch ratsam ist.
Harmlose weiße Flecken
Weiße Flecken auf den Fingernägeln werden oft fälschlicherweise auf einen Kalziummangel zurückgeführt. Tatsächlich handelt es sich dabei in den meisten Fällen um kleine Lufteinschlüsse, die während des Nagelwachstums entstehen. Sie sind völlig unbedenklich und wachsen mit dem Nagel einfach heraus. Eine spezielle Behandlung ist hierfür nicht erforderlich.
Gelbe Verfärbungen: Ursachen und Vorbeugung
Verfärben sich Fingernägel gelblich, kann dies verschiedene Gründe haben. Häufig sind bestimmte Putzmittel oder intensive rote Nagellacke die Übeltäter. Die Farbpigmente können in die Nagelplatte eindringen und diese temporär verfärben. Um dies zu verhindern, sollte man beim Putzen stets Handschuhe tragen und vor dem Auftragen von farbigem Nagellack immer einen Unterlack verwenden. Auch farblose Lacke können durch Weichmacher und Entfetter die Nägel spröde machen. Gönnen Sie Ihren Nägeln daher regelmäßig lackfreie Wochen, um ihnen Erholung zu ermöglichen.
Dunkle Flecken: Wann ein Arztbesuch nötig ist
Dunkelbraune bis schwarze Flecken unter dem Fingernagel, die nicht mit dem Nagel herauswachsen, erfordern besondere Aufmerksamkeit. Hier besteht der Verdacht auf ein Melanom (schwarzer Hautkrebs), das sich auch unter dem Nagel manifestieren kann. Suchen Sie in solchen Fällen umgehend einen Hautarzt auf, um eine genaue Diagnose zu erhalten und gegebenenfalls schnellstmöglich mit einer Behandlung zu beginnen.
Rillen und brüchige Nägel: Einblicke in die Nagelgesundheit
Die Entstehung des Fingernagels ist ein komplexer Prozess, der durch Zellteilung in der Nagelmatrix gesteuert wird. Pro Monat wächst ein Nagel etwa vier Millimeter. Störungen in diesem Wachstumsprozess können sich in Form von Rillen oder brüchigen Nägeln zeigen.
Querrillen: Ein Blick in die Vergangenheit der Gesundheit
Querrillen, auch als Beau-Linien bekannt, treten oft erst Wochen oder sogar Monate nach einem größeren körperlichen Stressereignis auf. Dazu zählen schwere Magen-Darm-Infektionen, Grippe mit hohem Fieber, eine Chemotherapie oder Phasen extremen emotionalen Stresses. Da Nägel langsam wachsen, werden die Rillen erst sichtbar, wenn der auslösende Anlass längst vorüber ist. Sie sind ein Zeichen dafür, dass das Nagelwachstum vor einiger Zeit vorübergehend gestört war.
Brüchige Nägel: Ursachen und beste Pflegemethoden
Brüchige Fingernägel sind ein häufiges Problem und können verschiedene Ursachen haben, darunter häufiger Kontakt mit Wasser und Chemikalien, Mangel an Feuchtigkeit oder mechanische Belastung. Um brüchigen Nägeln vorzubeugen, ist die richtige Pflege entscheidend.
Praktische Tipps für schöne und gesunde Fingernägel
Mit einigen einfachen Gewohnheiten können Sie die Gesundheit und Schönheit Ihrer Fingernägel maßgeblich verbessern.
Feilen statt schneiden
Wenn Sie zu brüchigen Nägeln neigen, sollten Sie Ihre Nägel besser feilen, anstatt sie mit Schere oder Zange zu kürzen. Das Schneiden oder Kneifen kann die bogenförmige Nagelplatte plattdrücken, wodurch der vordere Nagelrand leichter splittern kann. Eine feine Nagelfeile ist hier die bessere Wahl.
Umgang mit Unebenheiten und Verfärbungen
Kleinere Unebenheiten oder leichte Verfärbungen lassen sich vorsichtig mit einer feinen Maniküre-Feile glätten. Eine anschließende Politur verleiht den Nägeln einen natürlichen Glanz, der fast wie lackiert aussieht.
Nagelhautpflege: Schützen statt Entfernen
Die Nagelhaut spielt eine wichtige Schutzfunktion für die Nagelwurzel, indem sie das Eindringen von Keimen und Fremdkörpern verhindert. Sie sollte niemals entfernt oder weggeschnitten werden, da dies eine Eintrittspforte für Infektionen öffnen kann. Stattdessen sollten Sie die Nagelhaut sanft zurückschieben und regelmäßig mit Feuchtigkeit versorgen, um sie geschmeidig zu halten.
Niednägel richtig behandeln
Niednägel sind schmerzhaft und verleiten zum Herausziehen. Tun Sie dies nicht! Kleben Sie Niednägel stattdessen mit einem kleinen Pflaster ab, bis sie herausgewachsen sind. Häufiges Eincremen der Hände mit einer normalen Handcreme kann zudem helfen, deren Neubildung zu verhindern.
Intensive Pflege über Nacht
Verwöhnen Sie Ihre Fingernägel und Hände, indem Sie vor dem Schlafengehen eine reichhaltige, feuchtigkeitsspendende Handcreme großzügig auftragen. Massieren Sie diese sorgfältig in die Nägel und Nagelhaut ein und ziehen Sie anschließend Baumwollhandschuhe an. Das Ergebnis am nächsten Morgen sind samtweiche Hände und glänzende, gesunde Fingernägel.
Mythen und Fakten: Helfen Nahrungsergänzungsmittel und Pflegeprodukte wirklich?
Die Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel, Lacke, Cremes und Öle, die harte und gesunde Fingernägel garantieren, sind vielfältig. Doch nicht alle Inhaltsstoffe halten, was sie versprechen.
Nahrungsergänzungsmittel: Was die Wissenschaft sagt
Oft wird behauptet, dass Mängel an Kalzium, Eisen oder bestimmten Vitaminen zu Nagelproblemen führen. Dies ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Wer einen Nährstoffmangel vermutet, sollte eine Blutanalyse durchführen lassen und dabei insbesondere die Werte für Biotin (Vitamin H), Zink, Selen, Eisen und Kalzium überprüfen. Allerdings ist für die meisten zugesetzten Stoffe in Nahrungsergänzungsmitteln, wie Gojibeeren- oder Kautschukextrakte, keine positive Wirkung auf die Nagelgesundheit wissenschaftlich nachgewiesen.
Lacke, Cremes und Öle: Unterstützung für die Nagelgesundheit
Nagellacke können ein Gefühl von festeren Nägeln vermitteln. Ob sie jedoch tatsächlich Wirkstoffe in die Nagelplatte einschleusen können, wird von Experten bezweifelt. Cremes und Öle hingegen können einen wertvollen Beitrag zur Nagelgesundheit leisten, indem sie die Nagelhaut geschmeidig halten und somit ihre Schutzfunktion für die Nagelwurzel optimal unterstützen.
Fazit: Achtsamkeit und die richtige Pflege für Ihre Nägel
Gesunde Fingernägel sind das Ergebnis einer Kombination aus richtiger Pflege, Schutz vor schädlichen Einflüssen und einem aufmerksamen Blick auf Veränderungen. Statt sich auf Mythen zu verlassen, sollten Sie auf wissenschaftlich fundierte Informationen vertrauen und bei anhaltenden oder besorgniserregenden Symptomen stets einen Arzt konsultieren. Eine regelmäßige, sanfte Pflege und der bewusste Umgang mit Ihren Nägeln sind der Schlüssel zu dauerhaft schönen und widerstandsfähigen Fingernägeln. Investieren Sie in die Gesundheit Ihrer Nägel – es lohnt sich!
Experte aus dem Beitrag:
Praxis Dermazent, München: https://hautarzt-muenchen.com
