Der Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, ist ein wichtiger Schritt hin zu einem gesünderen und erfüllteren Leben. Doch die Realität zeigt: Im Durchschnitt braucht es sechs Anläufe, bis der Rauchstopp langfristig gelingt. Die wenigsten schaffen es dabei gänzlich ohne Unterstützung. Umso entscheidender ist es, die individuell passende Strategie zu finden und zu wissen, welche Therapieansätze in Deutschland am besten wirken, um erfolgreich zum Nichtraucher zu werden.
Warum ein Rauchstopp so wichtig ist: Mehr als nur Gesundheit
Die Gründe, dem Tabak den Rücken zu kehren und ein rauchfreies Leben zu beginnen, sind vielfältig und überzeugend. Neben einem erheblichen finanziellen Plus und einer deutlich verbesserten Gesundheit zählen auch soziale Aspekte und Umweltschutz dazu. Die schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit sind weitreichend: Rauchen erhöht das Risiko für diverse Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme und koronare Herzkrankheiten. Darüber hinaus sind die Geruchsbelästigung und die Umweltschäden, die durch Tabakkonsum entstehen, nicht zu unterschätzen. Es ist daher kein Wunder, dass die Zahl der Nichtraucher kontinuierlich steigt.
Trotz all dieser guten Argumente ist der Weg zum Rauchstopp oft steinig. „Verdrängungsmechanismen funktionieren bei Rauchern so gut, dass all die guten Argumente immer wieder beiseitegeschoben werden“, erklärt Privatdozent Dr. Tobias Rüther, ein renommierter Psychiater und ärztlicher Psychotherapeut sowie Leiter der Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit am Universitätsklinikum der LMU München. Als einer der profiliertesten Experten in Deutschland unterstützt er Menschen dabei, ihr Vorhaben umzusetzen und dauerhaft rauchfrei zu werden.
Die Hürden der ersten Tage: Warum der Rauchstopp anfangs so schwerfällt
Dr. Rüther betont bewusst die „Tabak-“ und nicht nur die „Nikotinabhängigkeit“. Während Nikotin der primär süchtig machende Stoff ist, sind die meisten gesundheitlichen Schäden auf die Substanzen zurückzuführen, die beim Verbrennen des Tabaks freigesetzt werden.
Die körperliche Abhängigkeit von Nikotin manifestiert sich in Entzugserscheinungen, sobald der Nachschub ausbleibt. Dazu gehören Unruhe, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, gesteigerter Appetit und schlechte Laune. Diese Symptome machen die ersten Tage nach der letzten Zigarette besonders herausfordernd.
Interessanterweise lassen diese körperlichen Entzugserscheinungen meist nach etwa sieben bis zehn Tagen nach. „Verschwunden sind dann aber noch nicht die Gewohnheiten und eingeschliffenen Rituale im Alltag, die fest mit der Zigarette verbunden sind“, erläutert Tobias Rüther. Ob die Zigarette in der Pause, bei Geselligkeit, zur Ablenkung oder als vermeintliche Entspannung dient – diese psychische Abhängigkeit ist in der Regel mächtiger und hartnäckiger als die rein körperliche.
Eine individuelle Strategie finden: Der Schlüssel zum Erfolg
Es ist wichtig zu akzeptieren, dass kaum ein Raucher es beim ersten Versuch schafft, dauerhaft mit dem Tabak aufzuhören. „Umso wichtiger ist es, die individuell passende Strategie zu finden“, rät Dr. Rüther. Es gibt zahlreiche Ansätze und Hilfsmittel, von denen einige wissenschaftlich erwiesen wirksam sind, andere weniger. Die Wahl der Bausteine hängt maßgeblich vom Schweregrad der Abhängigkeit ab.
Personen, die bereits in jungen Jahren der Tabaksucht verfallen sind, tun sich im Durchschnitt schwerer, wieder davon loszukommen, als Menschen, die erst nach ihrem 20. Geburtstag mit dem Rauchen begonnen haben. Ein deutliches Zeichen für eine starke Abhängigkeit ist beispielsweise, wenn die erste Zigarette bereits wenige Minuten nach dem Aufstehen angezündet wird. In solchen Fällen ist die Wahrscheinlichkeit geringer, ohne Hilfsmittel einen erfolgreichen Ausstieg zu schaffen. Ein einfacher Selbsttest kann erste Anhaltspunkte über das Ausmaß der eigenen Abhängigkeit geben.
Rauchstopp-Test: Wie stark ist meine Zigarettenabhängigkeit?
Um Ihren Grad der Nikotinabhängigkeit besser einzuschätzen, können Sie einen kurzen Test mit sechs Fragen durchführen:
- Wann nach dem Aufstehen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?
- Finden Sie es schwierig, an Orten, wo das Rauchen verboten ist, das Rauchen zu unterlassen?
- Auf welche Zigarette würden Sie nicht verzichten wollen – die erste am Morgen oder eine andere?
- Wie viele Zigaretten rauchen Sie im Allgemeinen pro Tag?
- Rauchen Sie in den ersten Stunden nach dem Aufstehen mehr als am Rest des Tages?
- Kommt es vor, dass Sie rauchen, wenn Sie krank sind und tagsüber im Bett bleiben müssen?
Diesen Test sowie eine detaillierte Auswertung und weitere wertvolle Informationen zum Thema Rauchstopp bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf ihrer Webseite unter www.rauchfrei-info.de an.
Ohne Unterstützung rauchfrei werden: Eine Seltenheit
Studien zeigen, dass nur etwa fünf Prozent der ehemaligen Raucher nach einem Jahr noch rauchfrei sind, wenn sie den Rauchstopp ausschließlich aus eigener Motivation und ohne jegliche Hilfsmittel versuchen. Mit passender Unterstützung hingegen steigt die Erfolgsquote signifikant auf 40 bis 50 Prozent. Dies unterstreicht die enorme Bedeutung professioneller Hilfe beim Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit.
Die Rolle des Hausarztes: Erste Schritte und Motivation
Für viele Raucher ist das Gespräch mit dem Hausarzt die Initialzündung, um über das Aufhören nachzudenken. „Schon wenige Minuten reichen aus, um bei Rauchern das Vorhaben zu festigen – oder überhaupt erst zu wecken“, berichtet Psychiater Tobias Rüther. Eine scheinbar banale Frage wie „Haben Sie je den festen Entschluss gefasst, mit dem Rauchen aufzuhören?“ kann bereits einen tiefgreifenden Denkprozess in Gang setzen.
Dr. Rüther schult Ärzte darin, positive und motivierende Gespräche zu führen. Er betont, dass es wesentlich zielführender sei, positive Effekte des Rauchstopps hervorzuheben, anstatt Drohszenarien von Gesundheitsgefahren zu zeichnen. Anschließend sollten Ärzte Unterstützung in Form passender Medikamente oder begleitender Programme anbieten. „Dauerhafte Motivation funktioniert nicht darüber, Angst oder ein schlechtes Gefühl zu machen“, so Rüther, denn ein schlechtes Gewissen halte selten lange an.
Verhaltenstherapie: Wenn der Rauchstopp Kopfsache ist
Tabakabhängigkeit ist zu einem großen Teil „Kopfsache“. Die Zigarette ist in den Denkstrukturen von Rauchern fest mit zahlreichen Gewohnheiten und Situationen verknüpft. Wenn die letzte Zigarette geraucht ist und plötzlich fehlt, muss dieses Fehlen im Gehirn erst einmal positiv umgedeutet und dauerhaft umprogrammiert werden.
Dieser Prozess erfordert Zeit und idealerweise professionelle Unterstützung. Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie haben sich hierbei als besonders wirksam erwiesen. Dr. Rüther wendet diese Techniken auch in Kursen an der Münchner Spezialambulanz für Tabakabhängigkeit an. In diesen Kursen tauschen sich die Teilnehmer aus und erarbeiten individuelle Strategien, wie sie in der ersten Zeit mit dem Verlangen nach Nikotin umgehen können, um einem Rückfall vorzubeugen. In der Regel finden diese Sitzungen eher in Gruppen als in Einzelsettings statt, was den Austausch und die gegenseitige Unterstützung fördert.
Arzneimittel zur Rauchentwöhnung: Unterstützung aus der Apotheke
Diverse Arzneimittel können den Rauchstopp erleichtern, indem sie Entzugserscheinungen mindern und die Chance auf ein dauerhaft rauchfreies Leben erhöhen. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: Nikotin-Ersatzpräparate und verschreibungspflichtige Medikamente.
Nikotin-Ersatzpräparate: Schrittweise Entwöhnung ohne Verbrennungsstoffe
Nikotin-Ersatzpräparate (NEP) enthalten Nikotin als Wirkstoff, jedoch ohne die schädlichen Verbrennungsprodukte wie Teer, Kohlenmonoxid und krebserregende Stoffe, die im Tabakrauch enthalten sind. Die Nikotin-Dosis wird schrittweise reduziert, wodurch der Körper langsam entwöhnt wird. NEP sind nicht verschreibungspflichtig und in der Apotheke erhältlich.
Für starke Raucher, die mehr als 20 Zigaretten pro Tag konsumieren, wird oft eine Kombination aus Nikotinpflastern und schnell wirkenden Formen wie Kaugummis oder Lutschtabletten empfohlen. Manche NEP können auch bei Jugendlichen eingesetzt werden, dies sollte jedoch immer nach Rücksprache mit einem Arzt erfolgen.
Nikotinkaugummis
Beim langsamen Kauen der Kaugummis löst sich der Wirkstoff Nikotin und gelangt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf, von wo er sich im Körper verteilt. Nikotinkaugummis sind in Dosierungen von 2 oder 4 Milligramm Nikotin erhältlich. Die tägliche Anzahl und Dosis richten sich nach dem Grad der Abhängigkeit. Apotheker und Ärzte können hierzu beraten. Die Behandlung sollte spätestens nach sechs Monaten abgeschlossen sein.
Nikotinlutschtabletten
Ähnlich wie Kaugummis lösen sich Lutschtabletten langsam im Mund auf und geben Nikotin ab. Auch sie sind in Dosen von 2 oder 4 Milligramm erhältlich.
Nikotinpflaster
Pflaster sind in drei Dosisstärken für eine Tragedauer von 16 oder 24 Stunden verfügbar. Sie werden nach dem Aufwachen auf eine Stelle am Oberkörper oder Oberarm geklebt. Das Nikotin wird kontinuierlich über die Haut in den Körper freigesetzt. Nach einigen Wochen wird in der Regel auf eine geringere Dosisstärke gewechselt, um die Entwöhnung fortzusetzen.
Mundspray zur Nikotinaufnahme
Eine Dosis (1 bis 2 Sprühstöße) aus dem Mundspray ersetzt eine Zigarette und wird bei Rauchverlangen in den Mund gesprüht. Das Nikotin wird schnell über die Mundschleimhaut aufgenommen. Die meisten Raucher benötigen 1 bis 2 Sprühstöße alle 30 bis 60 Minuten, dürfen aber maximal 4 Sprühstöße pro Stunde und nicht mehr als 64 Sprühstöße innerhalb von 24 Stunden anwenden. Die Anzahl der Sprühstöße pro Tag wird sukzessive reduziert. Das Spray enthält eine geringe Menge Alkohol.
Nikotininhaler
Der Inhaler kann ähnlich wie eine Zigarette angewendet werden und enthält eine Patrone mit Nikotin. Eine Patrone kann bis zu 7 Zigaretten ersetzen. Beim Ansaugen von Luft durch den Inhaler wird Nikotin freigesetzt und über die Mund- und Rachenschleimhaut aufgenommen. Die freigesetzte Nikotinmenge schwankt je nach Intensität und Häufigkeit der Züge. Da pro Zug weniger Nikotin freigesetzt wird als bei einer Zigarette, sollten Raucher etwa 8- bis 10-mal häufiger am Inhaler ziehen. Eine Anwendung dauert so ca. 10 bis 20 Minuten, und eine Patrone reicht für 7 Anwendungen.
Verschreibungspflichtige Medikamente: Eine Option bei starker Abhängigkeit
Neben den Nikotin-Ersatzpräparaten gibt es verschreibungspflichtige Arzneimittel zur Raucherentwöhnung. Diese sind nur mit einem Rezept in der Apotheke erhältlich und ausschließlich für Erwachsene zugelassen. Sie enthalten Wirkstoffe wie Vareniclin, Bupropion oder Cytisin.
Studien belegen, dass diese Medikamente deutlich wirksamer sind als ein Placebo und die Erfolgschancen für einen Rauchstopp signifikant erhöhen können. Allerdings sind sie nicht ohne Risiken. Aufgrund potenziell erheblicher Nebenwirkungen verschreiben Ärzte diese Medikamente in der Regel erst dann, wenn andere Methoden, wie Nikotin-Ersatzpräparate oder Verhaltenstherapien, keinen ausreichenden Erfolg gezeigt haben. Eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko sowie eine engmaschige ärztliche Begleitung sind hierbei unerlässlich.
Ihr Weg zum rauchfreien Leben: Beginnen Sie noch heute
Der Rauchstopp ist eine der besten Entscheidungen, die Sie für Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden treffen können. Auch wenn der Weg oft herausfordernd ist, zeigen die Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse klar: Mit der richtigen Strategie und professioneller Unterstützung sind die Chancen auf ein dauerhaft rauchfreies Leben enorm hoch. Zögern Sie nicht, sich beraten zu lassen und die vielfältigen Angebote in Deutschland zu nutzen. Egal ob durch Ihren Hausarzt, eine Verhaltenstherapie oder unterstützende Medikamente – der erste Schritt zählt. Nehmen Sie Ihre Gesundheit selbst in die Hand und starten Sie in ein rauchfreies Morgen!
