Schon lange habe ich über diesen Beitrag nachgedacht, doch fand ich nie die richtigen Worte oder die passende Zeit. Heute jedoch stieß ich auf Twitter auf einen Beitrag der Autorin Angela Kirchner. Sie berichtete, wie sie ihr neues Buch auf Medimops entdeckte – vor dem offiziellen Verkaufsstart. Ihr Ärger ist nachvollziehbar, denn sie erklärte, dass es sich bei dem dort zum Verkauf angebotenen Exemplar um ein kostenloses Rezensionsexemplar handeln muss und sie letztendlich nichts an diesem Buch verdient. Weitere Informationen dazu finden sich in ihrem Beitrag „Die Sache mit dem Leseexemplar“.
Kopfschüttelnd las ich diesen Beitrag. Es wurde mir wieder einmal mehr als deutlich, warum ich auf Seiten wie Medimops, Rebuy, Momox oder Arvelle keine gebrauchten Bücher bestelle.
Ich möchte meine Meinung mit euch teilen. Wer eine andere Ansicht vertritt, darf diese gern sachlich in den Kommentaren kundtun. Falls ich etwas falsch darlege, greift mich nicht an, sondern teilt es mir sachlich mit. Für eine gute und offene Diskussion bin ich jederzeit bereit.
Die Ethik des Umgangs mit Rezensionsexemplaren
Schon eine ganze Weile beobachte ich die großen “Unboxing”-Berichte auf YouTube, Twitter, verschiedenen Blogs oder in Instastories. Ich bewundere die Größe der Pakete, denn oftmals befinden sich zehn oder mehr Bücher darin. Meist ist auch der Preis erschreckend günstig – 30 Euro für diese Menge an Büchern?
Mir ist bewusst, dass es gerade unter Bloggern viele Vielleser gibt. Für mich sind Vielleser vor allem diejenigen, die fünf oder sogar zehn Bücher und mehr im Monat verschlingen. Rechnet man dies in Hardcover-Preise um, kommt man schnell auf dreistellige Beträge. Geht man davon aus, dass es sich bei diesen Viellesern oft um junge Menschen handelt, deren Verdienst nicht gerade hoch ist, kann ich nachvollziehen, dass man nach Alternativen sucht, um möglichst günstig und an möglichst viele Bücher zu kommen.
Ein Stapel Bücher in Nahaufnahme, bereit zum Lesen oder Rezensieren
Auch bei mir ist das Geld nicht immer üppig, und ich überlege ebenfalls, ob ich mir diesen Monat noch dieses oder jenes Buch kaufe oder vielleicht doch lieber beim Verlag anfrage, um es kostenlos zu bekommen. Doch zurück zum Anfang und zum Beitrag von Angela Kirchner: Rezensionsexemplare sind großartig, keine Frage. Aber sie zu verkaufen? Das geht in meinen Augen gar nicht. Mit dem Zusenden eines Freiexemplars spricht der Autor oder Verlag zunächst einmal Vertrauen gegenüber dem Blogger, Buchhändler oder Ähnlichem aus. Gleichzeitig verspricht man sich kostenlose Werbung und somit potenzielle neue Käufer des Buches.
Liebe Empfänger von Rezensionsexemplaren, mir ist bewusst, dass nicht jedes Buch begeistert. Auch ich habe schon Bücher angefragt und bekommen, bei denen ich mich am Ende fragte, was mich da geritten hat. Und es ist absolut verständlich, wenn man ein Buch dann nicht mehr im eigenen Bücherregal stehen haben möchte. Aber es zu verkaufen? Daraus Profit zu schlagen, selbst wenn es nur wenige Cent oder Euro sind, ist meiner Meinung nach nicht in Ordnung. Stellt das Buch doch lieber in einen örtlichen Bücherschrank, fragt im Freundeskreis nach oder bietet es anderen Bloggern an, die vielleicht eine Absage bei ihrer Anfrage erhalten haben. Es gibt so viele bessere Möglichkeiten, als Rezensionsexemplare zu verkaufen.
Warum der Kauf neuer Bücher Autoren stärkt
Bevor ich zum Ende komme, möchte ich noch einmal den Bogen zu Verkaufsplattformen für gebrauchte Bücher schlagen und erläutern, warum ich diese kritisch sehe.
Ich kaufe unglaublich gern Bücher. An der Kasse klammert sich meine EC-Karte dann gern am Geldbeutel fest, weil sie Angst vor dem Preis hat – mein Konto auch. Aber ich sehe darin auch die Unterstützung der Autoren. Ich möchte, dass mein Lieblingsautor ein neues Buch schreibt. Ich möchte, dass er oder sie mir weitere Geschichten liefert und erfolgreich bleibt. Das ist jedoch nur möglich, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist, um Miete und Lebenshaltungskosten zu decken. Dieses Geld fließt nur, wenn ich das Buch kaufe – idealerweise in einer Buchhandlung. Denn nur dann erreicht der Erlös auch den Autor. Wo wir gerade beim Thema sind: Kauft in eurer lokalen Buchhandlung und nicht beim großen “A”.
Eine Person hält ein Buch in den Händen, vor dem Hintergrund eines Bücherregals
Bevor nun der große Aufschrei folgt: Ich habe ebenfalls schon zweimal bei den oben genannten Plattformen bestellt. Und zwar, weil es die Bücher nicht mehr neu gab, weil sie sonst nirgendwo mehr erhältlich waren. Für solche Fälle sind Plattformen für gebrauchte Bücher hervorragend. Mit ein paar Klicks findet man das gewünschte Buch und muss nicht zig Antiquariate durchsuchen.
Fazit: Vertrauen, Wertschätzung und bewusster Konsum
Vielleicht habe ich einige Aspekte vergessen oder übersehen. Aber dieser Beitrag ist innerhalb kürzester Zeit entstanden, weil ich mich, genau wie Angela Kirchner, aufrege und es als unfair empfinde. Rezensionsexemplare sind Vertrauensbeweise und Hoffnungen. Sie sind etwas Besonderes, selbst wenn man schon sehr viele erhalten hat. Für mich ist jedes Buch, das ich kostenlos bekomme, ein kleiner Schatz, egal ob es mir am Ende gefallen hat oder nicht. Lasst uns dieses Vertrauen schätzen und die Arbeit der Autoren würdigen, indem wir neue Bücher kaufen und Rezensionsexemplare verantwortungsvoll behandeln. So können wir alle gemeinsam zu einem fairen und lebendigen Buchmarkt beitragen.
Eure Jule
