Für viele Hundebesitzer ist die erste Läufigkeit ihrer Hündin eine Zeit der Unsicherheit. Man hört Geschichten von stressigen Begegnungen mit aufdringlichen Rüden und sorgt sich um Blutflecken auf dem neuen Sofa. Doch mit dem richtigen Wissen und ein paar praktischen Tipps können Sie und Ihre Hündin diese natürliche Phase entspannt und ohne unerwünschte Überraschungen meistern. Je besser Sie über den Zyklus, die Anzeichen und die Verhaltensänderungen informiert sind, desto gelassener wird diese besondere Zeit für Sie beide.
Die häufigsten Fragen zur Läufigkeit bei Hündinnen
Die Läufigkeit, auch Hitze genannt, beschreibt die fruchtbare Phase im Zyklus einer Hündin. Gesteuert durch Hormone, durchläuft ihr Körper deutliche Veränderungen, die sich auch im Verhalten widerspiegeln. Dieser Prozess ist ein natürlicher Teil des Lebens jeder geschlechtsreifen, unkastrierten Hündin.
Wann wird eine Hündin zum ersten Mal läufig?
Der Eintritt in die Pubertät ist bei Hündinnen, ähnlich wie beim Menschen, sehr individuell. Ein entscheidender Faktor für den Zeitpunkt der ersten Läufigkeit ist das Erreichen der vollen Körpergröße. Kleine Hunderassen sind oft früher dran und können bereits mit sechs Monaten ihre erste Hitze erleben. Bei großen Rassen hingegen tritt die erste Läufigkeit meist später ein, oft erst ab dem zehnten Monat oder sogar noch später. In seltenen Fällen kann es auch bis zu 18 Monate dauern.
Wie oft wird eine Hündin läufig?
Die Häufigkeit der Läufigkeit hängt von individuellen Faktoren wie der Rasse ab. Kleinere Hunderassen werden in der Regel zweimal pro Jahr läufig, also etwa alle sechs Monate. Große Rassen hingegen haben oft nur einmal im Jahr ihre Hitze.
Wie lange dauert die Blutung bei der Läufigkeit?
Eine der drängendsten Fragen für Besitzer ist: Wie lange blutet meine Hündin? Die Blutung ist das deutlichste Anzeichen der Vorbrunst und kann über die gesamte Dauer der Läufigkeit anhalten, was im Durchschnitt etwa 18 Tage sind. Die Intensität und Farbe des Ausflusses verändern sich jedoch im Laufe der Phasen.
Welches Verhalten zeigt eine läufige Hündin?
Die Stimmung Ihrer Hündin kann während der Läufigkeit stark schwanken. Zu Beginn ist sie Rüden gegenüber oft noch abweisend und zickig. Mit fortschreitendem Zyklus, insbesondere während der fruchtbaren Tage, sucht sie aktiv deren Nähe und zeigt sich paarungsbereit. Auch zu Hause können sich Verhaltensänderungen zeigen. Manche Hündinnen werden anhänglicher und ruhiger, während andere rastlos wirken und Kommandos schlechter befolgen.
Die vier Phasen des Zyklus der Hündin
Obwohl Dauer und Intervall variieren können, folgt der Sexualzyklus bei allen Hündinnen einem festen Muster, das in vier Phasen unterteilt ist:
1. Proöstrus (Vorbrunst)
Dies ist der Beginn der Läufigkeit. Sie erkennen diese Phase an deutlichen äußeren Anzeichen: Die Vulva Ihrer Hündin schwillt an und sie sondert blutigen Ausfluss ab. Die Menge des Blutes ist von Hündin zu Hündin unterschiedlich. Während dieser Zeit verströmt sie bereits einen für Rüden äußerst attraktiven Duft, reagiert aber auf deren Annäherungsversuche noch abweisend.
Dauer: ca. 9 Tage
2. Östrus (Brunst)
Diese Phase wird auch “Standhitze” genannt, denn nun ist die Hündin paarungsbereit. In dieser Zeit finden mehrere Eisprünge statt, weshalb die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Befruchtung jetzt am höchsten ist. Die Vulva schwillt leicht ab und der Ausfluss wird wässriger und heller. Ihr abweisendes Verhalten legt sie ab. Nähert sich ein Rüde, bleibt sie bereitwillig stehen und legt ihre Rute zur Seite (Duldungsreflex).
Dauer: ca. 9 Tage
3. Metöstrus (Nachbrunst)
Nach den fruchtbaren Tagen beginnt die Nachbrunst. Die äußeren Anzeichen der Läufigkeit wie die Schwellung der Vulva und der Ausfluss klingen langsam ab. Hormonell passiert jedoch einiges: Unabhängig von einer Befruchtung wird das Hormon Progesteron produziert, das eine mögliche Trächtigkeit aufrechterhalten würde. Gegen Ende dieser Phase kann es durch die hormonelle Umstellung bei manchen Hündinnen zu einer Scheinträchtigkeit kommen.
Dauer: ca. 90 bis 120 Tage
4. Anöstrus (Ruhephase)
In dieser Phase normalisiert sich der Hormonhaushalt wieder. Die Sexualhormone pendeln sich auf einem niedrigen, stabilen Niveau ein. Die Hündin zeigt keinerlei Anzeichen einer Läufigkeit und ist nicht fruchtbar. Der Körper regeneriert sich bis zum Beginn des nächsten Zyklus.
Dauer: ca. 60 bis 90 Tage
Besonderheiten bei der ersten Läufigkeit
Die erste Läufigkeit verläuft nicht immer nach Lehrbuch. Es gibt zwei besondere Formen, die vor allem bei jungen Hündinnen auftreten können: die “stille Läufigkeit” und der “Split-Östrus”. Bei der stillen Läufigkeit treten trotz hormoneller Aktivität keine oder nur sehr schwache äußere Anzeichen auf. Dies birgt das Risiko einer unbemerkten Deckung. Beim Split-Östrus beginnt die Hündin mit typischen Anzeichen der Vorbrunst, diese klingen jedoch wieder ab, bevor die eigentliche Brunstphase erreicht ist. Erst nach einigen Tagen oder Wochen startet der Zyklus erneut und verläuft dann vollständig.
Praktische Tipps: So vermeiden Sie eine ungewollte Trächtigkeit
Spätestens wenn der Ausfluss Ihrer Hündin wässrig wird und sie bei Kontakt mit Rüden stehen bleibt, ist höchste Vorsicht geboten. Um Stresssituationen und eine ungewollte Trächtigkeit zu verhindern, helfen folgende Maßnahmen:
- Spaziergänge anpassen: Gehen Sie zu ruhigeren Zeiten spazieren und meiden Sie Parks oder Wiesen, auf denen viele Hunde frei laufen.
- Leinenpflicht: Lassen Sie Ihre Hündin während der gesamten Läufigkeit nur an der Leine, es sei denn, ihr Rückruf ist absolut perfekt. Leinen Sie sie sofort an, wenn Ihnen ein anderer Hund begegnet.
- Ablenkung schaffen: Gestalten Sie die Spaziergänge mit intensivem Spiel und Training interessant, um ihre Aufmerksamkeit zu behalten.
- Sicherheit zu Hause: Sorgen Sie dafür, dass liebestolle Rüden aus der Nachbarschaft nicht auf Ihr Grundstück gelangen können. Halten Sie Gartentore und Haustüren geschlossen.
