Die rasante Entwicklung von Krypto-Assets birgt sowohl Chancen als auch Risiken für die globale Finanzstabilität. Angesichts dieser Herausforderung hat der Finanzstabilitätsrat (FSB) im Jahr 2022 im Auftrag der G20 eine umfassende Untersuchung der regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Aspekte von Krypto-Asset-Aktivitäten durchgeführt. Ziel war es, potenzielle Risiken für die Finanzstabilität zu identifizieren und geeignete Maßnahmen zu entwickeln. Die FSB-Empfehlungen zur Regulierung von Krypto-Assets bieten einen Rahmen für eine konsistente und umfassende Regulierung.
Analyse des Krypto-Asset-Marktes und regulatorischer Ansätze
Die Untersuchung des FSB umfasste eine detaillierte Analyse der Marktstruktur, eine umfassende Erhebung nationaler Regulierungsansätze sowie eine Bewertung bestehender Herausforderungen und Lücken. Dabei wurden sowohl die wesentlichen Aktivitäten als auch die Verflechtungen innerhalb der Krypto-Asset-Märkte beleuchtet.
Internationale Standards und Regulierungsansätze
Der Bericht des FSB stellt die geltenden internationalen Standards und die verschiedenen regulatorischen und aufsichtsrechtlichen Ansätze für Krypto-Asset-Aktivitäten dar. Er identifiziert Schlüsselbereiche, in denen Regulierungs- und Aufsichtsbehörden über die notwendigen Befugnisse, Instrumente und Ressourcen verfügen müssen, um die wachsenden Risiken effektiv zu managen.
Herausforderungen und Lücken in der Regulierung
Ein zentraler Aspekt der Untersuchung war die Identifizierung von Herausforderungen und potenziellen Lücken in den bestehenden regulatorischen, aufsichtsrechtlichen und übergeordneten Ansätzen. Dies umfasst die Notwendigkeit, das Prinzip “gleiche Aktivität, gleiches Risiko, gleiche Regulierung” konsequent anzuwenden, um sicherzustellen, dass Krypto-Asset-Aktivitäten und -Emittenten, die Risiken für die Finanzstabilität bergen, einer angemessenen Regulierung unterliegen.
Die neun Kernempfehlungen des FSB
Aufbauend auf dieser Analyse hat der FSB eine Reihe von neun grundlegenden Empfehlungen formuliert. Diese zielen darauf ab, die Konsistenz und Vollständigkeit der regulatorischen, aufsichtsrechtlichen und übergeordneten Ansätze für Krypto-Asset-Aktivitäten und -Märkte zu fördern. Internationale Zusammenarbeit, Koordination und Informationsaustausch sind dabei von zentraler Bedeutung. Die Empfehlungen gelten für alle Arten von Krypto-Asset-Aktivitäten und die damit verbundenen Emittenten und Dienstleister, die Risiken für die Finanzstabilität darstellen könnten. Sie ergänzen die Empfehlungen für globale Stablecoin-Arrangements.
- Befugnisse und Ressourcen: Behörden sollten über angemessene Befugnisse, Instrumente und Ressourcen verfügen, um Krypto-Asset-Aktivitäten und -Märkte, einschließlich Emittenten und Dienstleister, zu regulieren, zu beaufsichtigen und zu überwachen.
- Risikobasierte Regulierung: Effektive Regulierung, Beaufsichtigung und Überwachung sollten risikobasiert erfolgen und sich an der Finanzstabilitätsgefahr orientieren, die von den jeweiligen Aktivitäten ausgeht.
- Internationale Kooperation: Behörden sollten national und international kooperieren und sich koordinieren, um eine effiziente und effektive Kommunikation, Informationsaustausch und Konsultation zu gewährleisten.
- Governance-Rahmenwerk: Emittenten und Dienstleister sollten über ein umfassendes Governance-Framework verfügen, das klare Verantwortlichkeiten und Rechenschaftspflichten vorsieht.
- Risikomanagement: Dienstleister sollten ein effektives Risikomanagement-Framework implementieren, das alle wesentlichen Risiken abdeckt und verhältnismäßig zur Größe und Bedeutung des Unternehmens ist.
- Datenmanagement: Robuste Rahmenwerke für die Sammlung, Speicherung und Berichterstattung von Daten sind erforderlich, wobei Behörden Zugang zu diesen Daten haben sollten.
- Transparente Offenlegung: Emittenten und Dienstleister sollten Nutzern und Stakeholdern umfassende, klare und transparente Informationen über ihre Geschäftstätigkeit, Risikoprofile und Finanzlage offenlegen.
- Überwachung von Verflechtungen: Behörden sollten relevante Verflechtungen innerhalb des Krypto-Ökosystems und zum breiteren Finanzsystem identifizieren und überwachen, um Risiken für die Finanzstabilität zu adressieren.
- Funktionstrennung: Bei Dienstleistern, die mehrere Funktionen kombinieren (z.B. Handelsplattformen), muss die Regulierung und Aufsicht die Risiken, die sich aus der Kombination von Funktionen ergeben, umfassend abdecken, einschließlich der Trennung bestimmter Funktionen.
Konsultation und Ausblick
Der FSB hat die Öffentlichkeit um Kommentare zu diesen Empfehlungen gebeten und dazu einen Fragebogen im Rahmen seiner vorgeschlagenen regulatorischen Rahmenbedingungen veröffentlicht. Interessierte Stakeholder werden ermutigt, sich an der Konsultation zu beteiligen. Der FSB arbeitet eng mit wichtigen internationalen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank, dem Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS), dem Ausschuss für Zahlungsverkehr und Marktinfrastrukturen (CPMI), der Internationalen Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) und der Financial Action Task Force (FATF) zusammen, um eine koordinierte und unterstützende Überwachung und Regulierung von Krypto-Asset-Aktivitäten und -Märkten sicherzustellen. Die Ergebnisse dieser Konsultation werden dazu beitragen, einen robusten und zukunftssicheren internationalen Rahmen für die Regulierung von Krypto-Assets zu schaffen.
