Die Diskussion um den Renteneintritt und die Altersvorsorge ist in Deutschland allgegenwärtig. Im letzten Wahlkampf hatten alle großen Parteien eine Anhebung des Renteneintrittsalters ausgeschlossen. Stattdessen wird nun von der aktuellen Koalition der wohlklingende „flexible Renteneintritt nach skandinavischem Vorbild“ in Aussicht gestellt und geprüft. Dieses Konzept verspricht nicht nur mehr individuelle Freiheit bei der Lebensgestaltung, sondern soll – so die politische Hoffnung – auch dazu beitragen, Menschen länger im Berufsleben zu halten. Durch die Möglichkeit einer gezielten Arbeitszeitreduktion sollen Erwerbstätige körperlich und psychisch länger in der Lage sein, ihrer Tätigkeit nachzugehen. Ein anteiliger Rentenbezug könnte in solchen Fällen das wegfallende Erwerbseinkommen kompensieren. Auch über die Regelaltersgrenze hinaus soll die Erwerbstätigkeit einfacher gestaltet werden. Auf den ersten Blick wirkt dieses Konzept überzeugend und modern, doch bei näherer Betrachtung offenbaren sich zwei wesentliche Schwachstellen, die seine Wirksamkeit und soziale Gerechtigkeit infrage stellen.
Flexibilität und Beschäftigungsdauer: Eine kritische Betrachtung
Die Annahme, dass eine größere Entscheidungsfreiheit automatisch zu einer höheren Beschäftigung und mehr Arbeitsstunden führt, ist trügerisch. Vielmehr ist hier das Gegenteil zu erwarten. Es gibt bisher keine belastbare Evidenz dafür, dass Menschen durch mehr Flexibilität tatsächlich länger arbeiten. Bestehende Möglichkeiten wie die sogenannte „Flexirente“ werden in der Praxis kaum genutzt. Auch die etwas häufiger in Anspruch genommene Altersteilzeit dient primär dem früheren, kompletten Ausstieg aus dem Erwerbsleben und wird von Betrieben oft zum Personalabbau eingesetzt. Studien deuten eher darauf hin, dass ein flexibles Renteneintrittsalter, das vor der Regelaltersgrenze liegt, die Beschäftigungsdauer sogar reduzieren könnte.
Jüngere empirische Forschung untermauert diese Skepsis: Nicht nur finanzielle Anreize spielen eine Rolle, sondern eine festgesetzte Altersgrenze etabliert sich als soziale Norm für den Austritt aus dem Berufsleben. Viele Beschäftigte entscheiden sich für den Renteneintritt zum frühestmöglichen Zeitpunkt, selbst wenn eine Weiterbeschäftigung finanziell durchaus attraktiv wäre. Dieses Verhalten spricht klar gegen eine Absenkung des frühestmöglichen Rentenzugangsalters, da es den Trend zum früheren Ruhestand verstärken könnte, anstatt ihn umzukehren. Wer sich über die Möglichkeiten zur HUK Lebensversicherung kündigen oder eine ähnliche Altersvorsorge informieren möchte, sollte diese Aspekte genau bedenken.
Sozialpolitische Herausforderungen des flexiblen Renteneintritts
Ein flexibler Renteneintritt wirft auch erhebliche sozialpolitische Fragen auf. Die zentrale Frage ist, welche Rentenabschläge bei einem früheren Renteneintritt angewendet werden sollen. Die derzeitigen Abschläge werden oft als zu gering kritisiert, wobei häufig auf skandinavische Länder verwiesen wird, die deutlich höhere Abschläge bei einem vorzeitigen Rentenbezug vorsehen. Höhere Abschläge in Deutschland würden jedoch zu geringeren Rentenanwartschaften bei vorzeitigem Renteneintritt führen und somit die Ungleichheit der Renteneinkommen weiter verstärken. Für viele Menschen, die ihre Lebensversicherung als Altersvorsorge nutzen, wäre dies eine zusätzliche Belastung.
Der flexible Renteneintritt entpuppt sich daher als zweischneidiges Schwert. Einerseits könnte er Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen die Möglichkeit geben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren, ohne während der Erwerbsphase allzu große Einkommensverzichte hinnehmen zu müssen. Dies würde eine wichtige Unterstützung für jene bieten, deren körperliche oder psychische Verfassung eine volle Erwerbstätigkeit bis zur Regelaltersgrenze nicht zulässt.
Andererseits führen ein reduzierter Erwerbsumfang oder ein früherer Renteneintritt unweigerlich zu geringeren Rentenansprüchen. Da nicht alle Menschen optimale finanzielle Entscheidungen treffen, birgt mehr Flexibilität die Gefahr, dass Einzelne in nicht auskömmliche Renten geraten. Um eine Transferabhängigkeit, also den Bezug staatlicher Grundsicherung aufgrund eines zu frühen Rentenbezugs, zu verhindern, wird vorgeschlagen, Menschen mit Rentenanwartschaften unterhalb des Grundsicherungsniveaus vom flexiblen Renteneintritt auszunehmen. Dies würde jedoch paradoxerweise genau jener Gruppe die Flexibilität verwehren, die auf besondere Unterstützung und Anpassung ihrer Arbeitsbedingungen am dringendsten angewiesen wäre. Informationen zur Rente online beantragen sind in diesem Kontext besonders relevant.
Zukunftsfähige Rentenpolitik: Andere Prioritäten setzen
Angesichts der tiefgreifenden Herausforderungen durch den demografischen Wandel für Arbeitsmarkt und Sozialpolitik in Deutschland sind andere Aspekte des Rentensystems weitaus wichtiger und dringender als die Einführung eines flexiblen Renteneintritts. Die Politik hat mit der Einführung der Rente mit 67 bereits ein klares Signal gesetzt, das sich nicht auf das früheste, sondern auf das normale Renteneintrittsalter bezieht.
Nach Erreichen dieses Alters sollten die Möglichkeiten zur Weiterarbeit flexibel und mit attraktiven finanziellen Anreizen ausgestattet werden. Es ist jedoch essenziell, dass der Politik klar ist, dass eine wesentliche und nachhaltige Wirkung auf die Beschäftigung längerfristig nur von einer weiteren, moderaten Erhöhung der Regelaltersgrenze zu erwarten ist. Solche strukturellen Anpassungen sind unvermeidlich, um das Rentensystem langfristig stabil und generationengerecht zu gestalten. Die Rentenkasse Nord und andere Institutionen stehen hier vor großen Herausforderungen.
Gleichzeitig muss es zwingend Ausnahmen für Menschen geben, die aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund langjähriger, körperlich anstrengender Arbeit nicht in der Lage sind, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten. Sozialpolitisch ist eine auskömmliche Erwerbsminderungsrente absolut notwendig. Nur mit einer solchen umfassenden Absicherung kann eine Erhöhung des Renteneintrittsalters sozial verträglich und gerecht umgesetzt werden. Auch das Thema HUK Coburg Lebensversicherung kündigen kann für viele eine Rolle spielen, wenn es um die Neuausrichtung ihrer Altersvorsorge geht. Der flexible Renteneintritt mag verlockend klingen, doch eine wirklich zukunftsfähige Rentenpolitik erfordert einen realistischen Blick auf die demografische Entwicklung und mutige Entscheidungen, die über kurzfristige politische Präferenzen hinausgehen.
Dieser Gastkommentar ist am 25. April 2022 in der FAZ erschienen.
