Risikolebensversicherung: Warum Stiftung Warentest/Finanztest oft daneben liegt

Die Stiftung Warentest und ihre Finanztest-Ableger genießen bei vielen Verbrauchern hohes Ansehen. Wenn es um den Abschluss einer Risikolebensversicherung geht, werden deren Tests und Empfehlungen oft als ultimative Entscheidungshilfe herangezogen. Doch Vorsicht: Nicht immer decken sich die Ergebnisse der Tester mit den realen Bedürfnissen und Risiken der Verbraucher. In diesem Artikel beleuchten wir kritisch einen Testbericht von Finanztest aus dem Januar 2023 und zeigen auf, warum ein blindes Vertrauen in die Empfehlungen problematisch sein kann und welche wichtigen Aspekte oft zu kurz kommen. Wir möchten Ihnen aufzeigen, worauf es bei der Absicherung Ihrer Liebsten wirklich ankommt und warum eine umfassende Beratung unerlässlich ist.

1. Der Preis als alleiniger Maßstab: Ein Trugschluss

Immer wieder betont Finanztest, dass bei der Wahl einer Risikolebensversicherung vor allem der Preis entscheidend sei. So heißt es im Testbericht aus Januar 2023: „Orientieren Sie sich an den günstigsten Tarifen in unserer Tabelle.“ Diese Fokussierung auf den niedrigsten Beitrag birgt jedoch erhebliche Gefahren. Eine Versicherung nur nach dem Preis auszuwählen, ignoriert die Vielfalt der angebotenen Leistungen und die individuellen Bedürfnisse des Versicherten. Viele wichtige Leistungsbausteine, die im Ernstfall entscheidend sein können, bleiben hierbei unberücksichtigt.

Finanztest behauptet weiter: „Relevante Leistungsunterschiede haben wir dagegen nicht festgestellt. Jeder Tarif im Test bietet ausreichend Schutz – auch ohne teure Extras.“ Diese Aussage ist gewagt und wird der Komplexität von Versicherungsverträgen nicht gerecht. Die sogenannten „teuren Extras“ sind oft genau die Zusatzleistungen, die einen Tarif von anderen abheben und im Einzelfall von unschätzbarem Wert sein können.

2. „Teure Extras“ sind oft überlebenswichtig

Die Stiftung Warentest/Finanztest neigt dazu, Zusatzleistungen in Comfort- oder Premium-Tarifen als unnötig abzutun. So wird die vorgezogene Todesfallleistung als ein solches „Extra“ bezeichnet, das angeblich nicht notwendig sei. Diese Leistung sieht vor, dass die Versicherungssumme bereits zu Lebzeiten ausgezahlt wird, wenn ein Arzt eine nur noch geringe Lebenserwartung (oftmals 12 Monate) diagnostiziert.

Ein Beispiel hierfür ist der Tarif der LV1871, bei dem diese Leistung bereits im Basistarif enthalten ist, ohne zusätzliche Kosten. Ironischerweise findet sich die LV1871 nicht unter den Favoriten des Tests, gerade weil der Preis im Vordergrund steht. Dies ignoriert, dass der Basistarif der LV1871 trotz höherer Beiträge exzellente Versicherungsbedingungen und ein gutes Leistungspaket bietet.

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Beim von Finanztest favorisierten Anbieter ERGO ist diese wichtige Leistung hingegen nur im nicht empfohlenen Premium-Tarif enthalten. Dies verdeutlicht, dass die pauschale Aussage, diese Zusatzleistung sei unnötig, schlichtweg falsch ist.

Stellen Sie sich die Situation vor: Eine schwere Diagnose steht im Raum, und die verbleibende Lebenszeit ist begrenzt. In solchen Momenten könnten alternative Behandlungsmethoden, spezielle Therapien oder Behandlungen im Ausland, die oft mit hohen Kosten verbunden sind, die einzige Hoffnung sein, die Lebenszeit zu verlängern oder erträglicher zu gestalten. Hier kann die vorgezogene Todesfallleistung eine entscheidende finanzielle Hilfe darstellen, auch wenn Finanztest argumentiert, dass die Versicherungssumme in den letzten Lebensmonaten ihren Zweck verfehlt. Wir sehen diese Leistung eher als lebensnotwendig für den Einzelnen an.

Die Option der Verlängerung: Ein oft übersehener Aspekt

Ein weiterer wichtiger Punkt, der im Testbericht kaum Beachtung findet, ist die Verlängerungsoption. Diese ermöglicht es, die Laufzeit des Vertrags unter bestimmten Voraussetzungen ohne erneute Gesundheitsprüfung zu verlängern. Von den 40 getesteten Tarifen bietet nur ein einziger Versicherer, die Allianz, diese Option im Basistarif an. Dies liegt daran, dass die Tabellen oft nur die günstigsten Angebote jedes Versicherers abbilden.

Die Verlängerungsoption ist essenziell, da sich Lebensumstände ändern können. Manchmal unterschätzt man die Notwendigkeit eines langen Versicherungsschutzes oder neue Risiken treten auf. Ein Fall aus unserer Praxis zeigt dies deutlich: Ein Familienvater hatte vor neun Jahren eine Risikolebensversicherung mit 15 Jahren Laufzeit für seine Immobilienfinanzierung abgeschlossen. Da die Familie inzwischen Zuwachs bekommen hat und die Restschuld der Finanzierung hoch ist, möchte er den Schutz um weitere 20 Jahre verlängern. Eine neue Versicherung abzuschließen, ist aufgrund einer kürzlich diagnostizierten Hautkrebserkrankung jedoch extrem schwierig geworden. Hier wäre eine vertraglich vereinbarte Verlängerungsoption Gold wert gewesen. Leider sah sein bestehender Basistarif diese Option nicht vor.

Die Verlängerungsoption ist nicht immer nur im teuren Premium-Tarif enthalten. Bei der LV1871 ist sie beispielsweise bereits im Comfort-Tarif integriert. Das zeigt, dass es sich lohnt, über den reinen Preis hinauszuschauen und auch Leistungsumfang und Flexibilität zu berücksichtigen.

3. Die Qualität der Gesundheitsfragen: Ein kritisches Thema

Die Stiftung Warentest/Finanztest schenkt der detaillierten und wahrheitsgemäßen Beantwortung der Gesundheitsfragen nur wenig Beachtung. Dies ist äußerst bedenklich, da die Gesundheitsfragen das Fundament jeder Risikolebensversicherung bilden und über die Leistung im Ernstfall entscheiden. Die Aussage, dass Versicherer lediglich nach Vorerkrankungen und Übergewicht fragen, ist stark vereinfacht.

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Betrachten wir die Gesundheitsfragen der ERGO Versicherung, einem der günstigeren Anbieter im Test: Frage C.2 fragt nach „Beschwerden oder Befindlichkeitsstörungen“, wegen derer man „nicht in Behandlung war“. Beispiele wie Nachtschweiß oder Schlafstörungen werden genannt. Hier wird der Kunde quasi zu einer Selbsteinschätzung gezwungen, die weitreichende Folgen haben kann. Selbst wenn man nur geringfügige Beschwerden angibt, die auf Stress oder Überlastung zurückzuführen sind, kann dies die Risikoprüfung beeinflussen.

Auch Frage C.4 birgt Tücken, indem sie nach Krankheiten oder Behandlungen in den letzten fünf Jahren fragt, auch wenn keine Behandlung erfolgte. Angeborene Herzfehler oder seit Jahren nicht mehr behandelte Depressionen müssen hier angegeben werden. Frage C.6 fragt nach psychischen Störungen oder Beschwerden in den letzten zehn Jahren – ebenfalls eine sehr schwammige Formulierung. Solche Fragen können dazu führen, dass der Antragsteller sich „kranker“ fühlt, als er tatsächlich ist, und wertvollen Versicherungsschutz verliert.

Im Gegensatz dazu stehen die Gesundheitsfragen der Dortmunder Versicherung, die klarer formuliert sind und nach „Erkrankungen“ fragen, aufgrund derer man „beraten, behandelt oder untersucht“ wurde. Dies lässt weniger Interpretationsspielraum und ist fair gegenüber dem Kunden. Leider taucht die Dortmunder Versicherung im Test nicht auf, da sie nicht zu den günstigsten Anbietern zählt.

Die Qualität der Gesundheitsfragen ist ein entscheidender Faktor, der im Testbericht von Finanztest sträflich vernachlässigt wird. Fehlerhafte Angaben können zur Ablehnung der Leistung führen.

4. Anonyme Risikovoranfrage: Ein unterschätztes Werkzeug

Im Testbericht von 2020 wies Finanztest noch auf die Bedeutung eines Versicherungsmaklers bei Vorerkrankungen und für eine anonyme Risikovoranfrage hin. Im aktuellen Bericht von 2023 fehlt dieser wichtige Hinweis jedoch. Dies erweckt den Eindruck, dass viele Menschen keine Vorerkrankungen haben oder die Notwendigkeit einer solchen Voranfrage nicht erkennen.

Die Aussage, dass ein Vergleichsrechner kein verbindliches Angebot darstellt und man einfach Gesundheitsangaben bei verschiedenen Versicherern eingeben kann, ist gefährlich. Wenn eine Risikoprüfung zu einer Ablehnung oder einem Risikozuschlag führt, können diese Daten in der Wagnisdatei der Versicherer gespeichert werden. Bei zukünftigen Anträgen kann dies zu Nachteilen führen, da andere Versicherer über frühere Ablehnungen informiert sind.

Hier setzt die anonyme Risikovoranfrage an: Sie ermöglicht es, die Annahmewahrscheinlichkeit bei einer Versicherung zu prüfen, ohne persönliche Daten preiszugeben. So können Risiken und Vorerkrankungen anonym angefragt werden, ohne dass eine Speicherung in der Wagnisdatei erfolgt. Dies ist nur über einen Versicherungsmakler möglich. Wenn Sie unsicher sind, kontaktieren Sie uns gerne.

5. Medizinische Risikoprüfung: Risiken werden verharmlost

Ab bestimmten Versicherungssummen, oft schon ab 200.000 €, verlangen Versicherer eine medizinische Risikoprüfung. Finanztest nimmt dies als gegeben hin und empfiehlt lediglich, den Gesundheitszustand ärztlich bescheinigen zu lassen. Doch diese Prüfung birgt Risiken: Zufällig entdeckte Erkrankungen, selbst wenn sie harmlos erscheinen (z.B. erhöhte Leberwerte), müssen im Antrag angegeben werden und können den Abschluss einer Versicherung erschweren oder unmöglich machen.

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Eine solche Prüfung kann auch den Abschluss einer späteren Berufsunfähigkeitsversicherung gefährden. Eine Alternative, die oft übersehen wird, ist die Aufteilung der Versicherungssumme auf zwei Verträge, um die medizinische Risikoprüfung zu umgehen. Dies ist besonders bei hohen Versicherungssummen, wie sie oft für Immobilienfinanzierungen in Großstädten benötigt werden (z.B. über 600.000 €), relevant.

6. Spezielle Vertragsformen und Berufsrisiken: Unklarheiten im Test

Der Testbericht erwähnt die Über-Kreuz-Versicherung, eine aus erbschaftsteuerlicher Sicht interessante Gestaltungsform. Bei der verbundenen Lebensversicherung, bei der zwei Personen in einem Vertrag versichert sind, behauptet Finanztest fälschlicherweise, dass im Todesfall keine Erbschaftsteuer anfällt. Dies ist unserer Meinung nach nicht korrekt; es fällt Erbschaftsteuer auf die Hälfte der Versicherungssumme an.

Auch die Aussage, dass bestimmten Berufsgruppen wie Handwerkern oft keine Verträge bis zum Rentenbeginn angeboten werden, können wir nicht bestätigen. Diese Information scheint uns fragwürdig und entbehrt jeglicher Grundlage in unserer täglichen Beratungspraxis.

7. Fazit: Gut und richtig absichern statt nur günstig

Wir sind mit der Qualität des Testberichts von Stiftung Warentest/Finanztest nicht zufrieden. Wichtige Hinweise für Verbraucher fehlen, und die Fokussierung auf den Preis vernachlässigt essenzielle Aspekte wie die Qualität der Gesundheitsfragen und die damit verbundenen Risiken. Ein Testbericht sollte nicht nur ein Vergleichsrechner sein, sondern die Verbraucher umfassend über Risiken und sinnvolle Absicherungsmöglichkeiten informieren.

Die Kommentare unter dem Bericht zeigen, dass viele Verbraucher Fragen zu Vorerkrankungen haben – ein Thema, das im Testbericht zu kurz kommt. Der Artikel erweckt den falschen Eindruck, dass der Abschluss einer Risikolebensversicherung simpel ist und man sich blind auf Vergleichsrechner verlassen kann. Doch gerade bei einer so wichtigen Versicherung wie der Risikolebensversicherung ist „günstig“ nicht immer „gut“.

Wenn Sie Wert auf eine umfassende und bedarfsgerechte Absicherung legen und sich nicht von fragwürdigen Testergebnissen leiten lassen möchten, stehen wir Ihnen gerne zur Seite. Unsere Beratung ist für Sie kostenlos, da wir auf Provisionsbasis arbeiten – die Konditionen und Beiträge sind dieselben wie bei Online-Abschlüssen über Vergleichsportale. Der entscheidende Unterschied ist die Expertenberatung, die Ihnen hilft, die richtige Entscheidung zu treffen.

Kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail an info@gn-finanzpartner.de oder über unser Kontaktformular. Wir freuen uns darauf, Ihnen zu helfen, Ihre Angehörigen gut und richtig abzusichern.