Mobile Apps im Sportstadion: Eine Analyse der digitalen Fan-Erfahrung bei Roland Garros

Die digitale Transformation hat nahezu alle Lebensbereiche erfasst, und die Sportwelt bildet da keine Ausnahme. Mobile Anwendungen sind zu einem unverzichtbaren Bestandteil der modernen Sportkultur geworden und bieten allen Beteiligten – von Fans über Veranstalter bis hin zu Sponsoren – ein völlig neues Erlebnis. Sie ermöglichen es, Informationen zu konsolidieren, die Interaktion zu verbessern und die Fan-Bindung zu stärken. Doch wie genau beeinflussen diese digitalen Tools das Zuschauerverhalten und welche Herausforderungen ergeben sich bei ihrer Implementierung? Eine detaillierte Analyse der Roland Garros Mobile App (RGMA) aus dem Jahr 2018 bietet aufschlussreiche Einblicke in diese Fragen und liefert wertvolle Erkenntnisse für die Weiterentwicklung vernetzter Stadien und die Optimierung der digitalen Fan-Erfahrung.

Die Rolle mobiler Apps im modernen Sport

Mobile Apps fungieren als zentrale Anlaufstelle für eine Vielzahl von Dienstleistungen und Informationen im Sportbereich. Sie sind nicht nur ein Werkzeug zur Kommunikation mit Kunden, sondern auch ein Mittel, um ein umfassendes und inklusives mobiles Erlebnis zu schaffen. Von der Ticketbuchung über den Abruf von Spielergebnissen bis hin zum Kauf von Fanartikeln – all dies lässt sich in einer einzigen Anwendung bündeln. Dies vereinfacht den Zugang für den Nutzer erheblich und eröffnet Veranstaltern neue Wege der Interaktion. Im Kontext des Sports tragen diese Anwendungen maßgeblich dazu bei, die Fan-Erfahrung im Stadion auf ein neues Niveau zu heben, indem sie eventbezogene und -unbezogene digitale Ressourcen integrieren und so zur Wertschöpfung beitragen.

Fallstudie: Die Roland Garros Mobile App 2018

Die Roland Garros Mobile App (RGMA) aus dem Jahr 2018 diente als anschauliches Beispiel für die Konsolidierung von Diensten und Daten an einem virtuellen Ort. Ihr Motto „All Roland Garros now in your smartphone“ verdeutlichte den Anspruch, alle relevanten Informationen und Funktionen zentral verfügbar zu machen. Die App wurde für das Turnier 2018 komplett neu gestaltet, was jedoch zu einer späten Veröffentlichung führte – nur wenige Wochen vor Turnierbeginn. Dies hatte mutmaßlich Auswirkungen auf die anfängliche Akzeptanz und Nutzung einiger Funktionen.

Die kostenlose RGMA bot eine breite Palette an Features für iOS- und Android-Nutzer. Dazu gehörten Medieninhalte, Nachrichten, detaillierte Spielerinformationen (Fotos, Ranglisten, Geburtsdaten, Statistiken), Spielpläne mit Sortieroptionen, personalisierte Profile, Benachrichtigungen (Turnieralarme, Matches, Kalender), ein Shop (verlinkt mit store.rolandgarros.com) und eine Ticketfunktion (verlinkt mit tickets.rolandgarros.com). Darüber hinaus gab es Hilfe und Support, Sprachumschaltung (Englisch/Französisch) sowie Datenschutzoptionen (DSGVO-konformes Audience Tracking und Werbedaten). Dieses Funktionsspektrum war dabei weitgehend Standard und ähnelte vielen anderen mobilen Anwendungen im Sportbereich.

Methodik und erste Erkenntnisse

Die Studie zur RGMA verfolgte einen kundenorientierten Ansatz, der die Besucher von Roland Garros als Kunden betrachtete. Sie basierte auf dem sozialen Konstruktivismus, der davon ausgeht, dass gesellschaftliche Faktoren den Erfolg oder Misserfolg von Technologien beeinflussen. Dies führte zur Berücksichtigung der Theorie der kulturellen Verzögerung, die erklärt, dass soziales Verhalten Zeit braucht, um mit technologischen Entwicklungen Schritt zu halten.

Für die Datenerhebung wurden im Jahr 2018 während des Turniers von sechs akkreditierten Interviewern 1.000 Fragebögen im Stadion ausgefüllt. Die Befragung erfolgte nach dem Zufallsprinzip und umfasste 33 Fragen zur Erfahrung der Zuschauer sowie sozio-demografische Variablen. Die Umfrage war in französischer und englischer Sprache verfügbar.

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Die Ergebnisse zeigten, dass die Bedingungen für die Entwicklung eines vernetzten Stadions Infrastruktur und eine allgemeine Konnektivität umfassen, wobei persönliche elektronische Geräte wie Smartphones eine Schlüsselrolle spielen. Die Bereitstellung einer App wie der RGMA ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg der Stadionkonnektivität. Bemerkenswert ist, dass 89,7 % der Zuschauer einen Vorteil aus der Datenverbindung zogen. Insgesamt beeinflussten die digitalen Tools das Konsumentenverhalten, beispielsweise erhöhte die Nutzung der App die Wahrscheinlichkeit, einen Platz zu wechseln.

Konnektivität im Stadion: Mehr als nur WLAN

Ein vernetztes Stadion muss in erster Linie eine hochwertige Internetverbindung bieten. Das Roland Garros-Stadion war mit einer Multi-Channel-Infrastruktur ausgestattet, um eine angemessene Abdeckung auf 8,5 Hektar zu gewährleisten. Die Datenverbindung der mobilen Endgeräte erfolgte primär über 3G/4G-Netze, die auf dedizierten Antennen an den beiden Hauptplätzen sowie temporären Zusatzantennen während des Turniers basierten.

Interessanterweise übertraf die 4G-Abdeckung oft die WLAN-Kapazitäten. Zudem konnten EU-Besucher seit dem 15. Juni 2017 dank „Roam like at Home“ mobile Daten zu Inlandspreisen nutzen, wodurch das Interesse am Stadion-WLAN für diese Gruppe sank. Ausländische Besucher außerhalb der EU hingegen waren auf WLAN angewiesen, hier zeigte sich jedoch ein Schwachpunkt: Das RG-Stadion bot nur begrenzte und außerhalb der Plätze gelegene WLAN-Zonen. Dies stellte für internationale Touristen und Nutzer mit begrenztem Datenvolumen eine Unannehmlichkeit dar.

Smartphone-Nutzung und das Roland Garros Nutzererlebnis

Die Zahlen belegen, dass die Mehrheit der Stadionbesucher während ihres Aufenthalts in Roland Garros verbunden blieb und mobilem Internet (3G/4G) den Vorzug gab. Die Nutzung von Smartphones im Stadion war weit verbreitet. Trotz einer späten Veröffentlichung der RGMA luden 40,8 % der Besucher mit Datenverbindung die App bereits vor dem Stadionbesuch herunter, weitere 2,7 % vor Ort, und 5,9 % planten dies noch. Fast die Hälfte der Befragten nutzte die RGMA, um ihr Erlebnis zu bereichern.

Besonders aktive Nutzer waren die 25- bis 40-Jährigen. Jüngere Besucher (unter 25) hatten die App zwar nicht immer im Voraus heruntergeladen, installierten sie aber eher spontan vor Ort. Ältere Kategorien (über 50) zeigten sich weniger reaktionsfreudig. Ein weiterer entscheidender Faktor war die Tennispraxis: Je stärker die Besucher in den Tennissport involviert waren, desto intensiver nutzten sie die App.

Es zeigte sich auch, dass französische Besucher das WLAN seltener nutzten, da ihre Mobilfunkverträge oft Datenverbindungen im Inland abdeckten. Europäische Besucher machten sich aufgrund des Wegfalls der Roaming-Gebühren ebenfalls weniger die Mühe, sich mit dem kostenlosen WLAN zu verbinden. Nicht-EU-Bürger hingegen waren stärker auf das WLAN angewiesen. Internationale Touristen nutzten die RGMA auch aktiver für smartes Ticketing als französische Besucher, was auf ein höheres Bewusstsein für digitale Tools hindeutet.

Die gefragtesten Funktionen der RGMA waren die Spielpläne (97,1 %) und die Verfolgung der Ergebnisse (90,3 %). Auch elektronische Tickets waren mit 38,5 % weit verbreitet und oft ein Hauptgrund für den App-Download, da sie den Zugang zum Stadion ermöglichten. Der Stadionplan wurde von 10,4 % der Nutzer verwendet. Funktionen für „zusätzlichen Konsum“ wie Restaurantreservierungen (1,9 %) oder kommerzielle Angebote (1,2 %) wurden hingegen kaum genutzt. Dies könnte jedoch auch an der späten Entwicklung der App und ihrer geringeren Integration in die kommerziellen Strategien der Anbieter liegen.

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Wie die App das Zuschauerverhalten verändert

Die Nutzung der RGMA im Stadion reichte weit über das reine Verfolgen von Ergebnissen hinaus. Ein vernetztes Stadion verändert das Kundenerlebnis und ermöglicht einen anderen Konsum des Sportereignisses. Der einfache Zugang zum Stadion über den mobilen Ticketservice war nur der Anfang. Bei einem so großen Turnier wie Roland Garros, wo Spiele auf verschiedenen Plätzen stattfinden und die Zeitpläne je nach Spieldauer variieren können, erwies sich die App als wertvolles Werkzeug.

Durch die ständige Verfügbarkeit von Spielständen und Zeitplänen konnten Zuschauer die Entwicklung der Matches verfolgen und je nach Attraktivität des Spiels spontan den Platz wechseln. Etwa 64 % der RGMA-Nutzer gaben an, dass die Verfolgung des Wettbewerbs auf ihrem Mobiltelefon sie dazu veranlasste, Plätze zu wechseln. Diese Interaktion zeigt, wie Informationstechnologie das Konsumentenverhalten direkt beeinflusst. Die App optimierte das Kundenerlebnis, indem sie den Besuchern half, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und ihren Tag im Stadion optimal zu nutzen.

Die Kundenzufriedenheit hatte einen weiteren positiven Effekt. Jeder Nutzer trug durch seine Veröffentlichungen im Internet und in sozialen Netzwerken zum globalen Image des Turniers bei – ein wichtiger Teil des Co-Creation-Prozesses. Dies entsprach dem sozialen Konstruktivismus, der eine erweiterte, fast unkontrollierte Kommunikation ermöglicht. Es bestand eine starke Korrelation zwischen der Datenverbindung und Web-Veröffentlichungen. Angesichts der begrenzten WLAN-Hotspots im RG-Stadion waren Kunden mit mobiler Datenverbindung (Edge/3G/4G) aktiver beim Teilen von Inhalten.

Die meisten Veröffentlichungen erfolgten in sozialen Netzwerken. Zwei Hauptkriterien prägten die aktiven Nutzer: Alter und Engagement im Tennissport. Junge Menschen (unter 25) und die Altersgruppe der 25- bis 40-Jährigen waren besonders aktiv in sozialen Netzwerken. Bei Zuschauern über 40 war die Aktivität in sozialen Medien geringer. Zudem waren Menschen, die in Vereinen Tennis spielten, signifikant aktiver in sozialen Netzwerken, da sie sowohl eine Community von Followern als auch ein professionelles Interesse an sportbezogenen Veröffentlichungen hatten.

Vier Typen von Stadionbesuchern: Eine detaillierte Analyse

Eine multidimensionale Analyse der Befragung führte zur Entwicklung einer Typologie und zur Etablierung von Zuschauerprofilen mit unterschiedlicher Nutzung der RGMA und Verhaltensweisen im vernetzten Stadion von Roland Garros:

  1. Der internationale Tourist: Diese vielfältige Gruppe reiste oft von weit her an (meist außerhalb Europas). Ihre Reise war nicht unbedingt auf Roland Garros ausgerichtet, und sie waren nicht zwangsläufig Tennisfans. Da Roland Garros jedoch ein weltberühmtes Ereignis in Paris ist, nutzten sie die Gelegenheit, das Stadion zu besuchen. Ihre Konnektivität konnte begrenzt sein und sich auf die WLAN-Hotspots des Stadions beschränken. Der Ticketservice der App war jedoch ein Anreiz zum Download. Ihr unterschiedliches Interesse am Tennis führte nicht zu einer konstanten App-Nutzung oder aktiven Social-Media-Beiträgen.

  2. Der Tennis-Fan: Diese Personen praktizierten regelmäßig Tennis in einem Verein oder anderen Sportstrukturen und besuchten Roland Garros speziell für das Turnier. Um die Ergebnisse der Matches zu verfolgen, hatten sie die RGMA im Voraus heruntergeladen. Die App ermöglichte es ihnen, den Platz zu wählen, auf dem sie die für sie interessantesten Matches sehen konnten. Typischerweise zwischen 25 und 40 Jahre alt, waren sie aktiv in sozialen Netzwerken und teilten ihre Erfahrungen mit Freunden und Communities. Für viele ist dies eine der gesündesten Sportarten.

  3. Die Jugendlichen: Junge Menschen unter 25 Jahren waren erwartungsgemäß besser an vernetzte Geräte angepasst und nutzten sie intuitiver. Sie konnten eine App leicht installieren und nutzen, sobald sie einen Nutzen erkannten. Sie waren regelmäßige Nutzer von sozialen Netzwerken und veröffentlichten häufig Inhalte. Diese Altersgruppe war sehr aktiv und reaktionsschnell im Web und in sozialen Medien, oft über eine breite Palette von Themen, die über reinen Sport hinausgingen. Sie können etwa auch Live-Berichte verfolgen, wie z.B. bei ARD Olympia Live.

  4. Die Senioren: Besucher über 50 Jahre, oft selbst Tennis spielend, zeigten ein traditionelleres Erlebnis des Sports. Sie waren weniger empfänglich für digitale Artefakte. Auch wenn nur wenige keine Datenverbindung auf ihrem Smartphone hatten, wollten viele die RGMA nicht herunterladen und bevorzugten andere Kanäle, um den Wettbewerb zu verfolgen. Diese konservative Gruppe benötigte mehr Zeit und Aufwand, um in die Nutzung der RGMA eingebunden zu werden. Dennoch gibt es auch im Alter Vorteile durch Spinning-Sport.

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Diese vier Profile ermutigen Sportmanager, ihr Publikum aus einer neuen Perspektive zu verstehen und komplementäre Strategien zur Verbesserung der Kundenerfahrung in Stadien zu entwickeln.

Fazit

Die Analyse der Roland Garros Mobile App 2018 zeigt deutlich, dass mobile Anwendungen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des modernen Sporterlebnisses spielen. Altersgruppen, die Affinität zum Sport und die Qualität der Konnektivität sind dabei Schlüsselfaktoren. Junge Menschen adaptieren digitale Technologien schneller und nutzen deren Vorteile intuitiver, während ältere Generationen oft weniger flexibel sind.

Eine durchgängige und qualitativ hochwertige Internetverbindung ist zwar eine Grundvoraussetzung für ein vernetztes Stadion, doch die meisten Besucher verlassen sich auf ihre mobilen Datenpakete und weniger auf das stadioninterne WLAN. Insbesondere Tennisfans nutzen Apps wie die RGMA intensiv – oft schon vor und nach dem Stadionbesuch – um Ergebnisse zu verfolgen und sind aktiver beim Teilen von Inhalten in sozialen Medien.

Der größte Vorteil mobiler Apps liegt in der Konsolidierung aller Dienstleistungen und Informationen an einem Ort. Dies ist nicht nur komfortabel für die Kunden, sondern auch praktisch für Veranstalter im Rahmen des Customer Relationship Managements (CRM) und der Datenerfassung. Funktionen wie Smart Ticketing sind zwar nicht neu, werden aber von den Kunden sehr geschätzt und sind oft ein treibender Faktor für den Download der App. Echtzeit-Analysen, die hauptsächlich von Tennisfans genutzt werden, erhöhen sogar die Wahrscheinlichkeit, dass Zuschauer während eines Events den Platz wechseln, um die attraktivsten Matches zu sehen.

Für Eventmanager und Sportvereine in Deutschland ist dies ein klares Signal: Die Investition in durchdachte, benutzerfreundliche mobile Anwendungen ist entscheidend, um die digitale Fan-Erfahrung kontinuierlich zu verbessern und mit den Erwartungen eines immer vernetzteren Publikums Schritt zu halten. Die Erkenntnisse aus der Roland Garros Fallstudie bieten eine wertvolle Orientierung, wie digitale Innovationen im Sportstadion strategisch eingesetzt werden können, um das Engagement der Fans zu maximieren und ein unvergessliches Erlebnis zu schaffen.