Die Geschichte des Fußballs ist reich an Wendepunkten, an Momenten, in denen sich Karrieren und Vereinsgeschicke auf unerwartete Weise verschoben haben. Im Falle des FC Liverpool und seines ehemaligen Trainers Jürgen Klopp gibt es faszinierende Einblicke in Entscheidungen, die den Verein und die Karrieren einiger der größten Fußballer aller Zeiten hätten maßgeblich beeinflussen können. Hätte sich die Geschichte anders entwickelt, könnte Klopp heute nicht als gefeierter Trainer gefeiert werden, und einige Weltklasse-Spieler würden vielleicht das rote Trikot von Liverpool tragen. Diese Betrachtung widmet sich jenen Spielern, die kurz davor standen, den Sprung zum FC Liverpool zu wagen, es aber aus unterschiedlichen Gründen doch nicht taten.
Jürgen Klopps fast-Ankunft und die Folgen
Es ist eine schöne Vorstellung, dass Jürgen Klopp, sollte Liverpool in der Saison 2024/25 die Meisterschaft gewinnen, zu den Feierlichkeiten eingeladen würde. Dies steht im Kontrast zur Meistersaison 2019/20, die wegen der Pandemie ohne Zuschauer stattfand. Ein traditioneller Tross durch die Stadt war damals ebenfalls nicht möglich. Klopps Rückkehr, auch wenn er nun die Distanz zur neuen Ära unter Arne Slot wahren würde, ist ein Zeichen der Wertschätzung für seine Verdienste.
Doch Klopps beeindruckendes Erbe in Liverpool wäre fast nie zustande gekommen. Hätte Sir Alex Ferguson ihn nicht umworben, um ihn als Nachfolger bei Manchester United zu installieren, wäre Klopp vielleicht nie an die Anfield Road gekommen. Klopp lehnte das Angebot aus Manchester ab, was eine Kette von Ereignissen auslöste, die schließlich zu seiner Ernennung als Liverpool-Trainer führten. Dieses Ereignis, oft als “Schmetterlingseffekt” bezeichnet, hatte tiefgreifende Auswirkungen auf den Verein.
Ähnliche Momente gab es auch bei Spielern. Jordan Henderson war 2012 kurz davor, den Verein in Richtung Fulham zu verlassen. Zum Glück lehnte er ab und führte die Reds später als Kapitän zu Meisterschaft und Champions League. Diese Überlegungen führen zu der Frage: Welche Spieler hätten fast das berühmte rote Trikot getragen, es aber aus verschiedenen Gründen doch nicht getan?
Cristiano Ronaldo: Der Superstar, der fast ein Red wurde
Es mag schwer zu glauben sein, aber Cristiano Ronaldo, eine Legende von Manchester United, Real Madrid und Juventus, hätte fast für den FC Liverpool gespielt. Dies geschah in seinen frühen Jahren bei Sporting Lissabon, wo er als junges Talent auf sich aufmerksam machte. Phil Thompson, eine Liverpool-Legende und Scout, reiste 2003 nach Lissabon, um Ronaldo zu beobachten. Nach einem positiven Bericht von Thompson versuchte Liverpool, Ronaldo zu verpflichten. Doch der Portugiese entschied sich stattdessen für Sir Alex Ferguson und Manchester United. Diese Entscheidung hätte die Geschichte des modernen Fußballs wohl maßgeblich verändert.
Michael Laudrup: Ein Däne mit fast Liverpooler Wurzeln
Nur wenige Spieler können von sich behaupten, sowohl für Barcelona als auch für Real Madrid gespielt zu haben – so tief ist die Rivalität zwischen diesen Vereinen. Michael Laudrup war einer von ihnen und wurde von beiden Vereinen verehrt. Seine Karriere hätte jedoch anders verlaufen können, hätte er sich 1983 für Liverpool entschieden. Damals als aufstrebender Stern bei Brøndby bekannt, unterschrieb Laudrup tatsächlich einen Dreijahresvertrag bei Liverpool. Doch im letzten Moment versuchte der Verein, die Vertragslänge auf vier Jahre zu ändern, was Laudrup ablehnte. Stattdessen wechselte er zu Lazio Rom, und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.
Diego Costa: Der Stürmer, der Liverpools Offensive hätte prägen können
Trotz seines oft kompromisslosen Spielstils war Diego Costa ein äußerst erfolgreicher Stürmer für Atlético Madrid und Chelsea, mit denen er Titel in La Liga, der Premier League und der Europa League gewann und ein Champions-League-Finale erreichte. Brendan Rodgers, damals Trainer von Liverpool, suchte nach einem physisch starken Mittelstürmer, und Diego Costa schien die perfekte Lösung zu sein. Liverpool zahlte die Ausstiegsklausel von 20 Millionen Pfund für Costa von Atlético Madrid, und der Wechsel schien nur Formsache. Doch etwas ging während der Verhandlungen schief, und Costa entschied sich, in Madrid zu bleiben und kurz darauf zu Chelsea zu wechseln.
Dani Alves: Ein brasilianischer Weltklasse-Rechtsverteidiger mit verpasster Chance
Im Jahr 2006 stand Rafael Benítez vor einer wichtigen Entscheidung: Entweder Steve Finnan auf der rechten Abwehrseite zu vertrauen oder das aufstrebende brasilianische Talent Dani Alves zu verpflichten. Finnan war ein unterschätzter Spieler, der eine wichtige Rolle beim Champions-League-Sieg 2004/05 spielte. Dennoch wäre es faszinierend gewesen, Alves’ Entwicklung an der Anfield Road zu sehen. Benítez entschied sich jedoch gegen die Verpflichtung von Alves für die geforderten 8 Millionen Pfund von Sevilla. Ironischerweise wurde Alves später zu einem der erfolgreichsten Spieler der Welt mit 43 Titeln, was ihn zum Rekordhalter für die meisten gewonnenen Trophäen im Profifußball macht.
Joey Barton: Der ungeliebte Sohn, der fast ein Red wurde
Ja, Sie haben richtig gelesen. Joey Barton, ein bekennender Anhänger des FC Everton, stand kurz davor, auf Wunsch von Steven Gerrard zum FC Liverpool zu wechseln. Gerrard hielt Barton für einen der besten englischen Mittelfeldspieler seiner Zeit. Gerard Houllier, der damalige Trainer, traf sich mit Barton und einigte sich sogar mit Manchester City auf eine Ablösesumme für den Sommerwechsel. Doch Houlliers Entlassung am Ende der Saison 2003/04 machte den Transfer zunichte. Stattdessen entschied sich Liverpool für die Verpflichtung von Xabi Alonso, einer Entscheidung, die sich als äußerst erfolgreich erwies.
Diese Beispiele zeigen, wie nah Spieler und Trainer manchmal am Wechsel zu einem großen Verein sind und wie eine einzige Entscheidung oder ein unerwartetes Ereignis den Lauf der Dinge verändern kann. Die Geschichte des FC Liverpool ist reich an solchen “Was wäre wenn”-Momenten, die den Sport so faszinierend machen.
