Die Säule 3a ist ein zentrales Element der privaten Altersvorsorge in der Schweiz und bietet attraktive Steuervorteile. Viele Sparer stehen jedoch vor der Frage, ob sie ihre 3a-Vorsorge über eine Bank oder eine Versicherung abschliessen sollen. Diese Entscheidung kann weitreichende finanzielle Folgen haben. Finanzexperten beleuchten die Unterschiede und geben wertvolle Ratschläge, um die optimale Lösung für Ihre individuelle Situation zu finden.
Säule 3a verstehen: Grundlagen und Vorteile
Die Säule 3a, auch gebundene Vorsorge genannt, dient dazu, Lücken in der Altersvorsorge zu schliessen, die durch die erste (AHV) und zweite Säule (Pensionskasse) entstehen können. Einer der grössten Anreize sind die steuerlichen Vorteile: Die Einzahlungen können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden, und das angesparte Kapital ist bis zur Auszahlung von der Vermögens- und Einkommenssteuer befreit.
Wann sollte man mit dem Einzahlen beginnen?
Grundsätzlich gilt: Je früher man mit dem Sparen beginnt, desto mehr profitiert man vom Zinseszinseffekt. Experten empfehlen, bereits in jungen Jahren oder nach dem Studium mit einem festen Einkommen in die Säule 3a einzuzahlen. Auch nach der Pensionierung ist eine Einzahlung bis zum 70. Altersjahr möglich, sofern eine AHV-pflichtige Erwerbstätigkeit besteht.
Der Kernvergleich: Bank versus Versicherung
Die Wahl zwischen einer Banklösung und einer Versicherungslösung für die Säule 3a ist oft der Dreh- und Angelpunkt der Diskussion.
Säule 3a bei der Bank: Flexibilität und Transparenz
Eine Säule 3a bei einer Bank, typischerweise als Sparkonto oder Fondsdepot, konzentriert sich ausschliesslich auf den Sparprozess.
- Transparenz: Bankprodukte sind in der Regel klarer strukturiert. Die Kosten (Kontoführungsgebühren, Fondskosten) sind leichter nachvollziehbar.
- Flexibilität: Man hat mehr Kontrolle über die Anlagestrategie und kann diese bei Bedarf anpassen.
- Kosten: Meist sind Banklösungen kostengünstiger, da sie keine zusätzlichen Versicherungsdeckungen und damit verbundene Prämien und Provisionen enthalten.
- Empfehlung: Experten raten dazu, Sparen und Versichern grundsätzlich zu trennen. Das heisst, die Altersvorsorge primär über eine Bank oder ein digitales Vorsorgeprodukt zu organisieren und allfälligen Risikoschutz (Todesfall, Erwerbsunfähigkeit) separat über eine Versicherung abzuschliessen, falls dieser überhaupt nötig ist.
Säule 3a mit einer Versicherung: Gebündelter Schutz mit Tücken?
Eine Säule 3a Lebensversicherung kombiniert den Sparprozess mit verschiedenen Versicherungsdeckungen, wie einer Todesfallrisikodeckung oder einer Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit.
- Kombinierter Schutz: Sie bieten oft einen umfassenden Schutz für verschiedene Lebensereignisse.
- Weniger Transparenz: Die Kostenstruktur ist bei Versicherungsprodukten oft komplexer und undurchsichtiger, da Provisionen, Abschluss- und Verwaltungskosten sowie Kosten für die Anlageprodukte integriert sind.
- Renditedruck: Die Prämien für die Versicherungsdeckungen schmälern den Sparanteil und können langfristig auf die Rendite drücken.
- Bindung: Ein vorzeitiger Ausstieg ist oft mit erheblichen Verlusten verbunden, insbesondere in den ersten Jahren, da hohe Abschlusskosten anfallen.
- Spezialfall Selbstständigkeit: Für Selbstständige, die keinen Pensionskassenanschluss haben, kann eine gemischte Lebensversicherung zur Absicherung bestimmter Risiken unter Umständen sinnvoll sein, sollte aber kritisch geprüft werden.
Ausstieg und Anpassung von Lebensversicherungen 3a
Viele Personen haben in der Vergangenheit eine gemischte Lebensversicherung abgeschlossen und fragen sich nun, wie sie damit umgehen sollen, insbesondere wenn sich ihre Lebensumstände geändert haben.
Kündigung, Prämienfreistellung oder Weiterführung?
Wenn Sie eine bestehende Säule 3a Lebensversicherung haben und diese kritisch hinterfragen möchten, stehen Ihnen in der Regel drei Optionen offen:
- Rückkauf (Kündigung): Die Police wird aufgelöst und das angesparte Sparkapital (Rückkaufswert) ausgezahlt. Dies ist oft mit Verlusten verbunden, insbesondere wenn der Vertrag noch nicht lange läuft, da die hohen Abschlusskosten bereits abgezogen wurden. Das Kapital kann dann in eine Banklösung transferiert werden.
- Prämienfreistellung (Sistierung): Sie zahlen keine weiteren Prämien mehr ein, der Vertrag bleibt jedoch bestehen und wird bis zum Ende der Laufzeit mit dem bereits angesparten Kapital weitergeführt. Der Risikoschutz fällt dabei in der Regel weg.
- Weiterführung: Der Vertrag wird wie vereinbart bis zum Ablauf weitergeführt.
Wichtiger Hinweis: Bevor Sie eine Entscheidung treffen, lassen Sie sich von Ihrer Versicherungsgesellschaft den aktuellen Rückkaufswert sowie die garantierten Endwerte bei Fortführung und Prämienfreistellung berechnen. Eine detaillierte Vorsorgeanalyse kann Aufschluss über die Rentabilität der verschiedenen Varianten geben.
Wann ist ein Wechsel sinnvoll?
Ein vorzeitiger Ausstieg aus einer 3a-Lebensversicherung kann trotz anfänglicher Verluste sinnvoll sein, wenn:
- Langer Anlagehorizont: Bei einer langen Restlaufzeit können die Einbussen durch die Umwandlung in eine kostengünstigere und renditestärkere Bank- oder Fondslösung oft wieder wettgemacht werden.
- Risikoschutz nicht mehr benötigt: Wenn Sie bereits anderweitig ausreichend abgesichert sind (z.B. durch Arbeitgeber oder separate Risikoversicherungen), ist der Risikoteil in der Lebensversicherung überflüssig.
- Fehlende Transparenz und Flexibilität: Der Wunsch nach mehr Kontrolle über die Anlagen und klareren Kostenstrukturen spricht für einen Wechsel.
Anlagestrategien und weitere Aspekte der Säule 3a
Über die Wahl zwischen Bank und Versicherung hinaus gibt es weitere wichtige Überlegungen für Ihre 3a-Vorsorge.
Investieren in Fonds: Chancen und Risiken
Wenn Sie einen langen Anlagehorizont (mindestens 5-10 Jahre) und eine entsprechende Risikobereitschaft haben, kann es sich lohnen, Ihr 3a-Kapital in Fonds, insbesondere kostengünstige ETFs, zu investieren. Diese bieten über längere Zeiträume in der Regel höhere Renditechancen als reine Sparkonten. Achten Sie auf eine Anlagestrategie, die zu Ihrem Risikoprofil passt, und vergleichen Sie die Gesamtkosten der Anbieter.
Mehrere 3a-Konten: Steueroptimierung beim Bezug
Um die Steuerprogression beim Bezug der Vorsorgegelder zu brechen, ist es sinnvoll, ab einem bestimmten Betrag (Faustregel: CHF 40’000 bis 50’000) ein neues 3a-Gefäss zu eröffnen. Dadurch können Sie das Kapital gestaffelt über mehrere Steuerjahre beziehen und so die Kapitalauszahlungssteuern optimieren. Werden mehrere Konten im selben Steuerjahr bezogen, werden diese jedoch zusammengerechnet und gemeinsam besteuert.
Säule 3a und Wohneigentum
Die Säule 3a kann für den Erwerb von selbstgenutztem Wohneigentum (Eigenheimförderung) verwendet werden, sei es für den direkten Kauf oder zur Amortisation einer Hypothek. Es lohnt sich jedoch zu prüfen, ob die Liegenschaft auch im Todesfall eines Ehe- oder Lebenspartners tragbar bliebe. Falls nicht, ist eine reine Todesfallkapitalversicherung (Säule 3b) eine sinnvolle Ergänzung. Das Sparen für die Altersvorsorge kann weiterhin über die Säule 3a bei einer Bank erfolgen.
Einzahlung nach Pensionierung und Besonderheiten
Auch nach Erreichen des ordentlichen AHV-Alters können Erwerbstätige weiterhin in die Säule 3a einzahlen, maximal bis zum 70. Geburtstag. Ohne Pensionskassenanschluss sind dies bis zu 20% des Nettoerwerbseinkommens. Im Falle einer IV-Rente sind Einzahlungen in die Säule 3a jedoch nicht möglich.
Anbieter und Beratung
Digitale Lösungen wie Frankly (von der Zürcher Kantonalbank) oder Viac bieten kostengünstige und transparente Möglichkeiten für die Säule 3a an. Sie können eine gute Alternative zu traditionellen Banken und Versicherungen darstellen. Unabhängig vom Anbieter ist es von entscheidender Bedeutung, sich umfassend beraten zu lassen. Ihre Hausbank oder ein unabhängiger Finanzberater kann eine persönliche Vorsorgeanalyse durchführen, die Ihre individuelle Situation (Risikoschutz, Altersvorsorge, Steueroptimierung) beleuchtet und massgeschneiderte Empfehlungen gibt.
Fazit: Die Säule 3a ist ein mächtiges Instrument zur Altersvorsorge und Steueroptimierung. Trennen Sie, wenn möglich, Sparen und Versichern, beginnen Sie frühzeitig mit den Einzahlungen und überprüfen Sie Ihre Vorsorgesituation regelmässig. Lassen Sie sich bei komplexen Fragen immer von Fachpersonen beraten, um die für Sie persönlich beste Strategie zu entwickeln und Ihre finanzielle Zukunft optimal abzusichern.
