Rudi Assauer: Eine Fußballlegende und Schalkes „Macher mit Herz“

Rudi Assauer mit seiner berühmten Zigarre

Rudi Assauer, der langjährige und legendäre Manager von Schalke 04, hätte diesen Moment zweifellos genossen. Sein Name hallte immer wieder von den Rängen der Nordkurve der Veltins-Arena wider, als Schalke am Mittwochabend im DFB-Pokal Fortuna Düsseldorf mit 4:1 besiegte. Doch das Ergebnis wurde an diesem Abend zur Nebensache, denn die Fans zollten einem ihrer Größten Tribut.

Weitere Ehrungen von dem Verein, dem er einen Großteil seines Lebens widmete, werden folgen. Assauer liebte Schalke über alles und prägte den Club fast zwei Jahrzehnte lang maßgeblich. Unter seiner umsichtigen Führung gelang es den Königsblauen, sich aus einer schwierigen finanziellen Lage zu befreien und 1997 den UEFA-Pokal zu gewinnen. Er war auch die treibende Kraft hinter der unvergesslichen Saison 2000/01, in der Schalke die “Meister der Herzen” wurde – eine Spielzeit voller Dramatik, die ihresgleichen sucht.

„Wir alle wissen, dass wir ohne Rudi heute nicht hier wären“, sagte Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies vor dem Düsseldorf-Spiel. „Rudi war der Architekt des modernen Schalke.“ Tönnies überbrachte diese Botschaft direkt auf dem Spielfeld des Stadions, dessen Bau Assauer maßgeblich vorantrieb und verwirklichte. Seine Präsenz und sein unermüdlicher Einsatz machten ihn zu einer Ikone des deutschen Fußballs und zu einem Vorbild für viele, die im Sportmanagement tätig sind.

Eine Heimat auf Schalke finden: Rudi Assauers Weg

Rudi Assauer wuchs im westfälischen Harten im Ruhrgebiet auf, einer Region, deren Wirtschaft lange Zeit vom Bergbau geprägt war. Die Luftqualität war oft schlecht, und harte Arbeit gehörte zum Alltag. Doch Assauer verbrachte seine frühen Jahre auf der Straße und spielte leidenschaftlich Fußball. Mit 14 begann er eine Lehre als Stahlschlosser, die er jedoch nach nur sechs Monaten abbrach. Es folgte eine Ausbildung zum Bankkaufmann, doch für Assauer gab es immer nur eine wahre Berufung: den Fußball.

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Als Spieler gewann er 1966 mit Borussia Dortmund den Europapokal der Pokalsieger, aber seine wahre Berufung fand er als Manager. Assauer war stets ein “Kind der Straße” und führte seine Vereine mit derselben Mentalität. Die Fans liebten ihn dafür. Michael Meier, der ehemalige Manager von Borussia Dortmund, gab ihm den Spitznamen „Kaschmir-Hooligan“. Er war ein Mann, der sich nie vor Verantwortung scheute und alles von ihm Verlangte erledigte, meist mit seiner charakteristischen Zigarre im Mundwinkel.

Rudi Assauer mit seiner berühmten ZigarreRudi Assauer mit seiner berühmten ZigarreHuub Stevens und Rudi Assauer nach dem UEFA-Pokalsieg 1997Huub Stevens und Rudi Assauer nach dem UEFA-Pokalsieg 1997

Ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nahm: „Der Assi“

„Der Assi“, wie er respektvoll und liebevoll von allen genannt wurde, genoss den Ruf eines harten Mannes. Er war keiner, der mit seinen Worten geizte, wenn die Situation es erforderte. Seine direkte Art war oft entwaffnend, aber stets ehrlich und authentisch.

„Erst wenn der Schnee geschmolzen ist, sieht man, wo die Scheiße liegt“, bemerkte er einmal lapidar, als er 2005 zum Robert-Hoyzer-Wettskandal befragt wurde, der den deutschen Fußball erschütterte. Seine Analysen waren oft brutal ehrlich, aber auch prägnant und unvergesslich.

Über den Verein, den er so sehr liebte, sagte er einmal: „Entweder ich zerbreche an Schalke, oder Schalke zerbricht an mir.“ Dieses Zitat veranschaulicht seine tiefe Verbundenheit und die leidenschaftliche, manchmal auch leidvolle Beziehung zu seinem Club. Er lebte und atmete für die Königsblauen, und diese Hingabe machte ihn so einzigartig.

Einmal pro Woche spielte er Hallenfußball mit Freunden und lokalen Journalisten. Es war keine Seltenheit, dass Letztere dabei erfuhren, welche Artikel er für „Quatsch“ hielt. Doch sobald er es gesagt hatte, war die Sache für ihn erledigt. Eine Trainingseinheit sagte er nie ab. Nach dem Spielen kehrte er in sein Haus an der Cranger Straße in Gelsenkirchen zurück und entspannte sich bei einigen seiner Lieblings-Oldies im Radio. Er war eine feste Größe im Ruhrgebiet und für viele das Gesicht des modernen Fußballs.

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Harte Schale, weicher Kern: Eine liebevolle Vaterfigur

Doch Rudi Assauer war ein weitaus sensiblerer Mensch, als die meisten wussten. Er kümmerte sich um diejenigen, die ihm wichtig waren, und beschützte sie leidenschaftlich. Die Mitarbeiter und Spieler des Vereins betrachtete er als seine Familie. Er konnte schwierig zu ihnen sein, aber er nahm immer die Rolle eines liebenden Vaters ein. Diese Dualität seiner Persönlichkeit machte ihn zu einer so faszinierenden Figur im deutschen Sport.

„Ich verdanke ihm so viel als Fußballer, aber auch als Mensch“, sagte der ehemalige Schalke-Spieler Gerald Asamoah am Mittwoch. „Immer wenn es mir schlecht ging, konnte ich ihn anrufen. Er war immer für mich da. Ein Kämpfer bis zum Schluss.“ Assauer hinterließ bei vielen Spielern und Kollegen einen tiefen und bleibenden Eindruck, nicht nur durch seine fachliche Expertise, sondern auch durch seine menschliche Wärme.

Es ist fast schon ironisch, dass ausgerechnet Assauer an Alzheimer erkrankte. Als furchtloser Mann in den meisten Belangen fürchtete Assauer nichts mehr als die Entwicklung dieser Krankheit, die auch seinen Vater früh dahingerafft hatte.

„Mein Gehirn funktioniert nicht mehr“, sagte er nach seiner Diagnose im Jahr 2012. „Es wird nicht besser, es wird schlechter. Ich muss mich damit abfinden.“ Dieser mutige Umgang mit seiner Krankheit zeigte erneut seine Stärke und seinen unbedingten Lebenswillen.

Die Alzheimer-Krankheit ist eine Form der Demenz, die in Deutschland DFB rund 1,7 Millionen Menschen betrifft. Jedes Jahr werden etwa 300.000 neue Fälle diagnostiziert. Assauers offener Umgang mit seiner Krankheit trug dazu bei, das Bewusstsein für diese heimtückische Erkrankung zu schärfen. Viele Fußballpersönlichkeiten wie Berti Vogts oder aktuelle Stars wie Mats Hummels haben seine Bedeutung für den deutschen Fußball hervorgehoben.

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Rudi Assauer besucht ein Schalke-Heimspiel im Jahr 2017Rudi Assauer besucht ein Schalke-Heimspiel im Jahr 2017

Ein tragischer Abschied und die ewige Liebe zu Schalke

Sein Abschied von Schalke im Jahr 2006 war bitter. Er hatte das Gefühl, von einem Mitglied seiner eigenen Familie verraten worden zu sein. Assauer fühlte sich respektlos behandelt, doch der Verein hatte Anzeichen seiner Krankheit bemerkt und ihm eine alternative Rolle im Club angeboten. Aus Trotz weigerte er sich, eine Präsidentenrolle zu übernehmen. Er fühlte sich aus dem Verein, den er von ganzem Herzen liebte, vertrieben.

Er kam über das, was er als Verrat der Vereinsführung empfand, nie wirklich hinweg, blieb aber ein loyaler Anhänger und besuchte die Spiele bis Mitte des letzten Jahres, als seine Krankheit ihn schließlich daran hinderte. Trotz allem, was passiert war, konnte er die Liebe seines Lebens nicht aufgeben. Es ist diese unbeirrbare Loyalität, die ihn im Kontext des deutschen Fußballs und auch bei großen Ereignissen wie der Frauen Fußball WM 2022 unvergesslich macht.

Am Mittwochnachmittag verlor Assauer seinen langen und erschöpfenden Kampf gegen die Krankheit. Der letzte große „Macho“ des deutschen Fußballs starb im Alter von 74 Jahren. Sein Vermächtnis als Visionär, Kämpfer und liebendes Herz wird auf Schalke und im gesamten deutschen Fußball unvergessen bleiben. Er prägte eine Ära und hinterließ Spuren, die noch lange sichtbar sein werden, sowohl auf dem Platz als auch abseits davon.