Die Rürup-Rente im Aufwind: Deutschlands Sparer denken um

In Deutschland erlebt die sogenannte Basisrente, besser bekannt als Rürup-Rente, eine bemerkenswerte Renaissance. Dieses Phänomen ist ein klares Zeichen dafür, dass sich deutsche Sparer der Chancen bewusst werden, die die Kapitalmärkte für eine langfristige Anlage ihrer Altersvorsorge bieten. Währenddessen verlieren Riester-Rentenverträge mit ihren teils starren Garantieprodukten zunehmend an Attraktivität und sind im Abwind. Die Flexibilität und die steuerlichen Vorteile der Rürup-Rente sprechen dabei insbesondere Selbstständige und Gutverdiener an, die nach einer effizienten Möglichkeit suchen, für ihren Ruhestand vorzusorgen.

Die aktuellen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) untermauern diesen positiven Trend eindrucksvoll. Im vergangenen Jahr wurden fast 133.800 neue Rürup-Rentenverträge abgeschlossen, was einem beeindruckenden Anstieg von 14,2 % gegenüber dem Vorjahr 2022 entspricht. Auch die jährlichen Beitragszahlungen verzeichneten 2023 ein deutliches Plus von 22,7 % und erreichten rund 502,8 Millionen Euro. Die Gesamtzahl der Basisrentenverträge und der Beiträge stieg im letzten Jahr um 4,8 % auf rund 2,7 Millionen und 4,4 Milliarden Euro. Die jährlichen Rentenzahlungen beliefen sich auf 95,1 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 8,5 %. Die Gesamtversicherungssumme unter Rürup-Verträgen erreichte im letzten Jahr mit 10,34 Milliarden Euro den höchsten Stand seit der Einführung des privaten Vorsorgeprodukts im Jahr 2005, was einem Anstieg von 22,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur eine quantitative Zunahme, sondern auch ein wachsendes Vertrauen in diese Form der privaten Altersvorsorge.

Die Attraktivität der Basisrente: Vorteile für Selbstständige und Gutverdiener

Die Basisrente, die ihren Namen dem Ökonomen Bert Rürup verdankt, ist ein kapitalmarktorientiertes privates Vorsorgeprodukt. Ein entscheidender Vorteil der Rürup-Rente liegt in ihrer steuerlichen Förderfähigkeit: Beiträge können, ähnlich wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung (der ersten Säule), vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden. Dies macht sie besonders attraktiv für Selbstständige, Freiberufler und Angestellte mit hohem Einkommen, die von den vollen Steuervorteilen profitieren können. Die monatliche Basisrente wird in der Regel erst nach Erreichen des 62. Lebensjahres ausgezahlt. Während die Auszahlungen im Rentenalter steuerpflichtig sind, ist der zu zahlende Steuersatz oft geringer als während der Einzahlungsphase, was die Rürup-Rente zu einem effektiven Instrument der Altersvorsorge macht. Die Möglichkeit, langfristig am Kapitalmarkt zu partizipieren und gleichzeitig Steuervorteile zu nutzen, ist ein Hauptgrund für die steigende Beliebtheit dieser privaten Altersvorsorge. Viele Finanzexperten betrachten sie daher als eine sinnvolle Ergänzung zur gesetzlichen Rente, insbesondere für Personen, die nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder ihre Altersvorsorge auf mehrere Säulen verteilen möchten. Hierbei bieten sich verschiedene private Altersvorsorgelösungen an, um die individuelle finanzielle Zukunft abzusichern. canada life rentenversicherung

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Ein Umdenken in der Altersvorsorge-Landschaft Deutschlands

Die wachsende Präferenz für die Rürup-Rente in den letzten Jahren ist eng verknüpft mit den aktuellen Bemühungen der Bundesregierung, Reformen im deutschen Rentensystem voranzutreiben. Ziel ist es, mehr Pensionsvermögen an den Kapitalmärkten anzulegen und Garantien zu reduzieren, um die Altersvorsorge zukunftsfähig zu machen und den Anstieg der Beitragssätze zu verlangsamen.

Im Rahmen dieser Rentenreformen hat das Kabinett unter anderem vorgeschlagen, einen Fonds für Aktienanlagen in der ersten Säule einzurichten. Dies soll dazu beitragen, die Abhängigkeit von demografischen Entwicklungen zu mindern und eine stabilere Basis für künftige Rentenzahlungen zu schaffen. Auch für die zweite Säule, die betriebliche Altersvorsorge, gibt es konkrete Pläne: Es wurde vorgeschlagen, die Puffer für das Sozialpartnermodell und dessen beitragsorientierte Pläne zu stärken, um aggressivere Anlagestrategien zu ermöglichen. Zudem soll Pensionskassen bei einer Unterdeckung mehr Spielraum für Investitionen mit höheren Renditen eingeräumt werden, und eine separate Quote soll Infrastrukturinvestitionen ankurbeln.

Für die private Altersvorsorge der dritten Säule strebt die Regierung laut Staatssekretär Florian Toncar in einem Interview an, steuerfreie Sparpläne auf Wertpapiere, ETFs, Fonds, Aktien und Anleihen zu ermöglichen. Altersvorsorgekonten sollen ohne Garantien und mit einer Rentenoption angeboten werden, was den Sparern mehr Flexibilität und höhere Renditechancen bieten könnte. Diese umfassenden Reformbestrebungen zeigen, dass in Deutschland ein Paradigmenwechsel in der Altersvorsorge stattfindet, weg von reinen Garantieprodukten hin zu einer stärkeren Kapitalmarktorientierung.

Die Riester-Rente im Abwind: Das Scheitern der Garantieprodukte

Während die Rürup-Rente im Aufwind ist, verlieren Riester-Rentenverträge, die einst als Eckpfeiler der privaten Altersvorsorge galten, massiv an Popularität. Deutsche Sparer zeigen sich zunehmend enttäuscht von den Riester-Produkten, die oft mit hohen Garantien und damit verbundenen hohen Kosten einhergehen, welche die Renditen empfindlich schmälern.

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Die Zahlen des GDV sprechen hier eine deutliche Sprache: Die Anzahl der Riester-Verträge sank 2023 um 67,2 %, wobei nur noch 41.000 Deutsche sich für ein Riester-Produkt entschieden. Diese drastische Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit einer Reform der dritten Säule der Altersvorsorge. Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig: Neben den hohen Kosten und den enttäuschenden Renditen werden oft auch die Komplexität der Produkte und die mangelnde Flexibilität kritisiert. Viele Sparer haben das Vertrauen in die Riester-Rente verloren und suchen nach Alternativen, die ihnen mehr Kontrolle über ihre Anlagen und bessere Renditechancen bieten. Der Vergleich zwischen dem Aufstieg der Rürup-Rente und dem Abstieg der Riester-Rente zeigt klar, dass der Markt und die Sparer eine neue Richtung einschlagen, weg von starren Garantieprodukten hin zu flexibleren und renditeorientierteren Anlagelösungen.

Fazit: Eine neue Ära der Altersvorsorge in Deutschland

Der Aufstieg der Rürup-Rente und der gleichzeitige Rückgang der Riester-Rente markieren einen Wendepunkt in der deutschen Altersvorsorge. Immer mehr Sparer erkennen die Vorteile kapitalmarktorientierter Produkte, die höhere Renditechancen bieten und besser auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sind. Die politischen Bestrebungen, das Rentensystem durch eine stärkere Kapitalmarktintegration zu reformieren, verstärken diesen Trend zusätzlich. Für alle, die sich mit ihrer Altersvorsorge auseinandersetzen, ist es entscheidend, die verschiedenen Optionen sorgfältig zu prüfen und eine Lösung zu finden, die den eigenen finanziellen Zielen und Risikobereitschaft entspricht. Die Basisrente bietet hierbei eine attraktive Möglichkeit, langfristig und steuerbegünstigt für den Ruhestand vorzusorgen, insbesondere für Selbstständige und Besserverdienende. Es ist an der Zeit, proaktiv zu handeln und die Weichen für eine finanziell abgesicherte Zukunft zu stellen.

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