Die deutsche Lohnabrechnung einfach erklärt: Dein Gehaltszettel im Detail

In Deutschland ist es üblich, dass ein Teil des Gehalts für Steuern und Sozialabgaben verwendet wird. Deine deutsche Lohnabrechnung (oder Gehaltsabrechnung) ist das Dokument, das detaillierte Informationen über dein Gehalt und die vorgenommenen Abzüge enthält. Die Vielzahl an Fachbegriffen und Zahlen kann auf den ersten Blick verwirrend wirken. Dieser Artikel entschlüsselt die verschiedenen Posten und hilft dir, deine Lohnabrechnung vollständig zu verstehen.

Was ist eine Lohnabrechnung?

Eine Lohnabrechnung oder Gehaltsabrechnung in Deutschland zeigt dir, wie sich dein Lohn oder Gehalt zusammensetzt. Sie gibt dir Aufschluss darüber, welche Abzüge von deinem Bruttogehalt (Einkommen vor Steuern) vorgenommen werden und wie hoch dein Nettogehalt (der Betrag, der dir ausgezahlt wird) sein wird.

Deine Einkommensteuer (Lohnsteuer), der Solidaritätszuschlag (Solidaritätszuschlag, fällig ab einem bestimmten Jahreseinkommen) und gegebenenfalls die Kirchensteuer (wenn du Mitglied einer staatlich anerkannten Kirche bist) werden direkt an das Finanzamt abgeführt. Die Beitragszahlung Rentenversicherung und andere Sozialversicherungsbeiträge hingegen werden an die entsprechenden Sozialversicherungsträger weitergeleitet.

Die Sozialversicherungsbeiträge, zu denen Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung gehören, sind ein wichtiger Bestandteil des deutschen Sozialsystems und werden von deinem Bruttogehalt abgezogen, um dich und andere in verschiedenen Lebenslagen abzusichern.

So entschlüsselst du deine deutsche Lohnabrechnung

Eine deutsche Lohnabrechnung ist typischerweise in drei Hauptabschnitte unterteilt, die jeweils unterschiedliche Informationen enthalten:

Der erste Abschnitt beinhaltet persönliche Daten sowohl von dir als auch von deinem Arbeitgeber, eine Referenznummer, das Ausstellungsdatum, deine Steuer-ID und Sozialversicherungsnummer sowie deine Berufsbezeichnung.

Der zweite Abschnitt bietet eine detaillierte Übersicht über alle deine Bezüge und Abzüge.

Im letzten Abschnitt findest du schließlich deine Bankverbindung, das insgesamt ausgezahlte Nettogehalt und eine Zusammenfassung deiner Verdienste.

1. Persönliche Informationen

Dieser Teil der Lohnabrechnung enthält alle wichtigen persönlichen und arbeitsbezogenen Daten:

  • Arbeitnehmer Nr. oder Personal-Nr. – Deine persönliche Mitarbeiternummer.
  • Geburtsdatum – Dein Geburtsdatum.
  • StKl. (Steuerklasse) – Deine individuelle Steuerklasse.
  • Ki.Frbtr. (Kinderfreibeträge) oder ZKF (Zahl der Kinderfreibeträge) – Anzahl der Steuerfreibeträge für Kinder (1 pro Kind).
  • Konfession oder Rel. (Religion) – Deine Religionszugehörigkeit (z.B. RK = römisch-katholisch; EV = evangelisch; — = keine Religion).
  • Freibetrag oder Steuerfr. Bezug (Steuerfreibezug) – Steuerfreibetrag, der dein zu versteuerndes Einkommen mindert.
  • St. Tg. (Steuertage) – Die relevante Zeitperiode für die Besteuerung (für einen vollen Monat in der Regel 30 Tage).
  • SV-Nummer (Sozialversicherungsnummer) oder RV-Nummer (Rentenversicherungsnummer) – Deine persönliche Sozialversicherungsnummer.
  • Krankenkasse – Deine Krankenkasse.
  • KK % – Dein Beitragssatz zur Krankenversicherung.
  • Eintritt oder Eintrittsdatum – Dein Eintrittsdatum beim aktuellen Arbeitgeber.
  • SV-Tg. (Sozialversicherungstage) – Die relevante Zeitperiode für die Sozialversicherung (für einen vollen Monat in der Regel 30 Tage).
  • BGRS oder SV Schlüssel / Beitr.gr. (KV/RV/AV/PV) – Sozialversicherungsschlüssel, der deinen Beitragsstatus anzeigt (1 = volle Beitragspflicht).
  • Steuer-ID oder Lohnsteueridentifikationsnummer (IdNr.) – Deine persönliche Steueridentifikationsnummer.
  • Url. Anspr. (Urlaubsanspruch) – Die vertraglich vereinbarten Urlaubstage (gesetzlich 20, bis zu 30 sind üblich).
  • Url. Tg. gen. (Urlaubstage genehmigt) – Die bereits im laufenden Jahr genommenen Urlaubstage.
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2. Gehaltsinformationen

Nicht alle der unten aufgeführten Begriffe werden jeden Monat auf deiner Lohnabrechnung erscheinen. Einige können nur in bestimmten Monaten auftauchen, etwa bei Bonuszahlungen oder besonderen Leistungen.

Bezüge

  • Brutto Bezüge – Deine gesamten Bruttoeinkünfte.
  • Bezeichnung – Beschreibung des jeweiligen Postens.
  • Gehalt – Dein monatliches Grundgehalt.
  • Geldw. Vorteil oder Sachbezug – Sachleistungen, die steuer- und sozialversicherungspflichtig sind (z.B. Dienstwagen).
  • VL AG (Vermögenswirksame Leistungen Arbeitgeberanteil) – Freiwilliger Arbeitgeberanteil zu vermögenswirksamen Leistungen.
  • Betr. AV oder BAV (Betriebliche Altersvorsorge) – Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersvorsorge.
  • Einmalbezug oder Einmalzahlung – Einmalige Sonderzahlung (z.B. Weihnachts- oder Urlaubsgeld, Bonuszahlungen).
  • Urlaubsgeld – Zusätzliche Zahlung für den Urlaub.
  • Gehaltsumwandlung: Abzug für steuer- oder sozialversicherungsbegünstigte Leistungen.
  • ST-frei (Steuerfreie Bezüge) – Steuerfreie Leistungen.
  • Gesamtbrutto oder Steuer-Brutto – Dein gesamtes Bruttogehalt (steuerpflichtiger Betrag).
  • Nettoverdienst oder Auszahlungsbetrag – Das Nettogehalt, das auf dein Bankkonto überwiesen wird.

Was ist der Unterschied zwischen „Lohn“ und „Gehalt“?

Es gibt einen feinen, aber wichtigen Unterschied:

  • Gehalt: Bleibt jeden Monat gleich und ist unabhängig von der Arbeitsleistung oder -zeit.
  • Lohn: Variiert monatlich, abhängig von Faktoren wie geleisteten Stunden, verkauften Einheiten oder anderen Leistungskennzahlen.

3. Steuern und Sozialversicherungsbeiträge

In Deutschland werden von deinem Bruttogehalt sowohl Sozialversicherungsbeiträge als auch Steuern abgezogen. Die Abzugsquote kann rund 40% deines Bruttogehalts betragen. Wir erklären dir, welche Steuern und Beiträge du von deinem Gehalt zahlst.

Steuern

Dein Arbeitgeber führt diese Steuern automatisch von deinem Bruttogehalt ab und überweist sie an die deutschen Finanzbehörden (Finanzamt).

  • Lohnsteuer (LSt.) – Die Einkommensteuer, progressiv berechnet (zwischen 14% und 42%).
  • Kirchensteuer (KiSt.) – Die Kirchensteuer, abhängig von deiner Konfession (8-9% der Lohnsteuer, je nach Bundesland).
  • Solidaritätszuschlag – Ein Zuschlag, der aus Solidaritätsgründen erhoben wird (maximal 5,5% der Lohnsteuer). Seit 2021 ist er nur noch für höhere Einkommen fällig (ab ca. 73.000 Euro Bruttojahreseinkommen).
  • Steuerrechtliche Abzüge – Die Summe aller steuerlichen Abzüge.
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Sozialversicherungsbeiträge

Die Sozialversicherungsbeiträge werden in der Regel hälftig von Arbeitnehmer und Arbeitgeber getragen.

  • SV (Sozialversicherung) – Sammelbegriff für die Sozialversicherungen.
  • KV-Beitrag (Krankenversicherung) – Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung (aktuell 14,6% allgemeiner Beitragssatz + individueller Zusatzbeitrag der Krankenkasse).
  • PV-Beitrag (Pflegeversicherung) – Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung (variiert je nach Kinderzahl und Bundesland, zwischen 2,4% und 4,0%).
  • RV-Beitrag (Rentenversicherung) – Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung (aktuell 18,6%). Informationen zur freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung oder zum Regelbeitrag zur Rentenversicherung für Selbstständige können besonders für bestimmte Berufsgruppen oder bei flexiblen Arbeitsmodellen relevant sein.
  • AV-Beitrag (Arbeitslosenversicherung) – Beitrag zur Arbeitslosenversicherung (aktuell 2,4%).
  • Zusatzbeitrag – Zusätzlicher Beitrag, meist im Kontext der Krankenversicherung.
  • SV-rechtliche Abzüge – Die Summe aller Sozialversicherungsabzüge, üblicherweise der Arbeitnehmeranteil (ca. 50%).
  • SV-AG-Anteil (Sozialversicherung Arbeitgeber Anteil) – Die Summe aller Sozialversicherungsbeiträge, die vom Arbeitgeber getragen werden (üblicherweise ca. 50%).

Wie werden deine Abzüge berechnet?

Die tatsächlichen Abzüge von deinem Bruttogehalt sind in Deutschland sehr individuell und hängen von verschiedenen Faktoren ab: deiner Steuerklasse, deiner Krankenversicherung, ob du Kirchensteuer zahlst und sogar deinem Wohnort in Deutschland.

Deine Steuern und Beiträge werden als Prozentsatz deines Gesamtbruttogehalts berechnet. Dein Lohnsteuersatz liegt normalerweise zwischen 15% und 45%. Dieser Betrag wiederum beeinflusst die Höhe deiner Kirchensteuer und des Solidaritätszuschlags. Was übrig bleibt, ist dein Nettogehalt, das auf dein deutsches Bankkonto überwiesen wird.

Betreffend die private Rentenversicherung in der Steuererklärung, ist es wichtig zu wissen, wie solche Beiträge gehandhabt werden können, um potenzielle Steuervorteile zu nutzen.

Welche Sozialversicherungsbeiträge zahlst du?

Bist du Mitglied einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft? Dann zahlst du zusätzlich 9% (oder 8% in Bayern und Baden-Württemberg) deines Lohnsteuerbetrags als Kirchensteuer (KiSt auf deiner Lohnabrechnung).

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Bist du Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung, werden 14,6% plus ein individueller Zusatzbeitrag (im Durchschnitt 1,7%, variiert je nach Krankenkasse) deines Bruttogehalts für die gesetzliche Krankenversicherung (Krankenversicherung, oder KV-Beitrag auf deiner Lohnabrechnung) abgezogen. Es gibt jedoch eine Einkommensgrenze (aktuell ca. 62.100 Euro pro Jahr), ab der der Höchstbetrag (ca. 808 Euro inkl. Zusatzbeitrag) gezahlt wird.

Bist du privat krankenversichert, zahlst du deinen Beitrag direkt an deine private Krankenversicherung.

Für die gesetzliche Rentenversicherung (Rentenversicherung, oder RV-Beitrag auf deiner Lohnabrechnung) werden 18,6% abgezogen. Auch für deine Sozialversicherung (Sozialversicherung, oder SV auf deiner Lohnabrechnung) wird ein fester Prozentsatz von deinem Bruttogehalt abgezogen. Auch für die Rentenversicherung beim Minijob für Hausfrauen gibt es spezielle Regelungen, die wichtig sind zu verstehen.

Hinzu kommt ein Abzug von 2,5% für die Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosenversicherung, oder AV-Beitrag auf deiner Lohnabrechnung) und je nach Kinderzahl 3,4% (bei einem Kind; weniger bei mehreren Kindern) und 4,0% (wenn du über 23 Jahre alt und kinderlos bist) für die Pflegeversicherung (Pflegeversicherung, oder PV-Beitrag auf deiner Lohnabrechnung). Als Arbeitnehmer trägst du jedoch nur etwa 50% dieser Beiträge, die andere Hälfte übernimmt dein Arbeitgeber.

Die verschiedenen Lohnsteuerklassen in Deutschland

In Deutschland gibt es sechs verschiedene Lohnsteuerklassen, die deine monatlichen Abzüge maßgeblich beeinflussen:

  • Lohnsteuerklasse 1: Für ledige, unverheiratete, verwitwete oder geschiedene Personen.
  • Lohnsteuerklasse 2: Für Alleinerziehende mit mindestens einem minderjährigen Kind.
  • Lohnsteuerklasse 3: Für verheiratete, verwitwete oder in eingetragenen Lebenspartnerschaften lebende Personen (nur in Kombination mit Steuerklasse 5 möglich). Diese Klasse ist oft vorteilhaft für den Partner mit dem höheren Einkommen.
  • Lohnsteuerklasse 4: Für verheiratete Paare oder eingetragene Lebenspartner, die beide Steuerklasse 4 gewählt haben. Diese ist