Die Schilddrüse spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Entwicklung von Katzen. Eine Fehlfunktion, insbesondere eine Überfunktion (Hyperthyreose), kann weitreichende gesundheitliche Folgen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Funktionen der Schilddrüse, die Ursachen und Symptome einer Überfunktion bei Katzen sowie moderne Diagnose- und Behandlungsmethoden, um die Gesundheit Ihres vierbeinigen Freundes zu erhalten.
Die Bedeutung der Schilddrüse für Katzen
Die Schilddrüse, ein kleines, aber essenzielles Organ im Halsbereich, produziert Hormone, die wie das “Gaspedal des Organismus” wirken. Die wichtigsten Schilddrüsenhormone, Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), regulieren die Stoffwechselrate, beeinflussen Herzfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur. Während der Entwicklung sind sie zudem für das Zellwachstum und die Gehirnentwicklung unerlässlich. Ein weiteres Hormon, Kalzitonin, spielt eine Rolle im Kalziumstoffwechsel. Die Produktion der Schilddrüsenhormone wird präzise von der Hypophyse und dem Hypothalamus im Gehirn gesteuert.
Ursachen und Prävalenz der felinen Hyperthyreose
Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion Bei Katzen sind gutartige Wucherungen des Schilddrüsengewebes, oft als “multinoduläre adenomatöse Hyperplasie” bezeichnet, bei der sich zahlreiche kleine Knoten bilden und die Drüse vergrößern. Seltener sind gutartige Tumore (Schilddrüsenadenome) oder bösartige Karzinome die Ursache, wobei letztere nur in weniger als 5 % der Fälle auftreten. Die felinen Hyperthyreose ist die häufigste hormonelle Erkrankung bei Katzen über acht Jahren. Die genauen Gründe für die Zunahme dieser Erkrankung in den letzten Jahrzehnten sind noch nicht vollständig geklärt, obwohl Umwelteinflüsse wie bestimmte Chemikalien (z.B. Flammschutzmittel PBDEs) in Verdacht geraten sind.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Der hormonelle Überschuss versetzt den Katzenstoffwechsel in einen permanenten “Hochbetrieb”, was sich in vielfältigen Symptomen äußert:
- Verhaltensänderungen: Ruhelosigkeit, Hyperaktivität und bisweilen Aggressivität.
- Appetit und Gewicht: Starker Heißhunger (Polyphagie) trotz deutlichem Gewichtsverlust und Abmagerung (Kachexie).
- Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt: Vermehrter Durst (Polydipsie) und häufiger Harndrang (Polyurie).
- Fell und Haut: Veränderungen wie Haarausfall, stumpfes Fell oder kahle Stellen.
- Magen-Darm-Trakt: Häufiges Erbrechen (Vomitus) und/oder Durchfall (Diarrhoe) mit erhöhter Kotmenge.
- Allgemeinzustand: Schwäche (Lethargie) oder paradoxerweise Appetitlosigkeit (Anorexie) können ebenfalls auftreten.
Diagnose durch den Tierarzt
Die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion basiert auf einer Kombination aus klinischer Untersuchung, Palpation und Blutuntersuchungen. Eine vergrößerte, tastbare Schilddrüse ist ein wichtiger Hinweis. Da die Symptome einer Hyperthyreose denen anderer Erkrankungen wie Niereninsuffizienz oder Diabetes mellitus ähneln können, ist eine Blutuntersuchung essenziell.
Blutuntersuchung
Die Messung des Schilddrüsenhormons T4 (Thyroxin) im Blutserum ist der wichtigste diagnostische Schritt. Fast alle Katzen mit Hyperthyreose zeigen erhöhte T4-Werte. Bei grenzwertigen oder normalen Werten kann die Bestimmung von freiem T4 (fT4) oder ein T3-Suppressionstest Klarheit schaffen. Ergänzend werden oft ein großes Blutbild und ein Serumprofil zur Beurteilung der Organfunktion (Leber, Nieren) angefertigt.
Weitere diagnostische Verfahren
Eine Schilddrüsenszintigraphie kann in unklaren Fällen oder zur Lokalisierung von Gewebewucherungen im Brustraum eingesetzt werden. Dieses Verfahren ist jedoch nur an spezialisierten Kliniken verfügbar.
Mögliche Komplikationen
Eine unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion kann zu ernsthaften Komplikationen führen:
- Herzerkrankungen: Die ständige Überlastung kann zu Herzmuskelerkrankungen (hypertrophe oder dilatative Kardiomyopathie), Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck (Hypertonie) führen.
- Nierenprobleme: Katzen mit Hyperthyreose haben oft gleichzeitig eine chronische Niereninsuffizienz. Die Behandlung der Schilddrüsenerkrankung kann die Nierenfunktion beeinträchtigen, da die Nierendurchblutung sinkt, wenn der durch die Hyperthyreose erhöhte Blutdruck normalisiert wird. Eine sorgfältige Überwachung ist hier unerlässlich.
- Harnwegsinfektionen: Etwa jede siebte betroffene Katze leidet unter Harnwegsinfektionen.
- Magen-Darm-Beschwerden: Eine beschleunigte Darmpassage kann zu Verdauungsproblemen und Durchfall führen. Entzündliche Darmerkrankungen (IBD) oder Lymphome können ähnliche Symptome verursachen und müssen differentialdiagnostisch abgeklärt werden.
- Bluthochdruck: Kann in seltenen Fällen zu Netzhautblutungen und Blindheit führen.
Behandlungsmöglichkeiten der felinen Hyperthyreose
Es gibt verschiedene Ansätze zur Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion bei Katzen, die auf Heilung oder Unterdrückung der Symptome abzielen.
Medikamentöse Behandlung (Thyreostatika)
Die medikamentöse Therapie mit Thyreostatika (z.B. Carbimazol oder Thiamazol) ist eine gängige Methode zur Unterdrückung der Hormonproduktion. Diese Medikamente werden in der Regel gut vertragen, obwohl anfängliche Nebenwirkungen wie Erbrechen oder Durchfall auftreten können. Eine sorgfältige Dosierung und regelmäßige Kontrollen sind entscheidend, um Nebenwirkungen und eine mögliche Beeinträchtigung der Nierenfunktion zu minimieren. Bei erfolgreicher Einstellung kann die Dosis oft nach einiger Zeit reduziert werden.
Spezielle Diät (Hill’s Prescription Diet Feline y/d)
Eine innovative Behandlungsoption ist die Fütterung eines jodreduzierten Spezialfutters wie “Hill’s Prescription Diet Feline y/d”. Der reduzierte Jodgehalt limitiert die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Diese Diät kann oft eine medikamentöse Therapie ersetzen oder ergänzen. Eine Umstellung sollte jedoch immer in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen, um Komplikationen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder das Wiederauftreten der Überfunktion zu vermeiden.
Chirurgische Entfernung der Schilddrüse
Die operative Entfernung der Schilddrüse ist eine heilende Maßnahme, die besonders bei bösartigen Tumoren in Frage kommt. Sie birgt jedoch Risiken wie Narkosekomplikationen und einen potenziellen Kalziummangel, wenn die Nebenschilddrüsen mitentfernt werden. Bei beidseitiger Entfernung der Schilddrüse ist eine lebenslange Hormonersatztherapie erforderlich.
Radiojodtherapie
Die Behandlung mit radioaktivem Jod (I-131) ist eine hochwirksame Methode zur Zerstörung von überaktivem Schilddrüsengewebe und kann bei bösartigen Tumoren die einzige Chance sein. Katzen müssen nach der Behandlung für einige Zeit in einer Spezialklinik isoliert werden.
Wichtige Hinweise zur Behandlung und Umstellung
Bei der Behandlung mit Thyreostatika ist die regelmäßige Gabe und die Einhaltung der Anweisungen des Tierarztes entscheidend. Vergessene Dosen sollten nach Möglichkeit nicht nachgeholt, sondern die Behandlung normal fortgesetzt werden. Symptome einer Unter- oder Überfunktion sollten umgehend tierärztlich abgeklärt werden.
Die Umstellung von Medikamenten auf das Spezialfutter “Hill’s Prescription Diet Feline y/d” muss schrittweise und unter tierärztlicher Aufsicht erfolgen, um einen stabilen Gesundheitszustand der Katze zu gewährleisten.
Die richtige Diagnose und ein individuell angepasster Behandlungsplan sind entscheidend für das Wohlbefinden und die Lebensqualität Ihrer Katze. Regelmäßige tierärztliche Kontrollen, oft mit Blutuntersuchungen alle drei bis sechs Monate, sind unerlässlich, um den Therapieerfolg zu sichern und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
