Blutwerte sind wie ein Fenster zu unserem Körper, das uns verrät, wie gut unsere Organe mit Sauerstoff versorgt werden, wie unser Immunsystem arbeitet und ob Stoffwechselerkrankungen vorliegen. Eine Analyse dieser Werte kann erste Hinweise auf gesundheitliche Probleme geben, doch eine endgültige Diagnose stellt der Arzt oder die Ärztin erst nach Berücksichtigung der Krankengeschichte und der Symptome.
Blutwerte: Was Sie wissen sollten
Veränderte Blutwerte sind oft ein Indikator für Erkrankungen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Grenzwerte relativ sind und von Faktoren wie Geschlecht, Alter und individuellen Vorerkrankungen abhängen. Der “Gesundheits-Check 35” beispielsweise beinhaltet die Bestimmung von Blutfett- und Blutzuckerwerten. Andere Blutuntersuchungen werden auf ärztliche Anweisung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Neben den zellulären Bestandteilen des Blutes können auch Konzentrationen von Vitaminen, Spurenelementen, Hormonen und Mineralstoffen ermittelt werden.
Die wichtigsten Blutwerte im Überblick
Ein Standard-Blutbild, wie es vom Hausarzt durchgeführt wird, umfasst in der Regel das “kleine Blutbild”. Hierbei werden rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) hinsichtlich ihrer Anzahl und Form untersucht. Zusätzlich werden Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) und Hämatokrit (Verhältnis von Blutzellen zu Blutplasma) bestimmt.
Darüber hinaus lassen sich durch Blutuntersuchungen weitere wichtige Stoffe im Körper messen. Dazu gehören verschiedene Vitamine (wie Vitamin B12 und Vitamin D), Gerinnungsfaktoren, Hormone (z.B. Schilddrüsenhormone), Mineralstoffe (Kalzium, Natrium), Spurenelemente (Selen, Eisen) sowie Blutzucker, Blutfettwerte und Nierenwerte.
Blutzucker: Indikator für Diabetes
Die Glukosekonzentration im Blut, der Blutzuckerwert, gibt Aufschluss über die Energieversorgung des Körpers aus der Nahrung. Ein dauerhaft zu hoher Wert kann auf Diabetes mellitus hinweisen. Der Nüchternblutzucker (gemessen morgens vor dem Essen) sollte idealerweise unter 100 mg/dl liegen. Ab 126 mg/dl, bei regelmäßiger Messung, wird von Diabetes mellitus ausgegangen. Werte über 100 mg/dl deuten auf eine Störung des Nüchtern-Blutzuckers hin. In dieser Phase kann die Entwicklung von Diabetes durch eine angepasste Ernährung und mehr Bewegung oft noch verhindert werden.
Blutfettwerte: Cholesterin und Triglyzeride
Erhöhte Blutfettwerte sind ein Risikofaktor für Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Wichtige Blutfettwerte sind Triglyzeride und Cholesterin. Während eine gewisse Menge dieser Stoffe für Körperfunktionen wie Hormonbildung und Zellaufbau unerlässlich ist, kann ein Übermaß krankhaft sein. Bei gesunden Erwachsenen unter 60 Jahren sollte das Gesamtcholesterin nicht über 200 mg/dl liegen, das “schlechte” LDL-Cholesterin nicht über 116 mg/dl. Diese Grenzwerte sind jedoch individuell zu betrachten und hängen von Faktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen ab. Nicht jeder erhöhte Wert erfordert eine medikamentöse Behandlung.
Nierenwerte: Indikationen für Nierenerkrankungen
Die Nierenfunktion wird oft durch eine Urinprobe überprüft, bei der auf Eiweiß oder Blutzellen geachtet wird. Bestimmte Blutwerte wie Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure können ebenfalls auf Nierenerkrankungen hindeuten. Allerdings steigt der Kreatininwert oft erst an, wenn die Nieren bereits stärker geschädigt sind, was ihn als Früherkennungsmarker weniger geeignet macht.
Wichtige Abkürzungen bei Laborwerten
In Laborberichten finden sich häufig Abkürzungen für bestimmte Blutwerte. Hier sind einige der gängigsten:
- ERY: Erythrozyten (rote Blutkörperchen)
- LEUKOS: Leukozyten (weiße Blutkörperchen)
- THRO, PLT: Thrombozyten (Blutplättchen)
- HGB, HB: Hämoglobin (roter Blutfarbstoff)
- HCT, HKT, HAT: Hämatokrit (Anteil der Blutzellen am Blutplasma)
- STAB, SEG, BASO, EOS: Verschiedene Typen von Granulozyten, die auf Entzündungen, Infektionen oder allergische Reaktionen hinweisen können.
- ALT (GPT), AST (GOT), Gamma-GT, AP: Leberwerte
- Kreatinin, GfR: Nierenwerte
- TSH, T3, T4: Schilddrüsenwerte
- Chol, LDL-C, HDL-C, TG: Blutfettwerte
- Glucose, HbA1c: Blutzuckerwerte
- CRP: Entzündungswert
Das kleine und große Blutbild
Das kleine Blutbild gibt einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Blutzellen und deren Messwerte (wie MCV, MCH, HbE, MCHC), die Aufschluss über die Funktion der roten Blutkörperchen geben. Veränderte Werte können auf Blutarmut, Gerinnungsstörungen, Entzündungen oder Infektionen hindeuten.
Das große Blutbild analysiert die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) detaillierter, indem es verschiedene Typen wie Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten zählt. Diese Zellen sind entscheidend für die Immunabwehr. Abweichungen können auf Infektionen, Entzündungen oder Immunschwächen hinweisen. Sowohl kleine als auch große Blutbilder werden auf ärztliche Anordnung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Normbereiche von Blutwerten
Die angegebenen Normbereiche decken in der Regel 95 Prozent der Werte gesunder Personen ab. Werte innerhalb dieser Intervalle gelten als unauffällig. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass diese Normalwerte nicht absolut sind. Sie können je nach Geschlecht, Alter, individuellen Vorerkrankungen und dem durchführenden Labor variieren.
Erythrozyten (rote Blutkörperchen):
- Frauen: 4,1–5,4 Mio./µl
- Männer: 4,5–5,9 Mio./µl
- Aufgabe: Sauerstofftransport
Hämoglobin (roter Blutfarbstoff):
- Frauen: 12–16 g/dl (7,5–9,9 mmol/l)
- Männer: 13,5–17,5 g/dl (8,4–10,9 mmol/l)
- Aufgabe: Bindung und Transport von Sauerstoff
Hämatokrit (Anteil der Blutzellen):
- Frauen: 37–45 %
- Männer: 42–50 %
- Aufgabe: Anteil der Zellen am Gesamtblutvolumen
Leukozyten (weiße Blutkörperchen):
- Frauen und Männer: 4.000–10.000/µl
- Aufgabe: Abwehr von Krankheitserregern und Fremdstoffen
Thrombozyten (Blutplättchen):
- Frauen und Männer: 150.000–400.000/µl
- Aufgabe: Wundverschluss und Blutstillung
Granulozyten (spezialisierte Abwehrzellen):
- Frauen und Männer: 1.500–3.000/µl
- Aufgabe: Abwehr von Krankheitserregern
Monozyten (Vorläufer von Fresszellen):
- Frauen und Männer: 200–600/µl
- Aufgabe: Phagozytose (Aufnahme und Verdauung von Fremdstoffen)
Kritische Blutwerte und ihre Bedeutung
Ein einzelner abweichender Blutwert muss immer im Kontext der gesamten gesundheitlichen Situation betrachtet werden. Ärzte beurteilen Laborergebnisse stets in Verbindung mit der Krankengeschichte und den vorliegenden Beschwerden. Bei Bedarf werden Blutuntersuchungen wiederholt, erweitert oder zusätzliche diagnostische Maßnahmen ergriffen.
Schilddrüsenwerte: TSH, T3 und T4
Die Schilddrüse produziert die Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH), das in der Hirnanhangdrüse gebildet wird, reguliert die Freisetzung von T3 und T4. Ein erhöhter TSH-Wert kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion, ein erniedrigter Wert auf eine Überfunktion hinweisen – oft schon bevor andere Schilddrüsenwerte auffällig werden. Über- oder Unterfunktionen können zu Symptomen wie Herzrasen, Nervosität, Gewichtsverlust (Überfunktion) oder Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Kälteempfindlichkeit (Unterfunktion) führen.
Blutwerte und Krebs
Die Analyse von Blutbestandteilen kann Hinweise auf Krebserkrankungen geben. Eine verringerte Anzahl roter Blutkörperchen und Blutplättchen kann auf Leukämie hindeuten, während die Zahl der Leukozyten bei dieser Erkrankung auch erhöht sein kann. Tumormarker sind spezielle Substanzen, die bei bestimmten Krebsarten vermehrt im Blut nachweisbar sind. Sie spielen oft keine Rolle bei der Erstdiagnose, sind aber wichtig zur Verlaufsbeurteilung und zur Überwachung des Therapieerfolgs. Beispiele sind das karzinoembryonale Antigen (CEA) bei Dickdarmkrebs oder das prostataspezifische Antigen (PSA) bei Prostataproblemen. Die Aussagekraft von Tumormarkern wird jedoch kontrovers diskutiert.
Leberwerte: Indikatoren für Lebergesundheit
Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei Entgiftungsprozessen. Leberwerte wie Cholinesterase, Bilirubin sowie die Enzyme ASAT (GOT), ALAT (GPT), GGT und AP geben Auskunft über die Funktion der Leber. Steigen diese Werte an, deutet dies oft auf eine Schädigung der Leberzellen hin.
Blutwerte bei Herzproblemen
Bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz) kann das Hormon BNP im Blut erhöht sein, da das Herz unter Druck vermehrt darauf reagiert. Gemessen wird oft dessen Abbauprodukt NT-proBNP. Bei einem Herzinfarkt sterben Herzmuskelzellen ab, wodurch das Protein Troponin ins Blut freigesetzt wird. Spezifische Troponin-Formen (T und I) sind daher ein wichtiger Marker zur Diagnose eines Herzinfarkts. Ein erhöhter Kreatinin-Kinase-Wert kann ebenfalls auf einen Herzinfarkt hindeuten, wird aber heutzutage durch Troponin ergänzt. Eine hohe Anzahl roter Blutkörperchen kann auf chronischen Sauerstoffmangel durch Herz- oder Lungenerkrankungen hinweisen und das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.
Entzündungswerte
Das C-reaktive Protein (CRP) ist ein wichtiger Indikator für Entzündungen, insbesondere bei bakteriellen Infektionen. Ein normaler CRP-Wert liegt unter fünf Milligramm pro Liter. Eine erhöhte Anzahl weißer Blutkörperchen kann ebenfalls auf eine Infektion oder Entzündung hindeuten.
Blutwerte bei Multipler Sklerose (MS)
MS ist in der Regel nicht allein durch Bluttests diagnostizierbar, oft wird Nervenwasser (Liquor) untersucht. Es werden jedoch Biomarker im Blut erforscht, wie beispielsweise Autoantikörper gegen das Protein Alpha-Fodrin, die bei MS erhöht sein können und auf die Zerstörung von Nervenscheidenhüllen hinweisen.
Wann und wie Blutwerte messen?
Für die meisten Blutuntersuchungen ist es notwendig, nüchtern zu erscheinen. Dies bedeutet in der Regel, mindestens acht Stunden vorher nichts gegessen zu haben. Wasser trinken ist meist erlaubt, bei anderen Getränken oder Kaffee sollte man sich beim Arzt erkundigen. Säfte, Milch und zuckerhaltige Getränke sind tabu. Auch Rauchen sollte vor der Blutabnahme vermieden werden. Bei regelmäßiger Medikamenteneinnahme ist es essenziell, mit dem Arzt abzuklären, ob Medikamente vor der Blutentnahme abgesetzt werden müssen. Die Nüchternheit gewährleistet vergleichbare und unverfälschte Messergebnisse.
Gesundheits-Check-up: Was wird untersucht?
Ab 35 Jahren können alle Erwachsenen alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up durchführen lassen. Dieser beinhaltet die Bestimmung von Blutfett- und Blutzuckerwerten. Seit 2021 wird auch ein einmaliger Test auf Hepatitis B und C durchgeführt. Diese Untersuchung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Die Analyse Ihrer Blutwerte ist ein wichtiger Schritt, um Ihre Gesundheit im Auge zu behalten und potenziellen Erkrankungen frühzeitig zu begegnen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um die für Sie relevanten Untersuchungen zu besprechen.
