Ein Schnappfinger, auch als schnellender oder Springfinger bekannt, ist eine schmerzhafte und oft lästige Erkrankung, die alltägliche Handgriffe zur Qual machen kann. Wenn sich Zeigefinger, Mittelfinger oder Daumen nur noch mit großer Anstrengung oder mithilfe der anderen Hand strecken lassen und beim Greifen plötzlich schmerzhaft “schnappen” oder “springen”, deutet dies auf diese Erkrankung hin. Die Ursache liegt häufig in einer Überbeanspruchung der Fingersehnen, beispielsweise durch wiederholte Tätigkeiten wie intensive Gartenarbeit ohne ausreichende Pausen oder Wechsel der Arbeitsposition.
Was ist ein Schnappfinger? Die Ursache: Ringbandstenose
Medizinisch wird ein Schnappfinger als Ringbandstenose bezeichnet. Normalerweise gleiten die Beugesehnen der Finger reibungslos durch tunnelartige Strukturen, die sogenannten Ringbänder. Diese Bänder halten die Sehnen nah am Knochen und ermöglichen eine effiziente Kraftübertragung. Kommt es jedoch im Bereich eines dieser Ringbänder zu einer Schwellung oder Verdickung der Sehne oder des Bandes selbst, kann die Sehne nicht mehr ungehindert gleiten. Sie hakt, klemmt fest und löst sich dann ruckartig, was zu dem charakteristischen, oft schmerzhaften Schnapp-Phänomen führt. Unbehandelt kann diese ständige Reibung und das Haken unter dem Ringband zu einer Entzündung der Sehne führen, die langfristig strukturelle Schäden verursachen kann. Während sich das Problem bei einigen Betroffenen spontan zurückbildet, benötigen andere eine gezielte Therapie, um die Beschwerden dauerhaft zu lindern.
Erste Hilfe bei Schnappfinger: Bewährte Hausmittel
Bevor Betroffene professionelle medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, können erste Maßnahmen zu Hause oft eine spürbare Linderung der Beschwerden verschaffen. Es ist entscheidend, die betroffene Hand zu schonen und weitere Überbeanspruchungen, die den Zustand verschlimmern könnten, konsequent zu vermeiden. Sanfte Massagen der schmerzenden Bereiche können die Durchblutung fördern und zur Entspannung der Muskulatur beitragen. Ebenso können kühlende Anwendungen, wie zum Beispiel Quark-Wickel oder spezielle Tinkturen und Cremes mit kühlenden Eigenschaften, Entzündungsreize lindern und Schwellungen reduzieren.
Physiotherapie: Gezielte Übungen zur Linderung
Wenn die Hausmittel keine ausreichende Besserung bringen, kann Krankengymnastik eine effektive Behandlungsoption darstellen. Durch gezielte manuelle Therapie und physiotherapeutische Übungen lässt sich die Gelenkkapsel sanft dehnen und die umliegende Bewegungsmuskulatur entspannen. Dies führt oft zu einer sofortigen Reduzierung der Schmerzen und einer Verbesserung der Fingerbeweglichkeit. Sollten die Beschwerden nach etwa einer Woche gezielter konservativer Behandlung, einschließlich Hausmitteln und Physiotherapie, jedoch weiterhin bestehen oder sich sogar verschlimmern, ist es ratsam, ärztlichen Rat einzuholen. Ein Arzt kann eine genaue Diagnose stellen und weitere therapeutische Schritte einleiten.
Medizinische Behandlung: Kortisonspritzen bei Entzündungen
Bei einer diagnostizierten Sehnenentzündung, die häufig mit einem Schnappfinger einhergeht, können Kortisonspritzen eine wirksame, wenn auch meist vorübergehende, Linderung bieten. Kortison ist ein starkes entzündungshemmendes Mittel, das direkt in den Bereich des betroffenen Ringbandes und der Sehne injiziert wird. Die Injektion bewirkt ein rasches Abschwellen des Gewebes und eine deutliche Reduzierung der Entzündungsreize. Dies ermöglicht der Sehne, wieder freier zu gleiten, und kann die Schmerzen signifikant mindern. Es ist wichtig zu wissen, dass Kortisonspritzen zwar die Symptome effektiv behandeln können, jedoch nicht immer die eigentliche Ursache der Ringbandstenose beheben. Daher kann es vorkommen, dass die Beschwerden nach einer gewissen Zeit wiederkehren, sobald die Wirkung des Kortisons nachlässt.
Wann eine Operation unumgänglich wird
Sollten die konservativen Behandlungsmethoden, einschließlich der Kortisonspritzen, keine dauerhafte Besserung bringen und die Schmerzen sowie das Haken des Fingers nach Absetzen des Kortisons erneut auftreten, kann eine Operation notwendig werden. Der entscheidende Faktor für die Indikation zu einem chirurgischen Eingriff ist der Leidensdruck, den die Betroffenen aufgrund der anhaltenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen erleben. Es ist jedoch ratsam, nicht zu lange mit einer Entscheidung zu warten. Eine chronische Beugestellung des Fingers kann dazu führen, dass er sich irgendwann nicht mehr vollständig begradigen lässt, selbst nach einer erfolgreichen Operation.
Ob ein Schnappfinger operiert werden kann, hängt auch davon ab, welches der insgesamt acht Ringbänder pro Finger betroffen ist, da nicht jedes Ringband chirurgisch zugänglich ist. Vor einem Eingriff prüft ein Handchirurg oder eine Handchirurgin genau, ob die Probleme tatsächlich von der Sehne herrühren. Dies geschieht durch gezielten Druck auf das Band im Verlauf der betroffenen Sehne. Wenn dies Schmerzen auslöst und keine Schwellungen oder Schmerzen auf der Streckseite des Gelenks vorhanden sind – was bei einer reinen Ringbandstenose der Fall wäre – ist die Diagnose meist klar. Eine Operation wird insbesondere dann empfohlen, wenn der Finger über mehrere Monate hinweg ständig oder wiederholt hakt und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Der operative Eingriff: Ringbandspaltung und Nachsorge
Bei der operativen Behandlung eines Schnappfingers wird das betroffene Ringband in einem minimalinvasiven Eingriff längs gespalten. Ziel ist es, der Sehne wieder ausreichend Platz zum Gleiten zu verschaffen, sodass sie nicht mehr haken kann und der Finger seine volle Bewegungsfreiheit zurückgewinnt. Der Eingriff wird in der Regel unter lokaler Betäubung durchgeführt. Dies bedeutet, dass die Betroffenen während der Operation schmerzfrei sind, den Finger aber weiterhin bewegen können. Diese Möglichkeit ist für den Operateur oder die Operateurin von Vorteil, da er oder sie während des Eingriffs überprüfen kann, ob die Sehne wieder reibungslos gleitet. Um eine klare Sicht auf das Operationsfeld zu gewährleisten und Blutungen zu minimieren, wird eine Manschette am Arm angelegt, die das Blut kurzzeitig aus dem Arm drückt.
Nach dem Eingriff wird ein elastischer Verband angelegt, der es dem oder der Betroffenen ermöglicht, den operierten Finger in den darauffolgenden Tagen regelmäßig und sanft zu bewegen. Diese frühe Mobilisierung ist von entscheidender Bedeutung, um ein Verkleben der Sehne während des Wundheilungsprozesses zu verhindern. In der Regel ist die Hand bereits zwei bis drei Wochen nach der Operation wieder vollständig belastbar, und die meisten Patienten können ihre gewohnten Aktivitäten ohne Einschränkungen wieder aufnehmen.
Ein Schnappfinger kann eine erhebliche Belastung darstellen, doch dank verschiedener Behandlungsmöglichkeiten, von konservativen Ansätzen bis hin zur Chirurgie, gibt es effektive Wege zur Linderung. Zögern Sie nicht, bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden einen erfahrenen Facharzt oder eine Fachärztin, idealerweise einen Handchirurgen, zu konsultieren. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie sind entscheidend, um langfristige Schäden zu vermeiden und Ihre Handgesundheit optimal zu gewährleisten.
