Der Obstkuchen, liebevoll “Obstfleck” genannt, ist mehr als nur ein einfaches Backrezept; er ist eine kulinarische Zeitreise in die unbeschwerte Kindheit, geprägt von sonnigen Tagen im Schrebergarten und den liebevollen Kreationen meiner Wiener Oma. Dieses Rezept für einen saftigen Rührteigkuchen, traditionell mit Kirschen oder Marillen belegt, ist ein wahres Allround-Talent und gelingt stets, wenn die Lust auf einen schnellen, fruchtigen Kuchen überkommt.
Die Geschichte hinter dem Obstfleck: Sommererinnerungen pur
Meine schönsten Kindheitserinnerungen sind untrennbar mit den Sommerurlauben bei meiner Oma verbunden. Wir Kinder, meine Brüder und ich, verbrachten oft wochenlang die Sommerferien in ihrer kleinen Schrebergartenhütte am Ziegelteich in Wien. Sonne, Baden im Teich und Eis – für uns war es das reinste Paradies.
Das absolute Highlight jedes Sommers war Omas Kirschbaum. Die Ernte war stets so üppig, dass Oma unermüdlich backte. Fast täglich duftete ihre kleine Küche nach einem frischen, saftigen Obstfleck, belegt entweder mit Kirschen direkt vom eigenen Baum oder saftigen Marillen von der Nachbarin. Obstkuchen war in diesen Wochen quasi ein Grundnahrungsmittel!
Und egal, welche Frucht gerade reif war, der Obstfleck schmeckte einfach immer köstlich.
Omas handgeschriebenes Rezeptheft: Ein Schatz voller Erinnerungen
Meine Wiener Oma war eine begnadete Köchin und Bäckerin. Ihr handgeschriebenes Rezeptheft ist heute ein wertvoller Schatz für mich. Oft blättere ich darin und frage mich, woher sie all die wunderbaren Rezepte für ihre Kuchen, Torten, Strudel und Knödel bezogen hat. Hat sie sie alle selbst gebacken oder nur Rezepte gesammelt?
Ein Lächeln zaubert mir Omas oft sehr knappe Notationsweise hervor. Bei manchen Rezepten finden sich nur Stichworte zu den Zutaten, wie zum Beispiel bei der “Bäckerei”.
Omas handgeschriebenes Rezeptheft
Für Oma war das Rezept offenbar so klar, dass sie sich die Zubereitungsschritte gar nicht erst notierte. Ich vermute, es handelte sich um Kekse, bin mir aber nicht sicher. Vielleicht hast du ja eine Idee?
Viele andere Rezepte aus ihrem Heft kenne ich bestens. Die Kuchen und Kekse habe ich in meiner Kindheit rauf und runter gegessen, und viele davon habe ich inzwischen auch selbst nachgebacken.
Nun reiht sich auch der Obstfleck in diese Sammlung ein. In Omas Heft entdeckte ich zwei Varianten für “Obstkuchen”: einmal auf Biskuitboden, dann auf Rührteig. Ich erinnere mich dunkel daran, dass Oma den Obstfleck gerne aus Biskuitteig zubereitete, aber ganz sicher bin ich mir nicht mehr – es ist schließlich schon so lange her.
Für meinen Obstfleck habe ich mich jedoch für das Rührteig-Rezept entschieden. Mein Wunsch war kein leichter Biskuitboden, sondern ein herrlich flaumiger und saftiger Obstkuchen mit wunderbarem Biss.
Obstfleck mit Kirschen
Obstfleck nach Omas Rezept: Zubereitung und wertvolle Tipps
Damit dein Obstkuchen nach Omas Art perfekt gelingt, hier einige Hinweise und Schritte:
1. Das richtige Obst
- Für einen optimalen Obstfleck benötigst du etwa 1 Kilogramm Obst. Weniger ist aber auch möglich, etwa 800 Gramm funktionieren genauso gut.
- Traditionell, so wie Oma ihn zubereitete, wird der Obstfleck mit Kirschen oder Marillen gebacken.
- Marillen werden halbiert und mit der Schnittfläche nach oben auf den Teig gelegt.
- Kirschen kommen im Ganzen auf den Teig. Oma ließ die Kerne oft drin, denn das Entkernen war ihr zu mühsam. Ihr Kirschen-Obstfleck war daher ein typischer “Spuckkuchen”. Ich persönlich bevorzuge es, die Kirschen zu entsteinen, es sei denn, es muss besonders schnell gehen.
- Ich bin überzeugt, dass der Obstfleck auch mit anderem Steinobst hervorragend schmeckt, beispielsweise mit Pfirsichen oder Nektarinen. Diese würde ich vierteln oder in Spalten schneiden, um zu verhindern, dass sie zu viel Saft abgeben und der Kuchen matschig wird. Auch halbierte Pflaumen oder Zwetschgen passen bestimmt gut.
- Der Obstkuchen ist auch mit Beeren ein Genuss. Ich füge meinem Marillen-Obstfleck gerne eine Handvoll Ribisel (rote Johannisbeeren) hinzu. Als Blaubeer-, Himbeer- oder Brombeerkuchen wäre der Obstfleck sicher ebenfalls ein Hit.
- Dieser Blechkuchen gelingt auch mit tiefgefrorenem Obst. Ich friere im Sommer oft Ribisel ein, die dann direkt gefroren auf den Teig kommen, und der Kuchen wandert umgehend in den Ofen.
2. Der Rührteig für den Obstfleck
- Für den perfekten Rührteig schlage weiche Butter und Zucker mit einem Handmixer oder einer Küchenmaschine auf höchster Stufe für mindestens 5, besser 10 Minuten, richtig schaumig. Die Masse sollte luftig und fast weiß sein.
- Gib dann nach und nach die 4 Eier hinzu. Schlage jedes Ei mindestens eine Minute lang unter den Teig. Je länger, desto besser, solange jedes Ei vollständig mit der Buttermasse verbunden ist, bevor das nächste hinzugefügt wird.
- Mische das Mehl mit dem Backpulver. Rühre diese Mischung auf niedriger bis mittlerer Stufe abwechselnd mit der Milch zum Teig: zuerst Mehlmischung, dann Milch, wieder Mehlmischung, dann Milch, und zum Schluss die restliche Mehlmischung.
3. Fertigstellen und Backen
- Streiche den fertigen Rührteig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Die Teigschicht sollte bei mir etwa 1-2 cm hoch sein, also eher dünn.
- Belege nun den Obstkuchen mit dem Obst deiner Wahl. Hier kannst du deiner Kreativität freien Lauf lassen: gerade Reihen, bunt gemischt, Blumenmuster oder geometrische Formen – alles ist erlaubt und schmeckt!
- Auf den Bildern siehst du meinen Obstfleck sowohl mit Kirschen als auch mit Marillen belegt. Ich mag es, wenn man sich ein Stück mit seinem Lieblings-Obst aussuchen kann.
- Der Obstkuchen benötigt für ca. 25-30 Minuten im vorgeheizten Backofen. Mache die Stäbchenprobe: Wenn kein Teig mehr am Holzstäbchen klebt, das du in die Mitte des Kuchens steckst, ist er fertig.
- Lasse den fertigen Kuchen vollständig auskühlen. Anschließend bestreue ihn mit Puderzucker und schneide ihn in Stücke. Am besten machst du das erst kurz vor dem Servieren, damit die Schnittflächen schön saftig bleiben.
Tipps für den perfekten Obstfleck
- Achte darauf, dass Butter, Eier und Milch Zimmertemperatur haben. Nur so verbinden sie sich zu einem glatten Teig. Nimm sie etwa 2 Stunden vor dem Backen aus dem Kühlschrank.
- Rühre das Mehl und die Milch immer nur so kurz wie nötig unter den Teig. Zu langes Rühren entwickelt das Gluten im Mehl, was zu einem pappigen und mehlig schmeckenden Kuchen führen kann.
- Ich verwende gerne einen Backrahmen in der Größe des Backblechs, den ich auf das Blech lege, bevor ich den Teig darauf verteile. So erhält der Obstkuchen einen schönen, gleichmäßigen Rand. Ein Backrahmen ist jedoch kein Muss.
Obstkuchen mit Kirschen
Obstkuchen mit Marillen
Der Geschmack des Sommers: Ein Stück Erinnerung
Der Obstfleck schmeckt fast genau so, wie ich ihn aus meiner Kindheit kenne: saftig, fruchtig und nicht zu süß. Einfach herrlich sommerlich!
Der einzige Unterschied zum ursprünglichen Geschmackserlebnis sind die unbeschwerten Sommerstimmungen meiner Kindheit – die Hitze, der Duft von See und das Gefühl purer Ferienfreude. Diese Atmosphäre kann leider kein noch so köstlicher Obstkuchen zurückbringen.
Saftiger Obstkuchen mit Rührteig
Weitere Rezeptideen für köstliche Obstkuchen
Wenn du auf der Suche nach weiteren fruchtigen Backideen bist, schau dich gerne um. Alle Rezepte auf meinem Blog sind laktosefrei, da ich selbst laktoseintolerant bin. Solltest du Laktose gut vertragen, kannst du die Rezepte natürlich auch mit herkömmlichen Zutaten nachbacken – das Ergebnis wird genauso lecker sein!
Ich wünsche dir einen wundervollen Tag und viel Freude beim Nachbacken!
Rezept: Obstfleck nach Omas Rezept
Obstkuchen-Rezeptbild
Zubereitungszeit: 25-30 Minuten
Backblech: ca. 30 x 40 cm
Der Obstfleck ist ein schneller und einfacher Blechkuchen aus Rührteig, inspiriert vom Rezept meiner Oma. Er schmeckt wunderbar mit Kirschen, Marillen, Ribiseln oder anderem Obst deiner Wahl.
Zutaten
Rührteig:
- 120 g weiche Butter (laktosefrei, falls du sehr empfindlich bist)
- 160 g Zucker
- 250 g Mehl
- 4 Eier (Zimmertemperatur)
- 125 ml Milch (Zimmertemperatur, laktosefrei)
- 1 gehäufter TL Backpulver
Belag:
- Ca. 1 kg Obst (z.B. Kirschen, Marillen – ich verwende oft ½ kg Kirschen und ½ kg Marillen)
Zubereitung
- Lege ein Backblech mit Backpapier aus und stelle einen passenden Backrahmen darauf. Heize den Backofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vor.
- Wasche und bereite das Obst vor: Halbiere und entkerne die Marillen. Entkerne optional auch die Kirschen.
- Schlage die weiche Butter mit dem Zucker für etwa zehn Minuten schaumig, bis die Masse hell und luftig ist.
- Gib die Eier einzeln hinzu und rühre jedes Ei mindestens eine Minute lang unter.
- Mische das Mehl mit dem Backpulver.
- Gib abwechselnd die Mehlmischung und die Milch zum Teig und rühre nur kurz, bis alles gerade eben vermischt ist. Schließe mit der Mehlmischung ab.
- Verteile den Teig gleichmäßig auf dem Backblech und belege ihn mit dem vorbereiteten Obst.
- Backe den Kuchen für ca. 25-30 Minuten, bis er goldgelb ist.
- Lasse den Kuchen vollständig auskühlen und bestäube ihn vor dem Servieren mit Puderzucker.
Anmerkungen zum Rezept
- Wenn du Laktose gut verträgst, kannst du normale Milch und Butter verwenden.

Obstkuchen mit Kirschen
Obstkuchen mit Marillen