Selbstbildung bei Kindern: Ein Leitfaden für pädagogische Fachkräfte

Im Kleinkindalter ist Bildung ein Prozess der Selbstbildung, bei dem Kinder ihren natürlichen Interessen und Neigungen folgen. Dieses Phänomen lässt sich eindrucksvoll im Spiel von kleinen Kindern beobachten, wie beispielsweise bei der zweijährigen Emma, die mit Begeisterung Steckbausteine auf einer Bauplatte arrangiert. Ihre tiefe Konzentration und das Erreichen ihres selbst gesetzten Ziels – die Platte lückenlos zu füllen – sind typische Beispiele für Bildungsprozesse, die von pädagogischen Fachkräften in Kitas und Krippen gefördert werden können.

Selbstbildungsprozesse erkennen und unterstützen

Die Selbstbildungskräfte eines Kindes, wie Interesse und Ausdauer, sind die treibenden Kräfte hinter dem Lernprozess. Als pädagogische Fachkraft und Bindungsperson spielen Sie eine entscheidende Rolle dabei, diese Potenziale zu unterstützen. Dies geschieht durch eine intensive Beziehungsarbeit, das Ermutigen zum Ausdruck von Gefühlen, Wertschätzung und Respekt gegenüber dem Kind sowie die Schaffung von Umgebungen, die den kindlichen Interessen entsprechen. Die Bereitstellung von Raum und geeignetem Material, verlässliche Tagesstrukturen und die Einbeziehung von Kindern in Entscheidungsprozesse sind weitere wichtige Säulen. Es ist essenziell, kindliche Verhaltensweisen und Äußerungen ernst zu nehmen, Kinder bei Herausforderungen zu stärken und erreichbare Ziele zu setzen. Eine fundierte Dokumentation, beispielsweise in Form von Lerngeschichten, und deren Auswertung im Abgleich mit Bildungsplänen und den individuellen Fähigkeiten des Kindes sind unerlässlich, um Lernfortschritte sichtbar zu machen und gezielt zu fördern. Die Bildung des Imparfait ist beispielsweise ein komplexer Lernprozess, der ähnliche Prinzipien der Übung und Verinnerlichung erfordert.

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Dokumentation durch Lerngeschichten

Um die Eindrücke und Beobachtungen von Bildungsprozessen festzuhalten, haben sich sogenannte Lerngeschichten als besonders geeignete Form der Dokumentation etabliert. Diese Methode ermöglicht nicht nur das Festhalten von Beobachtungen, sondern kann auch – sofern der Entwicklungsstand des Kindes es zulässt – gemeinsam mit dem Kind besprochen werden. Dies signalisiert eine hohe Wertschätzung und regt zur Selbstreflexion an.

Muster einer Lerngeschichte am Beispiel von Emma

Liebe Emma,

in den letzten Tagen habe ich Dir beim Spielen zugeschaut. Manchmal habe ich das, was ich gesehen habe, auch aufgeschrieben. So können wir uns auch noch später daran erinnern, wie Du gespielt hast. Es hat mir großen Spaß gemacht, Dich zu beobachten, und ich habe gesehen, dass Du Dich in der Kita sehr wohl fühlst. Allein findest Du Dinge, die Dich interessieren, und spielst mit ihnen.

Neulich habe ich gesehen, wie Du Steckbausteine auf die Bauplatte gesetzt hast. Diese Bauplatte hast Du zunächst mit Deinen Fingern erfühlt. Immer wieder hast Du darüber gestrichen. Dann hast Du die verschiedenfarbigen Steine entdeckt. Du hast ausprobiert, wie Du die Steine auf der Platte platzieren kannst. Du hast gelernt, dass Du die Steine auf der Platte fest drücken musst, damit sie nicht wieder hinunterfallen können. Dann hast Du versucht, die Platte so mit Steinen zu besetzen, dass keine Lücke mehr frei bleibt und gleichzeitig keiner der Steine über den Rand hinausragt. Du hast es immer wieder versucht, bis es Dir schließlich gelungen ist. Dann hast Du laut aufgelacht und gesagt: „Fertig!“ Ich glaube, Du warst stolz auf Dein Werk. Gemeinsam haben wir Dein Werk nach oben auf das Regal gestellt, damit es nicht von einem anderen Kind umgebaut wird.

Nach dem Mittagsschlaf bist Du zu mir gekommen und hast mit dem Finger auf Deine Bauplatte gezeigt. Damit hast Du mir zu verstehen gegeben, dass Du daran weiterarbeiten möchtest. Du hast dann zunächst wieder alle Steine von der Platte runtergenommen und sie von neuem besetzt. Irgendwann konntest Du das ganz schnell. Ich habe Dir dabei weiter zugeschaut, und dann ist mir aufgefallen, dass Du nur die blauen Steine ausgewählt hast, um die Platte zu besetzen. In den folgenden Tagen hast Du immer wieder die Platten mit Steinen in einer bestimmten Farbe bebaut.

Deine Erzieherin Gabi

Zusätzliche Fotos der beobachteten Situationen können eine Lerngeschichte visuell bereichern und das Nachvollziehen sowie die Reflexion des kindlichen Verhaltens mit dem Kind und den Eltern erleichtern.

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Analyse und Auswertung von Selbstbildungsprozessen

Die Auswertung von Beobachtungen im Rahmen von Lerngeschichten dient dazu, die individuellen Interessen und Lernweisen eines Kindes zu identifizieren und entsprechend zu fördern. Die Integration mehrerer beobachteter Szenen in eine Lerngeschichte hilft dabei, wiederkehrende Verhaltensmuster zu erkennen.

Auswertung am Beispiel von Emma

Emmas Spiel mit den Steckbausteinen durchläuft verschiedene Bildungsbereiche:

  • Kreativität: Die konsequente Umsetzung ihres selbst erfundenen Spiels und die Auswahl des Materials zeugen von Kreativität.
  • Wahrnehmung: Emma erkennt, welche Steine passen und welche nicht. Sie differenziert zwischen den Farben der Bausteine und setzt sich intensiv mit ihnen auseinander. Die Sinneswahrnehmung – das Fühlen der Platte und der Steine – spielt dabei eine große Rolle.
  • Motorik: Das präzise Platzieren der Steine erfordert Feinmotorik (Pinzettengriff) und eine gute Hand-Augen-Koordination. Die Anspannung ihres Körpers während der Bauphase zeigt ihre Konzentration.
  • Kognition: Emma verfolgt einen selbst gesetzten Handlungsplan, was auf logisches Denken und das Verständnis von Sinnzusammenhängen hindeutet. Ihr Ziel, die Platte zu füllen, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster Steuerung.
  • Konzentration: Ihre ruhige und ausdauernde Arbeitsweise, selbst im Beisein anderer Kinder, unterstreicht ihre hohe Konzentrationsfähigkeit.
  • Raumeinteilung: Emma nutzt den verfügbaren Platz auf der Bauplatte optimal aus und sortiert überschüssige Steine, was auf ein frühes Verständnis von Raum und Ordnung schließen lässt.

Es ist wichtig zu betonen, dass die Beobachtung immer nur das Sichtbare erfassen kann. Der individuelle Sinn und Wert einer Tätigkeit für das Kind bleibt dem Beobachter oft verborgen.

Gezielte Förderung der Selbstbildung

Die Auswertung der Beobachtungen bildet die Grundlage für die Planung weiterer Unterstützung des Lernprozesses. Für Emma könnten folgende Fördermaßnahmen sinnvoll sein:

  • Bereitstellung einer größeren Bauplatte.
  • Anbieten unterschiedlicher Konstruktionsmaterialien wie Holzklötze oder Magnetsteine.
  • Integrieren von Fotos oder Zeichnungen verschiedener Bauwerke als Anschauungsmaterial in der Bauecke.
  • Gemeinsames Bauen mit Emma, um die einzelnen Arbeitsschritte zu besprechen.
  • Einladen anderer Kinder, die ebenfalls gerne mit diesen Materialien spielen, um gegenseitiges Lernen zu ermöglichen.
  • Angebot von Ton und Holzbrettchen im Kreativbereich, um neue Ausdrucksformen zu erforschen.
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Durch diese gezielten Anregungen können pädagogische Fachkräfte die natürliche Neugier und den Wissensdurst von Kindern wie Emma optimal unterstützen und ihre Entwicklung auf vielfältige Weise fördern. Die Beherrschung sprachlicher Nuancen, wie sie bei der französisch Imparfait Bildung eine Rolle spielt, erfordert ebenfalls ein tiefes Verständnis für Lernprozesse und deren methodische Begleitung.