Die alarmierende Zunahme von Häuslicher Gewalt in Berlin wirft ein beunruhigendes Licht auf eine gesellschaftliche Herausforderung, die oft im Verborgenen bleibt. Trotz der jüngst veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik 2022, die eine deutliche Steigerung der Fälle Häuslicher Gewalt aufzeigt, stehen essenzielle Präventionsangebote vor existenziellen Kürzungen. In Berlin erhöhte sich die Anzahl der Opfer innerfamiliärer und partnerschaftlicher Gewalt um 1.633 auf erschreckende 17.263 Fälle – eine Zunahme von 10,4 %. Diese Zahlen unterstreichen nicht nur das Ausmaß des Problems, sondern auch die dringende Notwendigkeit, Schutz- und Präventionsmaßnahmen zu stärken, um Betroffenen zu helfen und zukünftige Generationen zu schützen. Besonders Kinder sind als Zeugen und Miterlebende dieser Gewalt stets betroffen, was weitreichende Konsequenzen für ihre Entwicklung und ihr zukünftiges Leben haben kann. Umso entscheidender ist es, frühzeitig anzusetzen und Bildungsangebote zu schaffen, die das Bewusstsein schärfen und Auswege aufzeigen. transformatorische bildungsprozesse spielen hierbei eine zentrale Rolle, indem sie individuelle und gesellschaftliche Veränderungsprozesse anstoßen, um langfristig Gewalt zu minimieren.
Anstieg der Häuslichen Gewalt in Berlin und die stillen Opfer: Kinder
Die jüngsten Statistiken sind mehr als nur Zahlen; sie repräsentieren Tausende von Schicksalen und unermessliches Leid, das sich hinter verschlossenen Türen abspielt. Während die Opferzahlen insgesamt erschreckend sind, sind Kinder die oft übersehenen, aber tiefgreifend betroffenen Akteure dieser Tragödien. Als Augen- und Ohrenzeugen von Häuslicher Gewalt sind sie immer mitbetroffen, selbst wenn sie nicht direkt physische Gewalt erfahren. Dieses miterlebte Trauma kann tiefgreifende und langfristige Auswirkungen auf ihre psychische Gesundheit, ihre soziale Entwicklung und ihre schulische Leistung haben. Studien belegen, dass erlebte wie miterlebte Gewalt das Risiko drastisch erhöht, später selbst eine gewaltvolle Beziehung zu erdulden oder als Täter in einer Partnerschaft aufzutreten. Die Spirale der Gewalt kann so über Generationen weitergegeben werden, wenn nicht gezielt interveniert wird. Häusliche Gewalt wirkt sich darüber hinaus bildungsgefährdend aus. Mögliche Konsequenzen sind Schuldistanz, Schulverweigerung, delinquentes Handeln sowie mangelnde Empathie- und Konfliktfähigkeit. Der [bildungsbegriff pädagogik](https://shocknaue.com/bildungsbegriff-padagogik/) muss daher dringend um diese Aspekte erweitert werden, um die ganzheitliche Entwicklung von Kindern in schwierigen Lebenslagen zu berücksichtigen.
Die Rolle von BIG Prävention: Ein deutschlandweit einzigartiges Angebot
Angesichts dieser Herausforderungen leistet BIG Prävention eine unverzichtbare Arbeit, die in ihrer Form deutschlandweit einzigartig ist. Die Organisation führt Workshops in Grundschulen durch, in denen Kinder lernen, was Häusliche Gewalt ist, an wen sie sich in ihrem persönlichen Umfeld wenden können und wo professionelle Hilfeangebote existieren. „Kinder sind als Augen- und Ohrenzeug*innen von Häuslicher Gewalt immer mitbetroffen. Erlebte wie miterlebte Gewalt steigert das Risiko, später selbst eine gewaltvolle Beziehung zu erdulden oder aber Gewalt in einer Partnerschaft auszuüben. Umso wichtiger ist es, dass bereits Grundschulkinder in unseren Workshops lernen, was Häusliche Gewalt ist, an wen sie sich in ihrem persönlichen Umfeld wenden können, wo es professionelle Hilfeangebote gibt“, erklärt Anne Thiemann, Koordinatorin bei BIG Prävention. Dieses frühe Engagement ist entscheidend, um den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen und Kindern die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie für ein gewaltfreies Leben benötigen. Die Nachfrage nach diesen Workshops ist enorm, sowohl aus Berlin als auch aus dem In- und Ausland, wo ähnliche Angebote implementiert werden sollen. Dies unterstreicht die Relevanz und den Erfolg des Ansatzes von BIG Prävention.
Istanbul-Konvention und die Notwendigkeit schulischer Prävention
Die Bedeutung präventiver Maßnahmen wird auch auf internationaler Ebene anerkannt. Die Istanbul-Konvention, auf die sich Deutschland und somit auch Berlin verpflichtet haben, legt in Artikel 14 einen starken Schwerpunkt auf den Bereich Prävention durch schulische Bildung. Diese Konvention fordert von den Mitgliedstaaten, Maßnahmen zu ergreifen, um Bewusstsein zu schaffen und die Ursachen von Gewalt gegen Frauen und Häuslicher Gewalt zu bekämpfen. Dazu gehört explizit die Integration von Lerninhalten in Lehrpläne aller Bildungsstufen, die auf die Gleichstellung der Geschlechter, gewaltfreie Konfliktlösung und gegenseitigen Respekt abzielen. Gerade in den letzten Wochen und Monaten wurde zudem häufig über fehlende Frauenhausplätze berichtet. Dabei wurde immer wieder klar, dass es zur Bekämpfung Häuslicher Gewalt nicht nur Schutzplätze, sondern vor allem auch umfassende Präventionsarbeit braucht. Die Arbeit von BIG Prävention ist somit nicht nur ein lokales Hilfsangebot, sondern eine direkte Umsetzung internationaler Verpflichtungen und ein essenzieller Baustein für eine gewaltfreie Gesellschaft.
Bedrohte Zukunft: Mittelkürzungen gefährden wichtige Arbeit
Trotz der herausragenden Bedeutung und der hohen Nachfrage sind die Mittel für BIG Prävention aktuell nicht ausreichend, um allein die Anfragen der Berliner Schulen zu bedienen. Eine Warteliste reicht derzeit bis Anfang 2025. „Das Angebot von BIG Prävention ist in dieser Form deutschlandweit einzigartig. Aus dem In- und Ausland kommen Anfragen zu unserer Arbeit, um dort ähnliche Angebote zu implementieren. Gleichzeitig reichen aber schon jetzt die Mittel nicht, um allein die Anfragen der Berliner Schulen zu bedienen. Eine Warteliste reicht aktuell bis Anfang 2025. Werden die Mittelkürzungen, wie sie jetzt im Haushaltsentwurf zu lesen sind, beschlossen, können wir unser Präventionsangebot nicht mehr fortsetzen“, warnt Doris Felbinger, Geschäftsführerin der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen (BIG e.V.). Dieser Haushaltsentwurf, der auch Kürzungen oder Streichungen in Projekten aus dem Spektrum geschlechtliche Vielfalt sowie gegen Rassismus und Antisemitismus vorsieht, trägt eine deutliche Handschrift der Ignoranz gegenüber grundlegenden sozialen Bedarfen. Die Kürzungen würden nicht nur die Präventionsarbeit im Bereich Häuslicher Gewalt massiv einschränken, sondern auch die Anstrengungen zur Förderung einer inklusiven und diskriminierungsfreien Gesellschaft erheblich schwächen. Es ist unverständlich, wie angesichts steigender Zahlen von Gewaltfällen und internationaler Verpflichtungen solche entscheidenden Angebote gefährdet werden können. Gerade in der [geschichte sozialkunde und politische bildung](https://shocknaue.com/geschichte-sozialkunde-und-politische-bildung/) wird die Wichtigkeit solcher Initiativen immer wieder betont.
BIG e.V.: Jahrzehntelanges Engagement für Opferschutz und Täterverantwortung
Seit 1993 engagiert sich BIG e.V. für gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Gewalt in ihrer Entstehung verhindern und zu besserem Schutz sowie angemessener Unterstützung von Frauen und ihren Kindern beitragen. Das primäre Ziel der Organisation ist es, die Rechte gewaltbetroffener Frauen zu stärken und dafür Sorge zu tragen, dass Täter stärker in die Verantwortung genommen werden. Kinder, die von Gewalt an ihren Müttern mit betroffen sind, müssen besser geschützt und bei der Intervention stärker berücksichtigt werden. BIG e.V. koordiniert das gemeinsame und abgestimmte Vorgehen aller Stellen, die bei Häuslicher Gewalt involviert sind, und begleitet deren Praxis. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Fachleuten aus unterschiedlichen Berufsgruppen werden konkrete Unterstützungsangebote entwickelt und umgesetzt. Dieser umfassende Ansatz, der sowohl Prävention als auch Intervention umfasst, ist der Kern der Arbeit von BIG e.V. und ein entscheidender Faktor für den Schutz von Frauen und Kindern in Berlin. Die Vision einer [wilhelm von humboldt bildungstheorie](https://shocknaue.com/wilhelm-von-humboldt-bildungstheorie/), die eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung anstrebt, kann nur in einem Umfeld gedeihen, das frei von Gewalt ist.
Fazit: Jetzt handeln für eine gewaltfreie Zukunft
Die aktuelle Situation in Berlin, geprägt durch steigende Zahlen Häuslicher Gewalt und drohende Kürzungen bei essenziellen Präventionsprogrammen, ist ein deutlicher Weckruf. Die Arbeit von BIG Prävention ist nicht nur ein Leuchtturm im Kampf gegen Häusliche Gewalt, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und die Gesundheit unserer Kinder. Es ist unerlässlich, dass die Politik die Bedeutung dieser Arbeit erkennt und die notwendigen Mittel bereitstellt, um sicherzustellen, dass Angebote wie die von BIG Prävention nicht nur erhalten, sondern weiter ausgebaut werden können. Jeder Fall von Häuslicher Gewalt ist einer zu viel, und jedes Kind hat das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit. Unterstützen Sie die Forderung nach einer Stärkung der Präventionsarbeit und setzen Sie sich gegen die Kürzungen ein, die die Sicherheit und das Wohlergehen der Schwächsten in unserer Gesellschaft gefährden. Nur gemeinsam können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Gewalt keinen Platz hat und in der alle Menschen sicher und frei leben können.
