Lippenherpes: Ursachen, Symptome und effektive Behandlungen

Lippenherpes

Herpesbläschen treten oft genau dann auf, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Wer einmal davon betroffen ist, möchte die unliebsamen Gäste so schnell wie möglich wieder loswerden. Doch was hilft wirklich gegen Lippenherpes? Eine Hautärztin gibt Aufschluss und teilt wertvolle Tipps zur schnellen Linderung und Vorbeugung.

Lippenherpes, medizinisch auch Herpes labialis genannt, äußert sich typischerweise durch schmerzhafte, flüssigkeitsgefüllte Bläschen, die meist einseitig an der Lippe auftreten. Der Übeltäter ist das Herpes-simplex-Virus Typ 1. Dieses Virus ist hoch ansteckend und kann leicht durch direkten Kontakt, wie Küssen oder Berührungen, sowie über gemeinsam genutzte Gegenstände übertragen werden. Professor Dr. Christiane Bayerl, Dermatologin an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, erklärt, dass Betroffene den Ausbruch oft schon im Vorfeld spüren: „Die Patienten wissen ganz genau, wann der Herpes kommt. Dann spannt und kribbelt es in der Lippenregion. Kurze Zeit später entsteht schon das Bläschen.“

Das tückische am Herpesvirus ist, dass es nach einer ersten Ansteckung ein Leben lang im Körper verbleibt. Es schlummert in den Nervenzellen der Gesichtsnerven und kann bei geschwächtem Immunsystem jederzeit reaktiviert werden, um dann in den oberen Hautschichten Bläschen zu bilden. Obwohl ein Lippenherpes unbehandelt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst abheilt, suchen viele Betroffene nach Wegen, den Heilungsprozess zu beschleunigen. Es ist wichtig zu wissen, dass der Lippenherpes ansteckend ist, solange die Bläschen sichtbar sind. Sobald sie verkrustet sind, sinkt das Ansteckungsrisiko deutlich. Rund 90 Prozent der Deutschen sind mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 infiziert, wobei viele keine Symptome zeigen, das Virus aber dennoch weitergeben können.

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LippenherpesLippenherpes

Gängige Hausmittel: Was wirkt wirklich?

Viele Menschen greifen bei Lippenherpes zu verschiedenen Hausmitteln in der Hoffnung auf schnelle Besserung. Zahnpasta, Alkohol, Hamamelis oder Zinksalbe werden oft empfohlen, da sie die Bläschen austrocknen und so die Verkrustung fördern sollen. Während diese Mittel die Bläschen tatsächlich austrocknen können, beschleunigen sie den eigentlichen Heilungsprozess jedoch nicht.

Eine kühlende Kompresse, behutsam auf die betroffene Stelle gelegt, kann vorübergehend Schmerzen, Rötungen und Schwellungen lindern. Von Eiswürfeln wird allerdings abgeraten, da extreme Kälte die empfindliche Lippenhaut schädigen und sie noch anfälliger für das Virus machen kann. Auch Teebaumöl und Zitronensaft zeigen keine direkte Wirkung gegen das Herpesvirus, da sie die Viren nicht bekämpfen. Teebaumöl kann zudem eine schwere Kontaktallergie auslösen. Honig schützt zwar vor äußeren Einflüssen wie Schmutz, hat aber keine direkte Heilwirkung auf die Bläschen. Zitronenmelisse in Form einer Creme kann die Wundheilung unterstützen, aber nicht das Abklingen der Infektion beschleunigen.

Bläschen nicht öffnen: Eine wichtige Warnung

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass das Öffnen der Herpesbläschen die Heilung beschleunigt. Im Gegenteil: Dies ist sogar gefährlich, denn die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochgradig ansteckend. Wer ein Bläschen öffnet oder eine offene Herpesstelle berührt, riskiert, die Viren mit den Fingern zu verteilen. Besonders gefährlich ist eine Übertragung ins Auge, die zu schweren Entzündungen und weitreichenden Folgen führen kann.

„Eine Hornhautinfektion mit dem Herpesvirus ist eine Krankheit, die zu narbigen Veränderungen an der Hornhaut führt, so dass danach die Sehfähigkeit eingeschränkt ist“, warnt Prof. Dr. Christiane Bayerl. Das Öffnen der Bläschen beschleunigt den Heilungsprozess nicht. Stattdessen können Bakterien eindringen und eine zusätzliche Superinfektion auslösen, was die Genesung weiter verzögert. Während einer Herpesinfektion ist eine besonders sorgfältige Hygiene daher unerlässlich.

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Virenangriff CCVirenangriff CC

Spezielle Pflaster und wirksame Medikamente

In Apotheken und Drogeriemärkten sind spezielle Herpespflaster erhältlich. Diese Pflaster schützen die Bläschen vor Schmutz und reduzieren das Risiko einer Virusübertragung durch Körperkontakt. Das in den Pflastern enthaltene Hydrokolloid soll zudem die Wundheilung fördern. Eine antivirale Wirkung besitzen diese Pflaster oder Patches jedoch nicht.

Ein echtes Wundermittel gegen Herpes gibt es zwar nicht, aber Salben mit den Wirkstoffen Aciclovir oder Penciclovir sind sehr effektiv. Sie stoppen die Vermehrung der Viren und verhindern die Ausbreitung der Infektion. Diese Cremes sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und sollten bei den ersten Anzeichen eines Herpesausbruchs fünf- bis siebenmal täglich dünn auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden. Die Dermatologin Christiane Bayerl bestätigt die Wirkung: „Die Antivirussubstanzen in den Cremes reduzieren die Vermehrung des Virus und bringen Herpes statt in sieben in fünf Tagen weg. Aber schneller geht es nun mal nicht.“

Sollten die Herpesbläschen nach zehn Tagen nicht abgeheilt sein, empfiehlt die Expertin dringend einen Besuch beim Hautarzt. In seltenen Fällen können Komplikationen, wie eine bakterielle Infektion, auftreten, die einer professionellen Behandlung bedürfen.

Prävention: Stärken Sie Ihr Immunsystem

Lippenherpes bricht häufig dann aus, wenn das Immunsystem geschwächt oder stark beansprucht ist, beispielsweise bei einer Erkältung. Auch Stress, Hormonschwankungen und intensive Sonneneinstrahlung sind bekannte Auslöser für eine Reaktivierung des Virus.

Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, regelmäßige Bewegung und effektiver Stressabbau sind entscheidend, um das Immunsystem zu stärken und somit das Risiko eines Herpesausbruchs zu minimieren. Besonders im Sommer und in Gebieten mit starker Sonneneinstrahlung, wie am Meer oder in den Bergen, ist ein spezieller Lippenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor unerlässlich, um die Lippen vor UV-Strahlung zu schützen und Herpesausbrüchen vorzubeugen. Indem Sie proaktiv auf Ihre Gesundheit achten, können Sie die Häufigkeit und Schwere von Lippenherpes-Episoden deutlich reduzieren.

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