Die Bekämpfung von „Fake News“ ist eine äußerst komplexe Herausforderung, die sich vor allem aus der Schwierigkeit ergibt, unzuverlässige Inhalte zu identifizieren, zu verfolgen und zu kontrollieren. Eine wirksame Lösung erfordert fortschrittliche digitale Technologien und Protokolle zur Inhaltsbewertung, um beispielsweise fragwürdige Inhalte effizient zu erkennen und auf Fakten zu überprüfen. Gleichzeitig ist es außerordentlich schwierig, das Bewusstsein der Nutzer von sozialen Medien für dieses Problem zu schärfen. Dies würde erhebliche Zeit und immense Ressourcen erfordern, beispielsweise in Form eines globalen, kontinuierlichen Programms zur Schulung von Online-Nutzern im kritischen Denken beim Konsum und Teilen digitaler Inhalte.
Darüber hinaus gestaltet sich die Handhabung potenzieller Fake Stories als schwierig: Selbst wenn frühe Anzeichen auf eine verbreitete gefälschte Nachricht hindeuten, sind die Handlungsmöglichkeiten begrenzt, bis Gewissheit besteht. Das Entfernen einer Geschichte oder das Verhindern des Teilens auf Basis erster Anhaltspunkte könnte als Eingriff und Zensur missverstanden werden.
Das Kernproblem ist zwar gut verstanden, und Nachrichtenunternehmen sowie Social-Media-Plattformen unternehmen Anstrengungen, um es einzudämmen. Obwohl einige dieser Bemühungen wirksam sein mögen, erweist sich das Phänomen der Fake News als größer und komplizierter: Es überschreitet die Grenzen von sozialen Medien und Nachrichtenagenturen – es ist primär ein soziales Problem.
Gefälschte Inhalte sind darauf ausgelegt, viral zu gehen; ihre Urheber wünschen sich eine organische und rasche Verbreitung. Fake Stories werden so konstruiert, dass sie Aufmerksamkeit erregen und emotionale Reaktionen auslösen, was Nutzer dazu verleitet, die „Nachrichten“ mit Gleichgesinnten in ihren sozialen Netzwerken zu teilen. Mit den richtigen Kniffen und zur rechten Zeit kann eine Falschmeldung innerhalb von Stunden viral gehen. Genauer gesagt, nutzt die „Fake-News-Industrie“ die folgenden „Schwächen“ oder Gegebenheiten unserer Online-Realität aus:
1. Das globale System priorisiert „Content Performance“ über „Content Quality“
Die Leistung des globalen „Nachrichtenverteilungsnetzwerks“ – einschließlich sozialer Medien, Nachrichtenkonzerne, Meinungsführer und Influencer – wird üblicherweise anhand von „Aufmerksamkeit“ und „Nutzerengagement“ gemessen. In vielen Fällen basiert die „Content Performance“ auf der Klickrate (CTR – Click Through Rate) sowie auf Kennzahlen wie Nutzerengagement und sozialem Teilen:
Ein Artikel mit hoher CTR schafft es wahrscheinlich an die Spitze von sozialen Feeds oder Nachrichtenseiten – unabhängig davon, wie informativ, vertrauenswürdig oder nützlich er ist.
Nach dieser Definition von Erfolg und Leistung können digitale Inhalte mit auffälligen Bildern und „übermäßig vielversprechenden Titeln“ leicht gut performen – unabhängig von der Qualität der zugrundeliegenden Geschichte (sofern überhaupt eine vorhanden ist). Eine attraktive „Promo-Karte“ für einen Artikel mit einem beeindruckenden Titel reicht oft aus, damit Menschen ihn mit Freunden und Netzwerken teilen – ein Verhalten, das virale Effekte für Inhalte ohne Substanz – oder schlimmer noch, mit falschen Informationen und irreführenden Botschaften – auslösen kann.
Content-Qualität ist selten Teil dieser Key Performance Indicators (KPIs) – zumindest nicht unter den wichtigen. Stattdessen ist es die voraussichtliche Leistung des Inhalts, die oft am wichtigsten für Nachrichten- und Social-Media-Unternehmen ist: Websites und andere Online-Entitäten beeilen sich, Geschichten zu reproduzieren, die potenziell viral erscheinen; sie bewerben diese, um mehr Traffic zu generieren und mehr Werbung zu schalten, um ihre ehrgeizigen Monetarisierungsziele zu erreichen.
2. Online-Nutzer neigen dazu, „viel und einfach zu teilen“
Ein weiterer Aspekt des Problems ist diese massive Gruppe von Online-Nutzern, die primär als Verteiler/Wiederveröffentlicher von Inhalten agieren – ohne das notwendige Verständnis oder gar ein echtes Interesse an dem, was sie teilen. Es ist bedauerlich festzustellen, dass in einer Ära des sofortigen Zugangs zum angesammelten Wissen der Welt die Mehrheit der Online-Nutzer „passive Wiederveröffentlicher“ sind: Sie erstellen keine originären Inhalte; sie recyceln lediglich, was angesagt oder likenswert erscheint, mit wenig oder keiner kritischen Beurteilung. Nutzer dieser Kategorie konsumieren und verbreiten möglicherweise Fake News – und andere Arten von minderwertigen Inhalten – und werden unbeabsichtigt Teil des Verbreitungsmechanismus für Fake News. Ist Künstliche Intelligenz eine Bedrohung?
