„Shock Naue“ lädt Sie ein zu einer Reise in die faszinierende Welt der deutschen Kinderliteratur, die weit über bloße Unterhaltung hinausgeht und tiefe Einblicke in kulturelle Werte und Erziehungsansätze bietet. Im Zentrum unserer heutigen Betrachtung steht ein Werk, das Generationen deutscher Kinder geprägt hat: „Der Struwwelpeter“ von Dr. Heinrich Hoffmann. Dieses ikonische Bilderbuch, erstmals 1845 veröffentlicht, ist weit mehr als eine Sammlung einfacher Reime; es ist ein Spiegelbild seiner Zeit und ein oft diskutierter Meilenstein in der Geschichte der Pädagogik. Tauchen wir ein in die Geschichten, die auf humorvolle, manchmal drastische Weise die Konsequenzen von Ungehorsam und schlechtem Benehmen aufzeigen und bis heute zum Nachdenken anregen.
Die Geschichten des Struwwelpeters: Warnungen mit Witz und Schrecken
„Der Struwwelpeter“ präsentiert eine Reihe von Kurzgeschichten, die jeweils eine klare moralische Botschaft vermitteln. Sie sind bekannt für ihre direkte Sprache und die oft drastischen, aber einprägsamen Darstellungen der Folgen von Fehlverhalten.
Der Struwwelpeter – Eine Einführung in Ungepflegtheit
Die erste und namensgebende Geschichte stellt uns den Struwwelpeter vor, ein Kind, das sich weigert, seine Nägel zu schneiden oder sich die Haare kämmen zu lassen. Eine eindringliche Mahnung an Sauberkeit und Körperpflege.
Struwwelpeter mit langen Nägeln und ungekämmtem Haar
Wenn die Kinder artig sind,
Kommt zu ihnen das Christkind;
Wenn sie ihre Suppe essen
Und das Brot auch nicht vergessen,
Wenn sie, ohne Lärm zu machen,
Still sind bei den Siebensachen,
Beim Spaziergehn auf den Gassen
Von Mama sich führen lassen,
Bringt es ihnen Gut’s genug
Und ein schönes Bilderbuch.
Sieh einmal, hier steht er,
Pfui! der Struwwelpeter!
An den Händen beiden
Ließ er sich nicht schneiden
Seine Nägel fast ein Jahr;
Kämmen ließ er nicht sein Haar.
Pfui! ruft da ein jeder:
Garst’ger Struwwelpeter
Die Geschichte vom bösen Friederich – Tierquälerei bestraft
Friederich ist ein grausamer Junge, der Freude daran findet, Tieren Leid zuzufügen. Seine Bosheit findet ein jähes Ende, als ein Hund, den er misshandelt hat, sich zur Wehr setzt.
Friederich schlägt einen Hund
Der Friederich, der Friederich,
Das war ein arger Wüterich!
Er fing die Fliegen in dem Haus
Und riss ihnen die Flügel aus.
Er schlug die Stühl‘ und Vögel tot
Die Katzen litten große Not.
Und höre nur, wie bös er war:
Er peitschte seine Gretchen gar!
Am Brunnen stand ein großer Hund,
Trank Wasser dort mit seinem Mund.
Da mit der Peitsch‘ herzu sich schlich
Der bitterböse Friederich;
Und schlug den Hund, der heulte sehr,
Und trat und schlug ihn immer mehr.
Da biss der Hund ihn in das Bein,
Recht tief bis in das Blut hinein.
Der bitterböse Friederich,
Der schrie und weinte bitterlich. –
Jedoch nach Hause lief der Hund
Und trug die Peitsche in dem Mund.
Ins Bett muss Friedrich nun hinein,
Litt vielen Schmerz an seinem Bein;
Und der Herr Doktor sitzt dabei
Und gibt ihm bitt’re Arzenei.
Der Hund an Friedrichs Tischchen saß,
Wo er den großen Kuchen aß;
Aß auch die gute Leberwurst
Und trank den Wein für seinen Durst.
Die Peitsche hat er mitgebracht
Und nimmt sie sorglich sehr in acht.
Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug – Gefahr des Feuers
Paulinchen missachtet die Warnungen ihrer Katzen und spielt mit Streichhölzern. Die dramatischen Folgen ihrer Unvorsichtigkeit dienen als klare Warnung vor den Gefahren des Feuers.
Paulinchen war allein zu Haus,
Die Eltern waren beide aus.
Als sie nun durch das Zimmer sprang
Mit leichtem Mut und Sing und Sang,
Da sah sie plötzlich vor sich stehn
Ein Feuerzeug, nett anzusehn.
„Ei“, sprach sie, „ei, wie schön und fein
Das muss ein trefflich Spielzeug sein.
Ich zünde mir ein Hölzchen an,
Wie’s oft die Mutter hat getan.“
Und Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten:
„Der Vater hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Lass stehn! Sonst brennst du lichterloh!“
Paulinchen hört die Katzen nicht!
Das Hölzchen brennt gar hell und licht,
Das flackert lustig, knistert laut,
Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.
Paulinchen aber freut sich sehr
Und sprang im Zimmer hin und her.
Doch Minz und Maunz, die Katzen,
Erheben ihre Tatzen.
Sie drohen mit den Pfoten;
„Die Mutter hat’s verboten!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Wirf’s weg! Sonst brennst du lichterloh!.“
Doch weh! die Flamme faßt das Kleid,
Die Schürze brennt; es leuchtet weit.
Es brennt die Hand, es brennt das Haar,
Es brennt das ganze Kind sogar.
Und Minz und Maunz, die schreien
Gar jämmerlich zu zweien:
„Herbei! Herbei! Wer hilft geschwind?
In Feuer steht das ganze Kind!
Miau! Mio! Miau! Mio!
Zu Hilf‘! das Kind brennt lichterloh!“
Verbrannt ist alles ganz und gar,
Das arme Kind mit Haut und Haar;
Ein Häuflein Asche bleibt allein
Und beide Schuh‘, so hübsch und fein.
Und Minz und Maunz, die kleinen,
Die sitzen da und weinen:
„Miau! Mio! Miau! Mio!
Wo sind die armen Eltern? Wo?“
Und ihre Tränen fließen
Wie’s Bächlein auf den Wiesen.
Die Geschichte von den schwarzen Buben – Toleranz und Konsequenzen
Diese Geschichte, oft im Kontext ihrer Entstehungszeit diskutiert, erzählt von drei Jungen, die einen dunkelhäutigen Mohren verspotten. Der große Nikolas bestraft sie, indem er sie in ein Tintenfass tunkt, bis sie schwärzer sind als das Kind, über das sie lachten.
Drei Jungen lachen über einen Mohren
Es ging spazieren vor dem Tor
Ein kohlpechrabenschwarzer Mohr.
Die Sonne schien ihm aufs Gehirn,
Da nahm er seinen Sonnenschirm.
Da kam der Ludwig hergerannt
Und trug sein Fähnchen in der Hand.
Der Kaspar kam mit schnellem Schritt.
Und brachte seine Bretzel mit.
Und auch der Wilhelm war nicht steif
Und brachte seinen runden Reif.
Die schrie’n und lachten alle drei,
Als dort das Mohrchen ging vorbei,
Weil es so schwarz wie Tinte sei!
Da kam der große Nikolas
Mit seinem großen Tintenfaß.
Der sprach: „Ihr Kinder, hört mir zu
Und laßt den Mohren hübsch in Ruh‘!
Was kann denn dieser Mohr dafür,
Daß er so weiß nicht ist wie ihr?“
Die Buben aber folgten nicht
Und lachten ihm ins Angesicht
Und lachten ärger als zuvor
Über den armen schwarzen Mohr.
Der Niklas wurde bös und wild,
Du siehst es hier auf diesem Bild!
Er packte gleich die Buben fest,
Beim Arm, beim Kopf, bei Rock und West,
Den Wilhelm und den Ludewig,
Den Kaspar auch, der wehrte sich.
Er tunkt sie in die Tinte tief
Wie auch der Kaspar: „Feuer.“ rief.
Bis übern Kopf ins Tintenfass
Tunkt sie der große Nikolas.
Du siehst sie hier, wie schwarz sie sind,
Der Mohrenkind geht vor den tintenschwarzen JungenViel schwärzer als das Mohrenkind!
Der Mohr voraus im Sonnenschein,
Die Tintenbuben hinterdrein;
Und hätten sie nicht so gelacht,
Hätt‘ Niklas sie nicht schwarz gemacht.
Die Geschichte vom wilden Jäger – Der Spott über die Obrigkeit
Ein Jäger, der eigentlich den Hasen jagen will, schläft im Gras ein. Der Hase nutzt die Gelegenheit, nimmt ihm Gewehr und Brille ab und jagt den Jäger, was zu einer komisch-verkehrten Welt führt.
Ein Jäger mit Brille und Gewehr
Es zog der wilde Jägersmann
Sein grasgrün neues Röcklein an;
Nahm Ranzen Pulverhorn und Flint‘
Und lief hinaus ins Feld geschwind.
Er trug die Brille auf der Nas‘
Und wollte schießen tot den Has.
Das Häschen sitzt im Blätterhaus
Und lacht den wilden Jäger aus.
Jetzt schien die Sonne gar zu sehr,
Da ward ihm sein Gewehr zu schwer.
Er legte sich ins grüne Gras;
Das alles sah der kleine Has.
Und als der Jäger schnarcht‘ und schlief,
Der Has ganz heimlich zu ihm lief
Und nahm die Flint‘ und auch die Brill‘
Und schlich davon ganz leis‘ und still.
Die Brille hat das Häschen jetzt
Sich selbst auf seine Nas‘ gesetzt;
Und schießen will’s aus dem Gewehr.
Der Jäger aber fürcht‘ sich sehr.
Er läuft davon und springt und schreit.
„Zu Hilf‘, ihr Leut‘, zu Hilf‘, ihr Leut‘.“
Da kommt der wilde Jägersmann
Zuletzt beim tiefen Brünnchen an.
Er springt hinein. Die Not war groß;
Es schießt der Has die Flinte los.
Des Jägers Frau am Fenster saß
Und trank aus ihrer Kaffeetass‘.
Die schoss das Häschen ganz entzwei;
Da rief die Frau: „O wei! O wei!‘
Doch bei dem Brünnchen heimlich saß
Des Häschens Kind, der kleine Has.
Der hockte da im grünen Gras;
Dem floss der Kaffee auf die Nas‘.
Er schrie: „Wer hat mich da verbrannt?“
Und hielt den Löffel in der Hand.
Die Geschichte vom Daumenlutscher – Warnung vor schlechten Angewohnheiten
Konrad wird von seiner Mutter gewarnt, nicht am Daumen zu lutschen, da sonst der „Schneider mit der Schere“ kommt. Als er der Versuchung erliegt, erscheint der Schneider und schneidet ihm beide Daumen ab.
Mutter warnt Konrad vor dem Daumenlutschen
„Konrad!“ sprach die Frau Mama,
„Ich geh‘ aus und du bleibst da.
Sei hübsch ordentlich und fromm,
Bis nach Haus ich wieder komm‘.
Und vor allem, Konrad, hör‘!
Lutsche nicht am Daumen mehr;
Denn der Schneider mit der Scher‘
Kommt sonst ganz geschwind daher,
Und die Daumen schneidet er
Ab, als ob Papier es wär‘.“
Fort geht nun die Mutter und
Wupp! den Daumen in den Mund.
Bauz! da geht die Türe auf,
Und herein in schnellem Lauf
Springt der Schneider in die Stub‘
Zu dem Daumen-Lutscher-Bub.
Weh! Jetzt geht es klipp und klapp
Mit der Scher‘ die Daumen ab,
Mit der großen scharfen Scher‘!
Hei! da schreit der Konrad sehr.
Als die Mutter kommt nach Haus,
Sieht der Konrad traurig aus.
Ohne Daumen steht er dort,
Die sind alle beide fort.
Die Geschichte vom Suppen-Kaspar – Die Folgen des Verweigerers
Der kerngesunde Suppen-Kaspar weigert sich beharrlich, seine Suppe zu essen. Von Tag zu Tag wird er schwächer und stirbt schließlich, eine drastische Warnung vor der Verweigerung von Nahrung.
Der Suppen-Kaspar verweigert seine Suppe
Der Kaspar, der war kerngesund,
Ein dicker Bub und kugelrund,
Er hatte Backen rot und frisch
Die Suppe aß er hübsch bei Tisch.
Doch einmal fing er an zu schrei’n:
„Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Am nächsten Tag, – ja sich nur her!
Da war er schon viel magerer.
Da fing er wieder an zu schrei’n:
„Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Am dritten Tag, O weh und ach!
Wie ist der Kaspar dünn und schwach!
Doch als die Suppe kam herein,
Gleich fing er wieder an zu schrei’n.
„Ich esse keine Suppe! Nein!
Ich esse meine Suppe nicht!
Nein, meine Suppe ess‘ ich nicht!“
Am vierten Tage endlich gar
Der Kaspar wie ein Fädchen war.
Er wog vielleicht ein halbes Lot –
Und war am fünften Tage tot.
Die Geschichte vom Zappel-Philipp – Unruhe am Esstisch
Philipp kann beim Essen nicht stillsitzen, zappelt und schaukelt, bis er samt Stuhl umfällt und das ganze Essen auf dem Boden landet. Eine Lektion über gutes Benehmen bei Tisch.
Zappel-Philipp fällt mit dem Stuhl
„Oh der Philipp heute still
Wohl bei Tische sitzen will?“
Also sprach in ernstem Ton
Der Papa zu seinem Sohn,
Und die Mutter blickte stumm
Auf dem ganzen Tisch herum.
Doch der Philipp hörte nicht,
Was zu ihm der Vater spricht.
Er gaukelt
Und schaukelt,
Er trappelt
Und zappelt
Auf dem Stuhle hin und her.
„Philipp, das mißfällt mir sehr!“
Seht, ihr lieben Kinder, seht,
Wie’s dem Philipp weiter geht!
Oben steht es auf dem Bild.
Seht! Er schaukelt gar zu wild,
Bis der Stuhl nach hinten fällt
Da ist nichts mehr, was ihn hält;
Nach dem Tischtuch greift er, schreit.
Doch was hilft’s? Zu gleicher Zeit
Fallen Teller, Flasch‘ und Brot,
Vater ist in großer Not,
Und die Mutter blicket stumm
Auf dem ganzen Tisch herum.
Nun ist Philipp ganz versteckt,
Und der Tisch ist abgedeckt.
Was der Vater essen wollt‘,
Unten auf der Erde rollt;
Suppe, Brot und alle Bissen,
Alles ist herabgerissen;
Suppenschüssel ist entzwei,
Und die Eltern stehn dabei.
Beide sind gar zornig sehr,
Haben nichts zu essen mehr.
Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft – Die Gefahren der Unaufmerksamkeit
Hanns ist stets in Gedanken versunken und schaut beim Gehen immer in den Himmel. Dies führt dazu, dass er wiederholt in Schwierigkeiten gerät, bis er schließlich in einen Fluss fällt. Eine eindringliche Warnung vor Unaufmerksamkeit im Alltag.
Wenn der Hanns zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts, allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
ja, da sah der Bursche nicht,
Also dass ein jeder ruft:
„Seht den Hanns Guck-indie-Luft!“
Kam ein Hund daher gerannt;
Hännslein blickte unverwandt
In die Luft.
Niemand ruft:
„Hanns! gib acht, der Hund ist nah!“
Was geschah?
Bauz! Perdauz! – da liegen zwei!
Hund und Hännschen nebenbei.
Einst ging er an Ufers Rand
Mit der Mappe in der Hand.
Nach dem blauen Himmel hoch
Sah er, wo die Schwalbe flog,
Als dass er kerzengrad
Immer mehr zum Flusse trat.
Und die Fischlein in der Reih‘
Sind erstaunt sehr, alle drei.
Noch ein Schritt! und plumps! der Hanns
Stürzt hinab kopfüber ganz! –
Die drei Fischlein, sehr erschreckt,
Haben sich sogleich versteckt.
Doch zum Glück, da kommen zwei
Männer aus der Näh‘ herbei,
Und die haben ihn mit Stangen
Aus dem Wasser aufgefangen.
Seht! Nun steht er triefend nass!
Ei! das ist ein schlechter Spaß!
Wasser läuft dem armen Wicht
Aus den Haaren ins Gesicht,
Aus den Kleidern, von den Armen;
Und es friert ihn zum Erbarmen.
Doch die Fischlein alle drei,
Schwimmen hurtig gleich herbei;
Strecken ’s Köpflein aus der Flut,
Lachen, daß man’s hören tut,
Lachen fort noch lange Zeit;
Und die Mappe schwimmt schon weit.
Die Geschichte vom fliegenden Robert – Leichtsinn bei schlechtem Wetter
Robert ignoriert die Warnungen vor Sturm und Regen und geht mit seinem Regenschirm hinaus. Der Wind erfasst ihn und trägt ihn mitsamt seinem Schirm davon, eine warnende Geschichte vor Leichtsinn.
Robert fliegt mit seinem Regenschirm im Sturm
Wenn der Regen niederbraust,
Wenn der Sturm das Feld durchsaust,
Bleiben Mädchen oder Buben
Hübsch daheim in ihren Stuben. –
Robert aber dachte: Nein!
Das muss draußen herrlich sein! –
Und im Felde patschet er
Mit dem Regenschirm umher.
Hui, wie pfeift der Sturm und keucht,
Dass der Baum sich niederbeugt!
Seht! den Schirm erfasst der Wind,
Und der Robert fliegt geschwind
Durch die Luft so hoch, so weit;
Niemand hört ihn, wenn er schreit.
An die Wolken stößt er schon,
Und der Hut fliegt auch davon.
Schirm und Robert fliegen dort
Durch die Wolken immerfort.
Und der Hut fliegt weit voran,
Stößt zuletzt am Himmel an.
Wo der Wind sie hingetragen,
Ja! das weiß kein Mensch zu sagen.
Pädagogische Debatte und bleibendes Erbe
„Der Struwwelpeter“ war bei seinem Erscheinen revolutionär, da er statt abstrakter Morallehren konkrete, oft drastische Konsequenzen für Fehlverhalten darstellte. Heinrich Hoffmann, ein Frankfurter Arzt, schrieb das Buch ursprünglich für seinen eigenen Sohn, da er keine geeigneten Bilderbücher fand, die seine pädagogischen Vorstellungen widerspiegelten.
Im Laufe der Zeit wurde „Der Struwwelpeter“ sowohl gefeiert als auch kritisiert. Befürworter loben die klare Botschaft und die humorvolle, wenn auch manchmal makabre, Darstellung, die Kinder nachweislich faszinierte und ihnen Verhaltensregeln auf einprägsame Weise vermittelte. Kritiker hingegen sehen in dem Werk ein Beispiel für „schwarze Pädagogik“, die auf Angst und Bestrafung setzt. Sie bemängeln die teils brutalen Darstellungen, die traumatisch wirken könnten.
Unabhängig von diesen Debatten hat „Der Struwwelpeter“ seinen festen Platz in der deutschen Kulturgeschichte. Er ist ein Synonym für klassische Kindererziehung und ein Referenzpunkt in Gesprächen über Literatur und Moral. Seine Figuren – der zappelnde Philipp, der Suppen-Kaspar, der Daumenlutscher – sind zu Archetypen geworden, die weit über das Buch hinaus bekannt sind.
Fazit: Ein unverwüstlicher Klassiker der deutschen Kinderliteratur
„Der Struwwelpeter“ von Dr. Heinrich Hoffmann bleibt ein faszinierendes und vielschichtiges Werk, das bis heute polarisiert und zum Nachdenken anregt. Ob als historisches Dokument der Erziehung, als literarischer Klassiker oder als Diskussionsgrundlage über pädagogische Ansätze – seine Bedeutung für die deutsche Kultur ist unbestreitbar. Die Geschichten, die auf den ersten Blick einfach erscheinen mögen, bieten tiefere Einblicke in die Denkweise einer vergangenen Zeit und die universellen Herausforderungen der Kindererziehung.
Wir hoffen, diese Erkundung des „Struwwelpeters“ hat Ihnen einen spannenden Einblick in dieses einzigartige Stück deutscher Literatur gewährt. Entdecken Sie auf „Shock Naue“ weitere spannende Aspekte der deutschen Geschichte, Kultur und des Alltags, die Sie begeistern werden!
