Nordkoreas Fußball: Eine Reise durch die WM-Geschichte und ehrgeizige Zukunftspläne

Nordkoreanische Fußballer in Aktion bei einem Spiel

Im Juni 2026 blickt die Welt auf die nächste Fußball-Weltmeisterschaft, die gemeinsam von den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtet wird. Während Südkorea unter Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann mit Ambitionen in der Asien-Qualifikation glänzt, richtet sich auch ein Scheinwerfer auf Nordkorea. Nach einer längeren Abschottung aufgrund der Corona-Pandemie kehrt das Land auf die internationale Fußballbühne zurück und nimmt an der Qualifikation teil. Doch wie sieht die WM-Geschichte Nordkoreas aus und welche Ziele verfolgt das Land mit seiner Fußballförderung?

Nordkorea ist in der zweiten Runde der Asien-Qualifikation zur WM in einer Gruppe mit Japan, Syrien und Myanmar angetreten. Nachdem das Team eine 0:1-Niederlage gegen Syrien einstecken musste, folgte ein überzeugender 6:1-Sieg gegen Myanmar. Die Teilnahme hochkarätiger Spieler, die zuvor in Europa aktiv waren, unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Ambitionen Nordkoreas. „Für die WM-Asien-Qualifikation kamen die nordkoreanischen Fußballer, die zuvor in Europa gespielt haben, wieder zusammen. Ich denke, das ist bedeutsam“, so Seong Mun-jeong vom Korea-Institut für Sportwissenschaft in Südkorea. Diese Rückkehr ist besonders bemerkenswert, da Nordkorea seine Teilnahme an der Qualifikation für die WM 2022 in Katar nach dem Ausbruch der Pandemie zurückgezogen hatte. Die Hoffnungen ruhen nun unter anderem auf dem international bekannten Han Kwang-song, der sowohl in Europa als auch im Nahen Osten seine Fähigkeiten unter Beweis stellte.

Der legendäre WM-Auftritt von 1966

Die Geschichte Nordkoreas bei Fußball-Weltmeisterschaften begann mit einem Paukenschlag im Jahr 1966. Das Debüt in England schrieb Sportgeschichte und gilt bis heute als eine der größten Überraschungen der FIFA-Weltmeisterschaft. Im Turnier mit damals nur 16 Mannschaften wurde die Siegchance Nordkoreas auf lediglich ein Prozent geschätzt. Doch die Außenseiter schockierten die Fußballwelt mit einem unerwarteten 1:0-Sieg gegen den damaligen Favoriten Italien. Der Torschütze Pak Doo-ik wurde zur Legende.

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Mit diesem historischen Triumph avancierte Nordkorea zur ersten asiatischen Mannschaft, die die Gruppenphase einer Weltmeisterschaft überstand. Im Viertelfinale trafen sie auf das hochklassige Portugal und lieferten trotz einer 3:5-Niederlage eine bemerkenswerte Leistung ab, indem sie dem späteren Halbfinalisten drei Tore einschenkten. Dieser unerwartete Erfolg sicherte Nordkorea einen festen Platz in den Annalen des Fußballs.

Die Wiederbelebung und weitere Auftritte

Nach dem sensationellen Auftritt 1966 schied Nordkorea in den folgenden Jahrzehnten entweder in den Qualifikationsrunden aus oder verzichtete auf eine Teilnahme. Erst im Jahr 2010 erlebte der nordkoreanische Fußball eine Art Wiederbelebung, als sich das Nationalteam erneut für die Endrunde in Südafrika qualifizierte. Die Mannschaft, zu der auch in Japan geborene Spieler wie An Yong-hak und Jong Tae-se gehörten, gewann zwar kein Spiel, beeindruckte aber dennoch mit einer disziplinierten Verteidigung und einem Tor gegen den Rekord-Weltmeister Brasilien. Nach ihrer Rückkehr wurden die Spieler in Pjöngjang von jubelnden Menschenmassen gefeiert, was die immense Popularität des Fußballs im Land verdeutlichte.

Die allgegenwärtige Fußballbegeisterung in Nordkorea

Fußball ist in Nordkorea die unangefochten beliebteste Sportart. Bereits unter Republikgründer Kim Il-sung wurde der Sport aktiv gefördelt, da er als ideal für den koreanischen Körperbau galt. Diese Begeisterung spiegelt sich auch in den Medien wider: Nordkoreas Fernsehen strahlte 2022 mehrfach internationale Fußballspiele aus, was die anhaltende Popularität unterstreicht.

Anders als Südkorea verfügt Nordkorea zwar über keine professionelle Fußball-Liga im westlichen Sinne, doch werden bei nationalen Sportveranstaltungen stets Fußballspiele ausgetragen. Zahlreiche Sportvereine, vergleichbar mit den Betriebsmannschaften in Südkorea, tragen mit ihren Spielen zur wachsenden Beliebtheit des Fußballs bei und bieten eine Plattform für talentierte Spieler.

Systematische Talentförderung: Die Internationale Fußballschule Pjöngjang

Um das Niveau des nordkoreanischen Fußballs weiter anzuheben und Talente systematisch zu fördern, eröffnete Nordkorea 2013 die Internationale Fußballschule in Pjöngjang. Diese Schule ist ein zentraler Bestandteil der Vision von Machthaber Kim Jong-un, das Land zu einer Sportmacht zu entwickeln. Die Schule wählt begabte Kinder aus und bietet ihnen in Anfänger- und Fortgeschrittenen-Klassen ein umfassendes und systematisches Training.

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Es wird vermutet, dass ehemalige Nationalspieler als Trainer an der Schule arbeiten. Zudem wurden namhafte Fußballtrainer aus europäischen Ländern wie Italien eingeladen, um das Trainingsniveau zu optimieren. Besonders talentierte Schüler erhalten die Möglichkeit, für eine Ausbildung nach Europa geschickt zu werden. Um die Globalisierung des nordkoreanischen Fußballs zu unterstützen, erhalten die Schüler auch Unterricht in Englisch und am Computer.

Han Kwang-songs beeindruckende internationale Karriere

Ein herausragendes Beispiel für den Erfolg dieser Talentförderung ist Han Kwang-song. Als Schüler der Pjöngjanger Fußballschule wurde er mit staatlicher Unterstützung nach Spanien geschickt. Im Jahr 2015 erregte er die Aufmerksamkeit einer italienischen Fußballmanagement-Akademie. Nach vier Jahren Training im Ausland schloss er sich 2017 offiziell der Jugendmannschaft von Cagliari in der italienischen Serie A an.

Sein Aufstieg war rasant: Nur eine Woche nach seinem Debüt in der Profimannschaft erzielte er sein erstes Tor und schrieb damit Geschichte als erster nordkoreanischer Spieler, der in einer der stärksten europäischen Fußballligen traf. Han Kwang-song, der von einigen als „nordkoreanischer Ronaldo“ bezeichnet und mit Südkoreas Son Heung-min verglichen wird, spielte später auch für Perugia und erregte weltweite Aufmerksamkeit, als er zu Juventus Turin wechselte. Neben Han haben auch Spieler wie Pak Kwang-ryong, Jong Il-gwan und Choe Song-hyok ihre Fähigkeiten in europäischen Ligen unter Beweis gestellt.

Warum Nordkorea massiv in Fußball investiert

Die intensive Förderung des Fußballs in Nordkorea hat mehrere Gründe. Zum einen ist die Ausbildung von Fußballspielern im Vergleich zu anderen Sportarten mit geringeren Investitionen in die Infrastruktur möglich. Zum anderen ist Fußball international weitaus präsenter und bietet Nordkorea eine wichtige Einnahmequelle. Ein einzelner, gut ausgebildeter Spieler kann durch Ablösesummen und Gehälter weit mehr Devisen einbringen als tausende Gastarbeiter im Ausland.

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Han Kwang-songs Ablösesumme von fünf Millionen Dollar ist ein eindrückliches Beispiel hierfür. Es wird angenommen, dass ein Großteil solcher Einnahmen als „Loyalitätsfonds“ in die Heimat überwiesen wird. Aus diesem Grund werden nordkoreanische Fußballspieler in Europa vom UN-Sicherheitsrat als Arbeitskräfte betrachtet, die ausländische Devisen verdienen. Obwohl UN-Sanktionen, die Mitgliedsländer zur Einstellung von Arbeitserlaubnissen für nordkoreanische Gastarbeiter auffordern, Han Kwang-songs Karriere behinderten, bleiben herausragende Fußballspieler eine wichtige Einkommensquelle für das Land. Darüber hinaus kann der Erfolg nordkoreanischer Sportler im Ausland das Image des Landes positiv beeinflussen und es als normalen Staat darstellen.

Ausblick: WM 2026 und die Zukunft des nordkoreanischen Fußballs

Nach vierjähriger Abwesenheit ist Nordkorea nun wieder in die WM-Qualifikation zurückgekehrt, und die Aussichten für die WM 2026 sind vielversprechender denn je. Die Erweiterung des Teilnehmerfeldes von 32 auf 48 Nationen ab 2026 erhöht die Startplatzquote für Asien von 4,5 auf 8,5 Plätze erheblich. Diese erhöhte Quote verbessert die Chancen Nordkoreas, sich zum dritten Mal für eine Endrunde zu qualifizieren. „Asien wird jetzt acht Startplätze haben. Berücksichtigt man das Niveau des nordkoreanischen Fußballs, könnte das Land auf der Liste der Acht erscheinen. Das hängt davon ab, wie stark Nordkoreas Teamarbeit im Vergleich zu anderen Ländern sein wird“, erklärt Seong Mun-jeong.

Das große Interesse Nordkoreas am Fußball und die systematische Ausbildung talentierter Spieler zeigen eine klare strategische Ausrichtung. Wie sich diese Entwicklungen langfristig auf den nordkoreanischen Fußball auswirken und ob das Land seine ambitionierten Ziele, eine Sportmacht zu werden und wertvolle Devisen zu generieren, erreichen kann, bleibt abzuwarten und hängt maßgeblich von der weiteren staatlichen Förderung des Sports ab.

Nordkoreanische Fußballer in Aktion bei einem SpielNordkoreanische Fußballer in Aktion bei einem Spiel