Wenn die kalten Temperaturen Einzug halten, greifen wir instinktiv zu wärmenden Kleidungsstücken und gemütlichen Decken. Doch wussten Sie, dass auch die richtige Ernährung Ihre körpereigene Heizung anfachen kann? Traditionelle Ernährungslehren wie Ayurveda und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) wissen schon seit Jahrhunderten um die thermische Wirkung von Lebensmitteln und Gewürzen. Entdecken Sie, wie Sie mit gezielten Essensentscheidungen Ihr Wohlbefinden steigern und Erkältungsgefühlen trotzen können.
Lebensmittel mit thermischer Wirkung: Kalt, Neutral oder Warm?
Unsere Vorfahren nutzten intuitiv das Wissen um die thermischen Eigenschaften von Nahrungsmitteln. Sowohl das Ayurveda, die altindische Heilkunst, als auch die TCM sind sich einig: Jedes Lebensmittel besitzt eine spezifische thermische Eigenschaft – es kann kalt, neutral oder warm wirken. Während Gewürze überwiegend als wärmend gelten, werden Blattsalate, Gurken oder Zitrusfrüchte eher als kühlend eingestuft.
Die Zubereitungsart beeinflusst die Wirkung
Selbst kühlende Lebensmittel können durch verschiedene Zubereitungsmethoden “aufgewärmt” werden. Die TCM erklärt, dass der Körper viel Qi, also Lebensenergie, benötigt, um kalte Speisen auf Körpertemperatur zu erwärmen. Gekochte Mahlzeiten hingegen speichern laut TCM Energie. Je länger und heißer ein Gericht zubereitet wird, desto stärker wärmt es den Körper. Durch Kochen, Braten, Schmoren oder auch durch das Zerkleinern werden Nährstoffe für den Körper leichter verdaulich, wodurch mehr Energie für die Wärmeregulation zur Verfügung steht.
Lebensmittel-Eigenschaften nach TCM-Lehre
Die TCM kategorisiert Lebensmittel anhand ihrer thermischen Wirkung in fünf Gruppen, um die Balance zwischen Yin (kalt) und Yang (heiß) zu fördern:
- Heiß: Rotes Fleisch (Lamm, Rind), Paprika, Chili, Knoblauch, schwarzer Pfeffer.
- Warm: Fisch, Meeresfrüchte, Langkornreis, Hirse, Eigelb, Nüsse, Fenchel, Lauch, Zwiebeln, Pfirsiche, Kirschen, Himbeeren, Mandarinen, Koriander, Zimt, Ingwer, Sternanis, Nelken.
- Neutral: Roggen, Hafer (roh), Rundkornreis, Mais, Dinkel, Erbsen, Karotten, Kartoffeln, Weißkohl, Blumenkohl, Milch und Käse, Safran.
- Kühlend: Tofu, Joghurt, Weizen, die meisten Pilze, Aubergine, Spinat, Rotkohl.
- Kalt: Gurken, Tomaten, Chinakohl, grüner Salat, Salz, Sojasauce, Eiscreme.
Kalte Nahrungsmittel eignen sich besonders für den Sommer oder bei innerer Hitze. Warme und heiße Speisen sind hingegen ideal, wenn Sie frieren. Durch die Zubereitung und Kombination von Lebensmitteln lassen sich ihre thermischen Effekte variieren. So wird aus neutralem Hafer durch Kochen ein wärmendes Porridge, das mit Zimt oder einer Prise Chili zusätzlich angeheizt werden kann. Auch die frische, kalte Tomate gewinnt an wärmender Energie, wenn sie zu einer samtigen Sauce verarbeitet wird.
Die Ernährungslehre des Ayurveda und das Verdauungsfeuer (Agni)
Im Ayurveda spielt das “Agni”, das Verdauungsfeuer, eine zentrale Rolle für alle Körperfunktionen, einschließlich der Körpertemperatur. Ähnlich der TCM strebt auch das Ayurveda nach einem energetischen Gleichgewicht im Körper. Es unterscheidet drei Haupt-Lebensenergien, die Doshas: das ätherische, leicht frierende Vata-Typ; der feurige Pitta-Typ; und der geerdete Kapha-Typ. Um diese Energien zu harmonisieren, empfiehlt das Ayurveda die Zufuhr von Lebensmitteln aus entgegengesetzten Dosha-Bereichen.
Insbesondere die Wirkung verschiedener Geschmacksrichtungen ist in der indischen Ernährungstherapie von Bedeutung. Bei innerer Kälte und Frösteln können wärmende, scharfe Lebensmittel Abhilfe schaffen. Dazu zählen vor allem Gewürze wie frischer Ingwer oder Currypulver. Das Ayurveda differenziert dabei, wo diese Gewürze ihre wärmende Wirkung entfalten: Chili und Ingwer wirken direkt im Mundraum auf den Nervenenden der Mundschleimhaut, während Kreuzkümmel oder Zimt ihre Wärme erst im Magen entfalten.
Wissenschaftlich belegte “Einheiz”-Wirkung von Gewürzen
Die wärmende Wirkung von Gewürzen wie Chili, Pfeffer oder Ingwer ist wissenschaftlich gut belegt. Ihre scharfen Inhaltsstoffe – Piperin im Pfeffer, Capsaicin in Chilis und Gingerole im Ingwer – regen die Durchblutung an. Dies führt zur Erweiterung der Blutgefäße, einem schnelleren Blutfluss und somit zu einem Anstieg der Körpertemperatur. Allerdings versucht der Körper, eine übermäßige Erwärmung auszugleichen, indem er die Poren öffnet und Schweiß produziert. Durch das Verdampfen des Schweißes auf der Haut kann es jedoch paradoxerweise wieder zu einem Kältegefühl kommen. Vorsicht ist geboten bei Frauen in den Wechseljahren, die bereits unter Hitzewallungen leiden.
Erfahrungswerte statt moderner Studien
Abgesehen von den bekannten Effekten einzelner Gewürze sind die Lehren von Ayurveda und TCM nach modernen wissenschaftlichen Kriterien, wie randomisierten kontrollierten Studien, bisher kaum belegt. Diese traditionellen Weisheiten basieren auf jahrhundertealten Beobachtungen und praktischen Erfahrungen, ähnlich dem überlieferten Wissen unserer Vorfahren, das im Zuge des medizinischen Fortschritts teilweise in Vergessenheit geriet, aber in der traditionellen Küche fortlebt.
Fazit und Empfehlung
Die traditionellen Ernährungslehren von Ayurveda und TCM bieten wertvolle Einblicke, wie wir durch die Wahl unserer Lebensmittel und deren Zubereitung unser Wohlbefinden und unsere Körpertemperatur positiv beeinflussen können. Insbesondere in den kälteren Monaten sind wärmende Speisen und Gewürze eine wohltuende Unterstützung für unseren Körper. Experimentieren Sie mit verschiedenen Rezepten und entdecken Sie die kulinarische Vielfalt, die Ihnen hilft, gesund und warm durch den Winter zu kommen. Beginnen Sie noch heute damit, wärmende Gewürze in Ihre täglichen Mahlzeiten zu integrieren und spüren Sie den Unterschied!
