Das neue Jahr bringt oft Vorsätze mit sich, und für viele Weinliebhaber gehört dazu der “Dry January” – ein Monat des bewussten Verzichts auf Alkohol. Doch die Suche nach einer hochwertigen, genussvollen Alternative zum klassischen Schaumwein gestaltete sich lange als Herausforderung. Während der Markt für alkoholfreien Wein wächst, bleibt die Frage nach wirklich überzeugenden High-End-Produkten oft unbeantwortet. Inmitten dieser Entwicklung betritt ein französisches Start-up die Bühne, das mit beeindruckendem Selbstbewusstsein und einem ebenso beeindruckenden Preis den Anspruch erhebt, den teuersten alkoholfreien Schaumwein der Welt zu produzieren: French Bloom. Wir werfen einen detaillierten Blick auf dieses Luxusprodukt und prüfen, ob es den hohen Erwartungen und dem stolzen Preis von 109 Euro für die „La Cuvée Vintage“ gerecht wird. Begleiten Sie uns auf eine sensorische Entdeckungsreise in die Welt des alkoholfreien Luxus.
French Bloom: Ein Pionier im Segment der alkoholfreien Luxusgetränke
French Bloom, 2019 in Paris gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Segment der alkoholfreien Schaumweine neu zu definieren. Mit dem klaren Ziel, eine elegante Alternative zu traditionellem Champagner zu bieten, insbesondere für Anlässe, bei denen auf Alkohol verzichtet werden soll oder muss, positioniert sich das Unternehmen bewusst im Premium- und Luxusbereich.
Was ist French Bloom eigentlich? Die Produktpalette
Das Sortiment von French Bloom umfasst aktuell drei verschiedene alkoholfreie Schaumweine. Die ersten beiden sind die sogenannten Hybrid-Weine „Le Blanc“ und „Le Rosé“. „Le Blanc“ basiert auf Chardonnay, während „Le Rosé“ eine Mischung aus Chardonnay und Pinot Noir ist. Diese Wein-Mix-Getränke bestehen aus französischem Quellwasser, Traubensaft, entalkoholisiertem Chardonnay (bzw. Chardonnay/Pinot Noir) und einem Hauch Zitronensaft. Sie sind im Premium-Bereich um 30 Euro angesiedelt. Der Jahrgang 2021 markierte ihr Debüt auf dem Markt.
Der dritte und aufsehenerregendste Schaumwein ist jedoch „La Cuvée Vintage“, dessen Erstjahrgang 2022 auf dem Markt kam. Mit einem Preis von 109 Euro ist er klar im Luxus-Segment positioniert. Im Gegensatz zu den Einsteiger-Schaumweinen ist „La Cuvée“ ein reiner, entalkoholisierter Chardonnay-Wein ohne zugesetztes Quellwasser, verfeinert lediglich mit natürlichen Aromen und Traubenaromen. Dieser Ansatz unterstreicht den Anspruch an Reinheit und Exklusivität des Produkts.
French Bloom Blanc und La Cuvée – Flaschen des alkoholfreien Schaumweins
Die Visionärinnen hinter der Marke: Maggie Frerejean-Taittinger und Constance Jablonski
Hinter French Bloom stehen zwei beeindruckende Frauen: Maggie Frerejean-Taittinger und ihre Freundin Constance Jablonski. Beide leben zwischen Paris und New York und brachten ihre jeweiligen Erfahrungen und Netzwerke in das Projekt ein. Maggie Frerejean-Taittinger war im Jahr 2019 Managerin des renommierten Michelin Guides, während Constance Jablonski als erfolgreiches Model für Cover internationaler Hochglanzmagazine wie Harper’s Bazaar bekannt ist. Die Idee zu French Bloom entstand aus einer persönlichen Notwendigkeit: 2019, während ihrer Schwangerschaft, bemerkte Maggie Frerejean-Taittinger das Fehlen einer adäquaten, alkoholfreien Champagner-Alternative bei gesellschaftlichen Anlässen.
Zur Verstärkung des Teams gesellte sich Rodolphe Frerejean-Taittinger, Maggies Ehemann. Als Spross der bekannten Taittinger-Champagner-Familie bringt er tiefgreifendes Wissen und Erfahrung in der Champagnerherstellung mit, was dem Start-up eine zusätzliche Ebene an Expertise und Glaubwürdigkeit verleiht. Diese Verbindung zur französischen Champagner-Dynastie unterstreicht den hohen Anspruch und die Benchmark, die French Bloom für seine alkoholfreien Schaumweine setzt.
Die French Bloom Gründerinnen Maggie Frerejean-Taittinger und Constance Jablonski
Die Philosophie: Champagner-Anspruch, alkoholfrei und nachhaltig
Die Wurzeln des French Bloom Teams in der Champagner-Dynastie sind unverkennbar und prägen die gesamte Philosophie des Unternehmens. Für das Start-up ist Champagner der Maßstab schlechthin – jedoch mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Produkte vollständig alkoholfrei sind. Dieser Ansatz spiegelt sich nicht nur im Geschmacksprofil, sondern auch in den strengen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards wider.
Werte, die überzeugen: Vegan, Bio, Halal und mehr
Schon die detaillierten Informationen zu „La Cuvée“ verdeutlichen die umfassende Philosophie von French Bloom. Der alkoholfreie Schaumwein ist vegan, halal und bio-zertifiziert. Zudem ist er ausdrücklich als „pregnancy friendly“ ausgewiesen, kalorienarm, sulfatfrei und kommt ohne künstliche Zusatzstoffe sowie zusätzlichen Zucker (lediglich 2,3 g/100 ml) aus. Diese Kriterien sprechen eine moderne, gesundheitsbewusste und ethisch orientierte Kundschaft an. Constance Jablonski fasste die Kernidee treffend zusammen: „Wir wollten Gesundheit mit Vergnügen verbinden.“ Das oberste Ziel ist es, ein alkoholfreies Produkt zu schaffen, das in puncto Geschmack und Status so hochwertig ist, dass es sich selbstbewusst neben einem Champagner behaupten kann. Jablonski betonte, dass es eine solche Alternative zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt schlichtweg nicht gab.
Herstellungsprozess: Wie entsteht French Bloom „La Cuvée Vintage“?
Die Entwicklung von French Bloom war ein intensiver Prozess. Über zwei Jahre lang investierten die Gründerinnen und ihr Team in Forschung, Entwicklung und modernste Technologie, bevor 2021 die ersten beiden Produkte, „Le Blanc“ und „Le Rosé“, auf den Markt kamen. „La Cuvée Vintage“ folgte im Jahr 2022 und repräsentiert den Höhepunkt dieser Bemühungen.
Der „La Cuvée Vintage“ wird zu 100 Prozent aus biologisch angebautem Chardonnay-Trauben aus der südfranzösischen Region Languedoc hergestellt. Die Trauben werden zwei Wochen früher als üblich geerntet, um eine höhere Säurestruktur zu gewährleisten, die für die Frische des Endprodukts entscheidend ist. Nach der Pressung reift der Großteil des Weins sechs Monate lang in neuen französischen Eichenfässern, während der Rest in Edelstahltanks ausgebaut wird. Der entscheidende Schritt ist die Entalkoholisierung: Der Chardonnay-Wein verliert seinen Alkohol in einem schonenden, manuellen Verfahren, das in drei Durchgängen bei niedrigen Temperaturen durchgeführt wird. Dieser aufwendige Prozess zielt darauf ab, die ursprünglichen Aromen des Weins so weit wie möglich zu erhalten. Abschließend werden dem entalkoholisierten Wein noch natürliche Aromen und Traubenaromen hinzugefügt, um das Geschmacksprofil abzurunden und zu verfeinern.
Eine Flasche French Bloom La Cuvée Vintage – der teuerste alkoholfreie Schaumwein
Der Geschmackstest: Kann der teuerste alkoholfreie Schaumwein überzeugen?
Die entscheidende Frage lautet natürlich: Hält der French Bloom „La Cuvée Vintage“ geschmacklich, was sein Preis und sein Anspruch versprechen? Und die Antwort ist – mit einer Einschränkung – ja, er schmeckt, und das bis zur Säure-Kante.
Beim ersten Schluck offenbart er ein ansprechendes Bukett von Nuss- und Steinobstnoten. Es ist eine faszinierende Mischung, die an Lübecker Marzipan und saure Aprikosenringe erinnert – Assoziationen, die keineswegs billig gemeint sind, sondern sofort eine lebendige Vorstellung hervorrufen. Die Struktur ist angenehm fordernd, nicht flach oder übermäßig lieblich, sondern von einer bemerkenswerten Komplexität. In dieser Hinsicht ist es ein erstaunlich gelungenes Schaumwein-Produkt, das selbst mit moderater Kohlensäurezugabe überzeugt. Bis zu diesem Punkt könnte man sogar argumentieren, dass es in die Richtung von Champagner geht, auch wenn ein direkter Vergleich angesichts der völlig unterschiedlichen Herstellungstechniken nur bedingt zulässig ist.
Doch dann kommt die besagte Säure-Kante. Sie ist so ausgeprägt, dass sie einen Großteil der zuvor wahrgenommenen Aromen regelrecht guillotinieren. Das ist bedauerlich, denn das Getränk zerfällt dadurch in zwei distinkte Hälften, die nicht harmonisch miteinander verschmelzen. Könnte dies dem Umstand geschuldet sein, dass es sich um den ersten Jahrgang handelt und hier noch Entwicklungspotenzial besteht?
Diese Frage drängt sich auf, insbesondere im Vergleich zum – zugegebenermaßen günstigeren – „Le Blanc“, der es durchaus vermag, anspruchsvoll harmonisch zu produzieren. Der „kleine Bruder“ von French Bloom erreicht zwar nicht die gleiche Komplexität, kommt aber ohne die störende Säure-Kante aus. Allerdings ist dieser als Mix-Getränk auf Wasserbasis von vornherein auf eine leichtere Trinkigkeit ausgelegt. Für den „La Cuvée“ würde ich persönlich zwei bis drei Jahre Reifezeit einräumen, um ihn dann erneut zu verkosten und zu sehen, ob sich die anfängliche Schärfe zugunsten einer ausgewogeneren Harmonie legt.
Ökonomischer Erfolg und die Zukunft des alkoholfreien Marktes
Der Erfolg von French Bloom ist auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Skepsis in der Weinbranche gegenüber alkoholfreien Alternativen bemerkenswert. Eine Anekdote dazu ist bezeichnend: Rodolphe Frerejean-Taittinger ist der Neffe von Pierre-Emmanuel Taittinger, dem Ehrenvorsitzenden des großen Champagnerhauses. Pierre-Emmanuel äußerte sich kürzlich kritisch: „Alkohol ist Alkohol. Wenn wir dazu greifen, dann weil wir trinken wollen. Wenn Sie nicht beten wollen, gehen Sie nicht in die Kirche.“ Solche Aussagen mögen konservativ klingen, doch die Entwicklung des Marktes spricht eine andere Sprache.
Eine Investition mit Signalwirkung: Moët Hennessy steigt ein
Die „alkoholfreie Kirchenmusik“ spielt mittlerweile bei den Luxuskonzernen, die das Potenzial dieses Segments erkannt haben. Im Herbst 2024 erwarb die Getränke-Sparte Moët Hennessy des französischen Luxuskonzerns LVMH (zu dem Marken wie Christian Dior, Louis Vuitton, Kenzo, Dom Pérignon und Moët & Chandon gehören) einen Anteil von 30 Prozent an French Bloom. Diese Investition ist ein klares Signal. Philippe Schaus, CEO von Moët Hennessy, betonte: „Diese Investition zeigt unser Engagement, Verbrauchern, die ihren Alkoholkonsum einschränken, hochwertige alkoholfreie Produkte anzubieten.“ Es ist der erste Einstieg des Konzerns in das alkoholfreie Segment, und Schaus ist zuversichtlich, „die Zukunft dieser Kategorie zu gestalten.“
Wer sind die wahren Kunden? Flexi-Trinker im Fokus
Interessanterweise hat sich die eigentliche Zielgruppe von French Bloom erst mit dem Verkauf der ersten Flaschen herauskristallisiert. Entgegen der ursprünglichen Annahme, vor allem „No-Trinker“ anzusprechen, zeigte sich, dass die Hauptkäufergruppe aus „Flexi-Trinkern“ oder „Low-Trinkern“ besteht. Dies sind Menschen, die ihren Alkoholkonsum eher reduzieren, als ihn komplett einzustellen. Constance Jablonski bestätigte diese Erkenntnis: „Wir dachten, wir würden vor allem Leute ansprechen, die nicht trinken dürfen, letztlich sind es vor allem solche, die mal nicht trinken wollen.“ Diese Verschiebung in der Zielgruppenwahrnehmung hat wichtige Implikationen für Marketing und Produktentwicklung im gesamten alkoholfreien Sektor.
Erkenntnisse für die deutsche Weinbranche: Drei Thesen zur Zukunft
Die Entwicklung von French Bloom bietet spannende Einblicke und Diskussionsansätze, insbesondere für die deutsche Weinbranche, die sich mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sieht.
Investitionspotenzial im alkoholfreien Markt: Trotz der derzeitigen Verunsicherung und der geringen Investitionsbereitschaft in der Branche würde ich Winzern raten, ernsthaft in den Markt für alkoholfreie Weine zu investieren. Es ist zwar keine einfache Aufgabe: Das sich verändernde Trinkverhalten der Konsumenten, insbesondere der Aufstieg der Flexi-Trinker, bedeutet, dass sie zwar insgesamt weniger Alkohol konsumieren, dafür aber potenziell mehr alkoholfreien Wein trinken. Das ist kein Null-Summen-Spiel, sondern eine Chance zur Differenzierung des Portfolios und zur Erschließung neuer Zielgruppen in schrumpfenden Märkten. Es ist ein Weg, einen Zeitgewinn zu erzielen und sich für die Zukunft zu positionieren.
Mut zu mehr Selbstbewusstsein im Marketing: Die Herkunft der French Bloom Gründerinnen – Paris, New York, eine Champagner-Familie, Laufsteg – prägt ein Marketing, das sich sofort im Luxus-Segment neben Champagner platziert. Diese beeindruckende Selbstverständlichkeit ist bemerkenswert. In Deutschland hingegen bewegen sich alkoholfreie Sekte oft im Preissegment von 10 bis 15 Euro und positionieren sich preislich knapp unter einem „soliden“ Winzersekt. Das wirft die Frage auf: Welche Geschichte wird hier erzählt? Die, dass die Qualität der Ausgangsprodukte oder die Verfahren noch nicht ausgereift sind? Die deutsche Weinbranche sollte mehr Selbstbewusstsein an den Tag legen und ihre hochwertigen alkoholfreien Produkte entsprechend positionieren, statt sich preislich zu limitieren.
Internationalisierung als Wachstumstreiber: French Bloom ist bereits in 30 Ländern vertreten, mit den USA als Hauptabsatzmarkt, dicht gefolgt von Frankreich. Das Ziel für 2024 waren 500.000 verkaufte Flaschen – ein ambitioniertes Vorhaben. Die Internationalisierung mag mit einem champagnerähnlichen Produkt aus Frankreich leichter fallen. Doch auch für deutsche Winzer und ihre alkoholfreien Angebote könnte die Erschließung internationaler Märkte ein entscheidender Weg sein. Angesichts des zu geringen Konsums deutschen Weins im eigenen Land bietet die globale Expansion, insbesondere für innovative alkoholfreie Produkte, ein enormes Wachstumspotenzial.
Fazit: Die Zukunft ist alkoholfrei – und luxuriös?
French Bloom hat mit seiner „La Cuvée Vintage“ zweifellos eine mutige und ambitionierte Vision umgesetzt: Einen alkoholfreien Schaumwein zu kreieren, der sowohl in seiner Qualität als auch in seiner Preispositionierung das Luxussegment herausfordert. Auch wenn die „Säure-Kante“ im ersten Jahrgang noch Raum für Perfektion lässt, sind die Kernbotschaften klar: Das Bewusstsein für hochwertige alkoholfreie Alternativen wächst, und die Konsumenten sind bereit, dafür zu zahlen.
Die strategische Beteiligung von Moët Hennessy unterstreicht das immense Potenzial dieses Marktes. French Bloom hat nicht nur ein Produkt geschaffen, sondern eine Nische definiert, die von Flexi-Trinkern mit einem Bedarf an Genuss ohne Reue besetzt wird. Für die deutsche Weinbranche birgt dieser Trend sowohl Herausforderungen als auch enorme Chancen, sich neu zu positionieren, mehr Selbstvertrauen zu entwickeln und international zu expandieren. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich French Bloom und der gesamte Markt für alkoholfreie Luxusgetränke in den kommenden Jahren entwickeln werden. Entdecken Sie die spannende Welt der alkoholfreien Alternativen und unterstützen Sie die Pioniere, die den Genuss ohne Alkohol neu definieren!
