Hunde besitzen eine einzigartige Fähigkeit, die menschliche Psyche und Physis positiv zu beeinflussen. Es scheint, als besäßen sie einen „siebten Sinn“ dafür, wann es uns Menschen körperlich oder seelisch schlecht geht. Diese besondere Gabe macht Therapiehunde zu unverzichtbaren Helfern im Gesundheitswesen. Sie spüren Stimmungen und sind darauf trainiert, aktiv Unterstützung und Trost zu spenden. Wissenschaftliche Studien belegen eindrucksvoll, dass der gezielte Einsatz von Hunden in therapeutischen Kontexten nicht nur dazu beitragen kann, hohen Blutdruck zu senken, sondern auch Stress erheblich zu reduzieren. Allein durch ihre Präsenz und ihre bedingungslose Zuneigung schaffen diese Vierbeiner eine Atmosphäre der Entspannung, Geborgenheit und des Trostes, die im wahrsten Sinne des Wortes heilend wirken kann.
Was sind Therapiehunde und wie wirken sie?
Therapiehunde sind speziell ausgebildete Begleiter, die Menschen in verschiedenen gesundheitlichen und sozialen Kontexten unterstützen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Patienten Mitgefühl, Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln. Diese Interaktion geschieht unmittelbar, ohne Vorurteile und funktioniert auf faszinierende Weise bei einer Vielzahl von neurologischen, psychischen oder sozialen Problemen. Von Depressionen über Angststörungen bis hin zu Traumata oder einfach nur zur Begleitung im Alter – die Anwesenheit eines Therapiehundes kann einen tiefgreifenden positiven Effekt haben. Sie fungieren oft als emotionale Anker, die Ruhe und Stabilität in schwierigen Situationen bieten.
Die wissenschaftliche Grundlage der Hundetherapie
Die heilende Wirkung von Hunden ist nicht nur anekdotisch belegt, sondern auch wissenschaftlich fundiert. Wenn Menschen Hunde streicheln, wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, oft als „Kuschelhormon“ bekannt. Dieses Hormon fördert soziale Bindungen, reduziert Angst und Stress und kann sogar die Schmerztoleranz erhöhen. Dies erklärt zum Teil, warum Medikamente im Beisein eines Therapiehundes vom Körper manchmal besser aufgenommen werden können und warum Patienten sich insgesamt wohler fühlen. Die Interaktion mit Hunden senkt nachweislich den Cortisolspiegel (Stresshormon) und erhöht gleichzeitig Endorphine, die Glücksgefühle auslösen.
Aktive versus reaktive Ansätze: Zwei Wege der Hundetherapie
In der tiergestützten Therapie gibt es hauptsächlich zwei Ansätze, wie ein Therapiehund in Einzel- oder Gruppensitzungen eingesetzt wird:
- Aktive Rolle: Hierbei fordert der Hund die zu behandelnde Person aktiv zu einer Interaktion auf, beispielsweise zum Spielen, Streicheln oder Gassi gehen. Dies kann besonders hilfreich sein, um schüchterne oder zurückgezogene Patienten zu aktivieren und aus ihrer Isolation zu holen. Der Hund bietet eine niederschwellige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme.
- Reaktive Rolle: Im Gegensatz dazu warten reaktive Therapiehunde eher ab. In diesem Szenario übernimmt der Patient den aktiven Part und nähert sich dem Hund, wenn das Bedürfnis danach vorhanden ist. Manchmal reicht es schon, wenn der Hund einfach nur anwesend ist. Er lockert die Atmosphäre auf, beruhigt und kann in vielen Fällen Mut machen, ohne dass eine direkte, erzwungene Interaktion stattfindet.
Vielfältige Vorteile für Körper und Geist
Ein wesentlicher Aspekt der Hundetherapie ist die bedingungslose Akzeptanz, die der Hund seinem Gegenüber entgegenbringt. Er wertet oder kritisiert nicht, hat keine Erwartungen und gibt keine Ratschläge. Stattdessen nimmt er jeden Menschen genau so, wie er ist, und spendet aufrichtig Trost sowie Wärme. Diese nonverbale Kommunikation kann für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Vertrauen zu fassen, äußerst wertvoll sein.
Zudem kann der Hund als eine Art Brücke zwischen Therapeut und Patient fungieren. Fällt es jemandem schwer, sich zu öffnen und über seine Gefühle zu reden, wird stattdessen über den Hund gesprochen. Therapiepatienten beginnen so häufig, ihre eigenen Gedanken und Gefühle auf den Hund zu projizieren. So kommen diese über „den Dritten“ im Raum zum Ausdruck, was den therapeutischen Prozess erheblich erleichtern kann.
Verantwortung und Empathie durch tierische Begleiter
Des Weiteren können die zu Therapierenden durch die Interaktion mit dem Hund lernen, Verantwortung zu übernehmen und empathischer auf die Gefühle sowie Bedürfnisse von anderen Lebewesen zu achten. Das Füttern, Bürsten oder einfach nur das Beobachten der Bedürfnisse des Hundes fördert das Verständnis für andere. Die Vierbeiner helfen so, Emotionen zu kontrollieren und soziale Kompetenzen zu entwickeln. Darüber hinaus fördern sie die Bewegung beziehungsweise die Motorik, beispielsweise durch Spaziergänge oder Spielstunden, was besonders bei körperlichen Einschränkungen von großer Bedeutung sein kann. Einige Therapiehunde sind auch von Natur aus für ihre ruhige und ausgeglichene Art bekannt, wie beispielsweise der Berner Sennenhund, der zu den schweizer hunderassen gehört und oft in der tiergestützten Therapie eingesetzt wird.
Wichtige Hinweise und Einsatzbereiche
Wie genau mit dem Therapiehund gearbeitet wird, hängt stark von den individuellen Bedürfnissen der Patienten und der Arbeitsweise der Therapeuten ab. Der Therapeut kann seinen Hund entweder zurückhalten oder ihm freie Bahn in der Interaktion mit den Therapierenden lassen. Der Therapiehund wird ausschließlich im Team zusammen mit einem professionellen Arzt, Therapeuten oder Pädagogen eingesetzt. Ihm steht sein Hundeführer stets zur Seite. Dabei ist es entscheidend zu verstehen, dass Therapiehunde keine ärztliche Therapie oder psychologische Behandlung ersetzen können, sondern diese wertvoll ergänzen. Sie sind ein unterstützendes Element, das den Heilungsprozess auf emotionaler und physischer Ebene fördern kann. Ihre Einsatzbereiche reichen von Krankenhäusern und Pflegeheimen über Schulen und Kindergärten bis hin zu Gefängnissen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Therapiehunde weit mehr sind als nur Haustiere; sie sind speziell ausgebildete Partner im Heilungsprozess. Ihre einzigartige Fähigkeit, menschliche Stimmungen zu erspüren, bedingungslose Zuneigung zu spenden und eine Brücke zur Kommunikation zu bauen, macht sie zu unschätzbaren Helfern in der tiergestützten Therapie. Sie reduzieren Stress, fördern die soziale Interaktion und unterstützen die emotionale sowie motorische Entwicklung. Während sie keine traditionelle medizinische Behandlung ersetzen, ergänzen sie diese auf eine Weise, die den Patienten Trost, Sicherheit und Motivation schenkt. Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, von der positiven Wirkung eines Therapiehundes profitieren könnten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Therapeuten über die Möglichkeiten der tiergestützten Therapie. Die sanfte Kraft dieser vierbeinigen Begleiter kann Türen öffnen und Wege zur Genesung ebnen.
