Grönland, ein Land, das für seine atemberaubenden Landschaften bekannt ist, birgt eine reiche und oft übersehene Geschichte menschlichen Überlebens und kulturellen Wandels. Von den ältesten bekannten Kulturen bis zu den Spuren der Wikinger bietet Grönland einen faszinierenden Einblick in die Vergangenheit. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Landes, konzentriert sich auf die Thule-Kultur und ihre Nachfahren sowie die Ankunft der Nordmänner.
Grönland – Ein Land im Wandel der Kulturen
Grönland ist heute die Heimat der grönländischen Inuit, die etwa 90 % der Bevölkerung ausmachen. Doch die Besiedlungsgeschichte Grönlands reicht etwa 4.500 Jahre zurück und ist geprägt von mehreren Wellen menschlicher Ankunft und Anpassung. Die früheste bekannte Kultur, die Saqqaq-Kultur, lebte ab etwa 2500 v. Chr. im Süden Grönlands. Zeitgleich existierte im Norden die Independence-I-Kultur bis etwa 1900 v. Chr. Nach ihrem Verschwinden folgte die Independence-II-Kultur, deren Spuren bis 80 v. Chr. nachweisbar sind. Diese als “Paläo-Eskimo”-Kulturen bekannten Gruppen, zu denen auch die später in der Arktis zwischen 500 v. Chr. und 1350 n. Chr. ansässige Dorset-Kultur zählt, unterscheiden sich genetisch von den späteren Thule.
Foto: Ein Team von Schlittenhunden zieht einen Schlitten über eine weite Eisfläche in Grönland, während sich vor dem klaren blauen Himmel große Eisberge abheben | Getty Images
Die Thule-Kultur: Meister des Überlebens in der Arktis
Parallel zum Niedergang der Dorset-Kultur breitete sich ab etwa 900 n. Chr. in Alaska die Thule-Kultur aus, die sich bis 1350 n. Chr. über weite Teile Grönlands und der kanadischen Arktis erstreckte und die Dorset-Kultur weitgehend verdrängte. Die Thule, deren Ursprünge vermutlich auf der Tschuktschen-Halbinsel in Sibirien liegen, entwickelten fortschrittliche Überlebensstrategien. Sie lebten in halbunterirdischen Häusern, die sich als permanente Winterlager eigneten, und nutzten weitreichende Wanderrouten für Jagd und Handel.
Ihre Lebensweise war stark vom Grönlandwal abhängig, dessen Fleisch und Speck als Nahrung und Brennstoff dienten und dessen Knochen für den Bau von Werkzeugen und Unterkünften verwendet wurden. Im Gegensatz zu früheren Kulturen setzten die Thule Hundeschlitten für die Fortbewegung und Jagd ein und entwickelten spezialisierte Jagdtechniken, unter anderem mit Booten, auf Wale. Ihre technologischen Fortschritte umfassten Werkzeuge wie Schneebrillen, Harpunen und Waffen, die die Jagdeffizienz steigerten. Es gibt Hinweise auf ein Handelsnetzwerk, das auch Meteoriteneisen einschloss, welches bereits vor der Ankunft der Wikinger von den Thule genutzt wurde. Archäologische Funde deuten auf eine hierarchische Gesellschaftsstruktur und Zeremonialpraktiken hin.
Foto: Ruine eines alten Thule-Hauses aus Walfischknochen in der kanadischen Arktis | Getty Images
Die Ankunft der Nordmänner und ihre Interaktion mit den Thule
Um das 9. Jahrhundert erreichten die ersten nordischen Seefahrer Grönland. Erik der Rote gründete Ende des Jahrhunderts die erste Siedlung in Brattahlíð. Sein Sohn Leif Eriksen entdeckte um 1000 n. Chr. Vinland (das heutige Neufundland). Bis zum 12. Jahrhundert breiteten sich nordische Siedlungen im Südwesten Grönlands aus. Die Nordmänner berichteten von Begegnungen mit indigenen Völkern, die sie als “Skrælingjar” bezeichneten. Dieser Begriff wurde zunächst auf die Thule angewendet, als diese im späten 11. und frühen 12. Jahrhundert nach Süden wanderten und auf die Nordmänner trafen.
Foto: Alte gravierte Illustration der Ruinen eines nordischen Hauses in Grönland | Getty Images
Die Interaktionen zwischen Nordmännern und Thule waren Berichten zufolge überwiegend friedlich, mit Hinweisen auf Handel zwischen beiden Kulturen. Dennoch verschwanden die nordischen Siedlungen im 15. Jahrhundert aus den Aufzeichnungen, ein Rätsel, dessen Ursachen vielfältig sein könnten, von wirtschaftlichen Problemen bis zur Assimilation.
Das Erbe der Thule und die moderne Inuit-Kultur
Während die nordische Präsenz in Grönland endete, passte sich die Thule-Kultur weiter an und entwickelte sich zu den heutigen Inuit. Genetische Studien zeigen, dass die modernen Inuit direkt von den Thule abstammen, ohne signifikante Vermischung mit den nordischen Siedlern. Die mündlichen Überlieferungen der Inuit sind eng mit ihren Thule-Vorfahren verbunden und spiegeln die Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit dieser Kulturen wider.
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