Trampolinspringen ist weit mehr als nur ein Freizeitvergnügen; es ist eine faszinierende Sportart, die Eleganz, Kraft und höchste Präzision miteinander verbindet. Vom ersten Hüpfen im Garten bis zu komplexen Salti in olympischen Höhen – die Bewegung auf dem Trampolin begeistert Jung und Alt. Es symbolisiert Freiheit, das Gefühl des Fliegens und die absolute Beherrschung des eigenen Körpers in der Luft. Dieser Artikel nimmt Sie mit auf eine Reise durch die Welt des Trampolinspringens, von seinen Ursprüngen über die Anforderungen an Athleten bis hin zur spezifischen Fachsprache. Entdecken Sie, warum Trampolinspringen eine der spektakulärsten Sportarten ist, die Sie kennenlernen können.
Was zeichnet ein Wettkampf-Trampolin aus?
Wettkampf-Trampoline unterscheiden sich deutlich von den Geräten, die man in Freizeitanlagen findet. Ihre primäre Funktion ist es, die Springerinnen und Springer auf beeindruckende Höhen zu katapultieren – oft bis zu 10 Meter. Dafür benötigen sie einen robusten Rahmen von 5,2 x 3,05 Metern, der über einen Meter (115 cm) über dem Boden steht. Das Sprungtuch ist dabei nicht nur mit 118 Stahlfedern am Rahmen befestigt, sondern auch selbst äußerst elastisch, gefertigt aus einem eng verknüpften Nylonbandgeflecht. Diese Kombination ermöglicht die enorme Wurfkraft, die für die komplexen Figuren im Wettkampfsport unerlässlich ist.
Der Einstieg ins Trampolinspringen: Für Anfänger
Die ersten Versuche auf einem Trampolin können sich anfangs ungewohnt anfühlen, fast wie auf einem schwankenden Boot bei starkem Seegang. Doch die Gewöhnung stellt sich meist schnell ein, und das Auf und Ab wird zu einem lustvollen und spannenden Erlebnis. Für Anfänger gibt es über 30 verschiedene Sprünge, die erlernt werden können, bevor man sich an die ersten Salti wagt. Trampolinspringen eignet sich hervorragend für junge Leute, da es Mut, Eleganz und Jugendlichkeit assoziiert und so eine ideale Ergänzung zu anderen Sportarten für Jugendliche darstellt.
Anforderungen an Top-Athleten im Trampolinspringen
Hochklassiges Trampolinspringen erfordert eine fehlerfreie Technik und großen Mut, insbesondere beim Erlernen neuer Bewegungsabläufe. Auf Topniveau ist der Sport extrem kraftvoll und dynamisch. Nur koordinativ hochbegabte Athleten, die professionelles Training absolvieren, können die komplexen Anforderungen der Weltklasseküren erfüllen. Es geht nicht nur um rohe Sprungkraft, sondern um die perfekte Körperbeherrschung, ein feinstes Bewegungsgefühl und die Fähigkeit, in bis zu 10 Metern Höhe mehrfache Salti und Schrauben zu vollführen.
Training, Altersklassen und der Weg zum Wettkampf
Wer im Trampolinspringen wettkampffähig werden möchte, muss kontinuierlich trainieren. Talente können an den ersten österreichischen Kinderwettkämpfen oft schon nach einem halben bis dreiviertel Jahr Training teilnehmen. Quereinsteiger aus verwandten Sportarten wie Kunstturnen, Wasserspringen oder Parkour können auf nationalem Niveau ebenfalls schnell Fuß fassen. Für das internationale Niveau ist jedoch, wie in allen Turnsportarten, ein mehrjähriges, hartes Training unerlässlich.
Die Weltklasse absolviert ein professionelles Vollzeitprogramm mit zweimal täglichem Training, das insgesamt rund sechs Stunden an fünf bis sechs Tagen pro Woche umfasst. Im Durchschnitt sind Weltklasse-Athleten zwischen 18 und 30 Jahren alt, wobei die meisten Stars im Alter von 9 bis 14 Jahren mit dem Springen begonnen haben. Im Freizeitbereich gibt es grundsätzlich keine Altersgrenzen, wenngleich die dynamischen Herausforderungen den Sport besonders für jüngere Menschen attraktiv machen. Wer sich einem Trampolinspringen Verein anschließen möchte, findet dort oft Angebote für alle Altersgruppen und Leistungsniveaus.
Staatsmeister Niklas Fröschl in Aktion auf dem Trampolin
Die Sprunghöhen im Wettkampf sind beeindruckend: Obwohl die Regeln eine minimale Hallenhöhe von 8 Metern vorschreiben, erreichen Top-Athleten 9 Meter und mehr. Bei solch einem Riesensatz verbringt man rund zwei Sekunden in der Luft – eine Ewigkeit für die Ausführung komplexer Figuren. Auch Anfänger können mit etwas Übung schnell 5 Meter Höhe erreichen.
Die spannende Geschichte des Trampolinspringens
Die Ursprünge trampolinähnlicher Kunststücke reichen mehrere Jahrhunderte zurück in die Zirkuswelt. Das Trampolin im heutigen Sinne wurde jedoch 1937 von George Nissen in den USA entwickelt und erreichte Europa kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Verbreitung in Europa, insbesondere in der Schweiz und Deutschland, erfolgte ab 1945. Nissen selbst trug maßgeblich zur Verbreitung bei und verfasste 1957 ein erstes Lehrbuch mit Richtlinien und Regeln.
Im Jahr 1958 erklärte der Internationale Turnerbund (FIG) das Trampolinspringen zunächst als eigenständig und nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallend. Doch die Popularität des Sports wuchs rasant. 1964 fand die erste Weltmeisterschaft statt, und der Internationale Trampolinverband (FIT) wurde gegründet.
In Österreich landete das erste gebrauchte Trampolin 1959 am Wiener Universitätssportzentrum. 1968 gab es erste regelmäßige Trainingsangebote. Die offizielle Anerkennung und Eingliederung in den Turnsport Austria erfolgte 1999, nachdem der Österreichische Fachverband für Trampolinspringen 1982 gegründet worden war und 2000 in den Turnsport Austria integriert wurde. Ein großer Meilenstein war die Aufnahme des Trampolinspringens als olympische Programmsportart 1998, mit den ersten Medaillenvergaben bei den Olympischen Spielen in Sydney im Jahr 2000.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Mittelalter | Ein angeblicher Monsieur Trampoline erfindet ein federndes Absprunggerät. |
| 1928 | US-Sportlehrer und Offizier George Nissen entwirft ein erstes „trampolinähnliches“ Absprunggerät für Zirkusakrobaten. |
| 1937 | Nissen entwickelt sein Gerät weiter, vergrößert es auf die heutigen Dimensionen. |
| 1945 | Einführung als Wettkampfgerät in der Schweiz, später in Deutschland. |
| 1957 | George Nissen setzt sich persönlich in Europa für die Verbreitung des Trampolinspringens ein, verfasst ein erstes Lehrbuch samt Richtlinien und Regeln. |
| 1958 | Der Internationale Turnerbund FIG erklärt Trampolinspringen als „eigenständig“ und sich selbst als für nicht zuständig. |
| 1959 | Erstes Trampolin in Österreich am USZ Wien: Second Hand, noch ohne Rahmenabdeckung, mit Gummizug statt Stahlfedern. |
| 1964 | Erste Weltmeisterschaft. Gründung des Int. Trampolinverbandes FIT. |
| 1968 | Erstmals regelmäßiger Übungsbetrieb in Österreich (WAT Wien-Brigittenau). |
| 1982 | Gründung des Österreichischen Fachverbandes für Trampolinspringen. |
| 1983/1984 | Erste österreichische EM- und WM-Teilnahme (Dietmar Baumann und Stefan Pokorny). |
| 1990 | Erste staatliche Lehrwarteausbildung. Weltweiter Boom von Freizeit-Trampolinanlagen. |
| 1993 | Erste Österreichische Meisterschaften. |
| 1998 | FIT-Selbstauflösung und Integration des Trampolinspringens in den Int. Turnerbund FIG. Aufnahme als olympische Programmsportart. |
| 1999 | Aufnahme des Trampolinspringens als Sparte in den Österreichischen Fachverband für Turnen (Turnsport Austria) und dadurch offizielle Anerkennung durch die Bundes-Sportorganisation. Erste anerkannte „Staats“meisterschaften. |
| 2000 | Selbstauflösung des Österreichischen Fachverbandes für Trampolinspringen (17. Juni). Erster Weltcup in Österreich. Bei den Olympischen Spielen in Sydney werden erstmals Trampolin-Medaillen vergeben. |
| 2011 | Erstes österreichisches Junioren-EM-Finale (Martin Spatt). |
| 2012 | Erster österreichischer EM-Top10-Rang (Synchron, Martin Spatt und Jakob Wallentin). |
| 2016 | Erste österreichische Junioren-Weltcupsiege (Benny Wizani, Sebastian Neuwirth). |
| 2018 | Benny Wizani gewinnt die Bronzemedaille bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires. |
| 2021 | Bislang erfolgreichste Europameisterschaft für Österreich: Ränge 4 (Benny Wizani / Niklas Fröschl) und 6 (Sara Hekele / Eileen Ilunamie) im Synchronbewerb, Rang 7 in der Teamwertung und 3x Einzel-Semifinale (Wizani, Hekele, Ilunamien). |
Fachbegriffe im Trampolinsport
Wie jede spezialisierte Sportart hat auch das Trampolinspringen seine eigene Fachsprache, die für Außenstehende oft rätselhaft erscheinen mag. Hier sind einige der wichtigsten Begriffe, die man kennen sollte:
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| a, b, c | “a” steht für “gestreckt” (gestreckte Körperhaltung), “b” für “gebückt” und “c” für gehockt. Diese beschreiben die Körperhaltung im Sprung. |
| Salto | Ohne weitere Zusätze ist immer ein Salto rückwärts gemeint. |
| vorwärts/rückwärts | Aus der Anzahl der Schrauben ergibt sich die Drehrichtung. Vorwärts drehende Sprünge haben immer “halbzahlige” Schrauben (z.B. 1/2, 1 1/2), rückwärts drehende Sprünge keine oder ganzzahlige Schrauben. Daher gibt es im Wettkampf fast keine Vorwärts-Landungen. |
| Barani | Ein Salto vorwärts mit einer halben Schraube. |
| Rudolph (Rudy) | Ein Salto vorwärts mit 1 1/2 Schrauben. |
| Randolph (Randy) | Ein Salto vorwärts mit 2 1/2 Schrauben. |
| Adolph | Ein Salto vorwärts mit 3 1/2 Schrauben. |
| Schraube | Kurzform für einen Schraubensalto bzw. Salto mit einer Schraube. |
| Doppelschraube | Ein Salto mit doppelter Schraube. |
| Fliffis | Ein Doppelsalto vorwärts mit halber Schraube im letzten Salto. |
| Triffis | Ein Dreifachsalto vorwärts mit halber Schraube im letzten Salto. |
| Baby Fliffis | Ein 1 1/4 Salto vorwärts mit 1/2 Schraube aus der Rückenlage zum Stand. |
| Baby Rudy | Ein 1 1/4 Salto vorwärts mit 1 1/2 Schrauben aus der Rückenlage zum Stand. |
| Cody | Ein Eineinviertel (1 1/4) Salto aus der Bauchlage zum Stand. |
| ein / aus | Diese Begriffe geben Auskunft über die Position(en) der Schraube(n) innerhalb eines Doppelsaltos. Eine “ein”-Schraube wird im ersten, eine “aus”-Schraube im zweiten Salto gedreht. |
| X ein Y aus | Doppelsalto mit X Schrauben im ersten und Y Schrauben im zweiten Salto. |
| Voll ein | Doppelsalto mit einer Schraube im ersten Salto. |
Eine ästhetische Momentaufnahme des Trampolinspringens
Fazit: Die magische Anziehungskraft des Trampolinspringens
Trampolinspringen ist eine Sportart, die gleichermaßen Mut, Eleganz und eine unglaubliche Leichtigkeit erfordert. Es bietet eine einzigartige Mischung aus körperlicher Herausforderung und der magischen Erfahrung, scheinbar schwerelos durch die Luft zu gleiten. Ob als ambitionierter Wettkampfsportler, der nach olympischen Ehren strebt, oder als begeisterter Freizeitsportler, der einfach nur das Gefühl des Fliegens genießen möchte – das Trampolin hält für jeden eine spannende Erfahrung bereit.
Die Kombination aus Präzision, Kraft und Ästhetik macht Trampolinspringen zu einem spektakulären Erlebnis, sowohl für die Aktiven als auch für die Zuschauer. Wenn Sie selbst die Faszination dieses Sports erleben möchten oder einfach mehr über die Vielfalt der körperlichen Betätigung wissen wollen, laden wir Sie ein, sich weiter zu informieren. Vielleicht ist Trampolinspringen auch die passende Aktivität, um das Angebot an lustige Sportarten zu zweit oder Sportarten für den Sportunterricht zu erweitern.
