Die Trennkost, einst populär gemacht durch den Arzt William Howard Hay, verspricht eine einfache Methode zur Gewichtsabnahme und gesundheitlichen Verbesserung, ohne auf Kalorienzählen oder den Verzicht auf fast alle Lebensmittel angewiesen zu sein. Das Kernprinzip: Die strikte Trennung von kohlenhydrat- und eiweißhaltigen Lebensmitteln. Doch was steckt wirklich hinter dieser Diätform, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand und bis heute Anhänger findet? Dieser Artikel beleuchtet das Konzept, die Vor- und Nachteile sowie die wissenschaftliche Perspektive der Trennkost.
Das Konzept der Trennkost nach Hay
Die Idee der Trennkost basiert auf der Theorie von William Howard Hay, der glaubte, dass eine unpassende Nahrungszufuhr zu einer Übersäuerung des Körpers führe und daraus diverse Krankheiten resultieren könnten. Nach seiner Auffassung benötigen Proteine zur Verdauung ein saures Milieu, Kohlenhydrate hingegen ein basisches. Eine gleichzeitige Aufnahme würde die Verdauungsorgane überlasten und den Körper übersäuern.
Einteilung in Lebensmittelgruppen und Säure-Basen-Haushalt
Hay teilte Lebensmittel in drei Gruppen ein:
- Vorwiegend eiweißhaltige Lebensmittel: Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte.
- Vorwiegend kohlenhydrathaltige Lebensmittel: Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Zucker.
- Neutrale Lebensmittel: Gemüse, Salat, Obst, Fette.
Gemäß der Hay’schen Theorie dürfen eiweiß- und kohlenhydrathaltige Lebensmittel nicht zusammen, sondern nur mit neutralen Lebensmitteln verzehrt werden. Nahrungsmittel, die beide Nährstoffe in großen Mengen enthalten (z.B. Hülsenfrüchte, Weißmehlprodukte), werden gemieden. Hay betonte zudem, dass die Nahrung zu einem Hauptteil (3/4) aus basenbildenden Lebensmitteln bestehen sollte und nur zu einem kleineren Teil (1/4) aus Proteinen. Gemüse, Gewürze und Fette werden zur neutralen Gruppe gezählt und dürfen mit allem kombiniert werden. Morgens und abends sollte kohlenhydratreich gegessen werden, mittags eiweißreich. Eine Pause von vier Stunden zwischen den Mahlzeiten wurde empfohlen, um die Verdauung zu entlasten. Die Portionsgrößen waren nicht eingeschränkt. Hay sah seine Diät als dauerhafte Ernährungsumstellung für ein gesünderes Leben.
Vorteile der Trennkost
Die veränderte Ernährungsweise, die sich auf gesundheitsfördernde und naturbelassene Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte konzentriert, kann zu einer Gewichtsabnahme führen. Der Verzicht auf Kalorienzählen wird als Vorteil empfunden. Eine bewusste Nahrungsaufnahme und das schnellere Erkennen des Sättigungsgefühls können zu kleineren Portionsgrößen und somit zur Gewichtsreduktion beitragen. Die Einschränkung von Fast Food und Fertiggerichten kann zudem Verdauungsbeschwerden vorbeugen.
Nachteile und wissenschaftliche Einordnung
Die moderne Wissenschaft hat gezeigt, dass unser Körper Kohlenhydrate und Eiweiß sehr gut gemeinsam verstoffwechseln kann. Der Verdauungsprozess beginnt bereits im Mund und setzt sich im Magen und Darm fort. Unser Körper ist evolutionär darauf vorbereitet, verschiedene Nährstoffe gleichzeitig zu verarbeiten, da viele Lebensmittel natürlicherweise eine Mischung aus Proteinen, Kohlenhydraten und Fetten darstellen. Enzyme wie Amylase (spaltet Kohlenhydrate) und Pepsin/Trypsin (spaltet Proteine) arbeiten parallel.
Die Theorie der Übersäuerung wird ebenfalls kritisch gesehen, da der Körper in der Lage ist, den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Kohlenhydrate und Proteine oft in denselben Lebensmitteln vorkommen und sogar wertvolle Kombinationen bilden können (z.B. Kartoffeln mit Ei). Als strikte Dauerernährung wird die Trennkost nicht empfohlen, da Mangelerscheinungen (Kalzium, Eiweiß, Eisen, Jod, essentielle Fettsäuren) bei einseitiger Ernährung möglich sind. Zudem erfordert die Zubereitung frischer Lebensmittel einen relativ hohen Zeitaufwand.
Wissenschaftliche Untersuchungen und Exkurse
Eine kleine Studie zur Trennkost nach Hay zeigte zwar eine höhere Fettoxidation, jedoch keine signifikante Reduzierung des Körperfetts oder Körpergewichts im Vergleich zu einer ausgewogenen Ernährung. Insgesamt gibt es nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen zur Trennkost, und die Beweislage für die gesundheitlichen Vorteile ist dünn.
Die Insulin-Trennkost (bekannt aus “Schlank im Schlaf”) empfiehlt drei Mahlzeiten mit mindestens fünf Stunden Abstand, wobei Kohlenhydrate und Eiweiß getrennt werden und abends kohlenhydratarm gegessen wird. Ziel ist die Reduzierung der nächtlichen Insulinausschüttung zur Förderung des Fettabbaus. Auch hier ist das strikte Trennungsprinzip umstritten, und Experten betonen die Bedeutung der gesamten Kalorienbilanz für die Gewichtsabnahme.
Fazit
Die Trennkost kann zwar zu einer Gewichtsabnahme führen, dies liegt jedoch primär an der veränderten Lebensmittelauswahl und dem bewussteren Umgang mit der Ernährung, was zu einer reduzierten Kalorienzufuhr führt. Das eigentliche Trennprinzip der Nährstoffe wird von der Wissenschaft nicht gestützt. Aktuelle Empfehlungen betonen die Aufnahme vielfältiger, nährstoffreicher Lebensmittel aus allen Gruppen, die auch gemeinsam verzehrt werden dürfen, um eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung sicherzustellen.
