Geräteturnen Altersklassen: Der Weg vom Anfänger zum Leistungssportler

Geräteturnen ist in Deutschland eine beliebte und traditionsreiche Sportart, die Kinder schon früh an Bewegung und Disziplin heranführt. Die Entwicklung im Turnen ist streng strukturiert und erfolgt über verschiedene Altersklassen (AK), die jeweils spezifische Anforderungen und Übungselemente umfassen. Dieser Artikel beleuchtet die Progression durch die Altersklassen im Geräteturnen, von den ersten Schritten bis zu den anspruchsvollen Übungen im fortgeschrittenen Kindesalter. Das systematische Training in einem bodenturnen verein legt den Grundstein für eine erfolgreiche turnerische Laufbahn und fördert dabei nicht nur körperliche Fähigkeiten, sondern auch mentale Stärke und Koordination. Jede Altersklasse baut auf den Fertigkeiten der vorhergehenden auf und bereitet die jungen Turnerinnen und Turner optimal auf höhere Leistungsniveaus vor.

Altersklasse (AK) 5/6: Die Grundlagen legen

In der Altersklasse 5/6 liegt der Fokus auf der umfassenden körperlichen Entwicklung und der spielerischen Einführung in die grundlegenden turnerischen Elemente. Ziel ist es, ein starkes Fundament für komplexere Bewegungen zu schaffen.

Ein zentraler Aspekt ist die Entwicklung des Bewusstseins für die Körperspannung. Diese Fähigkeit ist entscheidend, um bei einfachen Sprüngen, Balance-Elementen, Handständen, Rollen und Rädern die Orientierung und das Gleichgewicht zu bewahren. Eine gute Körperspannung ermöglicht präzise und kontrollierte Bewegungen, die im Turnen unerlässlich sind.

Gleichzeitig wird die Kraft umfassend trainiert. Dies beinhaltet die Stärkung der Bauch- und Rückenmuskulatur (z.B. Aufrichten aus der Rückenlage in den Sitz, gestreckte Beine im Hang an die Fingerspitzen bringen, Oberkörper und Beine aus der Bauchlage anheben), der Oberarm- und Schultermuskulatur (Klettern am Tau, Klimmzüge, Liegestütze), der Beinmuskulatur (Sprinten, Prellen, Springen, einbeiniges Aufstehen aus dem Sitz) sowie der Fingerkraft (Hängen am Reck). Diese Kräftigungsübungen sind die Basis für spätere, schwierigere Elemente.

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Die aktive und passive Beweglichkeit der großen Gelenke wird ebenfalls gezielt erhöht, um die Bewegungsamplitude zu vergrößern. Dies umfasst die Hüftbeweglichkeit (Spagat in alle Richtungen), die Schulterbeweglichkeit (“Brücke”) und die Beweglichkeit der Beinrückseite (Vorbeugen mit gestreckten Knien, bis die Handflächen den Boden berühren). Eine hohe Beweglichkeit reduziert das Verletzungsrisiko und erweitert das Spektrum möglicher Bewegungen.

Die Koordination von Bewegungen und Bewegungsfolgen wird an den folgenden Geräten geschult:

  • Sprung: Anlauf, Absprung vom Sprungbrett mit koordiniertem Armzug und Fixierung zum Strecksprung, Landung auf der Weichbodenmatte. Anschließend auf einem Kastenoberteil Aufschwingen in den Handstand, gespanntes Fallen in die Schiffchenposition auf eine Weichbodenmatte.
  • Reck: Winkelhang mit gestreckten Armen (2 s.), Hüftaufzug, Rückschwung (60°), Hüft-Umschwung rückwärts, Hüftabzug mit gestreckten Armen in den Felghang, dann in den Beugehang mit gestreckter Hüfte (2s.). Abgang in den Stand.
  • Balken: Überspreizen in Grätschwinkelstütz (2 s.), einbeiniges Aufrichten, Passéstand (2s), Standwaage (90°, 2 s.), ½ Drehung beidbeinig, 2 Schritte mit Vorspreizen, Strecksprung, Abgang: Strecksprung.
  • Boden: Rolle vorwärts, Kopfstand, Handstand, ½ Relevé-Drehung im Passé, Chassé, Rad in den Grätschstand, Rolle rückwärts gehockt mit gestreckten Armen, Hocksprung.

Altersklasse (AK) 7: Verfeinerung und erste komplexere Elemente

In der Altersklasse 7 werden die in der AK 5/6 erworbenen Grundlagen gefestigt und komplexere Bewegungsabläufe eingeführt. Die Anforderungen an die Präzision und Ausführung steigen.

  • Sprung: Anlauf, Absprung vom Sprungbrett, Sprung in den Handstand auf einen 70 cm hohen Mattenberg, gespanntes Fallen in die Rückenlage mit “Schiffchen-Position”.
  • Reck: Vor- und Zurückschweben, Aufzug, Rückschwung 90°, Umschwung, Aufgrätschen-Unterschwung in den Stand.
  • Balken: Übergrätschen, Handstand in Endposition, Ansatz Passé-Drehung, Standwaage (160°), ½ Drehung beidbeinig, Hocksprung, Strecksprung, Abgang: Quergrätschsprung von einem 85 cm hohen Balken.
  • Boden: Rolle vorwärts in den Grätschstand, Kopfstand, Seit-Spagat, Kniestandwaage, Handstand 2 Sek. – Abrollen, ½ Drehung einbeinig, Chassé, Rad, Rolle rückwärts, Quergrätschsprung, sowie tänzerische Posen und Schritte.
    Um die komplexeren Bewegungsabläufe dieser Altersklasse zu meistern, ist eine gezielte hilfestellung turnen durch erfahrene Trainer unerlässlich. Sie sichert nicht nur die korrekte Ausführung, sondern auch die Sicherheit der jungen Athleten.
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Altersklasse (AK) 8: Einführung anspruchsvoller Techniken

In der Altersklasse 8 werden die Anforderungen weiter erhöht, indem erste anspruchsvolle Techniken und die Kombination von Elementen im Fokus stehen. Die Turnerinnen und Turner entwickeln ein höheres Maß an Körperbeherrschung und Kraftausdauer.

  • Sprung: Anlauf, Absprung vom Sprungbrett, Handstützüberschlag mit Abdruck in die gespannte Rückenlage über einen 90 cm hohen Sprungtisch mit Mattenberg.
  • Reck: Schwebekippe-Rückschwung 45°, Umschwung, Aufhocken, Langhangkippe, Rückschwung 45°, Felg-Unterschwung in den Langhang, 3 Grundschwünge, Absprung in den Stand.
  • Balken: Überspreizen, Rückschwung in den Liegestütz, Bogengang rückwärts, Quergrätschsprung, Passé-Schritte mit Vorspreizen, ½ Drehung einbeinig, Rad, Hockstand, ½ Drehung, Handstand 2 Sek., Abgang: Strecksprung mit ½ Drehung.
  • Boden: Rolle vorwärts zum Handstand-Abrollen, Aufstehen mit gestreckten Beinen, Bogengang rückwärts, Flugrolle, Pferdchensprung-Spagatsprung, 1/1 Drehung, Rondat-Flickflack-Strecksprung, Felgrolle in den Liegestütz, Spagat.

Altersklasse (AK) 9: Höchstleistungen und Kombinationen

Die Altersklasse 9 markiert den Übergang zu echten Leistungselementen. Hier werden spektakuläre Sprünge und anspruchsvolle Kombinationen gefordert, die ein hohes Maß an Kraft, Koordination, Beweglichkeit und mentaler Stärke voraussetzen. Elemente wie der Salto am Sprung und die freie Umschwung am Barren sind Ausdruck jahrelangen intensiven Trainings. Für Turner, die sich auf das Geräteturnen konzentrieren, ist auch das Training am turnen pferd eine wichtige Disziplin, auch wenn es in diesem Kontext nicht explizit aufgeführt ist.

  • Sprung: Strecksalto vorwärts mit Rolle vorwärts, oder Rondat Strecksalto rückwärts über das Sprungbrett auf eine Weichbodenmatte.
  • Barren: Hüftaufzug, Rückschwung 135°, freier Umschwung (135°) zur Schwebekippe, Rückschwung 90°-Aufhocken, Langhangkippe, Rückschwung 90°, Riesenfelgaufschwung, Felgunterschwung in den Hang, Grundschwünge, Vorschwung mit ½ Drehung mit Griffwechsel, Abdruck Niedersprung.
  • Balken: Schweizer Handstand in den Grätschwinkelstütz, ½ Drehung einbeinig zur sofortigen ½ Drehung beidbeinig, Bogengang rückwärts, Quergrätschsprung-Strecksprung, Spagatsprung-Pferdchensprung, Mennichelly, Rad, Abgang: Salto rückwärts.
  • Boden: Rondat-Flick-Flack-Salto rückwärts (gehockt), Schrittüberschlag-Handstützüberschlag-Strecksprung, Spagatsprung-Drehsprung, Salto vorwärts, Handstand 1/1 Drehung, Spagat, sowie tänzerische Passagen und Posen.
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Fazit: Eine umfassende Entwicklung im Geräteturnen

Die Altersklassen im Geräteturnen in Deutschland bieten einen klaren und strukturierten Weg für die Entwicklung junger Athleten. Von den grundlegenden körperlichen Fähigkeiten in der AK 5/6 bis zu den komplexen akrobatischen Elementen in der AK 9 lernen Kinder nicht nur spezifische Turnübungen, sondern entwickeln auch wichtige Eigenschaften wie Disziplin, Konzentration, Mut und die Fähigkeit zur Selbstüberwindung. Diese umfassende Ausbildung ist nicht nur für den Leistungssport wertvoll, sondern legt auch den Grundstein für eine lebenslange Freude an Bewegung und Sport. Egal ob man im Kindesalter startet oder als turnen erwachsene anfänger seine Leidenschaft entdeckt, der Turnsport bietet für jeden die passende Herausforderung und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten und den Einstieg ins Geräteturnen erfahren möchten, lohnt sich der Besuch bei einem lokalen Turnverein.