Übergewicht und Gewichtszunahme: Ein Risikofaktor für tödlichen Prostatakrebs bei Nichtrauchern?

Übergewicht und eine Zunahme des Körpergewichts im Erwachsenenalter werden zunehmend mit einem erhöhten Risiko für fortgeschrittene und tödliche Formen von Prostatakrebs in Verbindung gebracht. Während diese Zusammenhänge in der Allgemeinbevölkerung diskutiert werden, rücken spezifische Zeitfenster und die Rolle von Gewichtveränderungen stärker in den Fokus der Forschung. Eine umfassende Analyse von Daten aus der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) beleuchtet nun die zeitliche Dimension von Übergewicht und Gewichtszunahme im Zusammenhang mit dem Fortschreiten von Prostatakrebs.

Einleitung: Die Bedeutung von Gewicht im Kampf gegen Prostatakrebs

Übergewicht ist weltweit zu einem bedeutenden Gesundheitsproblem geworden, und in vielen Industrieländern sind zwei Drittel der Männer betroffen. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass sowohl Übergewicht als auch eine Gewichtszunahme im Laufe des Lebens das Risiko für fortgeschrittenen und tödlichen Prostatakrebs erhöhen können. Angesichts der weit verbreiteten Natur von Übergewicht und der Tatsache, dass Gewicht eine modifizierbare Komponente darstellt, ist ein tieferes Verständnis der relevanten Zeitpunkte und der Auswirkungen von Gewichtsveränderungen auf das Krebsrisiko von entscheidender Bedeutung.

Die bisherigen Forschungsergebnisse zu “langfristigen” Gewichtveränderungen – also Veränderungen vom frühen Erwachsenenalter bis ins mittlere Alter – und deren Einfluss auf die Prostatakrebs-Ergebnisse sind nicht einheitlich. Einige Studien legen nahe, dass eine Gewichtszunahme in diesem Zeitraum das Risiko für fortgeschrittenen und tödlichen Prostatakrebs erhöhen könnte, während andere keinen solchen Zusammenhang feststellen konnten. “Kurzfristige” Gewichtszunahmen, die zeitlich näher an die Diagnose oder Behandlung von Prostatakrebs heranrücken, zeigten sich in einigen Untersuchungen mit einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs-spezifische Sterblichkeit und biochemische Rezidive assoziiert. Eine Meta-Analyse bestätigte eine Verbindung zwischen Übergewicht zum Zeitpunkt der Diagnose oder primären Behandlung und einem erhöhten Risiko für Prostatakrebs-spezifische Sterblichkeit, wies jedoch auch auf eine erhebliche Heterogenität zwischen den Studien hin. Dies deutet darauf hin, dass die Assoziationen zwischen Übergewicht und Prostatakrebs-Ergebnissen von verschiedenen Faktoren wie Patientenmerkmalen, Behandlungsarten und der genauen Messung von Körpergewicht und -umfang über die Zeit abhängen könnten. Daher besteht Bedarf an einer genaueren Untersuchung der Muster und Zeitpunkte von Gewichtszunahme und Übergewicht.

In der vorliegenden Studie wurde die Assoziation zwischen Übergewicht, Gewichtszunahme und dem Risiko für tödlichen Prostatakrebs sowie biochemische Rezidive bei Männern mit diagnostiziertem lokalisiertem Prostatakrebs untersucht. Dabei wurden verschiedene Zeitfenster betrachtet: die langfristige Gewichtszunahme vom 21. Lebensjahr bis zur Diagnose, kurzfristige Gewichtszunahmen in den 4 und 8 Jahren vor der Diagnose, der Body-Mass-Index (BMI) im Alter von 21 Jahren und zum Zeitpunkt der Diagnose. Da Rauchen stark mit dem BMI, Gewichtszunahme und der Sterblichkeit assoziiert ist, wurden die Analysen auch auf Männer beschränkt, die niemals geraucht haben. Die Hypothese der Forscher war, dass Gewichtszunahme und Übergewicht mit einem erhöhten Risiko für tödlichen Prostatakrebs und biochemische Rezidive verbunden sind.

Weiterlesen >>  Panatta Fitness: Exzellenz in Trainingsgeräten und Gym-Ausstattung für den deutschen Markt

Methodik: Präzise Datenerhebung und Analyse

Die Health Professionals Follow-up Study (HPFS) ist eine prospektive Kohortenstudie, die seit 1986 über 51.500 männliche Angehörige von Gesundheitsberufen in den USA im Alter von 40–75 Jahren begleitet. Die Teilnehmer lieferten detaillierte Informationen zu demografischen Daten, medizinischen Diagnosen, Körpergröße, Gewicht, Raucherstatus und körperlicher Aktivität zu Studienbeginn und alle zwei Jahre danach. Ernährungsdaten wurden mittels eines Fragebogens alle vier Jahre erhoben.

Für die aktuelle Untersuchung wurde eine Kohorte von 5.158 Männern identifiziert, bei denen zwischen 1986 und 2012 ein lokalisierter Prostatakrebs (klinisches Stadium T1/T2) diagnostiziert wurde und die Angaben zu ihrem Gewicht im Alter von 21 Jahren sowie zum Zeitpunkt der Diagnose gemacht hatten. Um potenzielle Störfaktoren durch Rauchen zu minimieren, wurden zusätzliche Analysen ausschließlich mit Nichtrauchern (N=2.559) durchgeführt. Männer mit extrem niedrigen oder hohen Gewichten oder BMI-Werten sowie solche mit Grunderkrankungen, die das Gewicht beeinflussen könnten, wurden von der Analyse ausgeschlossen. Die Studie wurde von der Ethikkommission der Harvard T.H. Chan School of Public Health genehmigt.

Die Erfassung der Gewichtszunahme erfolgte über Selbstauskünfte, die sich in früheren Validierungsstudien der HPFS als zuverlässig erwiesen hatten. Langfristige Gewichtszunahme wurde als Differenz zwischen dem Gewicht im Alter von 21 Jahren und dem Gewicht kurz vor der Krebsdiagnose berechnet und in Kategorien wie Gewichtsverlust (>4,5 kg), stabiles Gewicht (±4,5 kg), leichte Zunahme (4,6–9,1 kg), moderate Zunahme (9,2–13,6 kg) und starke Zunahme (>13,6 kg) eingeteilt. Kurzfristige Gewichtszunahme wurde über Zeiträume von 4 und 8 Jahren vor der Diagnose analysiert. Der BMI wurde sowohl für das Alter von 21 Jahren als auch für den Zeitpunkt der Diagnose berechnet.

Weiterlesen >>  Long-COVID: Störungen bei Schwitzen, Lichtempfindlichkeit und Blasenkontrolle möglich

Als primäres Ergebnis wurde tödlicher Prostatakrebs definiert, der durch die Diagnose von Fernmetastasen oder den Tod infolge von Prostatakrebs gekennzeichnet war. Als sekundäres Ergebnis wurde das biochemische Rezidiv erfasst, das anhand steigender PSA-Werte nach der primären Behandlung definiert wurde. Statistische Analysen wurden mittels Cox-Regressionsmodellen durchgeführt, um altersadjustierte Hazard Ratios (HRs) mit 95%-Konfidenzintervallen (CIs) zu schätzen. Die Modelle wurden schrittweise um weitere potenziell störende Faktoren wie Alter bei Diagnose, ethnische Zugehörigkeit, familiäre Vorbelastung für Prostatakrebs, Körpergröße, Raucherstatus, Diabetes, Herzerkrankungen, Ernährungsgewohnheiten und körperliche Aktivität bereinigt.

Ergebnisse: Differenzierte Zusammenhänge bei Nichtrauchern und Vor-Übergewichtigen

Die Analysen zeigten, dass bei der Gesamtheit der Männer weder die langfristige noch die kurzfristige Gewichtszunahme mit einem erhöhten Risiko für tödlichen Prostatakrebs verbunden war. Auch der BMI im Alter von 21 Jahren oder zum Zeitpunkt der Diagnose zeigte keine signifikante Assoziation mit tödlichem Prostatakrebs.

Besonders aufschlussreich waren jedoch die Ergebnisse, die sich auf Nichtraucher konzentrierten: Bei dieser Gruppe war eine höhere langfristige Gewichtszunahme mit einem signifikant erhöhten Risiko für tödlichen Prostatakrebs assoziiert. Männer, die im Zeitraum vom 21. Lebensjahr bis zur Diagnose 9,1–13,6 kg oder mehr als 13,6 kg zugenommen hatten, zeigten ein 1,64- bzw. 1,59-fach höheres Risiko im Vergleich zu denen mit stabilem Gewicht. Auch die Rate der Gewichtszunahme pro Jahr war bei Nichtrauchern mit einem erhöhten Risiko verbunden.

Die Analysen der subklinischen Rezidive (biochemisches Rezidiv) ergaben keine signifikanten Zusammenhänge mit Gewichtszunahme oder Übergewicht. Interessanterweise zeigte sich sogar ein inverser Trend für die 8-Jahres-Gewichtsveränderung, was auf eine potenziell schützende Wirkung hindeuten könnte, die jedoch weiterer Klärung bedarf.

Besonders hervorzuheben sind die Ergebnisse der Subgruppenanalysen, die zeigten, dass die Assoziation zwischen Gewichtszunahme und tödlichem Prostatakrebs bei Männern, die bereits im Alter von 21 Jahren übergewichtig oder fettleibig waren, stärker ausgeprägt war. Insbesondere die Gewichtszunahme in den 8 Jahren vor der Diagnose war bei diesen Männern mit einem signifikant erhöhten Risiko für tödliche Erkrankungen verbunden. Dies deutet darauf hin, dass ein bereits bestehendes Übergewicht die Anfälligkeit für die negativen Auswirkungen von weiterer Gewichtszunahme auf das Prostatakrebs-Fortschreiten erhöhen könnte.

Sensitivitätsanalysen, die Männer ausschlossen, die innerhalb der ersten vier Jahre nach der Diagnose starben, verstärkten die Assoziation zwischen langfristiger Gewichtszunahme und tödlichem Prostatakrebs, insbesondere bei Nichtrauchern. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Gewichtszunahme eine Rolle bei der Entwicklung von Tumoren spielt, die eher zum Fortschreiten neigen.

Weiterlesen >>  Schneller Muskelaufbau: Die besten Strategien für schnelle Ergebnisse

Diskussion: Metabolische Veränderungen und die Rolle des Lebensstils

Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass die langfristige Gewichtszunahme insbesondere bei Nichtrauchern und Männern, die bereits im frühen Erwachsenenalter übergewichtig waren, ein wichtiger Faktor für das Fortschreiten zu tödlichem Prostatakrebs sein könnte. Die fehlende Assoziation in der Gesamtpopulation könnte durch Störfaktoren wie Rauchen erklärt werden, das bekanntermaßen sowohl mit Gewicht als auch mit Prostatakrebsrisiken assoziiert ist.

Es gibt plausible biologische Erklärungen für diesen Zusammenhang. Übergewicht und Gewichtszunahme können metabolische, hormonelle und entzündliche Veränderungen im Körper hervorrufen. Dazu gehören erhöhte Insulinspiegel, veränderte Spiegel von Wachstumsfaktoren wie IGF-1, niedrigere Androgenspiegel und veränderte Adipokin-Produktion. Diese Faktoren können das Zellwachstum und die Proliferation von Krebszellen fördern. Die Tatsache, dass die Assoziation zwischen Gewichtszunahme und tödlichem Prostatakrebs bei Nichtrauchern und Männern mit Übergewicht im jüngeren Alter stärker war, könnte auf früh einsetzende metabolische Veränderungen hindeuten, die die Krebsentstehung und -progression beeinflussen.

Die Studie weist auf die Komplexität der Gewichtszunahme über die Lebensspanne hin und betont die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die genauen Mechanismen und Zeitpunkte zu verstehen. Die Einschränkung der Analyse auf Männer mit lokalisiertem Prostatakrebs und die Fokussierung auf tödliche Erkrankungen sind Stärken der Studie. Dennoch gibt es Limitationen, wie die reliance auf selbst berichtete Gewichtsangaben und die mögliche Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse, da die Kohorte hauptsächlich aus kaukasischen Angehörigen von Gesundheitsberufen bestand.

Schlussfolgerung: Prävention durch Lebensstilmanagement

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Studie einen positiven Zusammenhang zwischen langfristiger Gewichtszunahme und dem Risiko für tödlichen Prostatakrebs bei Nichtrauchern aufzeigt. Dies unterstreicht die Bedeutung eines gesunden Körpergewichts über die gesamte Lebensspanne, insbesondere für Männer, die nicht rauchen und bereits im jungen Erwachsenenalter zu Übergewicht neigen. Metabolische Veränderungen, die mit Gewichtszunahme einhergehen, könnten eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von aggressiven Prostatatumoren spielen. Angesichts der modifizierbaren Natur von Gewicht und Lebensstil sind diese Erkenntnisse von großer Bedeutung für die Prävention und das Management von Prostatakrebs. Die Förderung eines gesunden Lebensstils, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität, bleibt eine zentrale Säule in der Krebsprävention.