Uli Hoeneß ist eine Schlüsselfigur in der Geschichte des FC Bayern München, dessen Einfluss als Spieler, Manager und Präsident den Verein zu dem gemacht hat, was er heute ist: Deutschlands erfolgreichster Fußballclub mit weltweitem Renommee. Franz Beckenbauer beschrieb ihn treffend: „Uli Hoeneß war ein Glücksfall für Bayern, nicht nur als Spieler, sondern als Manager, Vorstandsvorsitzender und Präsident. Was der Verein heute ist und für welche Werte er steht, ist zu einem großen Teil ihm zu verdanken.“
Eine glanzvolle, doch kurze Spielerkarriere
Geboren am 5. Januar 1952 in Ulm, durchlief Uli Hoeneß die Jugendabteilungen des TSG Ulm 1846, bevor er 1970 als 18-Jähriger zum FC Bayern wechselte. Schnell etablierte er sich in der ersten Mannschaft neben Größen wie Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier. Bereits in seiner ersten Saison gewann er den DFB-Pokal. Als Mittelfeldspieler, der zum Flügelstürmer umgeschult wurde, galt Hoeneß einst als der schnellste Stürmer Europas und lief 100 Meter in 11,0 Sekunden.
Seine Karriere war schnell und intensiv. Nach dem Pokalsieg folgten drei Meisterschaften in Folge und der historische Gewinn des Europapokals der Landesmeister in den Saisons 1973/74, 1974/75 und 1975/76. Auch mit der Nationalmannschaft feierte Hoeneß Erfolge: Er stand in der Startelf des Finales der Europameisterschaft 1972, als Westdeutschland die UdSSR mit 3:0 besiegte und seinen ersten EM-Titel gewann. Zwei Jahre später siegte Deutschland im WM-Finale gegen die Niederlande mit 2:1, wobei Hoeneß erneut in der Startformation stand.
Nach nur einem Jahrzehnt auf dem Spielfeld, das ihm 10 große Titel einbrachte, musste Hoeneß im Alter von 27 Jahren seine Karriere beenden. Eine schwere Knieverletzung, erlitten im Europapokalfinale 1975 gegen Leeds United, zwang ihn zu einer mehr als sechsmonatigen Pause und beschleunigte das Ende seiner aktiven Laufbahn im Jahr 1979 nach einer missglückten Leihe nach Nürnberg.
Der Übergang ins Management
Obwohl Hoeneß dem FC Bayern nicht mehr auf dem Spielfeld direkt Einfluss nehmen konnte, wurde sein Einfluss abseits des Platzes noch größer. Noch während seiner aktiven Zeit organisierte er eine Sponsoringvereinbarung zwischen dem Club und dem Hersteller Magirus-Deutz, die es Bayern ermöglichte, die Rückkehr von Paul Breitner von Eintracht Braunschweig zu finanzieren.
Am 1. Mai 1979 begann Hoeneß im Alter von nur 27 Jahren offiziell seine Tätigkeit als Manager des FC Bayern. Er ist bis heute der jüngste Bundesliga-Manager der Geschichte, was seine Dynamik und Langlebigkeit in dieser Rolle erklärt. Zu Beginn seiner Amtszeit beschäftigte der Verein 12 Mitarbeiter, erwirtschaftete einen Jahresumsatz von 12 Millionen DM (ca. 6 Millionen US-Dollar) und hatte Schulden in Höhe von 7 Millionen DM. Heute arbeiten über 1.000 Menschen für den Club, dessen Umsatz 2017/18 einen Rekord von 657,4 Millionen Euro erreichte – das 26. profitable Geschäftsjahr in Folge.
Sein langjähriger Kollege Karl-Heinz Rummenigge beschrieb Hoeneß als „Pionier“, der sich bei der Vermarktung von Sportteams an den USA orientierte. Er begann, Bayern als vermarktbare Ressource zu fördern und generierte damit zusätzliche Millionen für den Club.
Hoeneß war es auch, der den Bau der Allianz Arena maßgeblich vorantrieb. Das hochmoderne Stadion, das zwischen 2002 und 2005 für 340 Millionen Euro errichtet wurde, sollte ursprünglich bis 2028 abbezahlt sein. Dank der hervorragenden finanziellen Situation des FC Bayern konnte der Kredit jedoch bereits im Februar 2014, also 14 Jahre früher, vollständig getilgt werden.
Aufstieg in die Vorstandsetage
Um die Zeit des Stadionbaus herum rückte Hoeneß in die Vorstandsebene auf, behielt aber seine Position als Manager bei. Er wurde stellvertretender Vorstandsvorsitzender und war für die Profimannschaft, die Jugendteams, das Sponsoring und die Lizenzen verantwortlich.
Diese Positionen bekleidete er bis November 2009, als seine 30-jährige Amtszeit als Manager endete. Er wurde mit 99,3 Prozent der Stimmen zum Präsidenten des FC Bayern München e.V. gewählt. Trotz seines Aufstiegs an die Spitze des Vereins ist Hoeneß laut Rummenigge derselbe geblieben: „Er war immer ein Freund der Mannschaft, schon als junger Manager, und das hat sich nicht geändert“, sagte der Vorstandsvorsitzende. „Er ist seit über 40 Jahren Bayerns größter Fan.“
Diese tiefe Verbundenheit mit seinem Verein hat Hoeneß im Laufe der Jahre oft in die Schlagzeilen gebracht. Mit seinen Äußerungen und kritischen Kommentaren bewegte er sich oft am Rande des Erlaubten. Gleichzeitig brachte ihm dieser leidenschaftliche Ansatz auch Anerkennung ein, insbesondere für seine Fähigkeit, sich selbst ins Rampenlicht zu stellen, um seine Teams und Trainer zu schützen. Günther Netzer, ehemaliger Mitspieler und Rivale, bemerkte: „Uli wurde von Anfang an als Feind dargestellt, und das war ihm egal, denn sein eigener Ruf war nicht so wichtig wie der des FC Bayern. Er kämpft für seinen Verein und riskiert, als Bösewicht dazustehen – das ist in meinen Augen wahre Größe.“
Ein fürsorglicher Organisator
Auch von Rivalen wie Schalke gab es lobende Worte. Clemens Tönnies, Aufsichtsratsvorsitzender von Schalke, sagte: „Er hat die Attribute von Bayern über Jahrzehnte verkörpert und stand für die kontinuierliche Entwicklung des Vereins zu einem Top-Fußballunternehmen.“
Trotz seiner Härte war Hoeneß stets hilfsbereit. Er unterstützte ehemalige Spieler wie Sebastian Deisler und Breno bei Depressionen und half auch befreundeten Vereinen. „Ein Verein wie der FC Bayern ist da, wenn andere Traditionsvereine in Schwierigkeiten sind“, sagte Hoeneß bei einem Benefizspiel zugunsten des FC St. Pauli, bei dem die Fans Plakate mit der Aufschrift „Danke, Uli Hoeneß“ hochhielten. Seit diesem Spiel im Jahr 2003 haben er und die Bayern mehrfach geholfen, unter anderem Hansa Rostock und den 1. FC Kaiserslautern. Auch für Stadtrivalen wie 1860 München und langjährige Titelkonkurrenten wie Borussia Dortmund gab es Darlehen.
Innerhalb seines eigenen Vereins wird der aktuelle Präsident bereits in einer Reihe mit legendären Vorgängern wie Kurt Landauer, Wilhelm Neudecker und dem „Kaiser“ des deutschen Fußballs, Beckenbauer, genannt.
Unvergessen
Seit seinem Karriereende als Spieler hat Hoeneß eine beispiellose Erfolgsserie beim FC Bayern überwacht: 21 Bundesliga-Titel, 12 DFB-Pokale, zwei UEFA Champions League-Titel, ein UEFA-Pokal-Sieg und vieles mehr.
Passenderweise wurde sogar eine Trophäe nach ihm benannt: der Uli-Hoeneß-Cup. Dieses spezielle Turnier war ein verspätetes Geburtstagsgeschenk zum 60. Geburtstag des Präsidenten. Im Juli 2013 fand im Rahmen des Cups ein Freundschaftsspiel in der Allianz Arena statt, das Bayern mit 2:0 gegen den FC Barcelona gewann.
Es gibt nur wenige Persönlichkeiten in der fast 120-jährigen Geschichte des FC Bayern München, die Hoeneß’ Bedeutung und Einfluss auf den Erfolg des Vereins erreichen. Vielleicht kann nur Beckenbauer, der „Kaiser“, seinen Nachfolger im Präsidentenamt das Wasser reichen, und er sagt schlicht: „Wir können uns glücklich schätzen, ihn zu haben.“
