Die “New Urban Agenda” der Vereinten Nationen ist ein wegweisender globaler Fahrplan, der die Art und Weise neu definiert, wie wir unsere Städte und Gemeinden planen, gestalten und verwalten, um eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. Deutschland spielt eine aktive Rolle bei der Umsetzung dieser Agenda, und ein spezielles Forschungsprojekt des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat die Fortschritte auf nationaler und kommunaler Ebene genau beleuchtet. Ziel ist es, die Entwicklung hin zu kompakteren Siedlungen, einem sparsamen Ressourcenverbrauch, verbesserter Mobilität und gesünderen Lebensbedingungen in Deutschland messbar und transparent darzustellen.
Die New Urban Agenda: Ein globaler Fahrplan für nachhaltige Stadtentwicklung
Die von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Jahr 2017 bestätigte New Urban Agenda, auch bekannt als Neue Urbane Agenda, wurde als Reaktion auf die weltweit fortschreitende Urbanisierung und die damit verbundenen Herausforderungen ins Leben gerufen. Sie bietet einen umfassenden Rahmen, um Städte und Siedlungen inklusiver, sicherer, widerstandsfähiger und nachhaltiger zu gestalten. Seit 2018 ist festgelegt, dass alle vier Jahre ein Fortschrittsbericht über die Umsetzung vorgelegt wird, wobei Mitgliedstaaten wie Deutschland aktiv Beiträge leisten. Der erste umfassende globale Bericht wird 2022 der Generalversammlung der Vereinten Nationen präsentiert, basierend auf den nationalen Anstrengungen und Erkenntnissen.
Diese globalen und nationalen Berichte adressieren drängende Probleme wie Ungleichheit, Armut, Umweltzerstörung, soziale Ausgrenzung und räumliche Segregation, die oft Hand in Hand mit der Urbanisierung und ländlichen Entwicklung gehen. Prognosen der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2018 zeigen, dass bereits 55 % der Weltbevölkerung in Städten leben – ein Anteil, der bis 2050 voraussichtlich auf 68 % ansteigen wird. Für die Europäische Union wird ein Anstieg von derzeit 76 % auf 85 % erwartet, und für Deutschland spezifisch von heute 77 % auf 84 % im Jahr 2050. Die New Urban Agenda liefert innovative Ansätze, um diesen Herausforderungen proaktiv zu begegnen. Sie legt dabei besonderen Wert auf kommunale Selbstverwaltung, Subsidiarität und Dezentralisierung als grundlegende Prinzipien einer effektiven Governance.
Deutschland im Fokus: Urbanisierung und Herausforderungen
Für Deutschland, ein Land mit einer hohen Urbanisierungsrate, ist die Umsetzung der New Urban Agenda von entscheidender Bedeutung. Sie zielt darauf ab, Kommunen dabei zu unterstützen, ihre Entwicklung so zu planen und zu steuern, dass sie den Zielen der Agenda 2030 und den Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen gerecht wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei die lokale Ebene, da viele der globalen Ziele nur durch konkretes Handeln vor Ort erreicht werden können. Die Agenda fordert einen ganzheitlichen Ansatz, der soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Prosperität und ökologische Nachhaltigkeit miteinander verbindet, und betont die Wichtigkeit starker Governancestrukturen, die eine koordinierte und partizipative Stadtentwicklung ermöglichen.
Das BBSR-Forschungsprojekt zur Umsetzung in Deutschland
Um die Fortschritte der New Urban Agenda Deutschland detailliert zu erfassen, initiierte das BBSR ein Forschungsprojekt, das von Dezember 2019 bis Juni 2021 lief. Das Hauptziel bestand darin, in enger Kooperation mit ausgewählten Städten und Gemeinden in Deutschland die Umsetzung der Agenda ebenenübergreifend zu beschreiben, zu messen und sowohl textlich als auch grafisch darzustellen. Die Auswahl der Kommunen erfolgte vornehmlich aus dem Kreis der sogenannten “Zeichnungskommunen der Agenda 2030”, die sich bereits aktiv zu den Zielen der nachhaltigen Entwicklung bekannt haben.
Das Projektteam legte dabei folgende Forschungsleitfragen zugrunde, um fundierte Erkenntnisse zu gewinnen:
- Wie lassen sich aktuelle Themen wie Mobilität in Stadt und Region, Klimaschutz und Digitalisierung evidenzbasiert berichten, und welche räumlichen Differenzierungen auf den Ebenen Stadtquartier, Stadt, Stadt-Region und Region sind dafür erforderlich?
- Welche Indikatoren können diese Themen wirkungsvoll beschreiben und ihre Entwicklung präzise messen?
- Welche neuen, validierbaren und dauerhaft verfügbaren Datenquellen können neben den bereits im Zusammenhang mit den SDGs genannten Quellen erschlossen werden?
- Welche Anforderungen ergeben sich an die Harmonisierung von Daten, die in der nationalen Berichtslegung verwendet werden, insbesondere im europäischen und internationalen Kontext?
Engagement der Kommunen: Die Agenda 2030 Zeichnungskommunen
Die Beteiligung der Kommunen war ein Kernelement des Forschungsprojekts. Die “Zeichnungskommunen Agenda 2030” sind Vorreiter in der lokalen Umsetzung globaler Nachhaltigkeitsziele und boten eine ideale Basis, um die praktische Anwendung und die Herausforderungen der New Urban Agenda in Deutschland zu untersuchen.
Diese Karte, zur Verfügung gestellt von Engagement Global gGmbH – Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und der Laufenden Raumbeobachtung des BBSR, visualisiert das Engagement deutscher Städte und Gemeinden. Sie verdeutlicht die geografische Verteilung der Kommunen, die sich der Agenda 2030 verschrieben haben, und unterstreicht die breite Basis für die Umsetzung der New Urban Agenda. Das Deutsche Institut für Urbanistik gGmbH in Berlin war der Auftragnehmer dieses wichtigen Forschungsprojektes.
Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts tragen wesentlich dazu bei, die Rolle Deutschlands bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen urbanen Entwicklung zu stärken und die globalen Ziele der New Urban Agenda auf lokaler Ebene erfolgreich umzusetzen. Um mehr über die detaillierten Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zu erfahren, empfehlen wir Ihnen, die vollständigen Veröffentlichungen des BBSR zu diesem Thema zu konsultieren und sich aktiv an der Debatte zur nachhaltigen Stadtentwicklung in Deutschland zu beteiligen.
