Die 3. Liga bleibt spannend, und der FC Erzgebirge Aue mittendrin im Kampf um jeden Zähler. Obwohl ein Punktgewinn im Auswärtsspiel gegen den SC Verl auf den ersten Blick positiv erscheint, spiegelte Aue-Trainer Jens Härtel nach dem Abpfiff eine Mischung aus Erleichterung und verpassten Chancen wider: „Der Punkt hilft uns natürlich, aber wir stehen weiter da unten drin. Zwei Punkte mehr hätten uns sicherlich auch gut getan, deswegen hätte ich mich dann vielleicht entschuldigt, aber ich hätte sie gerne genommen, die zwei Punkte.“ Das Remis verdeutlicht einmal mehr die Intensität und Unberechenbarkeit des deutschen Profifußballs und die leidenschaftliche Natur des Spiels im Erzgebirge.
Taktische Änderungen in der Startelf des FC Erzgebirge Aue
Im Vergleich zum furiosen 4:3-Spektakel gegen Jahn Regensburg nahm Jens Härtel eine entscheidende personelle und damit auch taktische Veränderung vor. Linksverteidiger Paul Seidel, der in den vorherigen Partien nicht immer glücklich agierte und den Härtel nach eigener Aussage „aus der Schusslinie nehmen wollte“, rotierte auf die Bank. Für ihn rückte Ricky Bornschein in die Startelf, was eine offensivere Ausrichtung mit einem zusätzlichen Stürmer zur Folge hatte. Diese Umstellung sollte frische Impulse setzen und die Angriffsbemühungen des FC Erzgebirge Aue verstärken.
Eine Schwierige Erste Halbzeit: Verl Dominant, Aue im Glück
Gegen die spielstarken Verler, die seit September eine beeindruckende Serie ohne Niederlage hielten, tat sich der FC Erzgebirge Aue in der Offensive schwer. Wirklich zwingende Aktionen nach vorne blieben Mangelware. Julian Guttaus Volleyschuss in der 8. Minute und Ryan Malones Kopfball in der 42. Minute waren die einzigen nennenswerten Offensivbemühungen der Veilchen im ersten Durchgang. Die Erzgebirger agierten mit dem Ball nicht mutig genug und überließen dem SC Verl die Kontrolle über das Spiel.
Die Gastgeber nutzten dies aus und erspielten sich zahlreiche Top-Chancen. Die Mannschaft von Trainer Tobias Strobl ließ jedoch erstaunlich viele Möglichkeiten ungenutzt. Einzig Alessio Besio fand den Weg ins Tor, als er in der 27. Minute eine scharfe, flache Hereingabe von Qualid Mhamdi aus kurzer Distanz eiskalt verwandelte. Dass die Führung zur Pause nicht höher ausfiel, lag vor allem an der herausragenden Leistung von Aue-Kapitän Martin Männel, der mit mehreren Glanzparaden weitere Einschläge verhinderte und sich einmal mehr als bester Akteur auf Seiten des FCE erwies.
Kampfgeist und ein Glückliches Eigentor drehen das Spiel
Auch nach dem Seitenwechsel hatte der FC Erzgebirge Aue zunächst weiterhin große Probleme, konnte sich aber weiterhin auf einen hervorragend aufgelegten Martin Männel zwischen den Pfosten verlassen. Der erfahrene Schlussmann hielt seine Mannschaft im Spiel und verhinderte eine höhere Führung für den SC Verl.
Als Verl nach rund 65 Minuten etwas die Konzentration abhandenkam, witterte der FCE seine Chance. Innerhalb von nur 60 Sekunden verbuchte Aue zwei vielversprechende Gelegenheiten, doch Ehlers und Guttau scheiterten freistehend am Verler Keeper Philipp Schulze. In der 70. Minute war Schulze dann jedoch chancenlos, allerdings auf unglückliche Weise. Nach einer Ecke von Guttau beförderte sein eigener Mitspieler Jonas Arweiler den Ball per Kopf ins eigene Netz – ein “Kack-Eigentor”, das Aue den überraschenden Ausgleich zum 1:1 bescherte.
Eine Fußballmannschaft freut sich gemeinsam (Erzgebirge Aue).
Spannung bis zur Letzten Sekunde und die verpasste Siegchance
Wie aus dem Nichts war die Härtel-Elf wieder voll im Spiel. Mit viel Leidenschaft und enormem Einsatz kämpfte sich der FC Erzgebirge Aue in die Partie zurück und brachte den glücklichen Punkt mit vereinten Kräften über die Zeit. Doch es sollte noch dramatischer werden. In der letzten Minute der Nachspielzeit bot sich Joker Erik Weinhauer, der Held der Vorwoche gegen Regensburg, die Riesenchance zum Sieg. Nach einem herrlichen Steckpass von Marcel Bär schob Weinhauer den Ball jedoch um Zentimeter am linken Pfosten vorbei. Es war die denkbar knappe verpasste Gelegenheit, die drei Punkte mit ins Erzgebirge zu nehmen.
Fazit: Ein wichtiger Punkt mit bitterem Beigeschmack
Der Punktgewinn gegen den formstarken SC Verl ist für den FC Erzgebirge Aue im Abstiegskampf der 3. Liga zweifellos wertvoll. Er zeigt den Kampfgeist und die Moral der Mannschaft, sich auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben. Dennoch hinterlässt das Spiel auch einen bitteren Beigeschmack, da die späte Siegchance von Erik Weinhauer ungenutzt blieb. Trainer Jens Härtel und sein Team wissen, dass jeder Punkt zählt und dass die Situation in der Tabelle weiterhin angespannt ist. Es bleibt abzuwarten, welche Lehren aus diesem hart erkämpften Unentschieden gezogen werden und wie sich der FCE in den kommenden Wochen präsentiert, um sich weiter von den Abstiegsrängen abzusetzen. Der Weg des FC Erzgebirge Aue in der 3. Liga bleibt eine faszinierende Geschichte voller Höhen und Tiefen, die die Fußballkultur in Deutschland so einzigartig macht.
