Vinschgerl, manchmal auch Vintschgerl genannt, sind rustikale, handtellergroße Fladenbrote, die ursprünglich aus dem malerischen Südtirol stammen. Sie sind ein fester Bestandteil der regionalen Küche und begeistern mit ihrem einzigartigen Aroma und ihrer charakteristischen Textur. Was diese Brote besonders macht, ist die Zugabe von Brotklee (Trigonella caerulea), der ihnen einen sehr ausgeprägten, leicht würzigen Geschmack verleiht. Die flache Form der Vinschgerl sorgt zudem für eine großzügige Kruste, die bei jedem Bissen knusprig und aromatisch ist. Traditionell werden Vinschgerl oft zu herzhaften Brotzeiten mit Speck, Käse und Wurstwaren gereicht, wodurch sie zu einem unverzichtbaren Genuss für Liebhaber der alpinen Küche werden.
Dieses traditionsreiche Gebäck ist nicht nur in Südtirol beliebt, sondern hat sich auch darüber hinaus einen Namen gemacht. Die Kombination aus Roggenmehl, Sauerteig und den speziellen Gewürzen macht jedes Vinschgerl zu einem kleinen Meisterwerk des Bäckerhandwerks. Tauchen Sie ein in die Welt des Südtiroler Brotes und entdecken Sie, wie Sie diese köstlichen Fladenbrote ganz einfach zu Hause zubereiten können, um einen Hauch alpiner Tradition in Ihre Küche zu bringen.
Rustikale Vinschgerl, ideal für eine Brotzeitplatte.
Vinschgerl Rezept: Authentisch und einfach nachzubacken
Mit diesem Rezept gelingen Ihnen die Vinschgerl, die außen knusprig und innen herrlich saftig sind, garantiert. Die lange Teigruhe ist entscheidend für das Aroma und die Konsistenz dieser traditionellen Brote.
Zutaten – Ergibt 12 Vinschgerl
Um authentische Vinschgerl zu backen, benötigen Sie eine Mischung aus Roggen- und Vollkornmehl sowie die besonderen Gewürze, die den Geschmack prägen.
- 400 g feines Roggenmehl
- 200 g Vollkornmehl
- 15 g Roggensauerteig-Extrakt (alternativ: 15 g aktiver Roggensauerteig)
- 1½ TL Salz
- 1 Päckchen Trockenhefe (7 g)
- 1 EL Honig
- ½ TL Brotklee (Blauer Bockshornklee)
- 350 g lauwarmes Wasser
- 200 g Naturjoghurt (nicht direkt aus dem Kühlschrank)
- 1 TL Fenchelsamen, im Mörser zerstoßen
- 1 TL Koriandersamen, im Mörser zerstoßen
Die Auswahl der richtigen Mehlsorten ist hierbei essenziell. Roggenmehl gibt dem Brot seine typische Dichte und das kräftige Aroma, während Vollkornmehl für eine zusätzliche nussige Note und Ballaststoffe sorgt. Der Brotklee ist das Geheimnis des unverwechselbaren Geschmacks und sollte nicht weggelassen werden, um ein authentisches Ergebnis zu erzielen. Achten Sie darauf, den Joghurt rechtzeitig aus dem Kühlschrank zu nehmen, damit er Zimmertemperatur hat und sich gut mit den anderen Zutaten verbindet.
Zubereitung der Vinschgerl
Die Zubereitung der Vinschgerl erfordert etwas Geduld, aber die Mühe wird mit einem unvergleichlichen Geschmack belohnt. Die lange Gehzeit ist entscheidend für die Entwicklung des Aromas.
- Vorbereitung der flüssigen Zutaten: Mischen Sie in einer kleinen Schüssel Wasser, Honig und Joghurt gründlich miteinander. Achten Sie darauf, dass das Wasser lauwarm ist, um die Hefe zu aktivieren.
- Mischen der trockenen Zutaten: Geben Sie in eine große Schüssel das Roggenmehl, Vollkornmehl, Sauerteig-Extrakt (oder aktiven Sauerteig), Hefe, Salz, Brotklee und die zerstoßenen Fenchel- und Koriandersamen. Vermengen Sie alles gut.
- Teig kneten: Fügen Sie die flüssigen Zutaten zu den trockenen hinzu und kneten Sie den Teig. Am einfachsten geht dies mit den Händen. Der hohe Roggenanteil macht den Teig recht weich und klebrig. Sollte er zu fest sein, geben Sie bei Bedarf noch etwas Wasser hinzu, aber verzichten Sie darauf, weiteres Mehl hinzuzufügen. Der Teig sollte eine homogene, aber feuchte Konsistenz haben.
- Erste Gehzeit: Lassen Sie den Teig an einem warmen Ort für etwa 6 Stunden gehen. Während dieser langen Ruhezeit verliert der Teig etwas an Klebrigkeit und lässt sich später leichter verarbeiten. Er wird eine “sauberere” Konsistenz annehmen. Nach der Gehzeit können Sie ihn auf einer sauberen Arbeitsfläche zu einem Rechteck (ca. 2 cm hoch) formen. Falls der Teig immer noch zu weich ist, helfen leicht angefeuchtete Hände beim Formen. Die lange Gehzeit ermöglicht eine optimale Aromaentwicklung und macht die Vinschgerl später besonders bekömmlich.
- Teiglinge teilen: Nehmen Sie ein Messer und teilen Sie den Teig in 12 kleinere rechteckige Stücke. Die Größe sollte dabei handtellergroß sein.
- Formen und Anordnen: Legen Sie die Teigstücke auf zwei separate Stücke Backpapier (jeweils 6 Stück). Platzieren Sie dabei immer zwei Stücke direkt nebeneinander – dies ist die traditionelle Art, Vinschgerl zu backen und sorgt für die charakteristischen Seitenrisse.
- Bestäuben und zweite Gehzeit: Bestäuben oder reiben Sie die Oberfläche der Teigstücke vorsichtig mit etwas Roggenmehl ein. Decken Sie die Teiglinge dann mit einem sauberen, trockenen Küchentuch ab. Dies fördert die Bildung der appetitlichen Risse an der Oberfläche der Vinschgerl. Lassen Sie sie weitere 1–2 Stunden an einem warmen Ort gehen.
- Ofen vorheizen: Heizen Sie den Ofen eine halbe Stunde vor dem Backen auf 220°C (Gas Stufe 6) vor.
- Backen: Backen Sie die Vinschgerl für etwa 35 Minuten, bis sie eine schöne goldbraune Farbe und eine feste Kruste haben.
- Abkühlen: Lassen Sie die fertigen Vinschgerl auf einem Gitterrost vollständig abkühlen, bevor Sie sie anschneiden und genießen.
Ein Paar traditionell gebackene Vinschgerl.
Perfekte Begleiter und Genusstipps
Vinschgerl sind unglaublich vielseitig und schmecken am besten frisch gebacken. Sie sind der ideale Begleiter für eine zünftige Südtiroler Brotzeit mit regionalem Speck, würzigem Käse und deftigen Wurstwaren. Auch zu Suppen, Salaten oder einfach pur mit etwas Butter sind sie ein Genuss. Die kräftigen Gewürze des Brotklees und der zerstoßenen Samen harmonieren wunderbar mit herzhaften Aufstrichen oder als Beilage zu Gegrilltem.
Das Backen von Vinschgerl ist eine wunderbare Möglichkeit, die reiche Brotbackkultur Südtirols in die eigene Küche zu holen. Mit diesem detaillierten Rezept und etwas Geduld können Sie ein Stück alpiner Tradition genießen, das nicht nur den Gaumen verwöhnt, sondern auch ein Gefühl von Gemütlichkeit und Heimat vermittelt. Probieren Sie es aus und lassen Sie sich von den rustikalen Aromen verzaubern!
Ein weiteres typisches Südtiroler Fladenbrot ist das Schüttelbrot. Wenn Sie die Welt der Südtiroler Brote weiter erkunden möchten, finden Sie hier ein weiteres Rezept: Südtiroler Schüttelbrot Rezept.
