In Japan ist Vitamin K bereits eines der am häufigsten verschriebenen Präparate bei Osteoporose. Ein interessanter Fakt, der uns dazu bewegt, die Rolle von Vitamin K im Kontext der Osteoporose genauer zu beleuchten. Im Gegensatz dazu wird die Bedeutung von Vitamin K in Deutschland in der medizinischen Praxis oftmals vernachlässigt.
Die Synergie von Vitamin D und Vitamin K: Mehr als die Summe ihrer Teile
Die wissenschaftliche Literatur birgt eine Fülle von Studien, die eine kombinierte Gabe von Vitamin D und Vitamin K nahelegen. Es scheint eine fundamentale Abhängigkeit dieser beiden Vitamine hinsichtlich ihrer unterstützenden Funktion beim Knochenaufbau zu bestehen. Alarmierend ist, dass hohe Dosierungen von Vitamin D, wenn sie von einem gleichzeitigen Vitamin-K-Mangel begleitet werden, das Osteoporose-Risiko sogar erhöhen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat ein positives Gutachten erstellt, das die Bedeutung von Vitamin K für die Erhaltung gesunder Knochen ausdrücklich unterstreicht [*22,23]. Es bleibt rätselhaft, warum Vitamin K in keiner der deutschen Osteoporose-Leitlinien Erwähnung findet.
Eine Meta-Analyse randomisierter Studien, basierend auf Daten aus Japan, konnte eindrucksvoll zeigen, dass eine hochdosierte Vitamin-K2-Gabe die Frakturrate signifikant senkt. Es ist jedoch wichtig, die Übertragbarkeit dieser japanischen Daten auf europäische Verhältnisse sorgfältig zu prüfen, da nicht alle Ergebnisse uneingeschränkt übertragbar sind [*2].
Ein Experte spricht: Dr. Jürgen Wolf über den intakten Calcium-Stoffwechsel
Dr. Jürgen Wolf aus Bad Homburg (2017), ein anerkannter Fachmann, erläutert die komplexen Zusammenhänge von Vitamin K und seiner Funktion bei Osteoporose:
„Calcium- und Vitamin-D-Präparate bilden weltweit die Basistherapie für Osteoporose-Patienten. Vor einigen Jahren wurde in großen retrospektiven Analysen mehrerer Studien publiziert, dass diese Präparate zwar das Knochenbruchrisiko mindern können, gleichzeitig aber eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung) begünstigen [*8,9,10]. Arteriosklerose wiederum ist ein bekannter Risikofaktor für Herzinfarkt, Thrombose und Schlaganfall. Der unerwünschte Effekt war sogar doppelt so groß wie der gewünschte Knochenschutz. Heute wissen wir, dass Vitamin K2 das fehlende Puzzleteil in dieser Kette darstellt. Ein intakter Calcium-Stoffwechsel ist entscheidend, um das Mineral an den richtigen Platz im Körper zu transportieren.“
Japan als Vorbild: Natto, Vitamin K2 MK-7 und Langlebigkeit
„Als Bestandteil des japanischen Lebensmittels Natto hat Vitamin K2 MK-7 bereits eine lange Tradition. Natto ist das Lebensmittel mit dem höchsten natürlichen Anteil an Vitamin K2 MK-7. Allgemein ist in Japan eine deutlich niedrigere Häufigkeit von Osteoporose und Hüftgelenksfrakturen zu verzeichnen, ebenso wie eine geringere Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen im weltweiten Vergleich [*11,12]. Japaner zählen zu den Nationen mit der höchsten Lebenserwartung. Die Fachwelt ist sich mittlerweile einig, dass dies sehr wahrscheinlich mit dem hohen Konsum von Vitamin K2 MK-7 in Verbindung steht und sich dadurch erklären lässt.“
Der Vitamin K2-Mangel in der westlichen Ernährung und seine Folgen
„Selbst in einer vermeintlich gesunden westlichen Ernährung ist Vitamin K2 MK-7 nur in relativ geringen Mengen vorhanden. Dies war nicht immer so. Der Hauptgrund liegt in unserer heutigen industrialisierten Tierhaltung und Tierernährung. Tiere benötigen grünes Gras, Chlorophyll und Sonnenlicht, um ausreichend Vitamin K2 bilden zu können, welches uns dann als Quelle dienen würde.
Unabhängige Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass ein Mangel an diesem essentiellen Vitamin und eine „Untercarboxylierung“ aller maßgeblichen Proteine in der Bevölkerung weit verbreitet ist. Insbesondere erkrankte Menschen, aber nicht nur diese, sollten daher höhere Dosen Vitamin K2 MK-7 über einen längeren Zeitraum zu sich nehmen. Leider gibt es keinen Recyclingmechanismus in unserem Körper für Vitamin K2 (im Gegensatz zu Vitamin K1), sodass wir es täglich über die Nahrung aufnehmen müssen. Innerhalb von nur sieben Tagen kann sich bereits ein Defizit bilden. Ein Vitamin-K2-Mangel bleibt über viele Jahre oft unentdeckt und ist zunächst unsichtbar. Die Resultate sind dann Folgeerkrankungen wie Osteoporose und Arteriosklerose.“
Die Rotterdam-Studie: Evidenz für kardiovaskuläre Vorteile von Vitamin K2
„In der sogenannten Rotterdam-Studie [*13] konnte gezeigt werden, dass eine überdurchschnittliche Zufuhr von Vitamin K2 MK-7 mit der Nahrung mit einer reduzierten Arteriosklerose-Rate sowie einem verminderten kardiovaskulären Risiko und einer geringeren Gesamtmortalität assoziiert war. Interessanterweise zeigten sich diese positiven Assoziationen ausschließlich für Vitamin K2 und nicht für Vitamin K1. Nur Vitamin K2 ist in der Lage, die dafür entscheidenden Proteine zu aktivieren [*13].“
Zukunftsperspektiven: Vitamin K2 in der Forschung
„In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Forschungsarbeiten über Vitamin K2 deutlich angestiegen. Insbesondere im Bereich der Knochen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit wurden mehrere aufsehenerregende Studien veröffentlicht. Darüber hinaus ist Vitamin K2 derzeit Gegenstand intensivster Forschung in unterschiedlichsten Indikationen (Alzheimer, Diabetes, Krebs, um nur einige zu nennen [*14]). Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.“
Dr. Jürgen Wolf fährt fort: „Die fettlöslichen Vitamine, insbesondere Vitamin K2 und Vitamin D, benötigen und verstärken sich gegenseitig. Je mehr ich von einem Vitamin einnehme oder zuführe, desto mehr benötigt der Körper seinen ‚Gegenspieler‘. Vitamin K2 und D gehen eine ‚lebenslange Freundschaft‘ ein. Ein gesunder, natürlicher Aufbau des Knochens (Remodelling) kann beginnen [*15]. Eine Kombination mit verordneten Arzneimitteln ist ebenfalls problemlos möglich und sinnvoll (Anmerkung: bitte beachten Sie die Gegenanzeigen). Studien konnten zeigen, dass sich der Effekt der kombinierten Therapie deutlich verstärkt. Überdosierungen bzw. Intoxikationen sind für dieses ‚vergessene Vitamin‘ ebenfalls kaum beschrieben, es erscheint mir äußerst gut verträglich.“
Ernährung und Vitamin K: Ein natürlicher Weg bei Osteoporose
Die vielfältigen Eigenschaften, die Vitamin K zugeschrieben werden, können insbesondere bei der Ernährung im Rahmen einer Osteoporose eine positive Rolle spielen. Viele Menschen mit Osteoporose interessieren sich für das Thema Vitamin K, weil die Ernährung ein entscheidender Faktor bei der Behandlung dieser Erkrankung ist. Nur durch die Zufuhr der richtigen und wichtigen Mineralstoffe und Vitamine kann der Knochen sich aufbauen oder eine bestehende Osteoporose sogar rückläufig sein. Zudem versuchen immer mehr Osteoporose-Betroffene, ihre Erkrankung auf möglichst natürlichem Wege – also ohne Medikamente – zu behandeln.
Osteoporose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, insbesondere bei älteren Menschen, die oft bereits weitere Medikamente einnehmen. Ein Übermaß an Medikamenten kann jedoch kontraproduktiv sein und unerwünschte Wechselwirkungen hervorrufen. Es gibt auch jene, die Osteoporose-Medikamente vermeiden möchten oder diese nicht vertragen. Daher gewinnt der natürliche Weg der Ernährung, kombiniert mit der entsprechenden Belastung des Knochens, in unserer heutigen Zeit zunehmend an Aufmerksamkeit. Viele sind offen für neue Perspektiven und blicken über den Tellerrand der konventionellen Medizin hinaus.
Kulturelle Unterschiede und die Übertragbarkeit von Studienergebnissen
In Deutschland ist Vitamin K bei Osteoporose für die Schulmedizin kein etabliertes Thema. Ganz anders in Japan, wo es zu den am häufigsten verordneten Präparaten zählt. Selbstverständlich gibt es signifikante ethnische und soziale Unterschiede zwischen Asiaten und Europäern, insbesondere hinsichtlich Genetik und Ernährung. Auch die Epidemiologie, die Lehre von der Verbreitung, den Ursachen und Folgen gesundheitlicher Zustände in einer Bevölkerungsschicht, lehrt uns, dass man die Ernährung eines Japaners nicht einfach auf einen Deutschen hochrechnen und ähnliche Ergebnisse hinsichtlich einer Osteoporose-Therapie erwarten kann. Doch niemand kann gänzlich abstreiten, dass am Thema Vitamin K nichts dran ist.
Ältere Menschen, die die Behandlung einer Osteoporose über Jahrzehnte hinweg kennen, erinnern sich an Zeiten, in denen die Schulmedizin sagte: „Da kann man nichts machen, das ist das Alter.“ Dann kamen die Osteoporose-Medikamente, gefolgt von viel Calcium, dann Bewegung und Knochenbelastung, dann Vitamin D, dann weniger Calcium, dann noch mehr Bewegung und Training. Die Behandlung der Osteoporose erfährt immer wieder neue Facetten. Wer vermag zu sagen, dass Vitamin K nicht die entscheidende Erkenntnis der nächsten Jahre sein wird?
Studienbeispiele: Positive Effekte auf die Knochendichte
Der Zusammenhang zwischen gesunder Ernährung bei Osteoporose, einer möglicherweise besseren Knochenqualität und Vitamin K wird durch einige ausländische Studien gestützt. Auch wenn die Ergebnisse nicht eins zu eins übertragbar sind, lohnt es sich, darüber nachzudenken. Einige Beispiele:
Vergleichsstudien weisen auf eine günstige Wirkung von Vitamin K auf die Knochendichte älterer Menschen hin, insbesondere bei postmenopausalen Frauen. In der „Maastricht Osteostudy“ [*20] wurden Frauen im Alter von 50 bis 60 Jahren drei Jahre lang mit Nahrungsergänzungsmitteln behandelt. Eine Gruppe erhielt ein Placebo, eine weitere Vitamin D und Mineralstoffe (Calcium, Magnesium, Zink), eine dritte Gruppe erhielt Vitamin D3, Mineralstoffe und zusätzlich 1 mg Vitamin K1 pro Tag – also sehr hoch dosiertes Vitamin K. Nur in der letzten Gruppe verlangsamte sich der Knochenverlust im Oberschenkelknochen im Vergleich zu den anderen Gruppen signifikant (um 35 bis 40 %); eine vollständige Verhinderung des Abbaus war durch die Nahrungsergänzung alleine jedoch nicht möglich.
Fazit: Vitamin K – Das vergessene Vitamin für Knochen und Herz-Kreislauf
Die Rolle von Vitamin K, insbesondere Vitamin K2, im Knochenstoffwechsel und seine Synergie mit Vitamin D sind nicht zu unterschätzen. Während die deutsche Schulmedizin hier noch Nachholbedarf hat, zeigen internationale Studien und die japanische Praxis das enorme Potenzial dieses „vergessenen Vitamins“. Die Verbindung zwischen einem ausgewogenen Vitamin-K2-Spiegel, gesunden Knochen und der Prävention von Arteriosklerose ist wissenschaftlich fundiert. Es ist an der Zeit, dass wir in Deutschland die Bedeutung von Vitamin K in der Osteoporose-Prävention und -Therapie stärker berücksichtigen und die Diskussion darüber aktiv führen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die mögliche Ergänzung von Vitamin K und eine angepasste Ernährung, um Ihre Knochengesundheit ganzheitlich zu unterstützen.
Referenzen:
2: Cochrane Database Syst Rev. 2006 Jul 19; (3):CD005074
8: Bolland MJ et al. BMJ 2010; 341:c3691
9: Bolland MJ et al. BMJ 2011; 342:d2040
10: Chung M et al. Ann Intern Med 2011; 155:827-38
11: Ikeda Y et al. J Nutr Sci Vitaminol 2006; 52:233-234
12: Ikeda Y et al. J Nutr Sci Vitaminol 2009; 55:165-171
13: Geleijnse JM et al. J Nutr 2004; 134:3100-3105
14: Cardiovasc Ther 2011; 29:163-176
15: Curr Drug Targets 2011; 12:864-870
20: Knapen MH et al. Arch Intern Med 2007; 167:1146-1153
22: European Food Safety Authority Journal 2009; 7(9):1228
23: European Food Safety Authority Journal 2009; 7(9):1227
