Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Kita: Ein Wegweiser für eine zukunftsfähige Gesellschaft

Kinder sind von Natur aus neugierig und begierig darauf, die Welt zu erkunden, ihren Platz in einer Gruppe zu finden und aktiv mitzugestalten. In den ersten Lebensjahren durchlaufen sie eine rasante Entwicklung in körperlicher, kognitiver, sozialer und emotionaler Hinsicht. In dieser prägenden Phase ist das Potenzial der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) besonders groß. Sie lernen grundlegende Werte und Fähigkeiten und erfahren, dass sie gestalten können und ihr Handeln Auswirkungen auf andere Menschen sowie ihre Umwelt hat. Dieses Bewusstsein bildet die Grundlage von BNE, deren Ziel es ist, Menschen zu verantwortungsvollem Denken und Handeln zu befähigen. Hierfür sind Schlüsselfähigkeiten wie Kooperation, Partizipation und Selbstorganisation unerlässlich, die als wesentliche Elemente einer modernen Kinderpädagogik gelten.

Die großen ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit, wie der Klimawandel, sind nicht von Kindern verursacht worden. Doch werden sie mit diesen Problemen nicht überfordert? Kinder wachsen in dieser Welt auf und müssen mit den Folgen der Fehler vergangener Generationen umgehen. Die heutige Kindergeneration wächst zu einer entscheidenden Generation heran, wenn es darum geht, ob der Umschwung hin zu einer nachhaltigeren Welt noch gelingt. Ihnen sollte die Möglichkeit gegeben werden, die großen Chancen zu entdecken, die in einer sich dynamisch entwickelnden und kulturell vielfältigeren Welt liegen, und welche Möglichkeiten der Mitgestaltung sich ihnen bieten. Durch ihre Fragen, Ideen und neuen Perspektiven treiben sie wiederum eine Transformation voran und motivieren zum Umdenken. Um eine qualitativ hochwertige Bildung für alle zu gewährleisten, ist die Integration von BNE unerlässlich und ein wichtiger Schritt zur Erreichung des sdg 4 hochwertige bildung.

Anwendung von BNE in der frühkindlichen Bildung

Schon in der frühen Kindheit ist eine altersgerechte Auseinandersetzung mit zukunftsrelevanten Themen möglich. Beispielsweise kann naturwissenschaftliche Bildung praxisnah vermittelt werden, was dem Entdeckergeist der meisten Kinder entgegenkommt. Projektarbeit fördert dabei Selbstorganisation, Gemeinschaftssinn sowie Aushandlungs- und Entscheidungsprozesse. Dies ist dem kindlichen Lernen in besonderer Weise angemessen und stärkt zugleich die kommunikative Kompetenz. Durch solche aktiven Lernansätze werden Lerngeschichten und Bildungsprozesse lebendig und greifbar für die Kinder. Es ist eine wertvolle Ergänzung zu theoretischen Ansätzen und unterstützt die Entwicklung wichtiger Kompetenzen.

BNE, Inklusion und Migration: Vielfalt als Bereicherung

Inklusive Bildung bedeutet, dass allen Menschen die gleichen Möglichkeiten offenstehen, an qualitativ hochwertiger Bildung teilzuhaben – unabhängig von besonderen Lernbedürfnissen, Geschlecht, sozialen oder ökonomischen Voraussetzungen. Bildung für nachhaltige Entwicklung fördert Inklusion in der frühkindlichen Bildung durch ihre Prinzipien der Partizipation, Situations- und Handlungsorientierung. Sie eignet sich besonders gut dafür, gemeinsam in heterogenen Gruppen zu erleben, wie Aufgaben konstruktiv gelöst werden können. Durch ihren globalen Horizont hat BNE zudem einen engen Bezug zu den Themen Migration und Diversität. Insbesondere in gemischten Gruppen, wie denen der frühkindlichen Bildung, besteht die Chance, die Vielfältigkeit von Menschen und Perspektiven als Normalität und Bereicherung kennenzulernen und zu schätzen. Die Rolle der Bildungsagenturen kann hierbei unterstützend wirken, indem sie entsprechende Materialien und Weiterbildungen bereitstellen.

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Herausforderungen in der frühkindlichen Bildung

Die umfassende Implementierung von BNE im frühkindlichen Bereich steht vor mehreren Herausforderungen, die ein koordiniertes Vorgehen aller Akteure erfordern.

Unterschiedliche Zuständigkeiten

In Deutschland gibt es keine allgemeine staatliche Zuständigkeit für diesen Bildungsbereich. Stattdessen zeichnet sich die frühkindliche Bildungslandschaft durch eine hohe Diversität an nicht-öffentlichen Trägern von Kindertagesstätten aus. Bund, Länder, Kommunen, Erzieherinnen und Erzieher, Träger und Eltern sind gleichermaßen gefragt, wenn es um die Weiterentwicklung und Implementierung frühkindlicher Bildung geht. Die dezentrale Struktur erfordert eine enge Zusammenarbeit, um einheitliche Standards und eine breite Verankerung von BNE zu gewährleisten. Historisch betrachtet hat sich die bildung in der ddr in ihrer Struktur und ihren Zielen stark von der heutigen föderalen Bildungslandschaft unterschieden, was die Komplexität der aktuellen Zuständigkeiten noch deutlicher macht.

Bildungspläne und ihre Integration

Die Implementierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Orientierungs- und Bildungspläne der Bundesländer ist noch nicht ausreichend erfolgt. Trotz Fortschritten in den vergangenen Jahren ist ein weiterer deutlicher Entwicklungsbedarf hin zu einer systematischen Integration als Leitprinzip der Elementarbildung festzustellen. Es gilt zu prüfen, an welchen Stellen Weiterentwicklungen notwendig sind und welche Empfehlungen anderen Ländern für die Aufnahme von BNE gegeben werden können. Zugleich müssen Strategien und Maßnahmen entwickelt werden, die eine verbindliche Umsetzung der Bildungspläne in die Kita-Praxis sicherstellen.

Aus- und Fortbildung der pädagogischen Fachkräfte

BNE muss den Weg in die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte finden und dort verankert werden. Hierbei geht es nicht nur um die Vermittlung von Faktenwissen, sondern vor allem auch um entsprechende Methoden und pädagogische Ansätze, die den Kindern einen ganzheitlichen Zugang zu Nachhaltigkeitsthemen ermöglichen. An Fach- und Hochschulen sollte BNE einerseits als ein eigenes Modul, andererseits als Querschnittsbereich eingeführt werden, der die gesamte Ausbildung bzw. das Studium durchzieht. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema während des Studiums sind mit Blick auf die spätere Vermittlung von BNE auch Praktika in den Kitas erforderlich. Im Bereich der Weiterbildung soll Wissen vermittelt und ein persönlicher Zugang zum Thema eröffnet werden, zum Beispiel orientiert an erfolgreichen Fortbildungs- und Qualifizierungskonzepten von Initiativen wie Leuchtpol oder der Stiftung Kinder forschen.

Der “Whole Institution Approach”

Bildung für nachhaltige Entwicklung sollte ein Gesamtansatz für die Institutionen der frühkindlichen Bildung sein. Dies bedeutet, dass die Art der Betriebsführung, die Auswahl von Lieferanten und die Gestaltung von Gebäude und Gelände unter Aspekten der nachhaltigen Entwicklung überprüft werden sollten. Dieser ganzheitliche Ansatz, auch “Whole Institution Approach” genannt, stellt sicher, dass Nachhaltigkeit nicht nur im pädagogischen Konzept, sondern im gesamten Kita-Alltag gelebt wird.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

Im Jahr 2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das als Folgeprogramm der Vereinten Nationen auf die UN-Dekade “Bildung für nachhaltige Entwicklung” (2005-2014) folgte. Dieses fünfjährige Programm (2015 bis 2019) zielte darauf ab, BNE vom Projekt in die Struktur zu überführen. Dabei konzentrierte es sich vor allem auf fünf Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend sowie die Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

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Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Nationale Plattform eingerichtet. Diese erarbeitete im Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan, welcher durch sogenannte Fachforen unterstützt wurde, die aus Expertinnen und Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen bestehen. Nach fünf erfolgreichen Jahren des UNESCO-Weltaktionsprogramms BNE startete die UNESCO 2020 ihr neues Programm “Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs” – kurz “ESD for 2030” – das auf den vorherigen Erfolgen aufbaut und die Bedeutung von BNE für die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) unterstreicht.

Das BNE-Forum Frühkindliche Bildung: Prioritäten und Strategien

Das BNE-Forum Frühkindliche Bildung ist ein zentraler Akteur in Deutschland, der prioritäre Handlungsfelder sowie konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien für den Bildungsbereich frühkindliche Bildung erarbeitet. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs- und Lernformate.

Priorisierte Handlungsfelder des BNE-Forums Frühkindliche Bildung (Stand: Juli 2016)

BNE verbindlich in den Bildungsplänen verankern

In den zurückliegenden Jahren haben einige Länder das Konzept von BNE bereits in unterschiedlicher Form in ihre Bildungspläne aufgenommen. Es ist entscheidend zu prüfen, an welchen Stellen Weiterentwicklungen notwendig sind und welche Empfehlungen anderen Ländern für die Aufnahme von BNE gegeben werden können. Zugleich gilt es, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, die eine verbindliche Umsetzung der Bildungspläne in die Kita-Praxis sicherstellen und somit die Kompetenzentwicklung der Fachkräfte fördern.

BNE als institutionellen Auftrag von Trägern etablieren

Kommunen und Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege haben die Notwendigkeit sowie den langfristigen Nutzen von BNE im Elementarbereich erkannt. Daher fördern sie die Entwicklung pädagogischer Konzepte, die auf BNE ausgelegt sind. Kita-Träger und deren Spitzenverbände benötigen Unterstützung, um BNE in den jeweiligen Leitbildern und Qualitätsmanagementkonzepten zu verankern und verbindlich umzusetzen.

BNE in die Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften integrieren

BNE soll an Fach- und Hochschulen einerseits als ein eigenes Modul, andererseits als Querschnittsbereich eingeführt werden, der die gesamte Ausbildung bzw. das Studium durchzieht. Neben der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema während des Studiums sind mit Blick auf die spätere Vermittlung von BNE auch Praktika in den Kitas erforderlich. Im Bereich der Weiterbildung soll Wissen vermittelt und ein persönlicher Zugang zum Thema eröffnet werden, zum Beispiel orientiert an erfolgreichen Fortbildungs- und Qualifizierungskonzepten von Initiativen wie Leuchtpol oder der Stiftung Kinder forschen.

BNE als Teil professionellen Handelns unterstützen

Auf ihrem Weg zu Lernorten nachhaltiger Entwicklung benötigen Kindertageseinrichtungen umfassende Unterstützung. Dazu zählen Instrumente zur Förderung eines umfassenden Verständnisses für Ziele und Inhalte von BNE und die Rolle des Leitungspersonals sowie der pädagogischen Fachkräfte im konkreten Alltag bei der Umsetzung des Bildungskonzeptes. Gleichzeitig bedarf es konkreter Unterstützungs- und Vernetzungsangebote zur Gestaltung eines nachhaltigen pädagogischen Alltags.

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Vernetzungsstrukturen zu informellen und formellen Bildungsorten aufbauen

Bei der Initiierung von Netzwerken für BNE kommt den Kommunen eine besondere Verantwortung zu, denn sie kennen die relevanten Akteure vor Ort. Die Kommunen sollen dabei helfen, diese miteinander in Kontakt zu bringen und eine themenbezogene Netzwerkarbeit zu institutionalisieren, um BNE im Arbeitsfeld der Kindertageseinrichtungen nachhaltig zu etablieren. Dies kann auch die Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten im Bereich der bildungs und lerngeschichten hausarbeit bilden.

Partnernetzwerke im Bereich frühkindliche Bildung

Die BNE-Foren arbeiten eng mit sogenannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und wichtige Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Diese Netzwerke stellen sich auf der BNE-Portal-Seite genauer vor und bieten Einblicke in ihre Mitgliederlisten und Grundpositionen.

Im Bereich frühkindliche Bildung sind folgende Partnernetzwerke aktiv: das Partnernetzwerk Frühkindliche Bildung und bildungsbereichsübergreifend die Partnernetzwerke Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Rückblick und Erfolge

Während der UN-Dekade wurden mehr als 60 Projekte aus dem Elementarbereich ausgezeichnet, was die zunehmende Implementierung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der frühkindlichen Bildung eindrucksvoll belegt.

Seit 2010 wurde BNE außerdem in diversen Bundesländern in den Bildungsplänen integriert, darunter Hamburg (2012), Berlin (2014), Thüringen (2010), Nordrhein-Westfalen (2010), Baden-Württemberg (2011), Rheinland-Pfalz (2012) und Sachsen-Anhalt (2013).

Die wichtigsten Erfolge bei der Integration einer umfassenden Nachhaltigkeitsperspektive in die Praxis der Elementarbildung wurden durch die Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, Stiftungen und Verbänden erzielt. So konnten etwa durch das Verfahren “KITA 21” Kindertagesstätten mit ausgewiesenem Nachhaltigkeitsprofil ausgezeichnet werden. Die Bildungsinitiative “Leuchtpol”, eine Kooperation zwischen der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung e.V. und dem Energiekonzern E.ON, hat ein umfangreiches bundesweites Weiterbildungsprogramm für Erzieherinnen und Erzieher umgesetzt, durch das zwischen 2009 und 2012 bereits 4.000 Fachkräfte qualifiziert wurden. Ebenso trug das Programm “leben gestalten lernen” des Landesverbandes für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) zur Qualifizierung von Erzieherinnen und Erziehern mit Blick auf BNE bei. Auch das Ökoprojekt MobilSpiel e.V. konnte durch seine Weiterbildungsangebote für Erzieherinnen und Erzieher die Professionalisierung von BNE im Vorschulbereich maßgeblich fördern. Diese Initiativen zeigen, wie zivilgesellschaftliches Engagement und Partnerschaften die Verbreitung und Verankerung von BNE im frühkindlichen Bereich vorantreiben.

Fazit: Die Weichen für eine nachhaltige Zukunft stellen

Bildung für nachhaltige Entwicklung im frühkindlichen Bereich ist nicht nur ein pädagogischer Ansatz, sondern eine Notwendigkeit für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Indem Kinder früh lernen, verantwortungsvoll zu denken und zu handeln, werden sie zu Akteuren des Wandels. Die Integration von BNE in die Kita erfordert jedoch die kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten: von der Politik über die Bildungsträger bis hin zu den pädagogischen Fachkräften und Eltern. Die bestehenden Herausforderungen, insbesondere bei der Verankerung in Bildungsplänen und der Qualifizierung von Personal, müssen aktiv angegangen werden. Erfolgreiche Programme und Partnernetzwerke zeigen jedoch, dass der Weg bereits eingeschlagen ist.

Lassen Sie uns gemeinsam diese Entwicklung weiter vorantreiben, um den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft die besten Voraussetzungen für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Zukunft zu bieten. Erkunden Sie die weiteren Informationen und Ressourcen auf dem BNE-Portal, um sich aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Bildung zu beteiligen.