Die Adventszeit in Deutschland ist untrennbar mit dem Duft von frisch gebackenem Gebäck und würzigen Aromen verbunden. Wenn draußen die Temperaturen fallen und die ersten Lichterketten die Städte schmücken, gibt es kaum etwas Schöneres, als in die Welt der Weihnachtsbäckerei einzutauchen. Ein absolutes Herzstück dieser Tradition ist der Weihnachtsstollen, ein Gebäck, das nicht nur den Gaumen verwöhnt, sondern auch Geschichten von Generationen und festlicher Vorfreude erzählt. Heute begeben wir uns auf eine ganz besondere aromatische Reise, indem wir einen klassischen Weihnachtsstollen mit der exotischen Note der Tonkabohne verfeinern. Wer das traditionelle Backen liebt und neue Geschmackserlebnisse sucht, wird von diesem Stollen Rezept begeistert sein.
Die Wiederentdeckung der Tonkabohne im Weihnachtsstollen
Die Tonkabohne, oft als “Königin der Gewürze” bezeichnet, erlebt derzeit ein fulminantes Comeback in deutschen Küchen. Ihr komplexes Aroma, das an Vanille, Mandel, Heu und ein Hauch von Rum erinnert, ist einzigartig und verleiht Gebäck eine unvergleichliche Tiefe. Obwohl sie im Geschmack intensiver und leicht bitterer als Vanille ist, harmoniert sie perfekt mit den reichen Zutaten eines Stollens und schafft eine wahre Gewürzexplosion. Neben Muskatblüte, Vanille und Kardamom ist die Tonkabohne das Geheimnis hinter einem unvergesslichen Stollen-Erlebnis.
Interessanterweise war die Tonkabohne in Deutschland in den 1980er Jahren aufgrund enthaltener Cumarin-Verbindungen, die in hohen Dosen als giftig gelten, verboten. Doch zum Glück hat sie ihren Weg zurückgefunden und wird heute von Spitzenköchen und Hobbybäckern gleichermaßen geschätzt. Die Dosis macht das Gift: In den geringen Mengen, die in Rezepten wie diesem verwendet werden, ist sie völlig unbedenklich und bereichert jedes Gebäck auf exquisite Weise. Ihr Einsatz ist zudem oft kostengünstiger als Vanille, da eine einzige Tonkabohne bis zu zehnmal verwendet werden kann, bevor ihr Aroma nachlässt. Ein echtes Schatzkästchen für die Vorratskammer!
Weihnachtsstollen, angeschnitten und mit Puderzucker bestäubt, als Teil eines Food-Adventskalenders
Eine Reise durch die Geschichte des Stollens
Die Geschichte des Stollens ist so alt und reichhaltig wie sein Geschmack. Seine Ursprünge reichen bis ins Mittelalter zurück, wo er zunächst ein bescheidenes Fastengebäck war – eine einfache Kombination aus Mehl, Wasser und Hefe, da Butter und Milch während der Fastenzeit verboten waren. Erst im Laufe der Jahrhunderte, insbesondere mit einem päpstlichen “Butterbrief”, der den Gebrauch von Butter erlaubte, entwickelte sich der Stollen zu dem opulenten Weihnachtsgebäck, das wir heute kennen und lieben.
Besondere Berühmtheit erlangte der Stollen in Sachsen, genauer gesagt in Dresden. Die Tradition des Dresdner Stollens ist legendär und wird seit Generationen gepflegt. Ein historisches Highlight ist das Jahr 1730, als König August der Starke einen beeindruckenden Riesenstollen von 1,7 Tonnen Gewicht für seine Soldaten backen ließ. Dies unterstreicht die tiefe Verwurzelung des Stollens in der sächsischen Kultur. Während die Rezepte aus dieser Zeit noch nicht ganz unserem modernen Verständnis entsprechen, waren sie doch ein wichtiger Schritt in der Evolution dieses ikonischen Gebäcks. Der Christstollen aus Dresden ist heute ein geschützter Begriff und steht für höchste Qualität und Tradition.
Ein ganzer, frisch gebackener Weihnachtsstollen auf einem Küchengitter
Dresdner Stollen: Mehr als nur ein Hefeteig
Ein echter Dresdner Stollen ist im Wesentlichen ein sehr reichhaltiger Hefeteig, der sich durch einen besonders hohen Butteranteil und die Verwendung von ausschließlich Rosinen auszeichnet. Andere kandierte Früchte, die in vielen Stollenrezepten zu finden sind, haben im traditionellen Dresdner Stollen keinen Platz. Diese puristische Zusammensetzung und die Großzügigkeit bei der Butter machen ihn unvergleichlich saftig und aromatisch.
Manche schrecken vor der Zubereitung eines Stollens zurück, da er als aufwendig gilt. Doch weit gefehlt! Die Zubereitung ist nicht schwieriger als die eines anderen Hefeteigs – sie erfordert lediglich etwas Geduld. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, der Hefe optimale Bedingungen zu bieten: eine warme, zugfreie Umgebung, in der sie in aller Ruhe aufgehen kann. Mit etwas Vorbereitung und der richtigen Behandlung wird Ihr selbstgebackener Stollen garantiert zum festlichen Highlight.
Die drei Teigstränge des Stollens vor dem Backen, übereinandergelegt
Das Rezept: Weihnachtsstollen mit Tonkabohne
Dieses Rezept ist eine leicht angepasste Version eines sächsischen Familienrezepts, das die Wärme der Tonkabohne perfekt zur Geltung bringt.
Serviert: 1 normaler Stollen oder zwei kleinere
Zubereitungszeit: 20min Vorbereitung + 1 ½ Std. gehen lassen + 1 Std. backen
Ingredients
- Am Vorabend
- 250gr Milch
- 1 Tonkabohne
- 300 gr Sultaninen
- 3 EL Rum
- Am Backtag
- 500 gr Mehl, Type 550
- 250 gr weiche Butter
- 90 gr weißer Zucker
- 1 Würfel Frischhefe (42 gr) oder zwei Packungen Trockenhefe a 7gr
- 2 TL Vanilleextrakt, siehe hier wie man es selbst herstellen kann
- 5 gr Macis (Muskatblüte)
- 3 gr Kardamom
- 50 gr gehackte Mandeln
- 1 halbe abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone
- 60 gr zerlassene Butter
- 25 gr weißer Zucker
- Puderzucker zum Bestäuben
Instructions
- Am Vorabend Milch mit der Tonkabohne aufkochen und zehn Minuten köcheln lassen. Über Nacht Tonkabohne in der Milch ziehen lassen. Am nächsten Tag Tonkabohne entfernen, mit Wasser abwaschen, trocknen lassen. Die Tonkabohne kann bis zu zehn Mal so verwendet werden. Die Rosinen über Nacht im Rum weichen lassen.
- Am Backtag Mehl, Butter und Zucker in eine große Schüssel geben und die Frischhefe darüberbröseln.
- Die Milch kurz erwärmen (sie soll nur lauwarm werden, man muss sie noch mit dem Finger berühren können) und über die Masse geben. Zunächst mit einer Küchenmaschine und dann mit den Händen mindestens fünf Minuten kneten.
- Dann alle weiteren Zutaten von Rosinen bis zur Zitronenschale hinzufügen und nochmal ca. fünf Minuten gut durchkneten.
- Mit einem Küchentuch abgedeckt ca. eine Stunde gehen lassen oder bis sich das Volumen verdoppelt hat.
- Den Teig nochmal kurz kneten und in drei Teile teilen. Zu Strängen formen. Zwei Stränge nebeneinander auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen, sie sollen sich berühren, den dritten obenauf legen. Nochmals abgedeckt zwanzig Minuten gehen lassen.
- Ofen auf 180 Grad vorheizen, einen Behälter mit Wasser auf den Ofenboden stellen und Stollen ca. eine Stunde backen. Je nach Größe evtl. etwas kürzer. Der Stollen geht noch gut auf und auch in die Breite.
- Noch heiß mit der zerlassenen Butter bestreichen und mit Zucker bestreuen. Diesen Schritt nicht weglassen, nur dadurch schmeckt der Stollen auch nach Wochen noch so saftig.
- Kurz vor dem Servieren dick von allen Seiten mit Puderzucker bestäuben.
Nahaufnahme des fluffigen Hefeteigs für den Weihnachtsstollen
Perfekter Genuss: Lagerung und Reifung des Stollens
Das Besondere am Stollen ist, dass er nicht sofort nach dem Backen seinen vollen Geschmack entfaltet, sondern über Wochen reift. Das bedeutet, Sie können ihn bereits lange vor den Feiertagen zubereiten und sich so jeglichen Weihnachtsstress ersparen. Für die perfekte Reifung ist die richtige Lagerung entscheidend: Direkt nach dem Backen sollte der heiße Stollen großzügig mit zerlassener Butter eingepinselt und anschließend mit Zucker bestreut werden. Dieser Schritt ist essenziell, denn er sorgt dafür, dass der Stollen auch nach Wochen noch wunderbar saftig bleibt.
Wickeln Sie den abgekühlten Stollen anschließend fest in Frischhaltefolie und dann in Alufolie ein und lagern Sie ihn an einem kühlen Ort. So verpackt, kann er über Wochen seinen einzigartigen Geschmack entwickeln. Einmal angeschnitten, hält er sich bei Zimmertemperatur noch etwa eine Woche, obwohl er selten so lange überlebt, bevor er restlos verputzt ist!
Fazit
Ein Weihnachtsstollen mit Tonkabohne ist weit mehr als nur ein einfaches Gebäck – er ist ein Stück deutscher Tradition, verfeinert mit einem Hauch von Exotik. Er verkörpert die Vorfreude auf Weihnachten, die Gemütlichkeit der Adventszeit und die Freude am Teilen besonderer Momente. Wagen Sie sich an dieses wunderbare Rezept und erleben Sie, wie die Tonkabohne Ihrem Weihnachtsstollen eine unvergleichliche Tiefe und ein unvergessliches Aroma verleiht. Genießen Sie die besinnliche Zeit und lassen Sie sich von diesem himmlischen Gebäck verzaubern. Frohes Backen und eine genussvolle Weihnachtszeit!
Ein großes Stück angeschnittener Weihnachtsstollen mit Rosinen und Puderzucker
