Aktuelle Einblicke in Forschung und Lehre der Erwachsenenbildung an der TU Chemnitz

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Die Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der Technischen Universität Chemnitz ist ein dynamisches Zentrum für Forschung, Lehre und Praxis in einem der wichtigsten Bildungsbereiche Deutschlands. Sie prägt die Landschaft der Erwachsenenbildung Chemnitz und darüber hinaus durch vielfältige Projekte, Kooperationen und innovative Lehransätze. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die jüngsten Aktivitäten, die die Fachwelt und Studierende gleichermaßen bereichern.

Internationale Kooperationen und wegweisende Forschung

Die Professur pflegt intensive internationale Beziehungen und treibt bedeutende Forschungsprojekte voran, die sich aktuellen Herausforderungen der Erwachsenenbildung widmen. Ein Höhepunkt war der Besuch einer Delegation spanischer Erwachsenenbildnerinnen im Januar 2026. Im Rahmen eines Erasmus+ Job-Shadowing-Aufenthalts, organisiert in Kooperation mit der Volkshochschule Chemnitz, tauschten sich die Fachkräfte aus dem kanarischen Bildungsministerium über die akademische Erwachsenenbildung in Deutschland aus. Dabei standen insbesondere die Professionalisierung des pädagogischen Personals, Praxisbezüge in der akademischen Ausbildung und die Forschungsprojekte NIBTEX und GruBiZSa im Fokus.

Besonderes Interesse galt dem aus ESF-Mitteln geförderten Forschungsbegleitprojekt GruBiZSa (“Wissenschaftliche Begleitung der regionalen Grundbildungszentren in Sachsen”), das im Januar 2025 startete. Die Projektkoordinatorin Anne Walther gewährte Einblicke in erste Evaluationsergebnisse und beantwortete Fragen zur regionalen Grundbildungslandschaft. Ziel des Projekts ist es, die sieben sächsischen Grundbildungszentren strategisch-konzeptionell zu begleiten, Steuerungswissen zu generieren und die Transferfähigkeit auf weitere Standorte zu untersuchen. Langfristig soll dies die Beteiligung an Grundbildungsangeboten in Sachsen erhöhen und deren Angebote flächendeckend verbreiten.

Parallel dazu läuft die im Januar 2026 gestartete Evaluationsstudie EvaALFA+, die die Akzeptanz und Wirksamkeit der Maßnahmen der Koordinierungsstelle für Alphabetisierung und Grundbildung ALFAplus dokumentiert. Die erste dreijährige Projektphase von ALFAplus, getragen vom Sächsischen Volkshochschulverband (SVV), endete im Dezember 2025.

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Ein weiteres zukunftsweisendes BMBF-/ESF Plus-Forschungsprojekt ist “Nachhaltigkeit in der beruflichen Aus- und Weiterbildung” (NIBTEX). Es untersucht, wie Ausbildungspersonal in Textilbetrieben befähigt werden kann, nachhaltigkeitsbezogene Kompetenzen zu vermitteln. Diese Projekte unterstreichen das Engagement der Professur, relevante und gesellschaftlich wichtige Themen in der Erwachsenenbildung wissenschaftlich zu begleiten und voranzutreiben.

Digitalisierung und tiefe Praxiseinblicke in der Weiterbildung

Die digitale Transformation ist ein zentrales Thema in der Weiterbildung. Mathias Repka, Fachreferent für digitale Transformation beim Sächsischen Volkshochschulverband, war bereits mehrfach als Gastredner an der TU Chemnitz. In seinen Vorträgen im Rahmen der Vorlesung „Einführung in die Erwachsenenbildung und Weiterbildung“ (Prof. Erik Haberzeth) beleuchtete er Chancen, Herausforderungen und Lösungsansätze für Volkshochschulen im digitalen Wandel. Er gab Einblicke in strategisches und operatives Handeln von Volkshochschulen in Sachsen und dem gesamten Bundesgebiet. Diese Vorträge sind für alle Studierenden der Erziehungswissenschaft und Pädagogik von großem Wert.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Verknüpfung von Theorie und Praxis. 22 Pädagogik-Studierende der TU Chemnitz erhielten im Dezember durch Chemnitzer Bildungsanbieter vertiefte Einblicke in die Planung von Bildungsangeboten. Vertreter des different people e.V., des Regionalen Grundbildungszentrums Erzgebirgskreis und der STFI-Akademie des Sächsischen Textilforschungsinstituts tauschten sich mit den Studierenden über Zielgruppenansprache, praxiserprobte Formate und den bewussten Methodeneinsatz aus. Die interaktive World-Café-Methode ermöglichte intensive Diskussionen über Finanzierung und pädagogische Herausforderungen. Besonders betont wurde das Prinzip der Teilnehmendenorientierung, das entscheidend für den Erfolg von Bildungsangeboten ist. Der regelmäßige Austausch mit Praxispartnern ist fester Bestandteil des Lehrkonzepts und fördert die theoretische und praktische Bildung der Studierenden.

Volkshochschulen als Säulen der demokratischen Stabilität

Volkshochschulen spielen eine entscheidende Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Stabilität in Deutschland. Jürgen Küfner, Direktor der VHS Dresden, hat dies in mehreren Gastvorträgen an der TU Chemnitz verdeutlicht. Er sprach über die Bedeutung von Erwachsenenbildungseinrichtungen als wichtige Infrastrukturleistungen, die zu demokratischer Stabilität und wirtschaftlicher Wohlfahrt beitragen.

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Diese Bedeutung spiegelt sich auch in der intensivierten Zusammenarbeit zwischen der TU Chemnitz und dem Sächsischen Volkshochschulverband wider. Am 16. Dezember 2024 unterzeichneten Dr. Ralph Egler, Vorsitzender des SVV, und die Professoren Erik Haberzeth (Erwachsenenbildung und Weiterbildung) sowie Volker Bank (Berufs- und Wirtschaftspädagogik) eine Kooperationsvereinbarung im Beisein von Rektor Prof. Dr. Gerd Strohmeier. Diese Vereinbarung stärkt das gemeinsame Engagement für die Erwachsenenbildung in Sachsen.

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Akademische Entwicklung und relevante Veröffentlichungen

Die Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung ist nicht nur durch Forschungsprojekte und Kooperationen aktiv, sondern auch durch die akademische Entwicklung ihrer Lehrstuhlinhaber und durch hochwertige Publikationen. Am 06. Februar 2025 fanden die Antrittsvorlesungen von Prof. Dr. Ulrike Deppe (Allgemeine Erziehungswissenschaft) und Prof. Dr. Erik Haberzeth statt. Prof. Haberzeth sprach über “Programmplanung in der Weiterbildung. Komplexität einer pädagogischen Handlungsform und aktuelle Befunde”, während Prof. Deppe die “Potenziale einer kritisch-reflexiven und rekonstruktiven Allgemeinen Erziehungswissenschaft” beleuchtete.

Plakat Antrittsvorlesungen Prof. Deppe und Prof. HaberzethPlakat Antrittsvorlesungen Prof. Deppe und Prof. Haberzeth

Des Weiteren ist die Professur in Fachpublikationen präsent: Die schweizerische Fachzeitschrift „Education Permanente“ (EP) widmete eine neue Ausgabe dem Thema „Expansives Lernen“, zu der Anne Walther (“Lernprozesse in Ernährungsbiographien Erwachsener”) und Erik Haberzeth (“Expansives Lernen und subjektbezogene Lerntheorie”) Beiträge lieferten.

Ein besonderes Highlight im Master-Studiengang Pädagogik sind die Forschungsseminare. Hier arbeiten Studierende in Gruppen an realen Forschungsaufgaben, die sich auf aktuelle Herausforderungen der Weiterbildungspraxis beziehen. Partner wie die VHS Zwickau und der Sächsische Volkshochschulverband ermöglichen praxisnahe Projekte, beispielsweise zur Bildungsbedarfsermittlung oder zur Evaluation von Koordinierungsstellen für Grundbildung und Alphabetisierung. Die Studierenden entwickeln dabei eigenständig Fragestellungen und methodische Vorgehen für Datenerhebung und -auswertung.

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In Bezug auf die Lehrveranstaltungen des Studienschwerpunkts Erwachsenenbildung und Weiterbildung (BA Pädagogik) gibt es Änderungen: Das Seminar „Lernen Erwachsener in differenten Kontexten“ (VM-EWB) wurde vom Wintersemester 2024/2025 auf das Sommersemester 2025 verschoben und wird danach erst wieder im Sommersemester 2025 angeboten. Studierenden im 4. Semester wird empfohlen, das Seminar im aktuellen Sommersemester 2025 zu besuchen.

Fazit und Ausblick

Die Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung an der TU Chemnitz bleibt ein Motor für Innovation und Qualität in der Bildungslandschaft. Durch ihre vielfältigen nationalen und internationalen Projekte, ihre engagierte Lehre mit starkem Praxisbezug und ihre wissenschaftlichen Beiträge leistet sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Weiterentwicklung der Erwachsenenbildung. Sie stellt sich den Herausforderungen der Digitalisierung und der gesellschaftlichen Veränderungen und bildet zukünftige Fachkräfte aus, die in der Lage sind, die Bildung von Erwachsenen nachhaltig zu gestalten. Die fortlaufende Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis sichert dabei stets eine hohe Relevanz und Wirkung ihrer Arbeit. Für Interessierte und Studierende bietet die Professur weiterhin zahlreiche Möglichkeiten zur Beteiligung und Vertiefung ihres Fachwissens in diesem dynamischen Feld.