Die Gestaltung von Institutionen in Wirtschaft, Recht und Politik ist eine komplexe Aufgabe, die ein tiefes Verständnis menschlichen Verhaltens und der zugrunde liegenden Entscheidungsprozesse erfordert. Das WISO-Forschungslabor hat es sich zur Aufgabe gemacht, durch innovative Forschungsansätze und experimentelle Studien einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung und Unterstützung dieser institutionellen Gestaltung zu leisten. Traditionell werden viele dieser Studien in der Regel mit z-Tree-Codes programmiert, einer bewährten Software zur Entwicklung und Durchführung ökonomischer Experimente. Doch trotz der Effektivität dieser Experimente steht die experimentelle Wirtschaftsforschung vor einer zentralen Herausforderung: die kognitiven Prozesse, die der Entscheidungsfindung zugrunde liegen, umfassend zu erklären und zu verstehen.
Die Herausforderung: Kognitive Prozesse sichtbar machen
Wirtschaftliche Experimente sind ein mächtiges Werkzeug, um menschliches Verhalten in kontrollierten Umgebungen zu untersuchen. Sie ermöglichen es Forschenden, Theorien zu testen und die Auswirkungen verschiedener Anreizstrukturen oder Regelsätze zu analysieren. Allerdings liefern traditionelle Methoden oft nur Daten über die Ergebnisse von Entscheidungen, nicht aber über den Weg, der zu diesen Entscheidungen führt. Das bloße Beobachten einer Wahlentscheidung oder einer strategischen Interaktion lässt viele Fragen offen: Worauf konzentrierte sich die Versuchsperson? Welche Informationen wurden priorisiert? Wie lange wurde über bestimmte Optionen nachgedacht? Selbstberichte der Teilnehmenden können subjektiv und unvollständig sein und spiegeln nicht immer die tatsächlichen kognitiven Abläufe wider. Um ein vollständigeres Bild zu erhalten, war das WISO-Forschungslabor bestrebt, eine Methode zu integrieren, die objektive Einblicke in die kognitiven Prozesse während der Entscheidungsfindung liefert und somit die Lücke zwischen beobachtbarem Verhalten und mentalen Vorgängen schließt.
Die Lösung: Integration von Eye-Tracking-Technologie
In diesem Bestreben ist das WISO-Forschungslabor eine strategische Partnerschaft mit Tobii eingegangen, einem führenden Anbieter im Bereich der Eye-Tracking-Technologie. Durch die Einbindung dieser fortschrittlichen Technologie in ihr Forschungsinstrumentarium konnte das Labor die Aufmerksamkeitsmessung des Eye-Trackings nahtlos in klassische ökonomische Experimente integrieren. Eye-Tracking ermöglicht es Forschenden, die Blickbewegungen von Probanden zu erfassen – wohin sie schauen, wie lange sie einen Punkt fixieren und wie ihre Augen über den Bildschirm wandern. Diese Daten sind objektive Indikatoren für visuelle Aufmerksamkeit, Informationsaufnahme und kognitive Anstrengung und bieten somit einzigartige Einblicke in die Denkprozesse, die den wirtschaftlichen Entscheidungen zugrunde liegen. Das Erfassen dieser subtilen, aber entscheidenden Details erlaubt eine wesentlich präzisere Analyse des Entscheidungsverhaltens und liefert eine neue Dimension von Daten für die Forschung.
Detailreiche Methodik und technische Integration
Die Integration von Eye-Tracking in die experimentelle Wirtschaftsforschung des WISO-Forschungslabors ist durch eine Reihe ausgeklügelter technischer Lösungen gekennzeichnet. Eines der Hauptmerkmale ist die nahtlose Verbindung der Aufmerksamkeitsmessung des Eye-Trackings mit den klassischen ökonomischen Experimenten, die in z-Tree implementiert sind. Die Validierung der Kalibrierungsergebnisse, die für die Genauigkeit der Eye-Tracking-Daten entscheidend ist, erfolgt durch spezielle Klick-Bildschirm-Tests, die direkt in die experimentellen Spiele integriert sind. Dies gewährleistet, dass die Kalibrierung während des Experiments fortlaufend überprüft und bei Bedarf angepasst wird, was die Datenqualität erheblich verbessert.
Die experimentellen Daten werden in einer Kombination aus Eye-Tracking- und z-Tree-Daten bereitgestellt. Diese können in allen gängigen Statistikprogrammen sowie in Tobii Pro Studio statistisch analysiert werden. Eine zentrale Innovation ist hierbei die spezielle Software „zt-client“, die im WISO-Forschungslabor entwickelt wurde. Sie ermöglicht eine Konvertierung der z-Tree-„Struktur“ – also der verschiedenen Phasen oder „Stages“ eines Experiments – in die „Szenenstruktur“ von Tobii Pro Studio. Diese Synchronisation ist von entscheidender Bedeutung, da sie es den Forschenden erlaubt, Eye-Tracking-Ergebnisse automatisch anhand der z-Tree-Phasen im Pro Studio zu segmentieren und zu analysieren. So kann genau nachvollzogen werden, worauf die Probanden in spezifischen Entscheidungsmomenten oder während bestimmter Aufgabenbereiche ihre Aufmerksamkeit richteten.
Darüber hinaus ermöglicht eine zentrale Steuerungssoftware namens „Hawkeye“ die Fernsteuerung des Eye-Tracking-Prozesses an allen 30 Probandenarbeitsplätzen gleichzeitig. Diese Fähigkeit zur gleichzeitigen Steuerung und Überwachung ist essenziell für die Durchführung groß angelegter Studien mit einer hohen Anzahl von Teilnehmenden, da sie eine effiziente Datenaufnahme gewährleistet und den administrativen Aufwand minimiert. Die Kombination dieser Technologien schafft eine robuste und skalierbare Plattform für die Erforschung kognitiver Prozesse in der Wirtschaft.
Fazit: Wegweisende Einblicke in die Entscheidungsfindung
Das WISO-Forschungslabor bietet mit seiner innovativen Integration von Eye-Tracking- und z-Tree-Ergebnissen einen wegweisenden Ansatz zur Erforschung menschlicher Entscheidungsfindung. Die Bereitstellung der Daten im Tobii-Format ermöglicht nicht nur eine schnellere Visualisierung der Ergebnisse, sondern auch den Export von Rohdaten für detailliertere Analysen in spezialisierten Statistiksoftwarepaketen. Durch die Marker, die aus der Bühnen-Szenen-Konvertierung resultieren, können Eye-Tracking-Ergebnisse automatisch nach z-Tree-Phasen im Pro Studio zugeschnitten werden. Dies vereinfacht die Datenaufbereitung erheblich und steigert die Effizienz der Analyse.
Die Forschungsarbeiten des WISO-Forschungslabors tragen maßgeblich dazu bei, ein tieferes Verständnis der kognitiven Mechanismen zu entwickeln, die ökonomischen Entscheidungen zugrunde liegen. Diese neuen Einblicke sind von unschätzbarem Wert für die Gestaltung effektiverer Institutionen in Wirtschaft, Recht und Politik, da sie eine fundiertere Basis für die Entwicklung von Anreizsystemen und Regulierungen bieten, die besser auf menschliche Verhaltensmuster abgestimmt sind. Zukünftige Forschungen werden auf diesen Grundlagen aufbauen und das Potenzial haben, die Schnittstelle zwischen Verhaltensökonomie und kognitiver Neurowissenschaft weiter zu beleuchten.
