Frauen-WM 2023: ARD und ZDF ziehen trotz frühem DFB-Aus eine positive Bilanz

Die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen in Australien und Neuseeland war für die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF ein voller Erfolg. Trotz des unerwartet frühen Ausscheidens der deutschen Nationalmannschaft ziehen beide Anstalten eine höchst positive Bilanz hinsichtlich der Einschaltquoten und der Nutzung ihrer digitalen Angebote. Dieser Erfolg unterstreicht das wachsende Interesse am Frauenfußball in Deutschland.

Überraschender Erfolg trotz frühem DFB-Aus

Yorck Polus, Leiter der ZDF-Hauptredaktion Sport, äußerte sich sehr zufrieden: „Wir sind hochzufrieden damit, wie unsere Angebote zur Fifa-Frauen-WM genutzt werden.“ Das ZDF erreichte mit seinen 23 Spielübertragungen bis einschließlich der Viertelfinal-Spiele einen durchschnittlichen Marktanteil von beeindruckenden 28,5 Prozent. Auch die Livestreams auf „sportstudio.de“ waren mit insgesamt gut fünf Millionen Aufrufen äußerst erfolgreich, ebenso wie die YouTube-Videos, die knapp elf Millionen Aufrufe verzeichneten.

Besonders bemerkenswert ist das ungebrochene Interesse des Publikums, selbst nachdem die deutsche Mannschaft unter Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg bereits in der Vorrunde ausscheiden musste. Polus hob hervor, dass die beiden im ZDF ausgestrahlten Viertelfinalbegegnungen ohne deutsche Beteiligung durchschnittlich sogar 32,3 Prozent Marktanteil erreichten. „Das Interesse an den Spielen ist kontinuierlich gestiegen“, so Polus.

Beeindruckende Quoten bis zum Finale

Die Halbfinalspiele bestätigten diesen Trend eindrucksvoll. Das erste Halbfinale zwischen Spanien und Schweden bescherte dem ZDF einen Marktanteil von 34,6 Prozent. Das zweite Halbfinale zwischen Australien und England erzielte im Ersten mit knapp drei Millionen Zuschauern sogar noch rund 700.000 mehr, was einem Marktanteil von 35,5 Prozent entsprach. Den Höhepunkt bildete das WM-Finale am Sonntagmittag, das 5,38 Millionen Zuschauer verfolgten und mit 41,8 Prozent Marktanteil die Tages-Spitze erreichte.

Weiterlesen >>  Axel Tischer alias Alexander Wolfe im Exklusiv-Interview: Von WWE-Höhen und dem Traum von WrestleMania

Es ist jedoch wichtig, diese eindrucksvollen Zahlen in Relation zu den Sendezeiten zu sehen. Das erste Halbfinalspiel fand nach deutscher Zeit morgens um 10 Uhr statt und erreichte in absoluten Zahlen „nur“ 2,21 Millionen Zuschauer. Für ähnlich hohe Marktanteile am Abend wären einige Millionen mehr nötig. Andererseits hätten die drei Gruppenspiele der deutschen Frauen ohne Zeitverschiebung höchstwahrscheinlich noch viel mehr Menschen erreicht. Das 6:0 zum Auftakt gegen Marokko hatte rund 5,6 Millionen Zuschauer (60,4 Prozent Marktanteil), die Niederlage gegen Kolumbien an einem Sonntagvormittag 10,4 Millionen (61,6 Prozent). Beim letzten Spiel gegen Südkorea schauten etwas mehr als acht Millionen Menschen zu (63,5 Prozent).

Auch in der für öffentlich-rechtliche Angebote oft als schwierig geltenden Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen erzielten Das Erste und das ZDF beeindruckende Marktanteile. Entsprechend zufrieden zeigte sich auch ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Wir haben viele spannende, schöne, emotionale und sehr überraschende Momente und Bilder aus Australien und Neuseeland gesehen.“ Er dankte dem ARD-Team, das „nach einer extrem kurzen Vorbereitungszeit so attraktive und abwechslungsreiche Übertragungen auf die Beine gestellt hat“. Wer die spannenden Duelle oder andere bedeutende sportevents heute verfolgen möchte, findet bei den öffentlich-rechtlichen Sendern oft umfassende Berichterstattung.

Qualität auf dem Rasen und am Mikrofon

Erstmals nahmen 32 Länder an einer Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft teil, was im Vorfeld Befürchtungen aufkommen ließ, das Turnierniveau könnte gerade während der Gruppenphase überschaubar sein. Doch diese Sorgen erwiesen sich als unbegründet. Viele der vermeintlich kleineren Teams wuchsen über sich hinaus, und zahlreiche Spiele boten Fußball auf hohem taktischem und technischem Niveau, gepaart mit viel Spannung und Dramatik.

Weiterlesen >>  Entdecke Deutschland: Ein Leitfaden für unvergessliche Erlebnisse

Die Berichterstattung wurde auch durch die Expertise am Mikrofon bereichert. Während die ehemalige Nationalspielerin Nia Künzer bei ihrem letzten Turnier als ARD-Expertin gewohnt sachlich und unaufgeregt analysierte, ließ sich Kathrin Lehmann vom Enthusiasmus anstecken und hechtete durch das ZDF-Studio, um eine Strafraumszene nachzustellen. Die ehemalige Schweizer Torhüterin war bereits bei der Frauen-Europameisterschaft im Vorjahr als Expertin eine Entdeckung.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Die Einigung über die Übertragungsrechte kam erst kurz vor Turnierbeginn zustande, da ARD und ZDF den vom Weltfußballverband geforderten Preis als zu hoch empfunden hatten. Dies stellte das Produktionsteam vor besondere Herausforderungen.

Einziger Wermutstropfen war das sogenannte Weltbild vom Weltfußballverband FIFA, das den guten Gesamteindruck trübte. Technische Feinheiten wurden zwar gerne in Superzeitlupe wiederholt, doch Tritte und Schläge, mitunter auch fernab vom Spielgeschehen, wurden regelmäßig ausgeblendet. Wie bereits bei der Männer-WM in Katar wollte der Weltfußballverband das „schöne Spiel“ nicht durch unschöne Bilder beschädigen. Ein größeres Ärgernis, das ebenfalls schon 2022 zu beobachten war, war die Bildregie, die regelmäßig auch dann noch Zeitlupenstudien zeigte, wenn der Ball längst wieder im Spiel war.

Fazit: Ein Erfolg mit Perspektive

Die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2023 war für ARD und ZDF trotz aller Herausforderungen und dem frühen Ausscheiden der deutschen Mannschaft ein voller Erfolg. Die beeindruckenden Einschaltquoten und die hohe Akzeptanz der digitalen Angebote belegen das steigende öffentliche Interesse am Frauenfußball in Deutschland. Dies legt eine solide Grundlage für die weitere Entwicklung und Popularisierung des Sports. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Aufschwung genutzt wird, um den Frauenfußball in Deutschland nachhaltig zu stärken und ihm die verdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Weiterlesen >>  Eintracht Frankfurt Champions League Analyse: Ein hart erkämpftes Remis gegen Tottenham