Stanz (Schladming-Dachstein) – Die Herren-Nationalmannschaft startet heute Vormittag in die Vorrunde mit einem klaren Ziel: Die prestigeträchtige Medaille im Eisstocksport soll nach 2020 wieder nach Österreich geholt werden. Die Spannung steigt, und die Daumen sind gedrückt für Julia Omelko, Petra Grube und Sarah Speckhard in der Qualifikation im Ziel-Einzelwettbewerb, die heute ab 14:30 Uhr beginnt. Nur die besten 16 Damen qualifizieren sich für das Finale am Samstag, das erstmals im neu eingeführten Head-to-Head K.o.-Modus ausgetragen wird.
Die ersten Medaillenentscheidungen fallen bereits am Donnerstag ab 16 Uhr in Stanz bei den Teambewerben im Weitschießen, die gleichzeitig als Qualifikation für die Einzelfinale am Samstag gelten. Schon vor einer Woche bebte Stanz bei den spektakulären Weitenbewerben im Rahmen der Jugend-Europa- und Weltmeisterschaften. Österreichs vielversprechende Nachwuchs-Weitschützen, Peter Neubauer und Titelverteidigerin Lisa-Marie Stampfl, sind nun bereit für die nächste große Party.
Herrenmannschaft glänzt mit großen Namen und Routine
Bei der letzten Weltmeisterschaft in Ritten (Italien) sammelte die österreichische Mannschaft beeindruckende zwölf Medaillen, davon drei aus Gold. Vor zwei Jahren war Deutschland der große Abräumer mit sieben Goldmedaillen. Besonders bitter war damals die Niederlage gegen Deutschland im Mannschaftsfinale. Dieses Jahr tritt das österreichische Herrenteam mit einer Mischung aus großen Namen und viel Routine an. Vier der fünf Spieler – Patrick Solböck, Christian Hobl, Matthias Taxacher und Heimo Ofner – können bereits auf den Gewinn von Mannschafts-WM-Gold in ihrer Sammlung verweisen. Einzig dem Kärntner Günther Stranig, der mit seinen 57 Jahren nochmals zu WM-Ehren kommt, fehlt die goldene Trophäe noch, nachdem er 2004 und 2008 Silber und Bronze gewann.
Neuer Modus im Zielwettbewerb: Ziel-Finale erstmals im Head-to-Head K.o.-Modus
Bei den diesjährigen Weltmeisterschaften kommt im Zielwettbewerb erstmals bei einem internationalen Großereignis der Head-to-Head-Modus zum Einsatz. Dieser Modus wurde von EM-Bronzemedaillengewinner Kevin Kronewetter in Zusammenarbeit mit der mehrfachen Weltmeisterin Simone Steiner entwickelt. Die Vorrunde wird noch im klassischen Rundensystem gespielt, doch die besten 16 Spielerinnen und Spieler qualifizieren sich für das Head-to-Head-Finale. Die Paarungen für das Achtelfinale ergeben sich aus den Platzierungen der Vorrunde (1 gegen 16, 2 gegen 15 etc.). Im K.o.-Modus treten zwei Athleten direkt auf einer Bahn gegeneinander an. Wer zuerst sieben Spielpunkte erreicht, gewinnt das Duell und steigt in die nächste Runde auf.
Bundestrainer Bernd Zambo träumt vom “Amstetten-Revival”
Bundestrainer Bernd Zambo äußerte sich optimistisch: „Wir haben in den letzten Monaten zig-Mal in Kapfenberg trainiert, sämtliche Meisterschaften dort ausgetragen und jedes Wochenende dem Eisstocksport geopfert. Unsere Sportler sind alles Amateure, die einen Full-Time Job haben. Die Erwartungen im Mannschaftsspiel sind traditionell hoch. Patrick Solböck hat als Doppelstarter sowohl im Zielwettbewerb als auch mit der Mannschaft alle Chancen. Beim Damenteam, welches wir verjüngt haben, wird man sehen, ob sie dem Druck standhalten können. Zu schlagen gilt es Italien, die amtierender Europa- und Weltmeister sind. Spielerisch haben sie das Zeug zu Gold. In den Zielwettbewerben ist alles möglich. Wir haben den neuen Modus mehrmals im Rahmen des Nationalkadercups trainiert. Unsere Herren haben mit hervorragenden Rundenergebnissen in den letzten Wochen gezeigt, dass sie mit Thurner, Zellermayer & Co mithalten können. Julia Omelko ist bei den Damen zu einer Führungsspielerin gereift. Ich hoffe, dass wir den Team-Mixed-Bewerb wieder gewinnen können. Da sind wir bisher seit der Einführung ungeschlagen.“
Stanz: Party-Hotspot der Kraftlackel
Publikumsmagnet und Party-Hotspot bei der Jugend- und Junioren-EM/WM waren die Weitenwettbewerbe in Stanz – dem zweiten Schauplatz der Titelkämpfe. Bereits 2013 war die Gemeinde Stanz im Mürztal Austragungsort einer Europameisterschaft im Weitenwettbewerb. Damals noch auf Natureis, fügte der Deutsche Peter Rottmoser dem österreichischen Favoriten Bernhard Patschg eine bittere Niederlage zu. Mit Rottmoser und dem Österreicher Markus Bischof (42), der damals Platz 9 belegte, wollen zwei “Weitensport-Oldies” noch einmal ihr Glück bei einer WM versuchen. Deutschland gilt mit Europameister Michael Späth als Favorit. Österreichs Hoffnungen liegen bei den Herren auf Peter Neubauer. Der 22-jährige Steirer konnte mit Bronze und Silber bei den letzten Großereignissen trotz seines jungen Alters schon gehörig vorne mitmischen.
Die Damen wurden erst 2018 ins internationale Programm aufgenommen. Nina Schwarzl, Schwester von Peter Neubauer, holte sich 2020 bei der WM in Regen das erste Einzelgold in der Geschichte des Damen-Weitensports. Mit Platz vier beim Österreich-Cup schaffte sie erneut die WM-Qualifikation. Lisa-Marie Stampfl, die 1,86 m große Hüne aus Fürstenfeld, geht als Titelverteidigerin an den Start. Evelyn Perhab, Doppel-Europameisterin, möchte endlich auch bei einer WM eine Goldmedaille. Die großen Favoritinnen kommen aus dem deutschen Team rund um Europameisterin Kathleen Neumayer und der EM-Silbernen Annalena Leitner. Erstmals bei einer WM wird auch ein Teammixed-Bewerb ausgetragen.
